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Péter Franke wurde 1941 im damals niederschlesischen Breslau
(heute Wroclaw, Polen) geboren, wuchs später im Rheinland auf.
Ursprünglich wollte der Mann mit der schönen Bariton-Stimme
Opernsänger werden und ließ sich ab 1964 zwei Jahre lang an der renommierten Folkwang-Schule
in Essen dementsprechend ausbilden, mit dem Ziel, irgendwann mit
seiner Traumrolle, dem " Papageno" in Mozarts "Zauberflöte",
auf der Bühne zu stehen. Erst Jahrzehnte später verwirklichte er
diesen Traum 2001 debütierte er am Opernhaus Lübeck mit
dieser Rolle. Doch zunächst hatte er dem Sprechtheater den Vorzug
gegeben, 1969 erhielt er am Düsseldorfer Schauspielhaus ein erstes Engagement. Drei Jahre
lang blieb er dem Haus verbunden, 1972 wechselte Franke nach Köln,
folgte dann 1974 einem Ruf an das Schauspiel Frankfurt/M., wo er bis 1978 viele große Rollen
vornehmlich in Stücken der Moderne interpretierte. So glänzte er dort
beispielsweise in einer Inszenierung von Luc Bondy mit der Titelrolle
in der Uraufführung von Horst Laubes' "Der Dauerklavierspieler"
oder gab den "Arlequin" in der Rokoko-Komödie "Die Unbeständigkeit der
Liebe" von Pierre Carlet de Marivaux, ebenfalls von Luc Bondy
in Szene gesetzt. Weitere Stationen von
Frankes Theaterkarriere wurden das Theater in Bremen (1978 1980),
das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg (1980 1985), das
Berliner Schillertheater (1985 1988) und das Hamburger Thalia
Theater (1988 1994); danach band er sich nicht mehr fest an ein Haus
und arbeitet als freischaffender Schauspieler.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
Seit Ende der 90er Jahre erlebt man den Schauspieler unter anderem in
Hamburg an den Kammerspiele und am St. Pauli Theater, er tritt bei den
Ruhrfestspielen in Recklinghausen auf und ist ein ständiger Gast beim
Berliner Theatertreffen. Frankes Liebe gilt jedoch neben den großen Bühnen
auch den Kneipen- und Kellertheatern, wo er seinem Publikum ganz nah sein
kann. An den Hamburger Kammerspielen begeisterte er schon im
Januar 2002 bei der Uraufführung der Gebrüder-Wolf-Story "Die
Jungs mit dem Tüdelband" neben seinem Kollegen Gerhard Garbers
das Publikum. Das Stück, welches auch in verschiedenen anderen Städten
gezeigt wurde, handelt von den jüdischen Gesangshumoristen und Revuestars,
den Gebrüdern Wolf, die in Hamburg ab Anfang der 1910er Jahre als
Musiker bekannt wurden, bis zur Machtergreifung der Nazis ein Operettenhaus
an der Reeperbahn sowie zwei weitere Theater betrieben und vor allem mit der
Revue "Rund um die Alster" Furore machten. Als "Fietje"
und "Thetje" sangen die beiden Künstler Gassenhauer der Gebrüder
Wolf, natürlich das "Tüdelband" "Mariechen mein
Viehchen" oder "Snuten und Poten", welches sich auf ein
einstiges Hamburger Traditionsgericht aus Schweinepfoten und Schnauzen mit
Sauerkraut bezieht. "Die Jungs mit dem Tüdelband" wurde auch am
Hamburger "St. Pauli Theater" erfolgreich aufgeführt, dort
war Franke auch – erneut mit Gerhard Garbers – in
"Auf der Reeperbahn – die St. Pauli Revue" zu
sehen, sowie neben Ulrich Tukur und Eva Mattes in Brechts
"Die Dreigroschenoper" als "Tiger Brown".
Erste Erfahrungen vor der Kamera hatte Franke mit einer kleinen Rolle in Volker Schlöndorffs
Heinrich Böll-Adaption "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975) gemacht,
mit den Jahren wurden die Aufgaben größer und Franke
avancierte vor allem durch das Fernsehen zu einem populären Schauspieler,
ist inzwischen vom Bildschirm nicht mehr wegzudenken. Auf der Leinwand
spielte er seine erste Hauptrolle in Uwe Schraders Satire "Kanakerbraut" (1984)
neben Brigitte Janner und Gerhard Olschewski, feierte einen großen Erfolg
mit der Figur des wortkargen Vaters Seff in Joseph Vilsmaiers Drama "Schlafes
Bruder"1) (1995).
Rechts: Peter Franke, Brigitte Janner und Uwe Schrader
Das Foto entstand am 16. Januar 1984 nach der Pressevorführung zum Film "Kanakerbraut".
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Peter Lichtefeld besetzte ihn in seinem
preisgekrönten Road-Movie "Zugvögel
Einmal nach Inari"1) (1998),
in nachhaltiger Erinnerung bleibt Franke wohl als legendärer Bundestrainer Sepp Herberger
in "Das Wunder von Bern"1) (2003), Sönke Wortmanns
Kinoerfolg über die Fußball-Weltmeisterschaft 1954. Als Sepp Herberger überzeugt er auf der
ganzen Linie, fast scheint es, als spiele ein Zwilling des ehemaligen
Bundestrainer in dem Fußballdrama mit. Bei altbekannten Sätzen wie
"Der Ball ist rund", "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel" oder
"Das Spiel dauert 90 Minuten" klingt Peter Franke genau wie das Original
und mehr als einmal vergisst man, dass man einen Spielfilm schaut und keine Dokumentation mit Originalaufnahmen. (Quelle:
www.prisma-online.de)
Weitere
Arbeiten für die "große Leinwand" waren unter anderem Christian Ziewers
Historienfilm "Der Tod des weißen Pferdes"2) (1985),
Tom Tykwers
mehrfach ausgezeichnetes Spielfilmdebüt "Die
Tödliche
Maria"3) (1993), Peter Timms Verfilmung seines
Kinderromans "Rennschwein Rudi Rüssel"1) (1995),
Ottokar Runzes Doku-Drama "Hundert
Jahre Brecht"3) (1997) oder
die deutsch-niederländische Produktion "Sportman van de Eeuw"3) (2006, Sportsmann des Jahrhunderts) um
nur einiges zu nennen. Auch in Hermine Huntgeburths Kino-Drama "Das Glück ist eine ernste Sache"
(2009; auch "Koras Hochzeit") gehörte er neben den Protagonisten Eva Löbau, Christine Schorn und Friedrich von Thun
zur Besetzung; der Film wurde am 29. September 2009 beim "Filmfest
Hamburg" gezeigt.
Im Fernsehen gibt Franke immer wieder mürrische Eigenbrötler, kauzige und
raubeinige Figuren oder verschrobene Typen mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, gehört
inzwischen zu den
festen Größen in der Fernsehlandschaft. In zahlreichen populären
Krimi-Dauerbrennern wie "Bella Block", "Rosa Roth", "Sperling",
"Stubbe Von Fall zu Fall", "Ein Starkes Team", "Adelheid und ihre Mörder",
"Solo für Schwarz" oder "Tatort" war und ist er
mit prägnanten, manchmal auch unspektakulären Nebenrollen zu sehen.
Ab der zweiten Staffel im Jahre 2007 (Folge 14) agierte er neben dem Protagonisten
Rechtsanwalt Ehrenberg alias Dieter Pfaff in der erfolgreichen Serie
"Der Dicke"1) und mimte hier den manchmal etwas schlecht gelaunten, stets
gut informierten Norbert Merker, der neben Ehrenbergs Kanzlei ein kleines
Bistro betreibt; 2008 stieg er nach Folge 26 aus der Serie aus.
In dem sehenswerten Psychodrama "Nichts
ist vergessen"1) (2007) zeigt sich der sympathische Schauspieler
neben Jörg Schüttauf und Inka Friedrich als der kurz vor der Pensionierung
stehende Kommissar Jan Bösche. Regisseur Nils Willbrandt inszenierte
hier nach seinem eigenen Drehbuch ein packendes, ambivalentes Drama um das
Trauma über den Verlust eines Kindes und den damit verbundenen Strudel aus
Furcht, Angst, Ohnmacht, Wut und Verzweiflung. Dabei wird auch der Wunsch
des Täters nach Vergebung nicht außen vor gelassen. Die schauspielerischen
Leistungen aller Beteiligten sind überdurchschnittlich
(Quelle: prisma-online.de)
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In den letzten Jahren spielt Franke auch immer öfter den warmherzigen
Großvater, so auch in Hermine Huntgeburths zweiteiligen Literaturverfilmung
"Teufelsbraten"1) (2007). Erzählt wird die schmerzliche
Emanzipationsgeschichte einer Arbeitertochter im Rheinland der 1950er Jahren nach der
Vorlage des Romans "Das verborgene Wort" der Lyrikerin und
Schriftstellerin Ulla Hahn. Peter Franke gibt hier
großartig den einfühlsam-gütigen Großvater, der das Talent der fantasiebegabten
Protagonistin Hildegard, jeweils altersgemäß dargestellt von Nina Siebertz,
Charlotte Steinhauer und Anna Fischer, schon früh erkannt hat und
die Enkelin nach seinen Möglichkeiten fördert. Ebenfalls als
"Opa" ist er neuerdings in der Serienfassung von "Rennschwein Rudi Rüssel"
zu sehen, jüngst erlebte man den sympathischen Schauspieler in dem TV-Drama
"Hurenkinder"3) (2008) sowie neben Hauptdarsteller Jan-Gregor Kremp in dem
ZDF-Krimi "Braams Kein Mord ohne Leiche"3), der erstmals Ende Juni 2008 auf
dem 26. Filmfest in München gezeigt wurde. In der nachdenklich
stimmenden, dennoch heiteren Geschichte
"Woran dein Herz hängt"3) (EA: 12 06.2009) gab er zuletzt
den netten Herrn Mertens, Nachbar der alleinerziehenden Protagonistin Sandra Lindt (Julia Koschitz), die unter dem
Messie-Syndrom leidet, durch ihre Liebe zu dem smarten Rechtsanwalt Siegfried Hübner
(Oliver Mommsen) jedoch den Weg zurück in ein "geordnetes" Leben
findet.
Das Foto, welches bei den Dreharbeiten zu dem TV-Film "Teufelsbraten"
entstand, wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen
Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
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Danach tauchte in der am 23. Oktober 2009 ausgestrahlten Krimi-Episode "Kreuzzug"
aus der Reihe "Kommissar Stolberg" auf und beeindruckte mit der
Figur des verzweifelten ehemaligen Stolberg-Kollegen Harry Petermann, der an
der Polizei vorbei einen neurotischen Serienkiller (Oliver Stokowski) zur
Strecke bringen will. Franke spielte unter anderem eine kleinere Rolle in
dem vielbeachteten Scientology-Drama "Bis
nichts mehr bleibt"3) (2010), in der Komödie "Für kein Geld der Welt"3)
(EA: 13.05.2011) mimte er den sympathischen Chauffeur Justus, stand für Matthias Tiefenbachers
witzig-melancholische Romanze über eine späte große
"Jugendliebe" mit dem Titel "Eine halbe Ewigkeit"3)
(EA: 30.03.2012) als liebenswerter "Alt-Rocker" Paul neben den Protagonisten Matthias Habich und Cornelia Froboess
vor der Kamera. Abgedreht
ist auch die turbulente ARD-Familienkomödie "Ganz der Papa"3)
(EA: 13.04.2012) mit Jörg Schüttauf und Julia Richter
in den Hauptrollen, Franke war hier als Kneipenbesitzer Willy Brehm zu
sehen, der sich für seinen verwitweten Sohn bzw. den alleinerziehenden
Vater Alex (Jörg Schüttauf) eine neue liebevolle Frau wünscht; mehr bei www.mdr.de.
Eine weitere Vaterfigur verkörpert der Schauspieler in dem neuen Kinofilm
von André Erkau; die humorigen Geschichte "Arschkalt"3)
mit Herbert Knaup
als zynischem Ex-Firmeninhaber Rainer Berg ging am 21. Juli 2011 an den
Kinostart. Der Streifen "Sohnemänner" von Regisseur Ingo Haeb feierte
am 30. September 2011 im Rahmen des "Hamburger Filmfestes"
seine Premiere. In der witzigen "Drei-Generationen-Komödie" geht
es um einen absurden Wettbewerb zwischen dem leichtlebigen Vater Jonny (Péter Franke),
genannt Edgar, und dessen Sohn Uwe (Marc Zwinz) hinsichtlich
der perfekten Betreuung von Oma Hilde (Renate Delfs).
Franke zeigt sich brillant als "ein in die Jahre gekommener Rocker, der immer noch 1a-Liegestützen schafft. Weniger
Top ist das Verhältnis zu seinem Sohn Uwe, dem Papa nicht nur körperlich, sondern auch intellektuell über den Kopf gewachsen."4)
Am 5. April 2012 wurde die ZDF-Doku-Fiktion "Komm
schöner Tod"1), mit der das Thema Sterbehilfe in einer
alternden Gesellschaft aufgegriffen wird, ausgestrahlt, nicht wie geplant
zur Hauptsendezeit, sondern erst ab 22:15 Uhr . Neben Péter Franke als
Demenzkranker traten mit Hauptrollen Herbert Knaup, Anna Loos, Leslie Malton und Dietrich Hollinderbäumer in dem von Friedemann Fromm (Regie und Drehbuch), frei nach dem Roman
"Die Erlöser AG"1) von Björn Kern, realisierten
und kontrovers diskutierten TV-Drama in Erscheinung → www.ziegler-film.com.
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater und Film hält Péter Franke
Leseabende ab, tritt mit Liederabenden in kleinerem Ambiente auf und
arbeitet für ambitionierte Audio-Produktionen. So ist er beispielsweise mit
seiner unverwechselbaren, sonoren Stimme als
Sprecher in dem Thriller "Der talentierte Mr. Ripley" von Patricia Highsmith oder in
dem Klassiker "Der Schimmelreiter"
von Theodor Storm zu hören. "Ein großes Lob für Peter Franke. Er
liest die Novelle so, dass die handelnden Personen psychologisch
nachvollziehbar werden bei gleichzeitiger Wahrung des unheimlichen
Charakters der Ereignisse." heißt es in einer Rezension zu dem
Hörbuch "Der Schimmelreiter" bei www.hoerbuch-kritiken.de.
Der Künstler hat seit Jahrzehnten die Hansestadt Hamburg zu seiner
Wahlheimat gemacht und lebt heute im Hamburger Stadtteil Ottensen.
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