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Mathieu Carrière, Sohn eines deutschen1) Neurologen bzw. Psychiaters und einer Therapeutin,
wurde am 2. August 1950 in Hannover geboren und
wuchs ab seinem vierten Lebensjahr in Berlin, ab 1962 in Lübeck
auf gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Mareike1), die
ebenfalls den Schauspielerberuf ergriff. Nach dem Abitur auf einem
Jesuiteninternat im bretonischen Vannes zog es den jungen Carrière nach Paris, wo er ab 1969 ein
Philosophie-Studium an der Universität Vincennes
absolvierte und 1978 mit einer Studie über Kleist abschloss; 1981 veröffentlichte
er dieses Essay unter dem Titel "Für eine
Literatur des Krieges Kleist". Ein weiteres Werk aus seiner Feder
ist der Band "Wilde Behauptung. Jennifer Bartlett und die
Kunst" (1994).
Sein aktuelles Buch "Im Innern der Seifenblase", mit dem der
Künstler sein Debüt als Romancier gab, erschien im März 2011;
mehr bei www.mathieu-carriere.com.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Neben seine Studien ließ Mathieu Carrière seine Arbeit
für den Film nicht außer Acht. Bereits mit 13 Jahren hatte er in Rolf Thieles Thomas-Mann-Verfilmung
"Tonio Kröger" als junger Tonio Kröger sein Leinwanddebüt
gegeben, internationale Anerkennung erfuhr er 1966 mit der kühl-distanzierten
Darstellung des Törless in der Literaturverfilmung
"Der junge Törless"2), Volker Schlöndorffs Debütfilm nach
"Die Verwirrungen des Zöglings Törless" von Robert Musil.
Ab Mitte der 1970er Jahre widmete sich Mathieu Carrière
intensiver der Arbeit am Theater, unter anderem spielte er 1975 am "Théâtre
National de Paris" die Titelrolle in Oscar Wildes "Portrait des Dorian
Gray", bei den Salzburger Festspielen erlebte man ihn 1981 unter
der Regie von Rudolf Noelte als St. Just in Büchners "Dantons Tod",
an der Seite von Hanna Schygulla glänzte er 1980 während einer
Tournee in Dostojewskis "Der Idiot". Viel beachtet wurde 1974
auch seine Travestie-Nummer im "Alcazar de Paris", wo er Hamlet-Monologe und Goebbels-Reden vortrug.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue
(Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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Zu Carrières jüngeren Arbeiten am Theater zählt seine Rolle des greisen
Armin in dem von Frank Hoffmann in Szene gesetzten Dramenfragment "Robert
Guiskard Herzog der Normänner" von Heinrich von Kleist,
neben Thomas Thieme in der Titelrolle des Robert Guiskard; die Koproduktion des Deutschen
Schauspielhauses mit den "Ruhrfestspielen Recklinghausen 2010"
feierte am 3. Mai 2010 in Recklinghausen Premiere, die Premiere am
Deutschen Schauspielhaus war am 2. September 2010; mehr bei www.schauspielhaus.de.
Aktuell ist Carrière als Sigmund Freud zusammen mit Barbara Lanz in
"Letzte Runde Freud im Fegefeuer" in der mondänen "M&M Bar"
im Hamburger Maritim Hotel Reichshof (neben dem Schauspielhaus) zu sehen.
Premiere bzw. Uraufführung des vom amerikanischen Autor (und
Rechtsanwalt) Seth Yorra nach eigenen Texten inszenierten Stückes war am 5. Mai 2011,
bis Mitte Juni sind weitere Aufführungen geplant: Am 23. September 1939, drei Wochen nach Hitlers Überfall
auf Polen, sitzt Sigmund Freud in seiner Londoner Wohnung. Er ist 83 Jahre alt, müde und schwerkrank.
Er will sterben. Zum letzten Mal spielt Freud mit seiner Tochter Anna um seinen Tod. Von Schmerzen geplagt
und von Medikamenten euphorisiert, mäandern seine Gedanken durch sein Leben und sein Denken,
unterbrochen von den Albträumen der Besetzung Österreichs durch die Deutschen. Bis er stirbt. Und Anna den Schlusspunkt setzt.
(Quelle: www.schauspielhaus.de)
In etlichen internationalen Kino-Produktionen verkörperte Carrière
"feinnervige, elegante, zuweilen psychisch labile Charaktere"3) (
)
Oft muss Carrière seine äußeren Vorzüge nur fotogen ins Bild setzen wie in Roger Vadims
"Don Juan 73" oder David Hamiltons Softporno "Bilitis".
Oder er stellt innere Abwesenheit zur Schau wie in Marguerite Duras' artifiziellem
"India Song". Der blasierte junge Mann posiert auch als Psychopath:
Für Roger Vadim spielt er einen Millionärssohn, der aus Langeweile kleine Mädchen killt
("La jeune fille assassinée"), für Denis Héroux einen irren Vietnam-Heimkehrer und
homosexuellen Mörder von acht Schwesternschülerinnen
("Die Hinrichtung")3).
Die Filmografie des Künstlers, der auch vereinzelt hinter der Kamera
stand, weist bis Ende der 1990er Jahre zahllose Arbeiten mit
renommierten Regisseuren auf.
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In nachhaltiger Erinnerung ist der
Schauspieler mit außergewöhnlichen, ambivalenten Figuren geblieben, zu nennen sind etwa die Titelrolle in
Herbert Veselys Filmbiografie "Egon Schiele Exzesse"2) (1981),
der Ruppert von Leggaert bzw. Federico Logo
in "Die Spaziergängerin von Sans-Souci"2) (1982, mit Romy Schneider),
der Gigolo Chris in Robert van Ackerens Kassenschlager "Die flambierte Frau"2) (1983, mit Gudrun Landgrebe),
der Obersturmführer Knoch in Jerzy Hoffmans
Holocaust-Drama "Blutiger
Schnee"2) (1984) oder der Eduard Strauss in "Johann Strauß Der ungekrönte König" (1987).
1992 tauchte er als König Johann von Portugal neben Altstar Marlon Brando in John Glens
Historienepos "Christopher
Columbus Der Entdecker"2) (Christopher Columbus: The
Discovery) auf, rund zehn Jahre später interpretierte er
in "Luther"2) (2003),
der aufwendig inszenierten Lebensgeschichte des Kirchenreformators
Martin Luther mit Joseph Fiennes in der Titelrolle, den dünkelhaften Kardinal Thomas Cajetan.
Dennoch gelingt es Carrière kaum, sein Rollenrepertoire zu erweitern. Es sind
weiterhin gefühlskalte, intellektuelle und beherrschte Karrieristen, attraktive Bösewichte
oder in ausländischen Produktionen hochfahrende Herrenmenschen
("La passante du sans-souci"; "Shining Through"),
die er stets glatt und routiniert vorführt. Eine markante Rolle bietet ihm die deutsche Großproduktion
"Luther", in der er als Kardinal Cajetan "die klerikale Arroganz glanzvoll in Szene
setzt" (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.3.2003).3)
Das Foto (auch Hintergrund) wurde mir
freundlicherweise
von dem Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik
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Aktuell stand Mathieu Carrière für Andreas Arnstedts2) mehrfach ausgezeichnetes Sozialdrama "Die Entbehrlichen"2) (2009) mit
der Rolle des Holocaust-Überlebenden Gerhardt Rott vor der
Kinokamera. Nach einer wahren Begebenheit wird die die tragische Geschichte des zwölfjährigen Jakob Weiss (Oskar Bökelmann) erzählt,
der in einer Arbeiterfamilie der Unterschicht aufwächst.
Der Film ging am am 30. September 2010 in Deutschland an den Start; mehr
bei www.die-entbehrlichen.de.
Abgedreht ist auch das Drama "Bergblut"2) (vormals
"Das Heilige Land Tyrol") von Regisseur Philipp J. Pamer zu nennen,
im Rahmen des 28. Filmfestes München (25. Juni bis 3. Juli 2010) feiert
Pamers erster Langfilm seine Deutschland-Premiere; Kinostart in Deutschland
war der 27. Januar 2011.
Erzählt wird die Geschichte der jungen bayerischen Arzttochter
Katharina Heimstedt (Ingá Birkenfeld), die im Jahre 1809 mit ihrem Mann Franz
(Wolfgang Menardi) nach Tirol fliehen muss. Dort durchlebt sie auf einem Bergbauernhof
im Passiertal das Jahr des Volksaufstandes um Andreas Hofer in seiner vollen Härte und wird von den Wirren des Krieges
erfasst; Mathieu Carrière verkörpert die Figur eines
französischem Capitaines (siehe auch www.bergblut.com).
Nach der Kinoproduktion "Sans queue ni tête" (2010) von
Regisseur Jeanne Labrune (mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle)
gehörte Mathieu Carrière zur Besetzung von Jorgo Papavassilious
Thriller "Slave" (2010). |
Seit Ende der 1970er Jahre ist Mathieu Carrière vermehrt
im Fernsehen präsent. Seine brillant gespielte Rolle des Karl Siebrecht
in der Fallada-Adaption "Ein Mann will nach oben"*) (1978)
machte ihn über Nacht zum Publikumsliebling. Prägnante Auftritte
in beliebten Krimi-Serien wie "Der Kommissar",
"Derrick", "Der Alte" oder "Tatort"
gehören ebenso zu seiner TV-Vita wie Unterhaltungsserien. So mimte er
beispielsweise 1993 fünf Folgen lang in "Freunde fürs Leben"
den Reederei-Direktor Werner Westfal, gab den Frauenschwarm Graf Gregor von Hohenstein
in der im Adelsmilieu angesiedelten Familiensaga "Schloß Hohenstein Irrwege zum Glück" (1992 bis 1995)
oder den indischen Aristokraten Raska in dem internationalen
Abenteuer-Vierteiler "Die Rückkehr des Sandokan" (1996).
Foto: Mathieu Carrière am 12.02.2010 anlässlich
der Berlinale-Veranstaltung "Movie meets Media" im Berliner
Ritz-Carlton-Hotel; Foto mit freundlicher Genehmigung des Berliner
Fotografen Christian Behring/© Christian Behring (www.christian-behring.com) |
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Weitere Melodramen wie "Flammen der Liebe" (1996),
"Utta Danella Die Hochzeit auf dem Lande" (2002) oder
jüngst die SAT.1-Telenovela "Anna und die Liebe"2), wo er
Anfang April 2009 nach 154 Folgen als Robert Broda den Serientod sterben musste, sind zu nennen.
In der Sat.1-"Romantic Comedy" "Sind denn alle Männer Schweine?"4)
mit Valerie Niehaus und Oliver Mommsen in den Hauptrollen tauchte Mathieu Carrière
am 7. September 2010 als mürrischer Dr. Baldus auf.
In Bernd Fischerauers aufwendig, basierend auf Originaldokumenten
inszenierten zweiteiligen BR-Dokumentarspiel "Gewaltfrieden"4) verkörperte Mathieu Carrière
den ersten Außenminister der Weimarer Republik, Ulrich
Graf Brockdorff-Rantzau2) (1869 – 1928).
"Die Verfilmung mit Starbesetzung spannt einen Bogen vom
Waffenstillstandsabkommen und dem Kieler Matrosenaufstand im November 1918
über die Ermordung der Marxisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht
im Januar 1919 bis hin zur Unterzeichnung des Versailler
Friedensvertrags im Juni desselben Jahres." notiert prisma-online.de.
Die Erstausstrahlung erfolgte am 19.02. bzw. 21.02.2010 bei BR-alpha; mehr
bei www.br.de. Die
Dreharbeiten zu dem ebenfalls von Bernd Fischerauer in Szene
gesetzten Dokumentarspiel "Die Machtergreifung" sind
abgeschlossen, erneut verkörperte der Schauspieler eine historische
Persönlichkeit, den Franz von Papen2) (1879 1969), 1932 Reichskanzler und
1933 bis 1934 Vizekanzler im Kabinett Hitler. Das Dokumentarspiel
"Die Machtergreifung" feierte seine TV-Premiere am 28. Januar
2012 auf BR-alpha → www.br.de.
Carrière, der bereits 1970 den Darstellerpreis in Karlsbad für seine
Rolle in dem Drama "La maison des Bories" (Das Haus der Bories)
erhielt, war 1981 Mitglied der Jury
bei den Berliner Filmfestspielen. 1983 heiratete der Künstler in den USA die Malerin Jennifer Bartlett,
aus der Verbindung stammt die 1985 geborene Tochter Alice Isabell; die
Ehe wurde geschieden. Eine zweite Tochter, Elena Sophie, stammt aus
der Beziehung zu der Kostümbildnerin Bettina Proske. Mit seiner Ex-Partnerin Bettina Proske
stritt Carrière lange um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter
Elena, engagiert(e) sich beim Verein "VAFK" (Väteraufbruch für
Kinder e.V.). Aufsehen erregte seine künstlerische Performance am 17. Juni 2006 vor dem Bundesjustizministerium
in Berlin im Rahmen einer
Demonstration des Vereins "Väteraufbruch für Kinder e.V., als er
sich aus Protest gegen die mangelnden Rechte von Vätern und Kindern
an ein Kreuz binden lassen. Carrière gehört zu den prominentesten Kritikern des deutschen Scheidungs- und Sorgerechts. (
)
Hintergrund ist ein seit Jahren andauernder Sorgerechtsstreit um seine Tochter. Deren Mutter
verweigert ihm das Besuchsrecht und verweist auf das Recht des Kindes auf Schutz der Persönlichkeit,
das durch die Gegenwart des prominenten Vaters verletzt werde.5)
Der Künstler
lebt überwiegend in seiner Wahlheimat Paris; seit 2005 ist er mit
einer Französin liiert.
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