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Hartmut Becker wurde am 6. Mai 1938 in Berlin geboren und wuchs auch
dort auf. Nach dem Abitur begann er für ein Semester zunächst ein Studium
der Betriebswirtschaft, wechselte dann das Fach und studierte Theaterwissenschaften,
Germanistik und Philosophie. Parallel dazu ließ er sich im Berliner UFA-Nachwuchsstudio Berlin
von Else Bongers zum Schauspieler ausbilden und arbeitete als Regie-Assistent
bei Viktor de Kowa und Paul Verhoeven. Sein Schauspielerdebüt gab Becker
1962 mit der Rolle des Dauphins in Shaws "Die heilige Johanna"
am Theater der Freien Hansestadt Bremen und stand dort zwei Jahre
lang unter anderem in spektakulären Inszenierungen von Peter Zadek und Kurt Hübner
auf der Bühne. Weitere Verpflichtungen führten Becker nach Kiel, Braunschweig,
Bielefeld (1964 1970) und die Münchner Kammerspiele (1970), am Wiener Theater in der Josefstadt
spielte er 1971, ein Jahr später ging er an das Bayerisches Staatsschauspiel München,
wo er bis 1976 als Ensemblemitglied wirkte und später auch Gastspiele gab.
Zwei Jahre zuvor war er von der Zeitschrift "Theater
Heute" für seine Verkörperung des "Mercutio" in Shakespeares "Romeo und Julia"
als "Bester Nachwuchsschauspieler des Jahres"
ausgezeichnet worden.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Agentur Actors Management
zur Verfügung gestellt.
© Thomas Straub (auch Hintergrundfoto)
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Zu Beckers Theaterlaufbahn gehören die Salzburger Festspiele, das Berliner
Schiller- und Renaissance-Theater, Auftritte bei
verschiedenen Festspielen sowie zahlreiche Tourneen. Seine Rollen lassen sich
kaum alle aufzählen, reichen vom "Ferdinand" in Schillers "Kabale und Liebe"
bis hin zum "Brick" in Tennessee Williams' "Die Katze auf dem heißen Blechdach"
und "Nick" in Albees "Wer hat Angst von Virginia Woolf?".
Beeindruckend war seine Interpretation der Titelfigur in Schillers
"Die Verschwörung des Fiesco zu Genua", am Theater in der Josefstadt
glänzte er in Pavl Kohouts Einakter "Evol", bei den Salzburger
Festspielen zeigte er 1980 unter der Regie von Otto Schenk in Shakespeares
"Wie es euch gefällt" als "Oliver" seine
schauspielerische Wandlungsfähigkeit. In nachhaltiger Erinnerung bleibt
auch sein "Tellheim" in Lessings "Minna von Barnhelm",
mit dem er während einer Tournee 1982/83
an der Seite von Dietlinde Turban Triumphe feierte. Unter der Regie von Leo Stern
mimte er jüngst in Armando Llamas' Konversationsfarce "Gustave ist nicht modern"
den Melancholiker Gustave in einer Erstaufführung am Berliner "Stükke-Theater".
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Aktuell spielt Hartmut Becker neben Judy Winter in dem Stück
"Rose" (Rose und Walsh) des Erfolgsautors Neil Simon die
männliche Hauptrolle, die umjubelte Premiere war am 17. März 2010
in der Komödie Düsseldorf, bis zum 30. April sind weitere Aufführungen
geplant. Die geistreiche Komödie "Rose" wurde erstmals 2003
am Broadway präsentiert und handelt von der berühmten Schriftstellerin
bzw. zweifachen Pulitzer-Preisträgerin Rose (Judx Winter), die den Tod ihres
Lebenspartners, des ebenso berühmten Autors Walsh (Hartmut Becker), ignoriert und auf ihre
eigene Art am Leben erhält, Nacht für Nacht redet sie mit dem bereits seit
mehreren Jahren verstorbenen geliebten Mann; siehe auch www.komoedie-duesseldorf.com).
Foto: Hartmut Becker und Judy Winter in dem
Stück "Rose"
© Bernd Schaller (www.schallerfoto.de)
(Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Bernd
Schaller zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Bernd Schaller;
das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.) |
Seit Mitte der 60er Jahre steht Hartmut Becker vor der Kamera, spielt
prägnante Rollen bei Film und Fernsehen. Vor allem mit Regisseur Michael Verhoeven verbindet ihn eine
intensive Zusammenarbeit, erstmals hatte ihm
Verhoeven einen kleinen Part in "Der Bettenstudent oder Was mach' ich mit den Mädchen?" (1970) gegeben,
im gleichen Jahr agierte er in dem Kriegsdrama "O.K."
sowie 1971 in dem ambitionierten Melodram "Wer im Glashaus liebt
der Graben",
wo er neben Senta Berger die männliche Hauptrolle spielte. Mit Mario Adorf und Senta Berger
drehte er "MitGift" (1975), 1980 folgte "Sonntagskinder"
nach dem gleichnamigen Theaterstück von Gerlind Reinshagen. Doch auch
andere namhafte Regisseure bedienten sich des wandlungsfähigen
Schauspielers, in Eberhard Schröders Malpass-Adaption "Als Mutter streikte" (1974)
mimte er den Gabriel Gillhof, Richard Attenborough besetzte ihn in dem Klassiker "A Bridge Too Far"
(1977, Die Brücke von Arnheim) neben Robert Redford und Maximilian Schell.
Es folgten prägnante Nebenrollen in internationalen Produktionen wie der
Krimi "Il Professore Polizza inferno" (1989, Big Man Der Tod fährt Achterbahn)
mit Bud Spencer oder Jim Goddards "The Free Frenchman" (1989). Robert M. Young
gab ihm die Rolle des Major Rauscher in dem Sportlerdrama "Triumph of the Spirit"
(1989, Triumph des Geistes), in Peter Patzaks Historienfilm "Gavre Princip Himmel unter
Steinen" (1990)
war er ebenso zu sehen wie in dessen "St. Petri Schnee" (1991) nach einem Roman von Leo Perutz.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Agentur Actors Management
zur Verfügung gestellt.
© Ingrid Theis
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Doch vor allem durch das Fernsehen war der Schauspieler einem breiten
Publikum bekannt geworden, unzählige Auftritte in populären Krimi-Reihen
wie "Die Fünfte Kolonne", "Der Kommissar",
"Derrick", "Der Fahnder", "Großstadtrevier",
"SOKO 5113", "Wolffs Revier", "Ein Fall für
Zwei", "SOKO Leipzig", "Zwei Brüder", "Rosa
Roth" oder "Tatort" gehören ebenso zu Beckers TV-Filmografie
wie Gastrollen in "Unser Lehrer Dr. Specht", "Air Albatros",
"Dr. Stefan Frank Der Arzt dem die Frauen vertrauen" oder "Schloßhotel Orth".
Er verkörperte interessante Figuren in Einzelproduktionen, spielte
beispielsweise in "Jauche und Levkojen" (1979) und der Fortsetzung
"Nirgendwo ist Poenichen" (1980) nach den Romanen von Christiane
Brückner, oder in Otto Schenks Tolstoi-Adaption "Der
lebende Leichnam" (1981). Für seine Darstellung des brutalen Aufsehers
Gustav Wagner in Jack Golds Kriegsdrama "Escape from Sobibor"1)
(1987, Sobibor), welches die größte Gefangenenrevolte und Flucht während des Zweiten Weltkriegs
aus dem Todeslager Sobibor in Polen thematisiert, wurde Becker mit einer
Nominierung für den "Emmy Award" geehrt. In Michael Andersons
zweiteiligem opulenten Kostümfilm "Young Catherine" (1991, Die
Junge Katharina) mimte er den Vater der russischen Zarin Katharina die Große
(Julia Ormond), in Stuart Ormes Thriller "The Waiting Time" (1999)
den deutschen Politiker Dieter Krause.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Agentur Actors Management
zur Verfügung gestellt.
© Thomas Straub
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Zu Beckers Arbeiten für
das Fernsehen in den letzten Jahren zählen unter anderem die Familienkomödie "Tausche Firma gegen Haushalt" (2003),
die Pilcher-Verfilmungen "Wege der Liebe" (2004) und "Aus Liebe und Leidenschaft"
(2007) sowie das Melodram
"Der Ferienarzt in der Provence" (2005). In der 21-teiligen
ZDF-Familien-Serie "Eine Liebe am Gardasee" mimte Becker seit
Sommer 2006 den Werftchef Franco Leone. Nach Auftritten in Serien wie "Notruf Hafenkante"
und "Der Kriminalist" war er zuletzt in der Geschichte "Hochzeitsvorbereitungen"
(2009) aus der losen ZDF-Reihe "Meine wunderbare Familie"1)
zu sehen.
Neben seiner umfangreichen Tätigkeit für Theater, Film und Fernsehen
machte sich der Schauspieler auch als Drehbuchautor einen Namen. Er arbeitet
als Synchronsprecher, sprach mehrfach Kris Kristoffersen und lieh James Stewart,
Tommy Lee Jones, Nick Nolte und Rudolf Nurejew seine Stimme.
Hartmut Becker ist verheiratet und lebt in Berlin; er ist Vorstandsmitglied
der Deutschen Filmakademie.
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