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Ihre Interpretationen der Anna Boleyn in Fred Zinnemanns Thomas More-Biografie "Ein Mann zu jeder Jahreszeit"1) (1966, A Man for All Seasons), der jungen Nina in Sidney Lumets Tschechow-Adaption "Die Möwe"3) (1968, The Sea Gull), der exzentrischen Tänzerin Isadora Duncan in Karel Reisz' gleichnamigen Film "Isadora" (1969) oder der "Maria Stuart, Königin von Schottland"1) (1971, Mary, Queen of Scots) von Regisseur Charles Jarrott lieferten den Beweis dafür, dass sie "zu den Schauspielerinnen zählt, die dich auf ihren Flügeln forttragen", wie es Jane Fonda einmal neidlos formulierte. Ihre Leistung in Fred Zinnemanns "Julia"1) brachte der Redgrave 1977 einen Oscar als beste Nebendarstellerin ein. Hier stellte sie die jüdische Freundin der amerikanischen Schriftstellerin Lillian Hellman (1905 1987) dar (im Film gespielt von Jane Fonda), die zu den erbitterten Kämpferinnen gegen die Nazis gehörte. Trotz ihrer großen Kinoerfolge gab Vanessa Redgrave jedoch im Laufe ihrer Karriere stets dem Theater den Vorzug. Der Star spielte im Laufe ihrer Karriere die unterschiedlichsten Charaktere, aber immer auf allerhöchstem Niveau und bei der Auswahl ihrer Film- und TV-Rollen blieb sie immer experimentierfreudig. So wirkte sie 1967 in dem Musical "Camelot" oder 1971 in dem blutrünstigen Melodram "Die Teufel"1) (The Devils) mit, drehte spektakuläre Fernsehfilme wie 1980 mit Regisseur Daniel Mann, der die Autobiografie von Fania Fénelon "The Musicians of Auschwitz" mit "Spiel um Zeit" (Playing for Time) in Szene gesetzt hatte. 1974 sah man sie in Sidney Lumets hochkarätig besetzten Agatha Christie-Verfilmung "Mord im Orient Express"1) (Murder on the Orient Express), bewunderte 1992 ihren kühlen Charme als Ruth Wilcox in James Ivorys "Wiedersehen in Howards End"1) (Howards End), eine Rolle, die ihr die sechste und bislang letzte Oscar-Nominierung einbrachte. Man war 1987 begeistert über ihre Schrulligkeit in Stephen Frears' "Prick Up Your Ears Das stürmische Leben des Joe Orton" oder genoss 1993 ihre britische Distinguiertheit in Bille Augusts preisgekröntem Film "Das Geisterhaus"1) (The House of the Spirits) nach dem gleichnamigen Bestseller von Isabel Allende, wo ihr Kopf so wunderschön durch die Luft segelte. Wiederholt verkörperte die Redgrave auch Figuren an der Grenze zwischen Frau und Mann: so 1986 als transsexueller Tennisstar Renee Richards in dem TV-Film "Second Serve" (Zweiter Aufschlag) oder 1990 als einsame Südstaatlerin in Simon Callows "The Ballad of the Sad Café"3) (Die Ballade vom traurigen Cafe). Sehenswert auch 1994/95 ihre Darstellung als skrupellose Agentin "Max" in Brian De Palmas schrillem Agentenspektakel "Mission Impossible"1) an der Seite von Tom Cruise. Die Rolle war ursprünglich für einen Mann geschrieben, doch De Palma konnte die Schauspielerin davon überzeugen, dass sie dafür genau die Richtige sei. Danach drehte die Redgrave den Science-Fiction-Katastrophen-Thriller "Deep Impact"1) (1998) und das Psycho-Drama "Durchgeknallt"1) (1999, Girl, Interrupted), in dem sie eine Ärztin spielte. Erschütternd war 1994 ihre Darstellung der langsam dahinsiechenden Ehefrau von Maximilian Schell in der aufsehenerregenden Schilderung russisch-jüdischer Emigranten "Little Odessa" (Little Odessa Eiskalt wie der Tod). Auch als harmoniebedürftige ältere Dame in John Irvins nostalgischem Liebesfilm "Sommer am See"1) (1995, A Month by the Lake) bleibt Vanessa Redgrave in nachhaltiger Erinnerung; hier war sie in einer ganz ungewöhnlichen Rolle zu sehen als humorvolle, souveräne und durch die Liebesgeschichte doch leicht irritierte Frau. In Jonathan Sangers Psychothriller "Der Tod hinter der Maske"3) (1995, Down Came a Blackbird) gab sie die einfühlsame Psychotherapeutin Anna Lenke, David Greene besetzte sie als couragierte "Mafia-Frau" in dem erfolgreichen TV-Zweiteiler "Bella Mafia"3) (1997), Marleen Gorris mit der Titelrolle in "Mrs. Dalloway"3) (1997) nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Virginia Woolf. In "Die Klaus und Erika Mann Story" (Die Erika und Klaus Mann Story Escape to Life) aus dem Jahre 2001 ist die Britin leider nur als Erzählerin zu hören. Zu ihren jüngeren Arbeiten für das Kino zählt neben verschiedenen ambitionierten TV-Spielen unter anderem "The Keeper: The Legend of Omar Khayyam" (2005), der von Kayvan Mashayekh verfilmten Geschichte des großen persischen Mathematikers, Astronomen und Dichters Omar Khayyam, der im 11. Jahrhundert lebte; weiter zu nennen sind James Ivorys Melodram "The White Countess" (2005) mit Ralph Fiennes und Natasha Richardson, "The Thief Lord"1) (2006, Der Herr der Diebe) nach dem Kinderbuch-Bestseller von Cornelia Funke, der britische Streifen "The Riddle" (2007) von Regisseur Brendan Foley sowie Joe Wrights preisgekröntes Filmdrama "Atonement"3) (2007, Abbitte) nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan. In dem Generationenfilm über starke Frauen "Evening"1) (2007, Spuren eines Lebens) von Regisseur Lajos Koltai spielt sie "mit bewegender Intensität" (so DIE WELT) die Figur der todkranken Ann Lord, die Ereignisse Revue passieren lässt, die 50 Jahre zuvor stattgefunden haben; der Film kam am 10. Januar 2008 auch in die deutschen Kinos. Danach stand sie für das in Schweden produzierte Drama "Gud, lukt och henne" (2008) vor der Kamera, gerade abgedreht hatte sie den von Adrian Popovici in Szene gesetzten Streifen "Eve", in dem sie die Titelrolle übernommen hat. Das romantische Drama "Briefe an Julia"3) (2010, Letters to Juliet), in dem Vanessa Redgrave neben der Protagonistin Amanda Seyfried auch mit Ehemann Franco Nero zu sehen ist, ging in Deutschland am 19. August 2010 an den Start. Das von Julian Schnabel in Szene gesetzte berührende Drama "Miral" mit Vanessa Redgrave als Bertha Spafford feierte seine Premiere am 3. September 2010 beim Filmfestival in Venedig, anlässlich des Hamburger Filmfestes 2010 gelangte es zur deutschen Erstaufführung. Schnabel verfilmte einfühlsam den semi-autobiogafischen Roman "La strada dei fiori di Miral" (2004) seiner Lebensgefährtin, der palästinensisch-italienischen Journalistin und Schriftstellerin Rula Jebreal, die auch das Drehbuch geschrieben hat. Abgedreht sind die Filme "The Whistleblower", "Coriolanus" und "Anonymous". In dem Politdrama "Whistleblower In gefährlicher Mission"3) spielt sie neben Rachel Weisz, David Strathairn und Monica Bellucci eine der Hauptrollen; Premiere feierte der Film anlässlich des Internationalen Filmfestivals in Toronto (9. 19.09.2010), als Kinostart in den USA wurde August 2011 genannt. In der Adaption der Shakespeare-Tragödie "Coriolanus"1), inszeniert von Ralph Fiennes (Regiedebüt), der auch die Titelrolle spielt, gibt Vanessa Redgrave die Volumnia, Mutter des römischen Patriziers und Kriegshelden. Eine weiterer Film, in dem der englische Dichter Shakespeare eine Rolle spielt, wurde zwischen März und Juni 2010 komplett in Potsdam-Babelsberg gedreht: Als historischen Thriller inszeniert Hollywood-Regisseur Roland Emmerich "Anonymous"1) und erzählt von Edward de Vere, dem angeblich wahren Autor vieler Werke William Shakespeares. Rhys Ifans zeigt sich in der Rolle des Edward de Vere, dem 17. Earl of Oxford, Vanessa Redgrave schlüpft in das Kostüm von Königin Elisabeth I., Edward Hogg mimt den Robert Cecil, einen Spion der Königin; Kinostart in Deutschland war der 10. November 2011. Zwischen den zahlreichen Kinofilmen lagen immer wieder regelmäßige Auftritte im Fernsehen, auch die deutschen Zuschauer konnten Vanessa Redgrave in der vom britischen Fernsehen produzierten hochkarätig besetzten Neuverfilmung "Die Muschelsucher" (Ausstrahlung im ZDF am 25.12.2006) nach dem millionenfach verkauften Bestseller "The Shell Seekers" von Rosamunde Pilcher erleben. Hier spielte sie unter der Regie von Piers Haggard die Witwe Peneople Keeling, die ihr Leben Revue passieren lässt. Ihren Vater, den berühmten Maler Lawrence Sterne, dessen Bild "Die Muschelsucher" eine besondere Bedeutung für Penelope hat, verkörperte kein geringerer als Maximilian Schell.
In die Schlagzeilen geriet die Redgrave wiederholt durch ihr bewegtes Privatleben: 1967 ließ
sie sich von dem Regisseur Tony Richardson1)
(1928 1991) scheiden, als dieser ein Verhältnis mit Jeanne Moreau2)
begann. Sie hatte ihn fünf Jahre zuvor geheiratet und die Töchter aus dieser Ehe,
Natasha1) (1963 2009) und Joely Richardson1)
(geb. 1965), waren bzw. sind ebenfalls erfolgreiche Schauspielerinnen. Natasha Richardson hatte
am 16. März 2009 im kanadischen Mont Tremblant einen
Skiunfall, zwei Tage später erlag die 45-Jährige am 18. März 2009 ihren
schweren Kopfverletzungen.
Vanessa Redgrave, die am 30. Januar 2007 ihren 70. Geburtstag
feierte, galt und gilt als eine unabhängige, emanzipierte und sich
selbst treue Frau mit einer starken Persönlichkeit. Sie entstammt dem bourgeoisen
Milieu, brach dort aus und engagierte sich immer wieder sehr stark für Unterprivilegierte
jeglicher Couleur und gegen Ungerechtigkeit jeglicher Regierung. "Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich von der Notwendigkeit des Marxismus
bis heute absolut überzeugt
bin", schreibt sie, die sich "stets als Anti-Stalinistin" betrachtete, in ihrer
1991 erschienen Autobiografie. |
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| Links: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser Webpräsenz, 3) prisma-online.de, 4) br-online.de | Stand Dezember 2011 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Textbausteine des Kurzportraits von
www.prisma-online.de Siehe auch Wikipedia (u.a. mit einer detaillierten Liste der Auszeichnungen) sowie Dirk Jasper FilmStarLexikon |
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