Vanessa Redgrave wurde am 30. Januar 1937 als Tochter des Schauspieler-Ehepaars Rachel Kempson1) (1910 – 2003) und Sir Michael Redgrave (1908 – 1985) in der britischen Hauptstadt London geboren und wuchs somit in der Welt des Theaters auf. Schon früh stand für das junge Mädchen fest, dass sie in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wollte. Nach einer achtjährigen Ausbildung beim Ballet Rambert, besuchte sie bis 1958 die "Royal Central School of Speech and Drama"1) in London, sprach später bei Sir Laurence Oliver vor und gab ihr Theaterdebüt in London an der Seite ihres Vaters in dem Stück "A Touch Of The Sun" von Norman Charles Hunter. Ebenfalls zusammen mit ihrem Vater erschien sie im gleichen Jahr in dem Krankenhausdrama "Behind the Mask" (Hinter der Maske) auf der Leinwand, ein zunächst einmaliger Ausflug ins Filmgeschäft.
1961 wurde sie Mitglied der "Royal Shakespeare Company"1) und erwarb sich in kurzer Zeit den Ruf eines der hervorragendsten Talente ihrer Generation zu sein, riss die Kritiker und Publikum zu Lobeshymnen hin. Aber Vanessa Redgrave widmete sich nicht allein dem Theater. Obwohl sie nicht immer in bedeutenden Filmen zu sehen war, avancierte die zerbrechlich wirkende und sensible Schönheit zu einer der begehrtesten Filmdarstellerinnen der späten 1960er und frühen 1970er Jahre.
 

Foto: Vanessa Redgrave 2011 auf der "Berlinale"1)
anlässlich der Pressekonferenz zu dem Film "Coriolanus"1)
Urheber: Thore Siebrands (Siebbi)
Quelle: (cropped version) von www.ipernity.com bzw. Wikimedia Commons/Wikipedia
Lizenz CC-BY-SA 3.0

Vanessa Redgrave auf der Berlinale 2011 anlässlich der Pressekonferenz zu dem Film "Coriolanus"; Urheber: Thore Siebrands (Siebbi); Quelle: (cropped version) von www.ipernity.com bzw. Wikimedia Commons/Wikipedia; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Ab Mitte der 1960er Jahre stand sie regelmäßig vor der Kamera, einen beachtlichen Erfolg verbuchte sie mit ihrer ersten größeren Filmrolle als Künstler-Gattin Leonie Delt in Karel Reisz' turbulenten Polit-Komödie "Protest"1) (1966, Morgan! A Suitable Case for Treatment), die ihr auch eine "Oscar"-Nominierung  als "Beste Hauptdarstellerin" einbrachte, sie unterlag jedoch Elizabeth Taylor ("Wer hat Angst vor Virginia Woolf?"1)). 1966 erregte sie als verführerisches Model und kühle Gegenspielerin von David Hemmings1) in Michelangelo Antonionis Literaturverfilmung "Blow-Up"1) weltweites Aufsehen. Sie spielte nur eine kleine Rolle in dem Thriller, eingebettet in das London der "Swinging Sixties", aber sie verkörperte die Schlüsselfigur.
Ihre Interpretationen der Anna Boleyn1) in Fred Zinnemanns Thomas More-Biografie "Ein Mann zu jeder Jahreszeit"1) (1966, A Man for All Seasons), der jungen Nina in Sidney Lumets Tschechow-Adaption "Die Möwe"2) (1968, The Sea Gull), der exzentrischen Tänzerin Isadora Duncan1) in Karel Reisz' gleichnamigen Film "Isadora"1) (1969) oder der Maria Stuart1) in "Maria Stuart, Königin von Schottland"1) (1971, Mary, Queen of Scots) lieferten den Beweis dafür, dass sie "zu den Schauspielerinnen zählt, die dich auf ihren Flügeln forttragen", wie es Jane Fonda1) einmal neidlos formulierte. Ihre schauspielerische Leistung in Fred Zinnemanns Film "Julia"1), gedreht nach dem autobiographischen Buch von Lillian Hellman1), brachte der Redgrave 1977 einen "Oscar"1) als "Beste Nebendarstellerin" ein. Hier stellte sie die jüdische Freundin der von Jane Fonda gespielten amerikanischen Schriftstellerin Lillian Hellman (1905 – 1987) dar, die zu den erbitterten Kämpferinnen gegen die Nazis gehörte. Trotz ihrer großen Kinoerfolge gab Vanessa Redgrave jedoch im Laufe ihrer Karriere stets dem Theater den Vorzug.
 
Der Star spielte im Laufe ihrer Karriere die unterschiedlichsten Charaktere, aber immer auf allerhöchstem Niveau und bei der Auswahl ihrer Film- und TV-Rollen blieb sie stets experimentierfreudig. So wirkte sie 1967 in dem Filmmusical "Camelot – Am Hofe König Arthurs"1) (Camelot) als Guinevere1) mit oder 1971 in dem blutrünstigen Melodram "Die Teufel"1) (The Devils), drehte spektakuläre Fernsehfilme wie 1980 mit Regisseur Daniel Mann1), der die Autobiografie von Fania Fénelon1) "The Musicians of Auschwitz" über das Mädchenorchester von Auschwitz1) mit "Spiel um Zeit" (Playing for Time) in Szene gesetzt hatte.
1974 sah man Vanessa Redgrave in Sidney Lumets hochkarätig besetzten Agatha Christie-Verfilmung "Mord im Orient Express"1) (Murder on the Orient Express), bewunderte 1992 ihren kühlen Charme als Ruth Wilcox  in James Ivorys Romanafaption "Wiedersehen in Howards End"1) (Howards End), eine Rolle, die ihr die sechste und bislang letzte "Oscar"-Nominierung einbrachte. Man war 1987 begeistert über ihre Schrulligkeit in Stephen Frears' Biopic "Prick Up Your Ears – Das stürmische Leben des Joe Orton" über den Dramatiker Joe Orton1) (Gary Oldman1)) und dessen Lebensgefährten bzw. Mörder Kenneth Halliwell1) (Alfred Molina1)) nach der Biographie von John Lahr, oder genoss 1993 ihre britische Distinguiertheit in Bille Augusts preisgekröntem Film "Das Geisterhaus"1) (The House of the Spirits) nach dem gleichnamigen Bestseller1) von Isabel Allende1), wo ihr Kopf so wunderschön durch die Luft segelte. Wiederholt verkörperte die Redgrave auch Figuren an der Grenze zwischen Frau und Mann: So 1986 als transsexueller Tennisstar Renee Richards1) in dem TV-Film "Second Serve" (Zweiter Aufschlag) oder 1990 als einsame Südstaatlerin Miss Amelia in Simon Callows "The Ballad of the Sad Café"2) (Die Ballade vom traurigen Cafe) nach der Novelle von Carson McCullers1) und dem Bühnenstück von Edward Albee1). Sehenswert auch 1994/95 ihre Darstellung als skrupellose Agentin "Max" in Brian De Palmas schrillem Agentenspektakel "Mission Impossible"1) an der Seite von Tom Cruise1). Die Rolle war ursprünglich für einen Mann geschrieben, doch De Palma konnte die Schauspielerin davon überzeugen, dass sie dafür genau die Richtige sei.
 
Danach drehte die Redgrave den Science-Fiction-Katastrophen-Thriller "Deep Impact"1) (1998) und das Psycho-Drama "Durchgeknallt"1) (1999, Girl, Interrupted), in dem sie eine Ärztin spielte. Erschütternd war 1994 ihre Darstellung der langsam dahinsiechenden Ehefrau von Maximilian Schell in der aufsehenerregenden Schilderung russisch-jüdischer Emigranten "Little Odessa – Eiskalt wie der Tod"1) (Litle Odessa). Auch als harmoniebedürftige ältere Dame in John Irvins nostalgischem Liebesfilm "Sommer am See"1) (1995, A Month by the Lake) bleibt Vanessa Redgrave in nachhaltiger Erinnerung: Hier war sie in einer ganz ungewöhnlichen Rolle zu sehen – als humorvolle, souveräne und durch die Liebesgeschichte doch leicht irritierte Frau. In Jonathan Sangers Psychothriller "Der Tod hinter der Maske"2) (1995, Down Came a Blackbird) gab sie die einfühlsame Psychotherapeutin Anna Lenke, David Greene besetzte sie als couragierte "Mafia-Frau" in dem erfolgreichen TV-Zweiteiler "Bella Mafia"2) (1997), Marleen Gorris mit der Titelrolle in "Mrs. Dalloway"1) (1997), gedreht nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Virginia Woolf1). In der Dokumentation "Escape to Life: Die Erika und Klaus Mann Story"2) (2001) von Andrea Weiss und Wieland Speck1) über das Leben der beiden ältesten Kinder Thomas Manns Erika1) und Klaus Mann1) bzw. nach deren Buch "Escape to Life. Deutsche Kultur im Exil"1) über die künstlerischen, wissenschaftlichen und politischen Repräsentanten der deutschen Emigration während des Nationalsozialismus ist die Britin in der englischsprachigen Version als Sprecherin der Erika Mann (dt. Barbara Nüsse) zu hören → spiegel.de.
Zu ihren jüngeren Arbeiten für das Kino zählt neben verschiedenen ambitionierten TV-Spielen unter anderem "The Keeper: The Legend of Omar Khayyam" (2005), der von Kayvan Mashayekh verfilmten Geschichte des großen persischen Mathematikers, Astronomen und Dichters Omar Chayyām1), der im 11. Jahrhundert lebte. Weiter zu nennen sind James Ivorys Melodram "The White Countess"1) (2005) mit Ralph Fiennes1) und Natasha Richardson1), "Der Herr der Diebe"1) (2006, The Thief Lord) nach dem Kinderbuch-Bestseller1) von Cornelia Funke1), der britische Streifen "Der geheimnisvolle Code" (2007, The Riddle) von Regisseur Brendan Foley sowie Joe Wrights preisgekröntes Drama "Abbitte"1) (2007, Atonement) nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan1). In dem Generationenfilm über starke Frauen "Spuren eines Lebens"1) (2007, Evening) von Regisseur Lajos Koltai spielte sie "mit bewegender Intensität" (so DIE WELT) die Figur der todkranken Ann Lord, die Ereignisse Revue passieren lässt, die 50 Jahre zuvor stattgefunden haben; der Film kam am 10. Januar 2008 auch in die deutschen Kinos.
Das romantische Drama "Briefe an Julia"1) (2010, Letters to Juliet), in dem Vanessa Redgrave neben der Protagonistin Amanda Seyfried1) auch mit Ehemann Franco Nero zu sehen ist, ging in Deutschland am 19. August 2010 an den Start. Die Romanverfilmung "Miral"1) mit Vanessa Redgrave als Bertha Spafford feierte seine Premiere am 3. September 2010 bei den "Internationalen Filmfestspielen Venedig"1), anlässlich des "Filmfest Hamburg"1) (30.09.–09.10.2010) gelangte es zur deutschen Erstaufführung. Schnabel verfilmte einfühlsam den semi-autobiogafischen Roman "La strada dei fiori di Miral" (2004) seiner Lebensgefährtin, der palästinensisch-italienischen Journalistin und Schriftstellerin Rula Jebreal, die auch das Drehbuch schrieb.
Abgedreht waren die Kinoproduktionen "Whistleblower – In gefährlicher Mission" (2010, The Whistleblower), "Coriolanus"1) (2011) und "Anonymous"1) (2011). In dem Politdrama "Whistleblower" spielt sie neben Rachel Weisz1), David Strathairn1) und Monica Bellucci1) als Juristin Madeleine Rees1) eine der Hauptrollen; Premiere feierte der Film am 13. September 2010 anlässlich des "Toronto International Film Festival"1), in Deutschland wurde das Kriegsdrama am 5. Oktober 2011 beim "Filmfest Hamburg" vorgestellt. In der Adaption der Shakespeare-Tragödie "Coriolanus"1), inszeniert von Ralph Fiennes1) (Regiedebüt), der auch die Titelrolle spielte, gab Vanessa Redgrave die Volumnia, Mutter des römischen Patriziers und Kriegshelden Coriolanus1). Eine weiterer Film, in dem der englische Dichter Shakespeare eine Rolle spielte, wurde zwischen März und Juni 2010 komplett in Potsdam-Babelsberg gedreht: Als historischen Thriller inszenierte Hollywood-Regisseur Roland Emmerich1) den Thriller "Anonymous"1) und erzählt von Edward de Vere1), dem angeblich wahren Autor vieler Werke William Shakespeares. Rhys Ifans1) zeigte sich in der Rolle des Edward de Vere, dem 17. Earl of Oxford, Vanessa Redgrave schlüpft in das Kostüm von Königin Elisabeth I.1), Edward Hogg1) mimte den Staatsmann Robert Cecil1); Kinostart in Deutschland war der 10. November 2011.
Nach der Tragikomödie "Song für Marion"2) (2012) trat Vanessa Redgrave in Lee Daniels' starbesetztem Biopic "Der Butler"1) (2013, The Butler), inspiriert durch die wahre Geschichte des Butlers Eugene Allen1), als Annabeth Westfall in Erscheinung, die dem jungen, afroamerikanischen Plantagenarbeiter Cecil Gaines (Michael Rainley Jr.) nach dem Tod der Eltern eine Ausbildung als Hausdiener zukommen lässt, die zur die Grundlage der späteren Karriere des erwachsenen Cecil (Forest Whitaker1)) im "Weißen Haus" wird; der Streifen feierte am 10. Oktober 2013 seine Deutschlandpremiere. In Bennett Millers Sportlerdrama "Foxcatcher"1) (2014), der wahren Geschichte des von Steven Carell dargestellten Multimillionärs und Ringsport-Sponsors John E. du Pont1) (1938 – 2010), der am 26. Januar 1996 seinen Freund, den Ringer-Olympiasieger David Schultz1) (Mark Ruffalo) im Streit erschoss und für diese Tat zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde, verkörperte sie Johns dominant-distinguierte Mutter, Jean du Pont; Kinostart in Deutschland war der 5. Februar 2015. Das Drama "The Secret Scripture"1) (2016) entstand nach dem Roman von Sebastian Barry1), "Film Stars Don't Die in Liverpool"1) (2017) thematisiert das Leben der von Annette Bening1) dargestellten Schauspielerin Gloria Grahame1) und "The Aspern Papers" (2018) ist eine Kinoproduktion nach dem gleichnamigen Roman von Henry James1) bzw. dem Theaterstück von Jean Pavans, in dem die Redgave als Juliana Bordereau auftritt → Wikipedia (englisch). Noch ohne Veröffentlichungstermin ist der Thriller "Georgetown", realisiert von Christoph Waltz1) nach einer wahren Begebenheit mit sich in der männlichen Hauptrolle und Vanessa Regrave als wohlhabende Witwe: "Albrecht Muth (Christoph Waltz) verführt die 40 Jahre ältere und wohlhabende Witwe Viola Drath1) (Vanessa Redgrave) und überzeugt sie davon, ihn zu heiraten. Kurze Zeit später sind sie eines der gefragtesten High-Society-Pärchen und verkehren in den höchsten politischen Kreisen. Doch Muth ist nicht der, der er vorgibt zu sein und es stellt sich heraus, dass er es auf die Kontakte der wohlhabenden und einflussreichen Dame abgesehen hat…; basierend auf der wahren Geschichte von Albrecht Muth, der 2011 als Mörder verurteilt wurde." kann man bei filmstarts.de lesen. In der Post-Produktionsphase befindet sich das von Adrian Noble1) gedrehte Biopic "Mrs. Lowry and Son" über den englischen Maler Lawrence Stephen Lowry1) (Timothy Spall1)), in dem sie dessen Mutter Elizabeth Lowry verkörpert. Erwähnt werden muss die filmische Collage über Aspekte der Flüchtlingskrise in Europa mit dem Titel "Sea Sorrow"1) (2017), mit der Vanessa Redgave erstmals als Regisseurin fungierte und auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Der von ihrem Sohn Carlo Nero produzierte Film wurde 2017 in Cannes innerhalb der Reihe "Special Screenings" uraufgeführt.
Zwischen den zahlreichen Kinofilmen lagen immer wieder regelmäßige Auftritte im Fernsehen, auch die deutschen Zuschauer konnten Vanessa Redgrave in der vom britischen Fernsehen produzierten hochkarätig besetzten, zweiteiligen Neuverfilmung "Die Muschelsucher"2) (Ausstrahlung im ZDF am 25.12.2006) nach dem millionenfach verkauften Bestseller "The Shell Seekers" von Rosamunde Pilcher1) erleben. Hier spielte sie unter der Regie von Piers Haggard die Witwe Peneople Keeling, die ihr Leben Revue passieren lässt. Ihren Vater, den berühmten Maler Lawrence Sterne, dessen Bild "Die Muschelsucher" eine besondere Bedeutung für Penelope hat, verkörperte kein geringerer als Maximilian Schell. Bereits für den Vierteiler "Peter der Große"2) (1986) über den russischen Zaren Peter I., der Große1) nach der Biografie von Robert K. Massie1) hatte sie gemeinsam mit Schell vor der Kamera gestanden und Peters Halbschwester, die Zarin Sofia Alexejewna1) dargestellt. Ein ebenfalls vielbeachteter Historienfilm war der Zweiteiler "Die junge Katharina"1) (1991, Young Catherine) über die von Julia Ormond1) gespielte russische Zarin Katharina II.1), diesmal zeigte sich Vanessa Redgrave als Zarin Elisabeth Petrowna1). Mit der Darstellung historischer Personen wusste sie auch in weiteren TV-Produktionen zu überzeugen, so als Clementine Churchill1), Ehefrau von Winston Churchill1) (Albert Finney), in dem preisgekrönten Doku-Drama "Churchill – The Gathering Storm"1) (2002, The Gathering Storm) und in dem Biopic über Lord Byron1) mit dem schlichten Titel "Byron" (2003) als dessen Vertraute Lady Melbourne1) an der Seite von Protagonist Jonny Lee Miller1) → Übersicht Filmografie.
  
In die Schlagzeilen geriet Vanessa Redgrave wiederholt durch ihr bewegtes Privatleben: 1967 ließ sie sich von dem Regisseur Tony Richardson1) (1928 – 1991) scheiden, als dieser ein Verhältnis mit Jeanne Moreau begann. Sie hatte ihn fünf Jahre zuvor geheiratet und die Töchter aus dieser Ehe, Natasha1) (1963 – 2009) und Joely Richardson1) (geb. 1965), waren bzw. sind ebenfalls erfolgreiche Schauspielerinnen; auch ihre Enkelin Daisy Bevan, Tochter von Joely Richardson und Filmproduzent Tim Bevan1) ist Schauspielerin. Natasha Richardson zog sich am 16. März 2009 im kanadischen Mont Tremblant bei einem einen Skiunfall eine Epiduralblutung1) zu, zwei Tage später erlag die 45-Jährige am 18. März 2009 ihren schweren Kopfverletzungen.
Nach der Scheidung von Richardson ging Vanessa Redgrave bis 1972 eine Beziehung mit ihrem Partner aus "Camelot", Franco Nero, ein – der gemeinsame Sohn Carlo Gabriel wurde 1969 geboren –  und später mit Timothy Dalton1), der von 1980 bis 1994 an ihrer Seite war. Die Regenbogenpresse kolportierte auch Affären, die sie angeblich mit Warren Beatty und sogar Fidel Castro1) gehabt haben soll. Nach mehr als drei Jahrzehnten fand das Paar Redgrave/Nero wieder zusammen, Ende Dezember 2006 heirateten die beiden Künstler.
Nach dem dem tragischen Unfalltod ihrer Tochter Natasha musste Vanessa Redgrave 2010 erneut schwere Schicksalsschläge verkraften: Am 6. April 2010 starb ihr Bruder, der Schauspieler Corin Redgrave1), wenige Wochen später, am 2. Mai 2010, ihre Schwester Lynn Redgrave1), ebenfalls eine namhafte Schauspielerin

Neben dem erwähnten "Oscar" für ihre schauspielerische Leistung in "Julia"1) (1977) sowie den "Oscar"-Nominierungen als "Beste Hauptdarstellerin" in "Protest"1) (1967), "Isadora"1) (1969), "Maria Stuart, Königin von Schottland"1) (1972) und "Die Damen aus Boston"1) (1985, The Bostonians) erhielt die Charakterschauspielerin im Laufe ihrer eindrucksvollen Karriere zahlreiche weitere Auszeichnungen. Zu nennen sind beispielsweise der "Laurence Olivier Award"1) (1984) als "Beste Darstellerin" in einem Theater-Revival für "The Aspern Papers", der "Golden Globe Award"1) (2001) als "Beste Nebendarstellerin – Serie, Miniserie oder Fernsehfilm" für "Women Love Women"1) (2000) oder der "Tony Award"1) (2003) als "Beste Hauptdarstellerin" in einem Theaterstück für die Gestaltung der Mary Tyrone in dem Eugene O’Neill-Stück "Eines langen Tages Reise in die Nacht"1) ("Long Day's Journey Into Night"). Am 24. Januar 2008 wurde Vanessa Redgrave bei der 18. Verleihung des Deutschen Entertainment Preises "DIVA"1) gemeinsam mit Ehemann Franco Nero in die Diva-Ruhmeshalle "Hall Of Fame" aufgenommen. Zuletzt erhielt sie am 29. August 2018 bei den "Internationale Filmfestspielen von Venedig"1) den "Goldenen Löwen" ("Leone d'Oro") für ihr Lebenswerk → Übersicht (Auszug) der Auszeichnungen bei Wikipedia.
Vor allem durch ihre politischen Aktivitäten erregte die Schauspielerin immer wieder das Interesse der Medien und geriet oftmals ins Kreuzfeuer der Kritik: Auf einem Protestmarsch gegen die Atombombe wurde sie verhaftet; sie führte Demonstrationen gegen die USA und den Vietnam-Krieg an, sympathisierte mit der IRA1) und unterstützte offen Jassir Arafat1) und die PLO1). Wiederholt kandidierte sie – allerdings erfolglos – für das britische Parlament als Kandidatin der trotzkistischen "Worker's Revolutionary Party". Ihr politisches Engagement brachte sie in zahlreichen Reden zum Ausdruck. So nutzte sie auch die Zeremonie der "Oscar"-Verleihung 1978 für ein politisches Statement. Den Protest jüdischer Gruppen handelte sie sich 1980 mit ihrer Darstellung der KZ-Überlebenden Fania Fenelon in dem zweiteiligen Fernsehfilm von Daniel Mann "
Spiel um Zeit – Das Mädchenorchester von Auschwitz" (1980, Playing For Time) ein, für den sie allerdings von den Juroren einen "Emmy"1) in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin in einem Fernsehmehrteiler oder Spezial" erhielt.

Vanessa Redgrave, die am 30. Januar 2017 ihren 80. Geburtstag feierte, galt und gilt als eine unabhängige, emanzipierte und sich selbst treue Frau mit einer starken Persönlichkeit. Sie entstammt dem bourgeoisen Milieu, brach dort aus und engagierte sich immer wieder sehr stark für Unterprivilegierte jeglicher Couleur und gegen Ungerechtigkeit jeglicher Regierung. "Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich von der Notwendigkeit des Marxismus bis heute absolut überzeugt bin", schreibt sie, die sich "stets als Anti-Stalinistin" betrachtete, in ihrer 1991 erschienen Autobiografie ("Vanessa Redgrave: Autobiographie").
Auch an ihrem 66. Geburtstag im Januar 2003 verzichtete die Schauspielerin, die sich seit Jahrzehnten aktiv für die Menschenrechte einsetzt, auf jeglichen Starrummel und kümmert sich statt dessen weiter um wichtigere Dinge. So besuchte sie beispielsweise im Herbst 2002 den in Kopenhagen inhaftierten Tschetschenen-Sprecher Achmed Sakajew1), der 1996 an der Tötung von mindestens 300 Angehörigen der russischen Sicherheitskräfte beteiligt und zudem in die Planung der Geiselnahme im Moskauer Dubrowka-Theater1) Ende Oktober 2002 verstrickt gewesen sein soll, im Gefängnis und begleitete ihn im Dezember in London vor Gericht. Redgraves Initiative "Internationale Kampagne für Frieden und Menschenrechte in Tschetschenien", die auch von ihrem Bruder Corin Redgrave und einigen prominenten britischen Labour-Politikern unterstützt wird, brachte die Kaution für Sakajew auf. Im November 2003 entschied ein Londoner Bezirksgericht, dass Sakajew vorerst nicht von Großbritannien an Russland ausgeliefert wird. Sie engagierte sich gegen den Irak-Krieg und setzt sich als UNICEF-Botschafterin weltweit für soziale und politische Belange ein, ist eine unermüdliche Verfechterin der Menschenrechte. Die Oscar-Preisträgerin ist nicht nur eine der weltweit anerkanntesten Schauspielerinnen. Als internationale UNICEF-Botschafterin tritt sie seit den 1990er Jahren insbesondere für Kinder in den Krisengebieten der Erde ein. "Einmischung für Kinder ist für Vanessa Redgrave Einsatz für Frieden und eine Welt ohne Krieg. Ihr Glaube an die Menschlichkeit macht sie mutig und kompromisslos. Und er gibt ihr die Freiheit, sich nicht vereinnahmen zu lassen", erklärte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland anlässlich des 75. Geburtstags. (Quelle: www.unicef.de)
  

Vanessa Redgrave 2016 bei den "Internationalen Filmfestspielen von Cannes"1)
Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0;
Quelle: Wikimedia Commons
 

Vanessa Redgrave 2016 bei den "Internationalen Filmfestspielen von Cannes"; Urheber: Georges Biard;  Lizenz CC-BY-SA 3.0; Quelle: Wikimedia Commons

Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia (u.a. mit einer detaillierten Liste der Auszeichnungen)
sowie www.film-zeit.de
Artikel zum 70. Geburtstag (Januar 2007) bei www.sueddeutsche.de, www.tagesspiegel.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) prisma.de Stand Oktober 2018
   
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(Link: Wikipedia (deutsch/englisch), prisma.de, (Originaltitel))
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