Olivia De Havilland
Olivia (Mary) De Havilland wurde am 1. Juli 1916 in der japanischen Hauptstadt Tokio als Tochter eines britischen Patentanwaltes und der Schauspielerin Lillian Fontaine (1896 – 1975) geboren. Sie ist die ältere Schwester von Schauspielerin Joan Fontaine1) (geb. 1917), die zeitgleich ihre Filmkarriere begann. Schon in jungen Jahren erhielt Olivia gemeinsam mit ihrer Schwester Schauspielunterricht von der Mutter, nachdem sich die Familie in Kalifornien niedergelassen hatte, da man sich dort bessere Heilungschancen für die gesundheitlich labile Mutter versprach, besuchte sie die High School in Los Angeles. Während einer Schulaufführung von Shakespeares "Ein Sommernachtstraum", wo sie die Rolle der Hermia spielte, wurde Olivia De Havilland von Regisseur Max Reinhardt entdeckt. Sofort erhielt sie von "Warner Brothers" einen Langzeit-Vertrag und interpretierte 1935 die Figur der Hermia auch in der legendären Hollywood-Adaption "A Midsummer Night's Dream"2) (Ein Sommernachtstraum3)). In dieser phantasievoll-skurrilen Inszenierung von Max Reinhardt und William Dieterle fiel Olivia De Havilland erstmals als Charakterdarstellerin auf, später sah man sie häufig in den Abenteuer-Filmen von Michael Curtiz, so als Partnerin von Hollywood-Star Errol Flynn in "Unter Piratenflagge"2) (1935, Captain Blood3)), "Die Attacke der leichten Brigade"3) (1936, The Charge of the Light Brigade), "Robin Hood, der König der Vagabunden"2) (1938, The Adventures of Robin Hood3)), "Herr des Wilden Westen"3) (1939, Dodge City) sowie "Günstling einer Königin"2) (1939, The Private Lives of Elizabeth and Essex3)) an der Seite von Bette Davis –  Klassiker des amerikanischen Kinos, die auch heute noch begeistern.
 
Mit Regisseur Mervyn LeRoy sowie Fredric March als Partner drehte sie den pathetischen Historienstreifen "Ein rastloses Leben"2) (1935, Anthony Adverse3)), 1939 erhielt sie für ihre Rolle der engelsgleichen, gütigen Melanie Hamilton in Victor Flemings Kriegsepos "Vom Winde verweht"2) (Gone with the Wind3)) nach dem Bestseller von Margaret Mitchell  (mit Clark Gable und Vivien Leigh) eine Oscar-Nominierung, insgesamt wurde dieser legendäre Klassiker mit zehn Oscars ausgezeichnet und zählt somit zu den erfolgreichsten und berühmtesten Filme des internationalen Kinos.
Es folgten Produktionen wie "Land der Gottlosen"3) (1940, Santa Fe Trail), "Das Goldene Tor"3) (1941, Hold Back the Dawn), "Sein letztes Kommando"3) (1941, They Died with Their Boots On), "Schönste der Stadt"2) (1941, The Strawberry Blonde3)), "Ich will mein Leben leben" (1942, In This Our Life) oder "Der Pilot und die Prinzessin"3) (1943, Princess O'Rourke). Für Aufregung sorgte ihre Klage gegen "Warner Brothers", die ihren Sieben-Jahres-Vertrag zwar weiter verlängert hatte, sie dann aber suspendierte, da sie sich weigerte, eine Rolle zu spielen. Eine Zeit lang war die De Havilland dann von der Leinwand verschwunden.
Sie war mehrfach für den Oscar nominiert und erhielt ihn schließlich für die glänzende Darstellung der aufopferungsvollen Mutter in Mitchell Leisens "Mutterherz"3) (1946, To Each His Own). Noch beeindruckender war sie in der Doppelrolle der guten und der bösen Schwester Collins in Robert Siodmaks "Der schwarze Spiegel" (1946, The Dark Mirror). Eine ihrer überraschendsten Filmfiguren war die Darstellung der Patientin einer Nervenanstalt, Virginia Stuart Cunningham, in Anatole Litvaks Irrenhausdrama "Die Schlangengrube"3) (1948, The Snake Pit).; auch für diese Interpretation erhielt sie eine Oscar-Nominierung. Einen zweiten Akademie-Preis schließlich brachte ihr 1949 an der Seite von Montgomery Clift die Hauptrolle in William Wylers "Die Erbin"3) (1949, The Heiress) ein, wo sie als die reiche, aber unscheinbare und ungeliebte Catherine Sloper brillierte, die durch die Aufmerksamkeiten des Lebemanns und Mitgiftjägers Morris Townsend (Montgomery Clift) aufblüht und den Betrüger zu ihrem Liebhaber macht, um sich endlich als Frau fühlen zu können. Als Catherine feststellen muss, dass Townsend sie hintergeht, wird sie zum gnadenlosen Racheengel…
 
Trotz starker Nachfrage der Filmindustrie blieb die De Havilland immer dem Theater verbunden und stand in den 1950er und 1960er Jahren nur sporadisch vor der Kamera. 1951 feierte sie mit "Romeo and Juliet" einen erneuten großen Erfolg am Broadway.
Die Filmografie der 1950er Jahre weist nur wenige Produktionen auf, so unter anderem Henry Kosters Daphne Du Maurier-Adaption "Meine Cousine Rachel" (1952, My Cousin Rachel) mit Richard Burton als Partner, Stanley Kramers Melodram "…und nicht als ein Fremder"3) (1955, Not as a Stranger) mit Robert Mitchum und Frank Sinatra sowie Michael Curtiz' "Der Stolze Rebell" (1958, The Proud Rebel) mit Alan Ladd. 1964 spielte sie in zwei Horrorstreifen mit, in Walter Graumanns "Lady in a Cage" und neben Bette Davis in dem Psychothriller "Wiegenlied für eine Leiche"2) (Hush… Hush Sweet Charlotte3)) von Regisseur Robert Aldrich.
In den 1970er und 1980er Jahren war sie neben sporadischen Kinoauftritten wie in "Papst Johanna"3) (1972, Pope Joan) oder "Verschollen im Bermuda-Dreieck"3) (1978, Airport '77) auch des öfteren im Fernsehen zu sehen, wie in dem Mehrteiler "Roots 2 Die nächsten Generationen" (1979), der TV-Romanze von Charles und Diana "The Royal Romance of Charles and Diana" (1982), dem Südstaaten-Epos "Fackeln im Sturm3) (1985) oder "Anastasia" (1986, Annastasia: The Mystery of Anna". 1988 stand sie letztmalig für den TV-Film "König ihres Herzens" (The Woman He Loved) vor der Kamera.

Die inzwischen über 90-jährige Olivia De Havilland lebt seit 1953 Jahre zurückgezogen in Paris, einen ihrer bislang letzten öffentlichen Auftritte hatte sie 2003 bei der 75. Oscar-Verleihung. Von 1946 bis 1953 war sie mit dem Schauspieler Marcus Goodrich (1897 – 1991) verheiratet, ihr zweiter Ehemann wurde 1955 der französische Journalist Pierre Galante (1909 – 1998), von dem sie sich 1979 scheiden ließ, ihm aber bis zu dessen Tod verbunden blieb. Aus der Ehe mit Marcus Goodrich stammte Sohn Benjamin, der 1991 verstarb, mit Pierre Galante hat sie die 1956 geborene Tochter Gisele, die in die Fußstapfen ihres Vaters trat und ebenfalls eine erfolgreiche Journalistin wurde.
1962 erschienen ihre Memoiren "Every Frenchman Has One", Ende der 80er Jahre weitere Erinnerungen unter dem einfachen Titel "Olivia De Havilland". Derzeit soll sie gemeinsam mit Maureen O'Brien an weiteren Memoiren arbeiten.
Am 8. September 2010 wurde die Hollywood-Legende, letzter noch lebender Star des Filmklassikers "Vom Winde Verweht", vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy zum "Ritter der Ehrenlegion" ernannt.
 

Link: 1) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) prisma-online.de, 3) Wikipedia
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma-online.de
Siehe auch Wikipedia
Filmografie bei www.imdb.de; Fotos bei www.virtual-history.com
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de