Die beliebte, volkstümliche Unterhaltungssendung "Zum Blauen Bock" wurde am 3. August 1957 auf der "Großen Deutschen Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung" in Frankfurt/M aus der Taufe gehoben. Die Idee, eine typische Äppelwoi-Gaststätte nachzubilden, kam von dem damaligen ersten Intendanten des Hessischen Rundfunks (hr), Eberhard Beckmann1) (1905 – 1962). Drei Monate später strahlte der Sender die Unterhaltungsshow mit "Lokalkolorit" ab 9. November 1957 jeden Samstag – zunächst im Nachmittagsprogramm, später dann am Abend – regelmäßig aus. Gastgeber und Wirt der fiktiven Äppelwoi-Wirtschaft war anfangs Otto Höpfner, der mit Frankfurter "Gebabbel" prominente Gäste aus Film, Funk und Fernsehen empfing, der Show zum raschen Erfolg verhalf und das hessische Nationalgetränk sowie den dazugehörigen Bembel bundesweit bekannt machte.

Bembel-Logo der Sendung "Zum Blauen Bock"
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (Pressestelle); © hr

Bembel-Logo der Sendung "Zum Blauen Bock"; Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (hr);  Copyright hr
Foto: vorne Lia Wöhr und Heinz Schenk, rechts Reno Nonsens, oben Otto Höpfner; Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (hr) Copyright hr Den Eindruck einer Schankwirtschaft erzeugten Tische mit Sitzbänken, auf denen die Gäste saßen, und drumherum angeordnete, etwa zwei Meter hohe Kulissen, welche Fachwerkhäuser darstellten. In der Sendung spielte das Tanzorchester "Hans Schepior" und seine Solisten, der sämtliche eingeladenen Künstler begleitete. Neben der Musik nahmen Wortbeiträge einen nahezu ebenso großen Raum ein. Dazu gehörten Sketche, bei denen auch schon Heinz Schenk mitwirkte, und Gespräche mit den Gästen, wobei stets der Bürgermeister und die bedeutenden Persönlichkeiten der Stadt zu Wort kamen.
Eine Besonderheit der Sendung war, dass die Produktion der Sendung nicht auf einen festen Standort beschränkt wurde. Die Sendung wurde überwiegend in verschiedenen hessischen Städten produziert. Gelegentlich wurden Sendungen auch außerhalb Hessens, zum Teil auch im Ausland produziert. Innerhalb Hessens besuchte man dabei nicht nur die großen, sondern auch kleine Städte. Dies war noch vollkommen ungewöhnlich und sorgte in der jeweiligen Stadt für enormes Aufsehen. Voraussetzung für einen Besuch war es allerdings, dass eine geeignete Stadt- oder Sporthalle zur Verfügung stand.
Weitere Eigenarten stellten die Bembel und der Beginn einer jeden Sendung dar, er bestand nämlich aus einem Einspielfilm, in dem Otto Höpfner in eine Figur, etwa einen Handwerker, schlüpfte. Die Bembel bekamen die Gäste nach ihrer Darbietung zum Dank und als Erinnerung überreicht.
2)
 
Foto: vorne Lia Wöhr und Heinz Schenk,
rechts Reno Nonsens, oben Otto Höpfner
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (Pressestelle); © hr
Im Dezember 1965 verließ Höpfner nach 74 Folgen die Sendung, Heinz Schenk und Lia Wöhr traten ab der 75. Sendung am 15. Januar 1966 als "Gastwirte" seine Nachfolge an, unterstützt von dem ewig nörgelnden Oberkellner Reno Nonsens. Der "Blaue Bock" wurde zu einer bundesweiten Institution "hessisch" gefärbter Unterhaltung und die Sympathiewerte blieben bis zur letzten Sendung im Dezember 1987 unverändert hoch – 15 bis 20 Millionen Zuschauer schalteten regelmäßig ein.
Das Konzept des Formats, Frohsinn und volkstümliche Heiterkeit zu verbreiten, blieb grundsätzlich erhalten, allerdings übernahm Schenk nun nicht mehr direkt die Funktion eines Wirtes, um sich von seinem eher rustikal-hemdsärmelig aufgetretenen Vorgänger Höpfner abzugrenzen. Vielmehr trat der gelernte Schauspieler als Moderator und Entertainer in Erscheinung, der – anfangs als "feiner" Oberkellner, später als Geschäftsführer im Trachtenanzug – auch mit Gesangseinlagen und kleinen Sketchen glänzte. Darüber hinaus konzipierte Schenk als Autor die Show, schrieb viele der Texte und das Drehbuch. Den Part der jovialen Wirtin übernahm Lia Wöhr, dem Publikum bekannt durch die legendäre "Hesselbach"-Serie3), wo sie in den 1960er Jahren als Putzfrau Frau Siebenhals in Erscheinung getreten war. Viele Jahre drückte Franz Grothe1) (1908 – 1982) bis zu seinem Tod der Sendung musikalisch seinen Stempel auf, gemeinsam mit Schenk entstanden über 400 Lieder, die von den Stars jener Jahre interpretiert wurden. Man denke auch an das von Ernst H. Hilbich3) gesungene legendäre Stimmungslied "Heut‘ ist Karneval in Kyritz an der Knatter", mit dem Hilbich Mitte der 1960er Jahre in der Fastnachtsausgabe das Publikum begeisterte und diesen Song als "Prinz von Kniritz an der Knatter" fortan regelmäßig auch beim "Blauen Bock" zum Besten gab.
Der Erfolg der Sendung beruhte nicht zuletzt musikalisch auf einer gelungenen Mischung zwischen leichter anspruchsvollerer Unterhaltung, bekannte und bedeutende Operetten- und Opernsänger wie Rudolf Schock3), Erika Köth3), Renate Holm1) oder Hermann Prey2) gaben sich beim "Blauen Bock" ein Stelldichein, ebenso wie Stars der "leichten Muse", etwa Caterina Valente3), Dunja Reiter1), Paul Kuhn2) oder das "Medium Terzett"1) – um nur ein paar der Publikumslieblinge jener Jahre zu nennen. Aber auch prominente Persönlichkeiten aus Politik, Show und Sport waren stets gern gesehene Gäste. Nach dem Tod von Franz Grothe im Jahre 1982 übernahm Rolf-Hans Müller1) (1928 – 1990) bis zum Schluss die musikalische Leitung der Sendung.
Am 19. Dezember 1987 wurde der Quotenrenner "Zum Blauen Bock" letztmalig ausgestrahlt, insgesamt flimmerten im Verlaufe der Jahrzehnte 208 Sendungen über die Bildschirme, für die zwischen 1957 und 1966 Martin Jente1) (1909 – 1996) und anschließend Lia Wöhr als Produzenten verantwortlich zeichneten.

Siehe auch die Info-Seite beim Hessischen Rundfunk (mit vielen schönen Fotos)
sowie Wikipedia, www.fernsehserien.de

Link: 1) Wikipedia, 3) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser HP
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 07.02.2012)

 
Foto: Otto Höpfner, erster Wirt vom "Zum Blauen Bock"; Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (hr) Copyright hr Otto Höpfner wurde am 6. November 1924 als Sohn eines Metzgers in Mainz geboren. Zunächst trat er in die Fußstapfen seines Vaters, erlernte das Metzgerhandwerk und war kurze Zeit im elterlichen Betrieb tätig. Dann beschloss er, als Musiker ins Showgeschäft zu wechseln, machte eine dementsprechende Ausbildung in Gesang und Klavier sowie erste Bühnenerfahrungen in der Mainzer Fastnacht und kam schließlich durch einen Ansager-Wettbewerb zum Hessischen Rundfunk. Ab 1952 moderierte er im Rundfunk den "Frankfurter Wecker"1), eine Sendung die Live über den Sender ging. Hier wurde Höpfner nicht nur als Gastgeber, sondern auch durch eigene Lieder und Gedichte rasch populär und erreichte Traum-Einschaltquoten. Auch in Sendungen wie beispielsweise "Wie sich die Töne gleichen", in der er Schlager jener Zeit auf ihre Ähnlichkeit mit Melodien aus Opern und Operetten prüfte, war er zu hören. 1957 begann dann mit dem "Blauen Bock" seine fast zehnjährige Karriere als Fernsehstar. Als Wirt der volkstümlichen Unterhaltungssendung, in der er mit Persönlichkeiten aus Politik, Show und Sport locker plauderte, kannte ihn bald ganz Deutschland und Höpfner wurde zum Synonym hessischer Fröhlichkeit und guter Laune.
 
Otto Höpfner, erster Wirt vom "Zum Blauen Bock"
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (Pressestelle); © hr
Als Otto Höpfner 1966 nach 74 Sendungen von Heinz Schenk in der der Äppelwoi-Kneipe abgelöst wurde (ein Streit über die Gage soll die Ursache gewesen sein), wechselte er zunächst zum WDR, dann 1967 zum ZDF und versuchte dort seine Fernseh-Laufbahn fortzusetzen. Bis Ende 1968 moderierte er 13 Folgen lang die ZDF-Sendung "Stelldichein beim Wein", doch er konnte nicht mehr an seine alten Erfolge anknüpfen und verschwand ab Ende der 1960er Jahre fast völlig vom Bildschirm. Der ehemalige Star trat bei Modenschauen, Kaffeefahrten oder Volksfesten auf, brachte noch einige Schallplatten mit selbst verfassten Stimmungsliedern heraus, machte Kabarett, spielte Theater und war nur noch vereinzelt als Gast im Fernsehen präsent – so zuletzt Ende 2004.
Seinen Weggang vom "Blauen Bock" soll er später als seinen "größten Fehler" bezeichnet haben.
1973 kehrte er noch einmal kurz zum Fernsehen zurück: Er leitete die Mainzer Fernsehfastnachtssitzung "Mainz wie es singt und lacht"; dieser Versuch, Elemente der zeitgenössischen Unterhaltungskultur in die Fernsehfastnacht einzuführen, erntete aber bei Kritik und Publikum nur Ablehnung.2)

Der ehemalige Rundfunk- und Fernsehmoderator Otto Höpfner starb überraschend am 31. Januar 2005 in Paris; noch wenige Wochen zuvor hatte er mit einem großen Fest seinen 80. Geburtstag gefeiert.
 
Siehe auch Wikipedia sowie die Seite bei www.hr-online.de
  
Link: 1) Wikipedia
Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 06.02.2012; nach www.fernsehlexikon.de
)
 
Heinz Schenk wurde am 11. Dezember 1924 als Sohn eines Drogisten und einer Solotänzerin in Mainz geboren. Schon als Kind zeigte sich sein komisches Talent, er stand bereits mit zehn Jahren in der Fastnachtsbütt. Nach dem Besuch des "Bischöflichen Willigis-Gymnasiums" in seiner Geburtsstadt ließ er sich 15-jährig parallel zu einer kaufmännischen Lehre am Wiesbadener Konservatorium zum Schauspieler ausbilden. Ein erstes Engagement erhielt Schenk nach Kriegsende an der Wormser Kleinkunstbühne "Zum Elefanten", die Karriere als einer der beliebtesten Entertainer des Deutschen Fernsehens begann im Varieté und im Kabarett, bei Rundfunkveranstaltungen und Schlagerparaden unterhielt er mit Sketchen und Quiz-Spielen das Publikum. Mit Programmen wie "Heinzelmännchens Lachparade" oder "Frankfurter Spätlese" startete Schenk seine außergewöhnliche künstlerische Laufbahn.
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Heinz Hammer zur Verfügung gestellt.
© Heinz Hammer (www.hammer-fotografie.de)
Heinz Schenk; Copyright Heinz Hammer
Foto: Heinz Schenk mit Bembel anlässlich der 200. Sendung von "Zum Blauen Bock"; Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks Copyright hr/Kurt Bethke Beim Hessischen Rundfunk wurde er vor allem durch die Sendung "Frankfurter Wecker"1) rasch bekannt, ein Millionenpublikum erreichte er dann ab 1966 als hessisch babbelnder Äppelwoi-Wirt in der Unterhaltungssendung "Zum Blauen Bock", wo er nicht nur als Gastgeber fungierte, sondern als Autor, Ideenlieferant und Verseschmied die TV-Show maßgeblich prägte.
In den 1970er und 80er Jahren gehörte der "Blaue Bock" zu den beliebtesten Sendungen im Deutschen Fernsehen, zusammen mit der Wirtin Lia Wöhr brachte Heinz Schenk jahrzehntelang Stimmung in Deutschlands Wohnzimmer und erreichte zeitweise fast 20 Millionen Zuschauer.
 
Mit einer Traum-Einschaltquote von 15,9 Millionen Zuschauern verabschiedete sich Heinz Schenk Ende 1987 nach 21 Jahren und 134 Auftritten von der Sendung, konzentrierte sich verstärkt auf Bühnenrollen und begeisterte vor allem im Frankfurter "Volkstheater" das Publikum; hier spielte er beispielsweise mehr als fünfzig Mal in der Komödie "Rendezvous im Palmengarten" den Witwer Bohneberger. 
 
 
Foto: Heinz Schenk mit Bembel anlässlich der 200. Sendung von "Zum Blauen Bock"
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (Pressestelle); © hr/Kurt Bethke
Bereits 1985/86 hatte er während eines Gastspiels als Dr. Doolittle in dem Musical "My Fair Lady" geglänzt, anlässlich seines 50-jährigen Bühnenjubiläums im März 1992 ehrte der Hessische Rundfunk den Volksschauspieler mit der Ausstrahlung von "De Geizhals", der hessischen Version von Molieres "Der Geizige", in der Schenk mit der Titelrolle des "Argan" die Zuschauer belustigte. Zwei Jahre zuvor hatte er im "Volkstheater" erfolgreich den Schwank "Der Etappenhase" auf die Bühne gebracht, die Hauptrolle gespielt und auch Regie geführt. Der Abschied vom "Blauen Bock" bedeutete für Schenk jedoch keineswegs auch den Abschied vom Fernsehen, auf dem Bildschirm war er weiterhin als Schauspieler und Entertainer präsent. So erlebte man ihn beispielsweise 1988 in dem Wedel-Dreiteiler "Wilder Westen, inclusive"1) mit der Rolle des Frührentners Konrad Abs, 1989 übernahm er für den WDR das Talk-Quiz "Atoll", ein Jahr später lief die Satire-Serie "Der Knodderer" an. Auf der Kinoleinwand mimte er 1993 in Hape Kerkelings Spielfilm-Debüt bzw. dem Kassenschlager "Kein Pardon!"1) den hessisch babbelnden, abgehalfterten Heinz Wäscher, der die TV-Show "Witzigkeit kennt keine Grenzen" moderiert. Im Februar des gleichen Jahres feierte Heinz Schenk mit der Unterhaltungssendung "Fröhlich einge-Schenkt" sein Comeback als Showmaster. Die Show mit Musik und Prominenten-Smalltalk wurde so erfolgreich, dass die anfänglich Donnerstags ausgestrahlte Sendung ab 1994 zur großen Samstag-Abend Unterhaltungsshow avancierte, im November 1996 flimmerte die Show letztmalig über den Bildschirm.
Er schrieb die Texte zu weit über 800 Lieder, mit seinen Hits wie "Es ist alles nur geliehen" (erstmals vorgetragen 1978 im "Blauen Bock"), "Alles kann der Mensch sich kaufen – nur keine Zeit", "Wir sind alles Marionetten" oder dem ARD-Fernsehlotterie-Song "Gib dem Glück eine Chance" feierte Schenk auch als Sänger Erfolge. Künstler wie beispielsweise Heino profitierten von Schenks Talent als Texter.
Foto: Heinz Schenk, der 2006  unter die zehn "Größten Hessen" gewählt wird. Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks Copyright hr

Der Beliebtheitsgrad von Heinz Schenk lässt sich an zahlreichen Auszeichnungen ablesen, die der Künstler im Verlaufe seiner Karriere erhalten hat: So wurde ihm unter anderem 1970 ein Bronzener "Bambi" überreicht, 1983 erhielt er die "Hermann-Löns-Medaille"1) (Ehrenmedaille in Gold), seit 1984 ist Heinz Schenk Träger des "Bundesverdienstkreuzes l. Klasse" und 1990 erhielt er einen "Ehren-Bambi" für sein Lebenswerk. Am 9. Dezember 1999 konnte er den "Hessischen Verdienstorden"1) entgegennehmen.
Der Gartenfreund und Hobbyfotograf Heinz Schenk, der seit 1951 mit seiner Frau Gerti verheiratet ist, veröffentlichte 1990 seine Erinnerungen unter dem Titel "Die Sanduhr des Lebens"; vier Jahre zuvor war von ihm "Das große Heinz Schenk-Buch" auf den Markt gekommen. Weitere Buchveröffentlichungen sind unter anderem "Daran hätten Oma und Opa nie gedacht!" (1965) und "Der Witz der Hessen" (1982).
In den letzten Jahren hat sich Schenk, der am 11. Dezember 2009 seinen 85. Geburtstag feierte, altersbedingt ins Privatleben zurückgezogen; er lebt in Wiesbaden-Naurod.
 
Foto: Heinz Schenk, der 2006 unter die zehn "Größten Hessen" gewählt wird.
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (Pressestelle); © hr

Webpräsenz: www.heinzschenk.com
Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de
sowie die Seite bei www.hr-online.de sowie die hr-Galerie "Ein Leben in Bildern"
Filmografie bei der Internet Movie Database
  
Link: 1) Wikipedia

 
Foto: Lia Wöhr als Putzfrau Frau Siebenhals bei den "Hesselbachs"; Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks Copyright hr Lia Wöhr wurde am 26. Juli 1911 als Tochter eines Bäckermeisters in Frankfurt am Main geboren und wuchs mit zwei jüngeren Geschwistern im Gallusviertel auf. Ursprünglich hatte sie Tänzerin werden wollen und begann schon als junges Mädchen mit einer Ballettausbildung.
 
Foto: Lia Wöhr als Putzfrau Frau Siebenhals bei den "Hesselbachs"
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks © hr
Später studierte sie nach dem Besuch eines Lyzeums ab 1927 Musik und Schauspiel an "Dr. Hoch's Konservatorium"1) in Frankfurt und nahm außerdem Gesangsunterricht. Ende der 1920er Jahre sammelte sie als Chansonsängerin im Berliner Kabarett "Porza" erste Bühnenerfahrungen, erhielt dann ein erstes Engagement als "jugendliche Naive" am Theater in Halberstadt, weitere Verpflichtungen führten sie nach Magdeburg und Berlin. Ab 1935 spielte sie in Frankfurt Theater, trat mit klassischen Rollen ebenso auf wie als tanzende Soubrette in Revuen.
Nach Ende des 2. Weltkrieges wandte sich Lia Wöhr dem Regiefach zu, machte sich hier vor allem als Opernregisseurin einen Namen. Von der Oper holte sie der damalige Intendant von "Radio Frankfurt", Eberhard Beckmann1) (1905 – 1962), zum Rundfunk, wo sie das "Hessenmädchen" für die "Bunten Nachmittage" kreierte.
Populär wurde Lia Wöhr vor allem mit der Hörspielfassung von Wolf Schmidts "Die Hesselbachs"1) ("Familie Hesselbach", "Prokurist a. D. Hesselbach, Büro für Lebensberatung", "Hesselbach GmbH"), wo sie von der zweiten bis zur 77. letzten Folge zwischen 1949 und 1956 die "Mamma Hesselbach" spielte bzw. sprach. 1956 wurde sie beim Hessischen Rundfunk als erste Frau Programm-Produzentin für das Fernsehen und produzierte unter anderem ab 1960 die nun für das Fernsehen konzipierte erfolgreiche TV-Familienserie "Die Firma Hesselbach"2) gefolgt von "Familie Hesselbach", stand darin selbst als die hessisch babbelnde Putzfrau Siebenhals vor der Kamera. Bereits ab 1956 hatte sich Lia Wöhr als Putzfrau in der von Hans Hellhoff1) moderierten samstäglichen HR-Unterhaltungssendung "Auf ein frohes Wochenende" hervorgetan und als Putzfrau Hippenstiel über 500 Folgen lang weggeworfene Schallplatten aus dem Papierkorb geklaubt – selbstverständlich mit entsprechend spitzzüngigen Kommentaren.
 
Lia Wöhr, die Produzentin der "Hesselbach"-Serie", mimte die Raumpflegerin Frau Siebenhals.
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (Pressestelle); © hr
Foto: Lia Wöhr, die Produzentin der "Hesselbach"-Serie", mimte die Raumpflegerin Frau Siebenhals. Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks Copyright hr
Daneben zeichnete Lia Wöhr aber auch für Produktionen wie beispielsweise Bachs "Johannespassion", Strawinskys "Feuervogel" oder für Unterhaltungssendungen wie "Acht nach acht" und "Die Montagsmaler" verantwortlich.
Ungeheure Popularität erlangte Lia Wöhr ab 1966 als Wirtin des "Blauen Bock" und blieb dieser Unterhaltungssendung auch nach ihrer Pensionierung (1976) bis zum Schluss treu. 
Neben ihrer umfangreichen Arbeit für das Fernsehen stand Lia Wöhr häufig am Frankfurter "Volkstheater" auf der Bühne, glänzte dort, aber auch bei Gastspielen, beispielsweise in Stücken wie "Zwei ahnungslose Engel" oder "Arsen und Spitzenhäubchen". Die Fernsehzuschauer erlebten sie neben einigen Auftritten in den beliebten "Tatort"-Krimis unter anderem 1980 als Titelheldin in "Guten Abend, Mrs. Sunshine" oder 1987 in der TV-Ausstrahlung der Komödie "Rendezvous im Palmengarten" an der Seite von Heinz Schenk.

Die Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin Lia Wöhr wurde im Verlaufe ihrer Karriere mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, so erhielt sie unter anderem 1982 das "Bundesverdienstkreuz 1. Klasse", 1984 den "Friedrich-Stoltze-Preis"1) und 1992 den "Hessischen Verdienstorden"1), die Stadt Oberursel, wo sie zuletzt lebte, verlieh ihr die Ehrenbürgerschaft. Die Stadt Frankfurt benannte nach einer Anregung der Grünen im Ortsbeirat 1 den Platz an der Kreuzung von Frankenallee und Kölner Straße in ihrem Heimatstadtteil Gallus nach ihr und stellte dort – in der Nähe ihres Geburtshauses – einen vom Hessischen Rundfunk gestifteten Gedenkstein auf. Ebenso wurde, allerdings noch zu ihrer Lebenszeit, ein öffentlicher Weg zu ihrem Haus in Weißkirchen nach ihr benannt ("Lia-Wöhr-Weg"). Lia Wöhr war auch Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Oberursel-Weißkirchen.3)
 
Die "eingefleischte Junggesellin" Lia Wöhr starb am 15. November 1994 im Alter von 83 Jahren in Oberursel.
Dem breiten Publikum ist Lia Wöhr vor allem als forsch-resolute Wirtin des "Blauen Bocks" in nachhaltiger Erinnerung geblieben, doch sie war sehr viel mehr – Operettensoubrette, Kabarettistin, Souffleuse, Conferencière, Alleinunterhalterin, Hörfunksprecherin, internationale Opernregisseurin und preisgekrönte Fernsehproduzentin. Ihre Erinnerungen veröffentlichte sie kurz vor ihrem Tod unter dem Titel "Meine Welt ist ein großes Theater".
  
Siehe auch Wikipedia, die Seite bei www.hr-online.de sowie den Artikel zum 100. Geburtstag von Lia Wöhr bei www.frankfurt.de
Filmografie bei der Internet Movie Database
  
Link: 1) Wikipedia, 2) Beschreibung innerhalb dieser HP
Quelle: 3)
Wikipedia (abgerufen 06.02.2012)

 
Reno Nonsens wurde am 3. April 1919 als Regnauld Seyfarth in Straßburg geboren und kam bereit mit sechs Jahren zusammen mit seinen Eltern nach Frankfurt/M.
1939 absolvierte er an der "Wöhlerschule" die Reifeprüfung und besuchte eine Klavier- und Schauspielklasse an "Dr. Hoch's Konservatorium"1). Nach einer Lehre als Gerber in Freiberg wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach seiner Entlassung studierte er Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt, Straßburg und Freiburg bis zum Abschluss als Diplom-Volkswirt.2)
Beim Frankfurter Kabarett-Theater "Die Schmiere"1), welches er 1950 gemeinsam mit Rudolf Rolfs1) (1920 – 2004) gründete, brachte er fast 40 Jahre lang als hessisch babbelnder und schlecht gelaunter Kleinbürger die Leute zum Lachen.
Foto: Fester Bestandteil der Äppelwoi-Wirtschaft "Zum Blauen Bock": Wirt, Wirtin, Pikkolo und Oberkellner Reno Nonsens (rechts); Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks Copyright hr Im "Blauen Bock" mimte Nonsens als nörgelnder Kellner den Pausenclown und war fester Bestandteil der Sendung. Besonders Wirtin Lia Wöhr brachte er meist zur schieren Verzweiflung und fast jeder Sketch endete mit Lia Wöhrs Ausruf "Also, Herr Noooonsens…".
 
Foto: Fester Bestandteil der Äppelwoi-Wirtschaft "Zum Blauen Bock": Wirt, Wirtin, Pikkolo und Oberkellner Reno Nonsens (rechts)
Foto mit freundlicher Genehmigung des Hessischen Rundfunks (Pressestelle); © hr
Reno Nonsens war in den letzten Sendungen "Blauen Bock" nicht mehr dabei, die Gründe liegen im Dunkeln; selbst der Hessische Rundfunk kann heute nicht mehr sagen, warum Nonsens die Unterhaltungs-Show verließ. Fest steht jedoch, dass damit auch die Fernsehkarriere des Komikers beendet war. 1990 nahm er mit dem Programm "Rolfs und Nonsens räumen das Lager" seinen Abschied von der Bühne.2)
Reno Nonsens starb am 27. September 2001 mit 82 Jahren in Frankfurt/Main.
 
Siehe auch Wikipedia sowie die Seite bei www.hr-online.de
Filmografie bei der Internet Movie Database

Link: 1) Wikipedia
Quelle:
2) Wikipedia (abgerufen 06.02.2012)
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