| Joachim Teege |
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Joachim Teege gehört zu den Schauspielern, die in den 50er und 60er Jahren
in vielen Filmen und Fernsehspielen ungemein populär waren, heute jedoch in
Vergessenheit geraten sind. Geboren am 30. November 1926 in Spremberg (Niederlausitz) wuchs der Sohn eines Oberstudienrats in Berlin auf, wo er auch die Oberrealschule besuchte. Nach dem Schulabschluss begann Teege zunächst ein Studium der Literaturgeschichte und Germanistik, da er später als Lektor bei einem Verlag arbeiten wollte; während des 2. Weltkrieges musste er seine Ausbildung unterbrechen, da er zum Kriegsdienst einberufen wurde. Er geriet in britische Kriegsgefangenschaft, wurde im Lager Ascot interniert, wirkte dort ab 1943 in einer Arbeitsgemeinschaft für Hörspiele mit und betätigte er sich als Sprecher und Autor des "German Prisoners' Program". Als er 1946 wieder in seine Heimat kam, setzte er zunächst kurz sein Studium fort, entschied sich dann jedoch, beim damaligen NWDR in Köln als Regieassistent in der Hörspielabteilung zu arbeiten, einen anschließenden Vertrag erhielt er beim "RIAS Berlin". 1947 startete Teege dann seine Schauspielerkarriere und erlernte sein Handwerkszeug an der Schauspielschule des Berliner Hebbel-Theaters, noch im gleichen Jahr gab er sein Bühnendebüt mit der kleinen Rolle eines Schäfers in einer Märchenvorstellung. Ein erstes Engagement erhielt Teege im Herbst 1947 am Berliner Renaissancetheater, wo er ebenso wie an der "Freien Volksbühne" und dem "Berliner Ensemble" erfolgreich auf der Bühne stand; gleichzeitig arbeitete er weiter für den Rundfunk und gehörte 1949 zu den Mitbegründern des legendären Kabaretts "Die Stachelschweine", konnte aber wegen anderer Engagements weder bei den anfänglichen Auftritten im August noch in den ersten Programmen mitwirken. 1951 kam er zur Gruppe zurück und führte Regie beim 8. Programm "Das Brettl hoch", in dem er auch mitspielte (Premiere 7. April 1951 im Burgkeller am Kurfürstendamm). Am "Berliner Ensemble", das von Bertolt Brecht und Helene Weigel gegründet worden war, glänzte er beispielsweise 1948 als "Schweizerkas" in "Mutter Courage und ihre Kinder", im "Theater der Jugend" gab er 1949 den Junker Bleichenwang in Shakespeares "Was ihr wollt" ebenso beeindruckend wie den Silvius in Shakespeares "Wie es euch gefällt" an der Freien Volksbühne. Seit Anfang der 50er Jahre trat Teege wechselweise an den Städtischen Bühnen in Frankfurt a. M. und dem Bayerischen Staatstheater in München auf, die Frankfurter Rundschau schrieb anlässlich seines frühen Todes Ende 1969 unter anderem "Manch eine der Rollen hätte nicht leicht ein anderer so authentisch, so vollkommen und mit sparsamsten Mitteln verkörpern können, wie es Joachim Teege getan hat. Entkörpern wäre freilich in seinem Falle der entsprechendere Ausdruck angesichts der langen Hopfenstange, die er auf die Bretter stellte. In seiner unüberbietbaren Skurrilität schlenkerte er mit seinen langen Armen und Beinen gelegentlich so schlaksig daher, dass man ihn für eine an Drähten bewegte Marionette (vielleicht gar im Kleistschen Sinne) nehmen konnte. Von Natur aus war ihm mit oder ohne Brille, fragend, grübelnd, verloren vor sich hinschauend die Vis comica, die komische Kraft zu eigen zunächst von der Gestalt her und den Gesten, erst recht in seiner trockenen, sich selbst ironisierenden Sprechweise. Die ( ) heiteren und die ernsten Komponenten waren ihm gleichermaßen gegeben, kamen aus seinem eigensten Wesen." Seit Ende der 40er Jahre übernahm Teege auch verschiedenste Rollen für den Film, seit Mitte der 50er Jahre arbeitete er auch für das Fernsehen. Meist waren es auf der Leinwand wie auf dem Bildschirm kleine, dennoch prägnante Nebenrollen mit einer gehörigen Portion an Komik, wie die des biederen Kleinstadtbürgers Heini Bock in Wolfgang Staudtes "Die Seltsamen Abenteuer des Herrn Fridolin B." (1948) an der Seite von Axel von Ambesser in der Titelrolle und Hubert von Meyerinck als "falscher Biedermann". Teege "hatte einen sonderbaren Wackelgang und wirkte meist verschroben und schusselig, gab seinen stillen Sonderlingen aber stets ein gerüttelt Maß an unwiderstehlicher Liebenswürdigkeit mit auf den Weg. Sein skurriler Humor war leise und unaufdringlich, warmherzig und kordial, so dass er auch in plakativen Karikaturen immer menschlich blieb.", so Rainer Dick im "Lexikon der Filmkomiker" (1999). 1950 erlebte man Teege als Herrn Spärlich in Georg Wildhagens Shakespeare-Adaption "Die Lustigen Weiber von Windsor", in Wildhagens Operetten-Verfilmung "Die Dubarry" (1951) mimte der Mann mit dem markant-hageren Gesicht einen Fotografen, in dem Heimatfilm "Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren" (1952) einen Konditor. Kurt Hoffmann besetzte ihn als konfusen, geschwätzig-umstandskrämerischen Zeugen Eunano in der Curt Goetz-Komödie "Hokuspokus" (1953, mit Curt Goetz und Valèrie von Martens), eine Figur, die Teege in Hoffmanns Remake mit Heinz Rühmann und Liselotte Pulver 1966 ebenfalls wieder herrlich verkörperte; zu Teeges weiteren Filmen der 50er Jahre zählen unter anderem der Dr. Klarwein in dem Lustspiel "Knall und Fall als Detektive" (1953) und der Standesamtdiener Storch in der Militär-Klamotte "Drei Tage Mittelarrest" (1955). In den 60ern sah man ihn beispielsweise als Rechtsanwalt Stone in Alfred Vohrers Wallace-Streifen "Der Bucklige von Soho" (1966), in Kurt Hoffmanns "Liselotte von der Pfalz" (1966) mimte er einen frömmelnden Abbé, ein Jahr später erschien er als zeitreisender Räuber Hugo in "Herrliche Zeiten im Spessart"; in "Zum Teufel mit der Penne" sah man ihn dann 1968 als Lehrer Dr. Burki letztmalig auf der Leinwand. Das Fernsehen bot dem Schauspieler, der von einer Zeitung einmal als "schusseliger Parsifal der deutschen Bühne" bezeichnet wurde, interessante Aufgaben und hier konnte Teege vor allem in einigen Literatur-Verfilmungen beweisen, dass er nicht nur auf seichte Rollen abonniert war. So spielte er in Ulrich Lauterbachs Gogol-Verfilmung "Der Revisor" (1955) sowie in den Zuckmayer-Adaptionen "Der Hauptmann von Köpenick" (1960, mit Rudolf Platte) und "Der Fröhliche Weinberg" (1961), in Giraudoux' "Die Irre von Chaillot" (1960, mit Hermine Körner) und Ionescos "Die Nashörner" (1961, mit Bernhard Wicki) war er ebenso auf dem Bildschirm präsent wie in Shakespeares "Ein Wintermärchen" (1965). Zu seinen letzten bedeutenden Fernseharbeiten zählt Fritz Umgelters Dreiteiler "Rebellion der Verlorenen" (1965) nach dem gleichnamigen Krimi von Henry Jaeger sowie die Rolle des Königs in Eugène Ionescos "Der König stirbt" (1965) an der Seite von Maria Becker als Königin Margarete. Joachim Teege, der seit 1962 Mitglied der Deutschen Akademie der darstellenden Künste in Frankfurt a. M. war, starb am 23. November 1969 (nach anderen Quellen am 20. November) wenige Tage vor seinem 43. Geburtstag in München an einem Herzinfarkt; zuvor war er während einer Gastspielreise des Tournee-Theaters Basel an einer schweren Rippenfellentzündung erkrankt. Der Schauspieler war verheiratet und Vater einer in Südamerika geborenen Adoptivtochter. |
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Siehe auch wikipedia.org;
Filmografie bei der german.imdb.com Foto bei film.virtual-history.com |
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