Zusammen mit dem
Schauspieler Joseph Offenbach förderte Gründgens den weiteren
darstellerischen Werdegang Lasers und übertrug ihm erste kleinere Rollen.
Während eines Gastspiels an den Deutschen Kammerspielen in Santiago de Chile (1962/63)
wurde Peter Stein auf den charismatischen Schauspieler aufmerksam, doch es
sollte noch einige Zeit dauern, bis er ihn 1967 an die Münchner Kammerspiele
holte; dort profilierte sich Laser in den nachfolgenden zwei Jahren zu
einem anerkannten Charakterdarsteller. Als Peter Stein 1969 nach Zürich
wechselte, ging Dieter Laser mit ihm und zeigte dort bis 1970 in zahlreichen
Stücken seine enorme Wandlungsfähigkeit. Anschließend folgte der
Schauspieler einem Ruf an die Berliner die "Schaubühne am Halleschen Ufer",
dessen Direktoriumsmitglied er wenig später wurde.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
|
Seit 1974 ist Dieter Laser
freiberuflich tätig und bindet sich nicht mehr fest an ein Haus, Gastspiele
unter anderem in Basel, am Württembergischen Staatstheater Stuttgart, den Bühnen der Stadt Bonn, der Freien Volksbühne Berlin,
dem Schiller-Theater Berlin und dem Wiener Burgtheater sowie bei den Salzburger Festspielen
gehören zu seinen Theaterstationen.
Mit einem breit gefächerten Rollenrepertoire, dass von klassischen, aber auch
modernen Figuren geprägt ist, bewies und beweist Dieter Laser immer wieder seine enorme
schauspielerische Dominanz. Titelrollen wie in Ibsens "Peer Gynt", Shakespeares
"Macbeth" oder Sophokles' "Oedipus" gehören ebenso dazu wie der
"Mercutio" in Shakespeares "Romeo und Julia" , der "Prinz von Gonzaga" in Lessings
"Emilia Galotti" oder der "Glumow" in Ostrowskijs "Eine Dummheit macht auch der Gescheiteste".
Als "Freder" in glänzte er beispielsweise in Bruckners "Krankheit der Jugend",
als "Bankier Westerhaus" in Schnitzlers "Komödie der Verführung",
als "Antoine" in Roger Vitracs "Victor oder die Kinder an der
Macht" oder als "Don Alphons von Este" in "Lucretia
Borgia" von Victor Hugo um nur einiges zu nennen.
 |
Dieter Laser und Marita Breuer in Arthur
Millers "Der Preis" (09.01.1990)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
In jüngerer Zeit (2001/02)
brillierte er am "Théatre National Du Luxembourg" sowie bei
Ruhrfestspielen in Recklinghausen als "Soliman" in Daniel C. von Lohensteins "Ibrahim Bassa",
wenig später erlebte man ihn 2002 im Kloster Brunshausen
mit dem Monolog des Giordano Bruno nach Drewermanns Buch "Giordano Bruno
oder Der Spiegel des Unendlichen", eine Inszenierung mit der Laser immer
noch das Publikum begeistert: Dieter Laser, dessen charismatischer Bühnenpräsenz
man sich kaum entziehen kann, zeigt den Intellektuellen Giordano Bruno als
Menschen, der am Leben hängt und sich in die Schönheit seiner
Heimatlandschaft bei Neapel träumt, der betrauert, "keine Diana gehabt"
zu haben und dann wieder in Zorn gerät, dass die Wahrheit ohne Chance ist.
Einen Menschen, den Albträume plagen und die Verzweiflung über die Dummheit
der Macht. Er macht die Angst sichtbar, dass er unter neuerlicher Folter
widerrufen werde. Es ist ein ständiges Sich-seiner-selbst-vergewissern. Bis
hin zur Apotheose als nackte Kreuzigungsfigur und zum trotzigen Triumph:
"Der Geist ist nicht zu töten." Die etwa eineinhalbstündige
Inszenierung, die nach der Premiere in Bebenhausen überschwänglich gefeiert
wurde, stammt von Dieter Laser und Klaus Engeroff, der zusammen mit Klaus Giffhorn
die Textfassung nach Drewermanns Buch geschrieben hat.
(Zitat:
Reutlinger General-Anzeiger, 23.10.2005)
Zu Lasers aktuelleren Theaterauftritten zählt unter anderem die herausragend
gespielte Rolle des besessenen Kapitän Ahab in der Bühneversion von Herman Melvilles
"Moby Dick", welche 2004 unter der Regie von Amélie Niermeyer und Klaus Buhlert
als "Moby Dick oder der Wal" am Theater Freiburg uraufgeführt
wurde.
|
2005 begeisterte der Mime beim Weimarer Kunstfest als Philosoph
Friedrich Nietsche in der szenischen Lesung "Ich bin Dein Labyrinth"
an der Seite von Daphne Wagner als Cosima Wagner; bereits ein Jahr zuvor hatte
das Schauspieler-Duo beim Sommerfestival in Bad Reichenhall bzw. beim Festival
in Bad Kissingen in diesem Stück brilliert, aus Briefen, Tagebüchern und Texten von Friedrich Nietzsche
und Cosima Wagner gelesen. 2006 erlebte man Dieter Laser beispielsweise am
Düsseldorfer Schauspielhaus als Dr. Bock in Elias Canettis Stück "Die
Hochzeit", einer Revue zwischen Welttheater und aberwitzigem Totentanz,
melancholischem Märchen und diabolischem Spaß, in dem Laser auch im Januar
bzw. Ende Februar 2007 zu sehen war. In Moritz Rinkes Stück "Die Nibelungen Die letzten Tage von
Burgund", der von Festspiel-Intendant Dieter Wedel als Politthriller
bilderreich inszenierten, dreieinhalbstündigen Geschichte
des Untergangs der Burgunder, spielte Laser den
Hunnenkönig Etzel. Die Premiere war am 20. Juli 2007, die Nibelungen-Festspiele1)
fanden
bis zum 5. August 2007 vor
der magischen Kulisse des Wormser Kaiserdoms am
Originalschauplatz des mittelalterlichen Epos statt, 2008 wurde erstmals in der Geschichte der Nibelungenfestspiele
"Die letzten Tage von Burgund" im Wechsel mit "Siegfrieds Frauen"
gespielt.
Foto: ©Christine Fenzl
Das Foto wurde mir
freundlicherweise von Dieter Laser zur Verfügung gestellt; das Copyright
liegt bei der Fotografin Christine Fenzl (auch Hintergrundbild), die einer Veröffentlichung zugestimmt
hat.
|
Bei Lasers Theaterwirken der letzten Jahre muss Hansgünther Heymes Inszenierung
"Heiliges Land" des algerischen Autors Mohamed Kacimi genannt werden, der mit seinem aus 13 Szenen
bestehenden Stück Bezug auf den israelisch-palästinensischen Konflikt nimmt, ohne ihn konkret zu benennen.
Der Regisseur Hansgünther Heyme, der mit dem Theater Brechts groß geworden ist und dessen
dramaturgische Prinzipien in Ehren hält, hatte Kacimis schwieriges Stück im Herbst 2007 im Pfalztheater Kaiserslautern
uraufgeführt. Stefan Benz (Darmstädter Echo) schrieb unter anderem
"Es ist Dieter Laser, der bei dieser Uraufführung als Vater Yad zeigt, welche Ironie,
welcher Sarkasmus und vor allem welcher Rhythmus in dem Text stecken. Dieser
Yad hat genug erlebt, will nur noch Arak trinken, Pistazien essen und Dostojewski lesen.
Doch mit seinem zynischen Pragmatismus lässt sich der Krieg nicht aussperren, die Gewalt
kommt in Gestalt seines Sohnes zur Tür herein. (
) Dieter Laser spielt die Tragödie
dieses Mannes ausladend, modelliert die Sätze, schärft sie an, dehnt die Konsonanten,
grollt trocken und bringt Kacimis Sentenzen bisweilen fast schon singend zum Klingen.
Dieser Schauspieler reizt die Sprache aus, überreizt auch manchmal, doch letztlich macht er an diesem Abend
den Unterschied zwischen Triumph und Mittelmaß."
Aktuell steht der Schauspieler bei den Ruhrfestspielen 2010 in der von
Armin Holz inszenierten Shakespeares Komödie "Was Ihr Wollt"
auf der Bühne. Die Premiere des hochkarätig besetzten Stücks, eine
Koproduktion der Ruhrfestspiele Recklinghausen, dem Théâtre National du
Luxembourg, dem Grand Théâtre de Luxembourg und dem Renaissance-Theater
Berlin, findet am 29. Mai 2010 im Theater Marl statt; die Berliner
Premiere folgt am 12. Juni 2010.
Mehr zum Theaterwirken von Dieter Laser in
diesem Dokument (PDF-Datei,
134 KB).
|
Über die Theaterszene hinaus bekannt und populär wurde Dieter Laser seit
Anfang der 70er Jahre durch zahlreiche Filme und Fernsehspiele. Nach der Rolle
des Miguel in dem Kinofilm "Die Letzten Ferien" (1975) übertrug
ihm Ulf Miehe die Titelfigur in "John Glückstadt", die Laser
einen Bundesfilmpreis einbrachte. Volker Schlöndorff besetzte ihn als Reporter Tötges in
seiner Böll-Adaption "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975), wenig
später tauchte Laser in Manfred Purzers "Die Elixiere des Teufels"
(1976, nach E.T.A. Hoffmann) sowie neben Horst Frank und Jürgen Prochnow in Rainer Erlers
"Operation Ganymed" (1977) auf. In dem Streifen "Die Gläserne
Zelle", den Hans W. Geissendörfer nach dem Krimi von Patricia Highsmith
in Szene gesetzt hatte, mimte er den Anwalt David Reinalt, spielte in Dagmar Dameks Drama "Nachtwachen" (1979,
auch "Miras Haus") und
in Horatius Haeberles "Ein Gutes Land" (1982), der Geschichte eines
jungen Inders aus Kalkutta, auf der Suche nach dem Paradies.
Foto: © Werner Bethsold
Das Foto entstand 1982 während einer Hörspielproduktion.
|
Erneut an der
Seite von Jürgen Prochnow agierte er in der amerikanisch-französischen
Produktion "The Man Inside" (1990, The Man Inside Tödliche
Nachrichten), die nach der aufsehenerregenden Reportage von Günter Wallraff
entstanden war, ein Jahr später folgte die Komödie "Meeting Venus"
(1991, Zauber der Venus) an der Seite von Glenn Close und Niels Arestrup, mit
dem Regisseur István Szábo einen satirischen Blick auf den Betrieb der
E-Musik wirft. In Peter Sehrs filmischen Dokumentation "Kaspar
Hauser" (1993, mit André Eisermann in der Titelrolle) erlebte man Laser
mit der eher ungewöhnlichen Rolle des Ludwig I. von Bayern, nach Peter Patzaks Literaturverfilmung
"Brennendes Herz Tagebuch einer Flucht"
(1995, nach dem autobiografischen Roman von Gustav Regler) sowie der Rolle des Peter Hollsten
in Armin Mueller-Stahls "Conversation with the Beast" (1996, Gespräch
mit dem Biest) folgte der "Professor Blättchen" in Volker Schlöndorffs
ambitioniertem und hochkarätig besetztem Film "Der Unhold" (1996,
u.a. mit John Malkovich und Armin Mueller-Stahl), welcher die Mythen des
Nationalsozialismus thematisiert. Erwähnt werden muss auch Lasers Rolle des
"Bruno" in Martin Buchhorns Grass-Verfilmung "
"Die Rättin" (1997), zu Lasers weiteren Arbeiten für das
Kino zählen unter anderem Maria von Helands Thriller "Recycled Tot und Mordschlag" (1999),
Oskar Roehlers Komödie "Suck My Dick" (2001), Winfried Bonengels
Drama "Führer Ex" (2002), Maria von Helands Geschichte "Große Mädchen weinen nicht" (2002)
sowie Reuben Leders Actionthriller "Baltic Storm Der Untergang der
Estonia" (2003) mit Jürgen Prochnow und Greta Scacchi.
Zu seinen jüngsten Arbeiten für das Kino zählt Margarethe von Trottas Drama
"Ich bin die Andere" (2006) mit Katja Riemann und August Diehl;
Laser spielte eindrucksvoll den zungenlosen, stets grimmig dreinschauenden
Butler Bruno. Zuletzt stand der Schauspieler für den internationalen Thriller "The Human
Centipede" (2008, Regie: Tom Six) mit der Hauptrolle des
pensionierten, verrückten Chirurgen Dr. Josef Heiter vor
der Kamera; der Horrorstreifen wurde 2009 auf dem "Screamfest" in Los Angeles"
sowie dem "Fantastic Fest" (USA) als "Best Picture"
ausgezeichnet, Laser selbst erhielt dort den Preis "Best Actor 2009".
Auf dem Bildschirm schlüpft der Schauspieler in beliebten Krimireihen wie
"Tatort", "Polizeiruf 110" oder "Rosa Roth"
oft in die Rolle des Bösewichts, auch für Serien wie "Wolffs Revier",
"Die Cleveren", "Lexx" "Der Solist" oder "SK Kölsch"
steht er wiederholt vor der Kamera. In den fünf Folgen der
Science-Fiction-Geschichten um "Das Blaue Palais" erlebte man ihn 1974 bzw. 1976 eindrucksvoll
als Chemiker Enrico Polazzo, der kurz davor
steht, ein neues Material zu entwickeln, das Stahl und Titan ersetzen könnte.
|
In
Claus Peter Witts Turgenjew-Adaption "Väter und Söhne" (1978) glänzte er
als Medizinstudent Basarow, in "Kennwort Schmetterling" (1981)
und dem Mehrteiler "Konsul Möllers Erben" (1983) arbeitete
er erneut unter der Regie von Claus Peter Witt. Zusammen mit Angelica Domröse
und Dietrich Mattausch erlebte man den Schauspieler in Claudia Hollacks
vielbeachtetem TV-Spiel "Don Quichottes Kinder" (1981), in Bernhard Sinkels Vierteiler
"Väter und Söhne Eine deutsche Tragödie" (1986),
welcher die deutsche Geschichte von der Gründerzeit bis zum Zweiten Weltkrieg
nachzeichnet, verkörperte er überzeugend den Friedrich Deutz neben Burt Lancaster
in der Rolle des Carl Julius Deutz sowie Julie Christie als Charlotte Deutz.
Szenenfoto: "Konsul Möllers Erben"
Dieter Laser (Rolle: Dr. Raabe) mit Barbara Freier (Rolle: Gertrud
Möller)
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
Bis Mitte der 90er Jahre sah man den Schauspieler dann etwas seltener im
Fernsehen, danach agierte er beispielsweise in dem dreiteiligen Krimi
"Die Tote von Amelung" (1995), spielte in Peter Patzaks
Liebeskomödie "Schmetterlingsgefühle" (1996) oder in dessen
Thriller "Gefangen im Jemen" (1999).
Das Melodram "Meine grüne Freiheit Ein Frühling in Irland" (2000)
gehört ebenso zu Lasers TV-Filmografie wie die spannende deutsch-australische
Produktion "Abschied in den Tod" (2001). Mitte
Oktober 2005 sah man ihn in der "Rosa Roth"-Episode "Im Namen des Vaters"
als Priester Jacob Salfeld auf dem Bildschirm und auch mit dieser
kleinen, dennoch intensiven Nebenrolle bewies er einmal mehr seine darstellerische
Dominanz. In Dieter Wedels Zweiteiler "Gier"1)
(EA: 20./21.01.2010) gehörte er mit dem kleineren Part des Generals Klaus Habenicht
ebenfalls zur prominenten Schauspielerriege.
|