Jutta Hoffmann wurde am 3. März 1941 in Halle an der Saale in eine Arbeiterfamilie hineingeboren. Schon früh interessierte sie sich für das Theater, spielte schon während der Schulzeit in Laiengruppen. Nach dem Abitur ließ sie sich ab 1959 drei Jahre lang an der Filmhochschule Babelsberg zur Schauspielerin ausbilden, ein erstes Engagement erhielt sie anschließend 1962 am Ost-Berliner "Maxim-Gorki-Theater", dessen Ensemble sie bis 1965 angehörte. Dann wechselte Jutta Hoffmann für zwei Spielzeiten an das "Deutschen Theater", um dann 1967 an das "Maxim-Gorki-Theater" zurückzukehren. Bis 1973 stand sie dort auf der Bühne, folgte dann einem Ruf des "Berliner Ensembles".
Nach ihrer Beteiligung am Protest gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns sah sich auch Jutta Hoffmann den Repressalien des DDR-Regimes ausgesetzt, Ende der 1970er Jahre nahm sie vermehrt Gastspielangebote in der Bundesrepublik, unter anderem an der "Freien Volksbühne Berlin", an. Nachdem sie 1982 die DDR endgültig verlassen hatte, spielte sie an verschiedenen namhaften Bühnen, beispielsweise an den "Münchner Kammerspielen", am "Bayerischen Staatsschauspiel" und am "Deutschen Schauspielhaus" in Hamburg. Mitte der 1990er Jahre kehrte sie für kurze Zeit nach Berlin zurück, verkörperte unter anderem am "Deutschen Theater" in Einar Schleefs Inszenierung "Verratenes Volk" (1995) die Rosa Luxemburg und stand in "Herr Puntila und sein Knecht Matti" (1996) am "Berliner Ensemble" auf der Bühne.

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Jutta Hoffmann 01; Copyright Virginia Shue
Rasch hatte sich Jutta Hoffmann mit ihrem facettenreichen Spiel sowohl in klassischen als modernen Stücken zu einer anerkannten Charakterdarstellerin entwickelt. Sie glänzte mit Titelrollen beispielsweise in Lessings "Minna von Barnhelm", Strindbergs "Fräulein Julie" oder in Federico García Lorcas "Yerma". Bei den Salzburger Festspielen gab sie 1982 in einer Inszenierung von Dieter Dorn in Goethes "Torquato Tasso" die Leonore d'Este, neben Peter Simonischek in der Titelrolle, Romuald Pekny als "Alfons der Zweite" und Thomas Holtzmann als "Antonio Montecatino". Weitere herausragende Interpretationen waren beispielsweise die Vivie in Shaws "Frau Warrens Beruf" (Berliner Ensemble), an der "Freien Volksbühne Berlin" die Sofia Jegerowna Woinitzewa in Tschechows "Platonow" (1979) unter der Regie von Luc Bondy, an den "Münchner Kammerspielen" das Fräulein Montag in Peter Weiss' "Der neue Prozeß" oder die Helma in "Der Park" von Botho Strauß (jeweils Regie Dieter Dorn). Vor allem aber durch ihre Zusammenarbeit mit Peter Zadek wurde sie dem westdeutschen Theaterpublikum zum Begriff, mit dem sie unter anderem am "Bayerischen Staatsschauspiel" die Titelrolle in Lorcas "Yerma" erarbeitete und von der Zeitschrift "Theater heute" für ihre Leistung zur "Schauspielerin des Jahres" gekürt wurde.
 
Jutta Hoffmann als "Leonore von Este" in "Torquato Tasso"; Copyright Virginia Shue
Jutta Hoffmann als "Leonore d'Este" in "Torquato Tasso"
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Zum Film kam Jutta Hoffmann bereits Anfang der 1960er Jahre, ihr Leinwanddebüt gab sie mit noch kleineren Rollen in den DEFA-Streifen "Das Rabaukenkabarett" (1961) und "Ärzte" (1961), mit der Zeit wurden die Aufgaben größer. Mit der Rolle der jungen, gegen althergebrachte Konventionen opponierenden Lehrerin "Karla" in Hermann Zschoches gleichnamigem Gegenwartsfilm (1965) bewies sie sich als eindrucksvolle Charaktermimin, der Film wurde jedoch von der DDR-Zensur verboten und gelangte erst 1990 in die Kinos. Mit der Figur des "Lämmchen" in Hans-Joachim Kasprziks TV-Adaption von Hans Falladas "Kleiner Mann – was nun?" (1967) wurde Jutta Hoffmann einem breiten Publikum bekannt, 1969 übertrug ihr Egon Günther die Titelrolle der Leonore in seiner zweiteiligen Fernsehfassung von Arnold Zweigs Roman "Junge Frau von 1914" (1970), mit der sie erneut ihre darstellerische Kraft unter Beweis stellte.
Jutta Hoffmann 02; Copyright Virginia Shue

Doch erst mit Günthers Kinofilm "Der Dritte"1) (1972), der auf den Filmfestivals in Karlovy Vary und Venedig ausgezeichnet wurde, erlangte sie internationalen Ruhm und konnte bei der Biennale den Preis als "Beste Schauspielerin" für die Darstellung der Margit Flieser entgegennehmen; die DDR ehrte ihre Künstlerin mit dem "Nationalpreis". Eine weitere Zusammenarbeit mit Egon Günther ergab sich mit dem Film "Die Schlüssel" (1972), der jedoch wegen der heiklen Thematik wiederum mit einem Aufführungsverbot belegt wurde. Jutta Hoffmann spielt darin die junge Arbeiterin Ric, die mit ihrem Freund, einem Studenten (Jaecki Schwarz), nach Polen in Urlaub fährt. Dabei brechen Konflikte auf, beide erkennen die Unterschiedlichkeit ihrer Lebensauffassungen.

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In den folgen Jahren agierte Jutta Hoffmann überwiegend in verschiedenen, für das Regime politisch unbedenklichen Historien- und Unterhaltungsfilmen, beispielsweise brillierte sie in Egon Günthers aufwendig inszenierten Thomas Mann-Adaption "Lotte in Weimar"1) (1974) neben der Protagonistin Lilli Palmer als klatschsüchtige Adele Schopenhauer. Ausnahmen bilden Ende der 1970er Jahre Frank Beyers Kinofilm "Das Versteck"1) (1978) sowie dessen TV-Beziehungsdrama "Geschlossene Gesellschaft" (1978) mit Armin Mueller-Stahl.
 
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Jutta Hoffmann 03; Copyright Virginia Shue
Jutta Hoffmann 01; Copyright Joachim Gern Ein weiterer wichtiger Regisseur für Jutta Hoffmann wurde Thomas Langhoff, der sie mit der Titelrolle in seiner Fernsehfassung von Ibsens "Hedda Gabler" (1980) besetzte, zwei Jahre später wurde sie seine Hauptdarstellerin in der eigenwilligen TV-Adaption von Goethes "Stella" (1982) neben Michael Gwisdek als "Ferdinand" und Jutta Wachowiak als Cäcilie. 
Nach längerer Leinwandabstinenz drehte Pater Vogel mit ihr das TV-Drama "Die Zeit der Einsamkeit" (1983), nach der Erzählung von Stephan Hermlin, und übertrug ihr die Rolle der jüdischen Magda Neubert, der sie eindrucksvoll und brillant Leben einhauchte. Danach wurde die Arbeit für den Film mehrere Jahr unterbrochen und Jutta Hoffmann spielte fast ausschließlich Theater.
Erste Auftritte im bundesrepublikanischen Fernsehen hatte sie in der von Wolfgang Menge konzipierten 13-teiligen Serie "Motzki"1) (1993), wo Jutta Hoffmann die tüchtige Ost-Schwägerin Edith der Titelfigur alias Jürgen Holtz mimte, in den kommenden Jahren sah man sie sporadisch in so populären Krimi-Reihen wie "Bella Block" (1995, Episode: Liebestod). Eine wundervoll locker eindringliche Rolle spielt sie neben Katja Riemann, Nicolette Krebitz und Jasmin Tabatabai in Katja von Garniers forschen Frauenknast und Gangster-Musiksatire "Bandits"1) (1997).
 
Foto mit freundlicher Genehmigung von Joachim Gern
© Joachim Gern
Als Hauptkommissarin Wanda Rosenbaum sah man sie erstmals 1999 in der "Polizeiruf 110"-Folge "Mörderkind", nach "Angst" (2001) und "Bei Klingelzeichen Mord" (2001) mimte sie diese Figur zuletzt 2002 in der Episode "Wandas letzter Gang"2). Eine kleine, wenn auch prägnante Nebenrolle spielte sie in Oskar Roehlers ungewöhnlichen Liebesgeschichte "Der alte Affe Angst"2) (2003), zuletzt erlebte man die Ausnahmeschauspielerin in der TV-Produktion "An die Grenze"1) (2007) von Regisseur Urs Eggers, in dem spannenden, starbesetzten Politthriller "Die Frau aus dem Meer"2) (2008) des "Tatort"-Veteranen Niki Stein sowie in der Episode "Zweiter Frühling" (2011) aus der Krimi-Serie "SOKO Stuttgart".
 
Jutta Hoffmann gehörte in den 1970er Jahren zu den bedeutendsten Schauspielerinnen der ehemaligen DDR, doch auch in späteren Jahren zeigte sie immer wieder ihre enorme Ausdrucksfähigkeit. Nicht nur als Darstellerin hat sie sich einen Namen gemacht, von 1993 bis 2006 war sie als Professorin an der Hamburger "Hochschule für Musik & Theater" tätig, vermittelte vielen bekannten Künstlern das für den Beruf notwendige Rüstzeug. Darüber hinaus fasziniert sie in jüngerer Zeit das Publikum mit Lesungen, so mit den Tagebuchaufzeichnungen der DDR-Schriftstellerin Brigitte Reimann1) (1933 – 1973). "Mit Jutta Hoffmann haben Reimanns Tagebucheinträge die ideale Interpretin gefunden" jubelte nicht nur die Presse.

Foto mit freundlicher Genehmigung von Joachim Gern
© Joachim Gern

Jutta Hoffmann 02; Copyright Joachim Gern
In erster Ehe war die Schauspielerin und Pädagogin mit dem Regisseur Herrmann Zschoche1) verheiratet, nach der Scheidung ehelichte sie den österreichischen Schauspieler und Regisseur Nikolaus Haenel. Aus ihrer Ehe mit Herrmann Zschoche stammt die 1962 geborene Tochter Katharina, Sohn Valentin aus ihrer Verbindung mit Nikolaus Haenel. Jutta Hoffmann lebt heute in Potsdam.
 
Anlässlich des 70. Geburtstages der Charakterdarstellerin am 3. März 2011 gratulierte auch das "Filmmuseum Potsdam" und widmete der Künstlerin vom 11.  März bis 13. Juni 2011 eine Ausstellung auf der Galerie und in einem Teil des unteren Foyers. Eröffnet wurde die Retrospektive mit verschiedensten Exponaten in Anwesenheit von Jutta Hoffmann und Egon Günther einen Tag vorher, am 10. März 2011; anschließend wurde nach einem Empfang der vielbeachtete Film "Die Schlüssel" von Regisseur Egon Günther aus dem Jahre 1972 gezeigt. Weiterhin würdigte auch der MDR mit verschiedensten Fernseh- und Hörfunkbeiträgen das künstlerische Schaffen von Jutta Hoffmann. Mit dem am 15. Februar 2012 im Verlag "Das Neue Berlin" erscheinenden Buch "Jutta Hoffmann. Schauspielerin" werden die bei der Ausstellung verwendeten Materialien zusammengefasst.
Seit 12. April 2011 hat die vielfach ausgezeichnete Charakterdarstellerin Jutta Hoffmann auch einen Stern auf dem "Boulevard der Stars"1) in Berlin.
  

Link: 1) Wikipedia, 2) prisma-online.de Stand Januar 2012
Kontakt: www.funke-stertz.de
Siehe auch Wikipedia, www.prisma-online.de, www.einarschleef.net, www.defa-stiftung.de sowie
das Portrait zum 70. Geburtstag bei www.tagesspiegel.de
Filmografie bei www.imdb.de
Jutta Hoffmann mit Ulrich Wildgruber in "Macbeth"; Copyright Virginia Shue Jutta Hoffmann in "Macbeth"; Copyright Virginia Shue
Jutta Hoffmann (links mit Ulrich Wildgruber) in "Macbeth"
Deutsches Schauspielhaus Hamburg (1987), Regie: Wilfried Minks
Die Fotos wurden mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
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