Schnell hatte sich Bierbichler mit unterschiedlichsten Rollen einen Namen
als kraftvoller, rebellischer Theater-Star gemacht, brillierte beispielsweise
als Odysseus in Heiner Müllers "Philoktet" ebenso wie als "Gauner Schnell"
in Nestroys Posse "Die beiden Nachtwandler". Er glänzte unter anderem mit der
Titelrolle in Tankred Dorsts "Korbes" (1988) ebenso wie als klassischer Held
in Friedrich von Schillers "Wilhelm Tell" (1988) oder als Goethes "Urfaust"
(1989, Münchner Volkstheater); er beeindruckte als Galileo Galilei in Brechts
"Das Leben des Galilei" (1998, Berliner Ensemble), mit der
Titelrolle in Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline" (1997, Hamburger
Schauspielhaus) und wurde für seine Darstellung in letztgenanntem Stück mit
dem "Gertrud-Eysoldt-Ring"1) ausgezeichnet dem höchstdotierten Schauspielerpreis im deutschsprachigen
Raum. Ein Jahr zuvor war Bierbichler für seine Verkörperung des Lopachin in Peter Zadeks Tschechow-Inszenierung
"Der Kirschgarten" am Wiener Burgtheater vom Fachblatt "Theater
heute" zum "Schauspieler des Jahres" gewählt worden. In
jüngerer Zeit begeisterte der Charakterdarsteller das Publikum auch mit den
Hauptrollen in Shakespeares "König Lear" (1999) oder dessen "Sommernachtstraum" (2001) um
nur wenige von Bierbichlers herausragenden Theaterauftritten zu nennen.
Das eigenwillige Einpersonenstück "Holzschlachten. Ein Stück Arbeit"
entstand nach einer Idee bzw. einem Konzept von Josef Bierbichler, basierend
auf Interviews des Journalisten Bruno Schirra zwischen 1995 und 1998 mit dem
KZ-Arzt Hans Münch sowie Monologen des Schriftstellers Florian List und wurde
mit Bierbichler in der Rolle des SS-Arztes Hans Münch Mitte Juni 2006 an der
Berliner Schaubühne uraufgeführt. "Es geht um einen älteren Mann, umgeben von Bergen von Holzstämmen.
Er zerlegt sie fachmännisch und sorgfältig und der Rhythmus seiner Arbeit bringt ihn zum Reden.
Darüber, was er getan hat, bevor er anfing, Holz zu hacken. Arbeit ist Arbeit.
Und wenn er sie macht, will er sie gut machen. Ein verstörender Monolog über die
Routine der grausamen Vernichtungsmaschinerie des Nationalsozialismus und über den
Umgang mit der Vergangenheit und der Schuld."
(Quelle: www.schaubuehne.de)
"Die Selbstverständlichkeit, mit der Münch über Auschwitz spricht, wie
hemmungslos und ungebremst er redet, erzählt viel mehr als jeder Hinweis auf
das Verbrechen", so Bierbichlers persönlicher Kommentar zu seinem
eindringlichen Solo gegen das Vergessen.
Zu den Höhepunkten in Bierbichlers Theaterschaffen gehörte am 18. Mai 2008
die Verleihung des "Theaterpreises Berlin"1) der Stiftung Preußische
Seehandlung anlässlich des "Berliner Theatertreffens". Bierbichler erhielt die
Auszeichnung für "herausragende Verdienste um das deutschsprachige
Theater". Nach Angaben der Jury "gibt es kaum einen anderen
deutschsprachigen Bühnendarsteller, der mit seiner einfachen Präsenz das
Publikum so sehr in seinen Bann zu ziehen vermag". Weiter hieß es unter
anderem: "Er ist kein Verwandlungskünstler, sondern ein Versinnlicher
von Haltungen und Gefühlen. Dieser Schauspieler erklärt uns nicht Figuren
und Situationen, er stellt sie nicht her oder aus, sondern er befragt sie im
unangestrengten Spiel. Statt in fremde Figuren zu schlüpfen, erkundet er
diese, indem er alle Nähe und Fremdheit aus sich selbst heraus holt,
Bierbichlers Theaterspiel speist sich stark aus seiner Physis. (
) Da Joseph
Bierbichler zur Spezies des "denkenden Schauspielers" gehört, der
nicht nur Widersprüche auf der Bühne zeigt, sondern sie auch im Leben
findet, mischt er sich immer wieder mit Gegenrede und Widerspruch in
gesellschaftliche und politische Diskurse ein."
Dass Bierbichler diese Ehrung zu Recht bekam, bewies er auch an der Berliner "Schaubühne" mit der Titelrolle in Ibsens Drama
"John Gabriel Borkmann". In dem von Thomas Ostermeier inszenierten
Schauspiel verlieh Bierbichler dem kaltherzigen, machtbesessenen Bankier
Borkmann eigenwillig Kontur, Angela Winkler und Kirsten Dene
brillierten als Schwestern,
deren Leben von Borkmann fremdbestimmt und am Ende zerstört wird.
Die Premiere fand am 14. Januar 2009 vor ausverkauftem Haus statt, Bierbichler
interpretierte Borkmann als selbstsicheren und selbstgerechten Mann, der nur darauf
wartet, dass seine einstigen Widersacher "zu Kreuze kriechen", mit
viel Applaus und Bravo-Rufen ging ein gelungener Theaterabend zu Ende. → www.schaubuehne.de
Seit Mitte der 1970er Jahre wurde Bierbichler durch Rollen in zahlreichen
Filmproduktionen, aber auch in viel beachteten Fernsehspielen
einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Als herzoglicher Jäger
Simmerl hatte er 1975 sein TV-Debüt in "Der Brandner Kaspar und das ewig'
Leben"1) gegeben, spielte bis Ende der 1980er Jahre in etlichen
anarchischen Heimatfilmen des Regisseurs Herbert Achternbusch mit, wie
beispielsweise in "Bierkampf"1) (1977), "Der Junge Mönch" (1978),
"Der Neger Erwin" (1981), "Der Komantsche" (1981),
"Das Gespenst"1) (1983), "Rita Ritter" (1984), "Wanderkrebs" (1984),
"Heilt Hitler!" (1986) oder "Wohin?" (1988).
Die
Kinozuschauer erlebten Bierbichler aber auch in Filmen anderer bedeutender
Regisseure, wie unter anderem 1978 in Doris Dörrie "Der Erste Walzer",
ein Jahr später als feschen Tambourmajor in Werner Herzogs "Woyzeck"1)
oder 1981 in Rainer Erlers TV-Film "Mein Freund, der Scheich". Den von der Liebe getroffenen Zahnarzt
Dr. Armin Thal mimte er 1983 in Doris Dörries Film "Mitten ins Herz",
war 1991 der schwerfällige, bürgerliche Liebhaber Helmberger in Jo Baiers Drama "Wildfeuer"
oder stand 1997 für Tom Tykwers "Winterschläfer"1)
vor der Kamera, wo er eindrucksvoll einen gebrochenen Vater spielte, der den Tod seines Kindes betrauert.
Mit einem seiner seltenen TV-Auftritte begeisterte im gleichen Jahr das
Fernsehpublikum als korrupter Baudezernent Edgar Wurlitzers, der in Christian Görlitz's
psychologischem Drama "Freier Fall" Fahrerflucht begeht, nachdem er
in angetrunkenem Zustand unwissend seine eigene Frau überfahren hat und in
eine Katastrophe gerät; für seine Leistung wurde Bierbichler 1998 zusammen
mit Regisseur Christian Görlitz und Schauspielerkollegen Florian Martens, der
als diabolischer Verteidiger im Rollstuhl agierte, mit dem "Grimme-Preis in Gold"
ausgezeichnet.
Ebenfalls 1997 gab es eine erneute Zusammenarbeit mit Regisseur Herbert Achternbusch
in dessen Kinofilm "Picasso in München", ebenso wie 1998 in
dem Film "Neue Freiheit Keine Jobs", welchen Bierbichler kurz darauf
am "Deutschen Schauspielhaus" in Hamburg inszenierte und damit sein Debüt als
Theaterregisseur gab. 1998 sah man ihn auch mit der Hauptrolle in Peter Kerns
filmischer Biographie "Hans Eppendorfer: Suche nach Leben" sowie in Andreas Lechners
Romanze "Hot Dogs". Von Publikum und Kritikern gleichermaßen
gefeiert wurde 2000 Bierbichlers eindringliche Darstellung des alternden Bertolt Brecht
in Jan Schüttes "Abschied Brechts letzter Sommer"1),
der die letzten Tage im Leben des Schriftstellers Bertolt Brecht filmisch
umsetzt;
in Markus Imbodens spannenden TV-Thriller "Ein Dorf sucht seinen Mörder"2)
zeigte er 2002 als Rechtsanwalt Dr. Haake und alternder Liebhaber der
ermordeten jungen Tina einmal mehr seine enorme schauspielerische Dominanz.
In jüngerer Zeit wirkte Bierbichler in der Kinoproduktion "Hamlet_X" (2003)
mit und spielte in Sebastian Steinbichlers vielbeachtetem dramatischen
Heimatfilm "Hierankl"1) (2003) den Vater der
Hauptdarstellerin Lene alias Johanna Wokalek. Im Fernsehen war er mit
der Hauptrolle des Karl Fürnkranz in Julian Roman Pölslers Thriller
"Polterabend"1) nach dem erfolgreichen "Polt"-Krimi des
Österreichers Komarek präsent, sowie 2004 als zwielichtiger Dr. Rolf Schneider
in Markus Imbodens zweiteiligem Krimi "Das Konto"1) mit Heino Ferch. Im Frühjahr 2005 erlebte
man ihn eindrucksvoll in dem Beziehungsdrama von Regisseur Christian Görlitz
"Außer Kontrolle" als alkoholabhängigen und zynischen Romanistikprofessor Jörg,
der es seiner wesentlich jüngeren Frau Lisa (Christiane Paul) nicht
leicht macht; in das Beziehungsgeflecht mit eingewoben sind der
Journalist Dieter (Jürgen Vogel) und dessen Ehefrau (Suzanne von Borsody).
Die Fernsehzeitschrift "Gong" urteilte: "Josef Bierbichlers Auftritt in diesem
subtilen Psychodrama ist beeindruckend, die restlichen Drei der Schicksalsgemeinschaft
stehen ihm an Ausdruck aber kaum nach." Eine prägnante Figur, die
des Chefredakteurs Dr. Spitz, spielte er in dem von Diethard Klante nach
dem gleichnamigen Roman von Martin Walser in Szene gesetzten TV-Film
"Ohne einander"1) (2007; siehe auch www.dieterwunderlich.de).
Mit einem neuen Film, dem von Hans Sebastian Steinbichler inszenierten
einfühlsamen Drama "Winterreise"2), konnte der
Ausnahmeschauspieler als abgebrannter Kleinunternehmer Franz Brenninger einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis
stellen. "Regisseur Hans Steinbichler schickt den Geschäftsmann Brenninger (Josef Bierbichler) auf eine
"Winterreise" in die melancholische Seele eines Mannes, der sich in der Welt nicht mehr zurechtfindet.
Er spielt einen Geschäftsmann, der sich auf den Weg nach Afrika machen muss, um mit seinem Leben ins Reine zu
kommen und den inneren Frieden zu finden, der seit langem verloren ist."
(Quelle: Andreas Fischer, teleschau der mediendienst
GmbH)3)
dem Publikum jedenfalls begegnet ein sehr emotionaler Film,
der in seiner Balance aus Schwere und Heiterkeit gefällt und besonders durch den
großartigen Hauptdarsteller getragen wird. Seinem misanthropischen Lebemann und ewigen
Grantler muss man trotz aller Flüche und Poltereien
("Neger und Notare, alles Arschlöscher!") einfach eine große Portion Sympathie entgegenbringen. Geschickt ist in die
"Winterreise" auch inhaltlich der gleichnamige Liedzyklus von Franz Schubert hineingewoben,
der dem melancholischen Part des Filmes auch in der musikalischen Dimension Intensität verleiht.
(Quelle: www.leipzig-almanach.de)
Für seine eindringliche schauspielerische Leistung wurde Bierbichler am 4. Mai 2007 bei der 57. Verleihung
der Deutschen Filmpreise in Berlin mit einer "Goldenen Lola"
als "Bester männlicher Hauptdarsteller" ausgezeichnet.
(siehe auch "Winterreise" bei Wikipedia)
Gerade abgedreht hatte er unter der Regie von Caroline Link (auch
Drehbuch) das Familiendrama "Im Winter ein Jahr"1). Nach dem
Roman "Aftermath" von Scott Campbell zeichnet die
Filmemacherin beeindruckend das atmosphärische Portrait einer zerrissenen Familie,
Bierbichler spielt den Künstler Max Hollander, der von Eliane Richter
(Corinna Harfouch) gebeten wird, ein Bild ihrer beiden Kinder zu malen, der
22-jährigen Lilli (Karoline Herfurth), einer talentierten
Tanz-Studentin, und des 19-jährigen Alexander (Cyril Sjöström), der
vor einem knappen Jahr tödlich verunglückt ist. Als Lilli, zunächst
lustlos, zu Sitzungen im Studio des Malers erscheint, merkt dieser
schnell, dass sie in großen emotionalen Schwierigkeiten steckt und er
versucht, die ehemals tiefe Verbindung der Geschwister besser zu
verstehen.4)
Kinostart war der 13. November 2008,
bei der Verleihung des "Deutschen Filmpreises" am 24. April 2009 in Berlin wurde "Im Winter ein Jahr" als "Bester
Spielfilm" mit einer "Lola in Silber" prämiert.
Ebenfalls Ende 2008 kam die
österreichische Produktion "Der Knochenmann"1) von Regisseur Wolfgang Murnberger
in die Kinos, gedreht nach einem der Bestseller-Romane von Wolf Haas um
den kauzigen Privatdetektiv "Brenner", gespielt von Josef Hader. Bierbichler
glänzt in dieser skurrilen Geschichte als Notoriker
namens Löschenkohl, Chef einer gleichnamigen Grillstation, in der
ganzen Steiermark berühmt berüchtigt für seine riesigen
Grillhendl bzw. einer massenhaften Verköstigung von Hungrigen. Der
produzierte Knochenabfall wird in einer Knochenmehlmaschine verarbeitet,
eines Tages kommt es dort zu einem grausigen Fund
Bei den 42. Internationalen Hofer Filmtagen (21. bis 26. Oktober 2008)
wurde neben "Im Winter ein Jahr" ein weiterer
Spielfilm mit Bierbichler in der Hauptrolle vorgestellt. "Der
Architekt"2) hieß das Regiedebüt der Berliner Schauspielerin Ina Weisse. Im Mittelpunkt
steht der Hamburger Erfolgsmensch und Architekt Georg Winter (Josef Bierbichler) der vom Tod
seiner Mutter erfährt und sich mit seiner Familie widerwillig in sein Heimatdorf aufmacht.
Bei schlechtem Wetter fährt er mit seiner Frau Eva (Hilde von Mieghem) und seinen beiden erwachsenen
Kindern (Matthias Schweighöfer und Sandra Hüller) mit dem Auto zur Beerdigung seiner Mutter.
Dort wird der Familienvater mit seiner Vergangenheit konfrontiert, mit seiner
Jugendfreundin Hannah (Sophie Rois) und deren Sohn Alex (Lucas Zolgar). Die scheinbar
harmonische Fassade der Familie Winter beginnt zu bröckeln. Bei der Testamentseröffnung kommt
es zu einem Eklat. Als das Dorf dann auch noch durch eine Schneelawine von der
Außenwelt abgeschnitten wird, kann der Architekt nicht mehr entfliehen.
Sein mühsam aufrecht erhaltenes Leben droht einzustürzen. Schließlich läuft
er vor sich selbst und seinen Problemen davon. Erschöpft bricht er zusammen und landet im verschneiten Straßengraben.5)
Der Film kam am 29. Januar 2009 in die Kinos.
Wenige Monate später kam am 15. Oktober 2009 das Drama "Das Weiße Band"1) mit dem Untertitel
"Eine deutsche Kindergeschichte" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke
in die Kinos. Der prominent besetzten Film u.a. mit Burkhart Klaußner, Susanne Lothar
und Ulrich Tukur spielt am Vorabend des Ersten Weltkriegs 1913/14 in einem Dorf
im protestantischen Norden Deutschlands und
erzählt die Geschichte des vom Dorflehrer (Christian Friedel) geleiteten Schul- und
Kirchenchors, der kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien
wie dem Gutsherr (Ulrich Tukur), dem Pfarrer (Burghart Klaußner), dem
Gutsverwalter (Josef Bierbichler), einer Hebamme (Susanne Lothar), einem
Arzt (Rainer Bock) und einiger Bauern. Dann passieren seltsame Unfälle, die nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen
annehmen. Wer steckt dahinter?
Der Film nahm im Mai 2009 am offiziellen Wettbewerb der 62. Internationalen
Filmfestspiele im französischen Cannes teil und feierte damit seine
Weltpremiere. Hanekes Sozialstudie über eine autoritäre Gesellschaft,
deren Kinder sich 20 Jahre später begeistert in den
Nationalsozialismus stürzen werden, wurde in Cannes mit der "Goldenen
Palme" ausgezeichnet. Einen weiteren Preis konnte Michael Haneke
mit dem "Grand Prix de la FIPRESCI" für den "besten Film des
Jahres" entgegennehmen, jährlich verliehen von der internationalen
Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung "FIPRESCI". Am 26. August 2009
wählte die Organisation "German Films" die Produktion "Das
weiße Band" als offiziellen deutschen Bewerber für eine
Oscar-Nominierung in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film"
aus.
Am 12. Dezember 2009 ging der "Europäische Filmpreis"
an "Das weiße Band" in den Kategorien "Bester europäischer
Film", "Beste Regie" und "Bestes Drehbuch".
Knapp einen Monat später – am 17. Januar 2010 – gehörte
die deutsch-österreichische Produktion zu den Gewinnern des "Golden
Globe Award" in der Kategorie "Bester fremdsprachiger Film".
Die jährlich in Hollywood verliehenen "Golden Globes" sind eine
der wichtigsten Preisverleihungen in der Filmbranche und gelten als
Barometer für die Oscar-Verleihung. Michael Hanekes Film "Das
weiße Band" gelingen Bilder, die im Kopf bleiben. Und sie sind
schwarz-weiß. "Schwierigkeiten, die Bilder zu glauben",
bereiteten ihm Farbfilme über historische Themen, sagt der Regisseur:
"Mein Bildgedächtnis ist schwarz-weiß, anders kann ich es mir nicht
vorstellen." Seine Bilder scheinen in der Tradition des schwedischen
Meisterregisseurs und Pfarrersohns Ingmar Bergmann zu stehen. Ähnlich
kraftvoll und scharf sind sie. Hanekes Film ist ein Panoptikum abgründiger
Miniaturen und "das weiße Band" des Titels steht dabei für die
schwarze Pädagogik eines evangelischen Pfarrers.6) Aktuell
zeigt sich Bierbichler mit der titelgebenden Figur des berühmten
Schriftstellers Brand in Thomas Roths Thriller "Brand , Eine
Totengeschichte" und ist für den am 27. Januar 2012 zu
verleihenden "Österreichischen Filmpreis"1) als
"Bester männlicher Darsteller" nominiert. Der Streifen
feierte am 1. Dezember 2011 seine deutschlandweite
Kinopremiere → www.brand-derfilm.at.
Josef Bierbichler, der bereits 1987 mit dem Kinofilm "Triumph der
Gerechten" sein Debüt als Drehbuchautor und Regisseur gegeben
hatte, veröffentlichte im September 2001 sein autobiographisch gefärbtes Buch
"Verfluchtes Fleisch", um "herauszufinden, wie weit die Wahrheit noch
entfernt ist, wenn man ihr besonders nahe gekommen zu sein
glaubt.", wie er in einem Interview sagte.
Am 13. März 2008, knapp einen Monat vor Bierbichlers 60. Geburtstag, kam die von Regina Schilling realisierte
90-minütige Dokumentation
"Bierbichler"7) in die Kinos, mit der der Filmemacherin ein
einfühlsames Portrait über den wortgewaltigen Querdenker gelang: Die
Filmemacherin Regina Schilling hat den Ausnahmeschauspieler über zwei
Jahre begleitet, seine zeitweiligen Weggefährten Werner Herzog und
Herbert Achternbusch und seine Geliebte Luisa Francia befragt, vor allem
aber hat sie den Bauern- und Wirtssohn vom Starnberger See, der seit
seiner Geburt 1948 im Gasthof der Familie lebt, zum Reden gebracht.
Bierbichler gibt offen Auskunft über seine Hassliebe zum Theater, über
den Ursprung und die Sehnsucht nach der Kunst, darüber wie er mit dem
Schauspielerdasein hadert und auf der Suche nach neuen Wegen ist. Er
probiert andere Dinge aus, singt Mahler- und Eisler-Lieder, schreibt ein
Buch ("Verfluchtes Fleisch"). Man sieht ihn bei Theaterproben,
folgt ihm während der Vorbereitungen zu seinem Theaterstück "Holzschlachten.
Ein Stück Arbeit", in dem er Schauspieler, Regisseur und Dramaturg
in einer Person ist.8)
Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater und Film, steht der
charismatische Künstler mitunter als Vokalist und Sänger auf der Bühne. Darüber
hinaus ist der Hobby-Landwirt seit Jahren als Sprecher für verschiedenste
Audio-Produktionen und Hörspiele tätig.
Der bedeutende und vielseitige Charakterdarsteller, Regisseur und Autor
Josef Bierbichler ist Vater von drei Kindern und lebt in seinem
Geburtsort Ambach. Er war viele Jahre mit der Autorin, Filmemacherin und
Malerin Luisa Francia liiert.
Seine 1946 geborene Schwester Annamirl
Bierbichler1) hatte ebenfalls den Beruf der
Schauspielerin ergriffen und sich vorwiegend in Filmen Herbert
Achternbuschs, aber auch am Theater einen Namen gemacht. Annamirl Bierbichler starb am 27. Mai
2005.
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