Ingrid Andree 01 Ingrid Andree wurde am 19. Januar 1931 als Ingrid Tilly Unverhau und Tochter eines Kaffee-Importeurs in Hamburg geboren; ihr Onkel war der Schauspieler Joachim Gottschalk (1904-1941), der während des 2. Weltkrieges zusammen mit seiner jüdischen Frau den Freitod wählte.
Nach dem Abitur legte Ingrid Andree die Zulassungsprüfung an einer Hamburger Schauspielschule ab und studierte später an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, unter anderem bei Eduard Marks. Ihr Bühnendebüt gab die Schauspielerin am Hamburger Thalia-Theater in Turgenjews "Ein Monat auf dem Lande" und erhielt dort auch ein erstes Engagement. Weitere Bühnenverpflichtungen führten die Künstlerin nach Berlin, Wien und Zürich, erste große Erfolge hatte sie in Arthur Millers "Hexenjagd", Tennessee Williams' "Tätowierte Rose" und besonders in Colettes "Gigi". 

Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
Bevor Ingrid Andree 1970 von Boy Gobert erneut an das Hamburger Thalia-Theater berufen wurde, gehörte sie ab 1967 zum Ensemble der Münchner Kammerspiele, wo sie beispielsweise unter der Regie des großen Fritz Kortners mit der Titelrolle in Strindbergs "Fräulein Julie" auf der Bühne stand, oder 1969 in "Hedda Gabler" brillierte. In Hamburg gab sie u. a. 1971 die "Lulu" in Wedekinds gleichnamigen Stück, sie verkörperte 1972 die "Kate" in Pinters "Alte Zeiten" oder war 1974 die Elisabeth in Schillers "Maria Stuart".
Anfang 1980 unterzeichnete die Künstlerin einen längerfristigen Vertrag mit dem neuen Thalia-Intendanten Peter Striebeck, den sie aber wenige Monate später wieder löste, um Jürgen Flimm nach Köln zu folgen, der 1979 die Intendanz des dortigen Schauspielhauses übernommen hatte.
  
Ingrid Andree 02
Ingrid Andree hinter der Bühne nach der Premiere von
"Hoffmanns Erzählungen"
an der Hamburgischen Staatsoper am 24.05.1981.
Regie: Jürgen Flimm
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg) zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.

1985/86 kehrte Ingrid Andree mit Flimm an das Hamburger Thalia-Theater zurück. In jüngerer Zeit sah man die berühmte Schauspielerin als "Franziska" in Günter Krämers Inszenierung "Die Arabische Nacht" im Kölner Schauspielhaus auf der Bühne. Bereits 1994 hatte sie dort in dessen Inszenierung von Brechts "Der gute Mensch von Sezuan" die Titelrolle übernommen; im Herbst 2003 spielte Ingrid Andree in Berlin die hexenhaft irrlichternde Herodias in Oscar Wildes "Salome" unter der Regie von Armin Holz. Zu ihren jüngsten Arbeiten für das Theater zählt die Rolle der Mutter in dem Stück "Eldorado" von Marius von Mayenburg, welches am 11. Dezember 2004 an der "Berliner Schaubühne" uraufgeführt wurde.
  
Ihr Leinwanddebüt hatte die Schauspielerin noch als Ingrid Unverhau 1950 mit einer kleinen Nebenrolle in "Professor Nachtfalter" gegeben, der eigentliche Durchbruch gelang ihr dann ein Jahr später mit der Rolle der Ursula in Rolf Thiele's "Primanerinnen". Danach folgten zahlreiche Kinofilme wie "Liebeserwachen" (1953), "Roman einer Siebzehnjährigen" (1955) oder "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"1) (1957), in denen die zierliche, nur 1,62 m große Schauspielerin zumeist auf die " Kindfrau" des deutschen Films festgelegt wurde.
Glanzlichter ihrer Darstellungskunst waren Rollen, in denen sie zwischen Phantasie und Realität pendelte. So beispielhaft 1959 als Fee von Pohl in "Der Rest ist Schweigen"1) von Helmut Käutner, wo sie wunderbar das Mädchen "Fee" zwischen Blumen, Puppen, Trümmern und Träumen verkörperte.
Ingrid Andree spielte in rund 40 Leinwandproduktionen mit und avancierte zum Kino-Liebling der 50er Jahre. In den 60er Jahren spielte sie dann vor allem in für das Fernsehen bearbeiteten Bühnenstücken. So sah man sie beispielsweise 1962 in "Was Ihr wollt", 1963 in "Amphitryon 38" oder 1969 in "Die Ratten". Neben ihrer vornehmlichen Arbeit für das Theater sowie Film- und Fernsehen arbeitete Ingrid Andree auch als Synchronsprecherin, so war sie beispielsweise als "Königin Konstanzia" in der beliebten "Hui Buh"-Serie zu hören.

  
Nach längerer Zeit stand die beliebte Schauspielerin 2009 für die Episode "Wettlauf mit dem Tod" aus der Krimiserie "SOKO Leipzig" mal wieder vor der Kamera. Abgedreht hat sie den Kinofilm "Transfer" (2009), eine moderne Doktor-Faust-Geschichte des 21. Jahrhunderts von Regisseur Damir Lukacevic, wo sie neben Mehmet Kurtulus, Jeanette Hain und Hans-Michael Rehberg sowie den amerikanischen Darstellern Regine Nehy und B. J. Britt eine Hauptrolle übernommen hatte.
  
Ingrid Andree, die für ihre Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, war von 1959 bis zu ihrer Scheidung 1965 mit dem 1967 verstorbenen Schauspieler Hanns Lothar2) verheiratet; aus dieser Verbindung stammt Tochter Susanne Lothar2) (geb. 1960), die sich inzwischen ebenfalls einen Namen als bedeutende Schauspielerin gemacht hat.
Seit 1986 ist Ingrid Andree Mitglied der "Freien Akademie der Künste Hamburg".
  

Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP Stand: Februar 2010
Siehe auch Wikipedia , Filmografie bei der german.imdb.com
Ingrid Andree bei der Agentur Erna Baumbauer
    
Filme (Auszug)
1950: Professor Nachtfalter 1951: Primanerinnen
1952: Oh, du lieber Fridolin 1953: Liebeserwachen
1954: Drei vom Varieté 1954: …und ewig bleibt die Liebe
1954: Sanatorium total verrückt 1955: Die Frau des Botschafters
1955: Oberwachtmeister Borck 1955: Ihr Leibregiment
1955: Roman einer Siebzehnjährigen 1956: Mein Bruder Josua
1956: Verlobung am Wolfgangsee 1957: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull
1957: Ein Stück vom Himmel 1957: Wie schön, dass es dich gibt
1957: Die Liebe Familie 1958: Auch Männer sind keine Engel
1958: Blick zurück im Zorn (TV) 1958: …und nichts als die Wahrheit
1958: Peter Voss, der Millionendieb
1958: Colombe (TV) 1958: Wiener Luft
1958: Schlag auf Schlag 1959: Der Rest ist Schweigen
1960: Sturm im Wasserglas 1961: Treibjagd auf ein Leben
1961: Knock Out – Eine keineswegs unglaubliche Geschichte (TV) 1962: Was Ihr wollt
1962: Bedaure, falsch verbunden (TV) 1963: Amphitryon 38 (TV)
1962: Nachts ging das Telefon 1963: Das Himmelbett (TV)
1963: Geliebt in Rom (TV) 1965: Das Landhaus (TV)
1965: Polizeirevier Davidswache 1966: Die Fünfte Kolonne – Das verräterische Licht (TV)
1969: Die Ratten (TV) 1981: Der Richter (TV)
1987: Robert Wilson and the Civil Wars 1996: Tár úr steini
2009: Transfer
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