Bevor Ingrid Andree
1970 von Boy Gobert erneut an das Hamburger Thalia-Theater berufen wurde,
gehörte sie ab 1967 zum Ensemble der Münchner Kammerspiele, wo sie
beispielsweise unter der Regie des großen Fritz Kortners mit der
Titelrolle in Strindbergs "Fräulein Julie" auf der Bühne stand,
oder 1969 in "Hedda Gabler" brillierte. In Hamburg gab sie u. a. 1971
die "Lulu" in Wedekinds gleichnamigen Stück, sie
verkörperte 1972 die "Kate" in Pinters "Alte Zeiten"
oder war 1974 die Elisabeth in Schillers "Maria Stuart".
Anfang 1980 unterzeichnete die Künstlerin einen
längerfristigen Vertrag mit dem neuen Thalia-Intendanten Peter Striebeck, den
sie aber wenige Monate später wieder löste, um Jürgen Flimm nach Köln zu folgen, der 1979 die Intendanz des dortigen
Schauspielhauses übernommen hatte.
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Ingrid Andree hinter der Bühne nach der Premiere von
"Hoffmanns Erzählungen"
an der Hamburgischen Staatsoper am 24.05.1981.
Regie: Jürgen Flimm
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
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1985/86 kehrte Ingrid Andree mit
Flimm an das Hamburger Thalia-Theater zurück. In jüngerer Zeit sah man
die berühmte Schauspielerin als "Franziska" in Günter Krämers
Inszenierung "Die Arabische Nacht" im Kölner Schauspielhaus auf der
Bühne. Bereits 1994 hatte sie dort in dessen Inszenierung von Brechts
"Der gute Mensch von Sezuan" die Titelrolle übernommen; im
Herbst 2003 spielte Ingrid Andree in Berlin die hexenhaft irrlichternde
Herodias in Oscar Wildes "Salome" unter der Regie von Armin Holz.
Zu ihren jüngsten Arbeiten für das Theater zählt die Rolle der Mutter
in dem Stück "Eldorado" von Marius von Mayenburg, welches am
11. Dezember 2004 an der "Berliner Schaubühne" uraufgeführt
wurde.
Ihr Leinwanddebüt hatte die Schauspielerin noch als Ingrid Unverhau
1950 mit einer kleinen Nebenrolle in "Professor Nachtfalter"
gegeben, der eigentliche Durchbruch gelang ihr dann ein Jahr später mit
der Rolle der Ursula in Rolf Thiele's "Primanerinnen". Danach
folgten zahlreiche Kinofilme wie "Liebeserwachen" (1953),
"Roman einer Siebzehnjährigen" (1955) oder "Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull"1) (1957),
in denen die zierliche, nur 1,62 m große Schauspielerin zumeist
auf die
" Kindfrau" des deutschen Films festgelegt wurde.
Glanzlichter ihrer Darstellungskunst waren Rollen, in denen sie zwischen Phantasie und Realität pendelte. So beispielhaft
1959 als Fee von Pohl in "Der Rest ist Schweigen"1) von Helmut Käutner, wo sie
wunderbar das Mädchen "Fee" zwischen Blumen, Puppen, Trümmern und Träumen verkörperte.
Ingrid Andree spielte in rund 40 Leinwandproduktionen mit und avancierte zum
Kino-Liebling der 50er Jahre. In den 60er Jahren spielte sie dann vor allem in
für das Fernsehen bearbeiteten Bühnenstücken. So sah man sie beispielsweise
1962 in "Was Ihr wollt", 1963 in "Amphitryon 38"
oder 1969 in "Die Ratten". Neben ihrer vornehmlichen Arbeit für das Theater
sowie Film- und Fernsehen arbeitete Ingrid Andree auch als Synchronsprecherin, so
war sie beispielsweise
als "Königin Konstanzia" in der beliebten "Hui Buh"-Serie
zu hören.
Nach längerer Zeit stand die beliebte Schauspielerin 2009 für die
Episode "Wettlauf mit dem Tod" aus der Krimiserie "SOKO Leipzig"
mal wieder vor der Kamera. Abgedreht hat sie den Kinofilm "Transfer" (2009),
eine moderne Doktor-Faust-Geschichte des 21. Jahrhunderts von
Regisseur Damir Lukacevic, wo sie neben Mehmet Kurtulus, Jeanette Hain
und Hans-Michael Rehberg sowie den amerikanischen Darstellern Regine Nehy und B. J. Britt
eine Hauptrolle übernommen hatte.
Ingrid Andree, die für ihre Leistungen mit dem Bundesverdienstkreuz
ausgezeichnet wurde, war von 1959 bis zu ihrer Scheidung 1965 mit dem
1967 verstorbenen Schauspieler Hanns Lothar2) verheiratet; aus dieser Verbindung
stammt Tochter Susanne Lothar2)
(geb. 1960), die sich inzwischen ebenfalls einen Namen als
bedeutende Schauspielerin gemacht hat.
Seit 1986 ist Ingrid Andree Mitglied der "Freien Akademie der Künste
Hamburg".
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