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Richard Widmark wurde am 26. Dezember 1914 als Sohn des Handelsvertreters
Carl Widmark und seiner Frau Ethel Mae
in Sunrise (Minnesota) geboren. Die Widmarks, die schwedisch-amerikanischer
Abstammung waren, zogen bald nach Sioux Falls (Süd Dakota) und später in
andere Kleinstädte von Illinois und Missouri.
Als junger Mann besuchte Sohn Richard die High School in Princeton und später das
"Lake
Forest College", wo er Dramaturgie und politische Wissenschaften studierte. Nach
dem Universitätsabschluss und der Promotion wurde er 1936 noch nicht
dreißig Jahre alt als Dozent für Sprachen und Dramaturgie an
die Universität berufen, die er zwei Jahre später als außerordentlicher Professor verließ.
Anschließend ging er 1938 zusammen mit seiner späteren Frau Jean Hazlewood, die er als Kollegin
in Lake Forrest
kennen gelernt hatte und 1942 heiratete, nach New York und begann dort
zunächst eine umfangreiche Radioarbeit; er trat in verschiedenen
Hörspiel-Serien auf so z.B. in "Aunt Jenny’s Real Life Stories".
Foto: Richard Widmark im September 1991 anlässlich des "Festivals
des amerikanischen Films"
im französischen Deauville
Es handelt sich um einen Ausschnitt des Fotos "Richard_Widmark13.JPG"
Quelle: Wikipedia
bzw. Wikimedia;
Urheber: Roland Godefroy; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier
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Dann zeigte er jedoch Interesse am Theater und gab 1943 sein
Broadwaydebüt mit dem Stück "Kiss and Tell"; weitere
Broadway-Produktionen (unter anderem bei Elia Kazan), in denen Widmark den jugendlichen
Helden spielte, folgten. Er verkörperte auf der Bühne überhaupt
zumeist den sympathischen "Jungen von nebenan" und so war seine
erste Filmrolle eine echte Überraschung: 1947 trat er erstmals in
Henry Hathaways
Gangsterfilm "Kiss of Death"1)
(Der Todeskuss) auf der
Leinwand auf, als hysterischer, sadistischer Killer Tommy Udo mit einem schaurig-heiseren
Lachen. Widmark erhielt eine Oscar-Nominierung
als bester Nebendarsteller und wurde in Cannes mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet.
Ein Sieben-Jahresvertrag von der "20th Century Fox" war ein weiterer Erfolg
dieser Ehrungen, vorwiegend wurde Widmark jedoch zunächst in Kriminal- und Gangsterfilmen
oder Western als "Bösewicht" besetzt, wie beispielsweise auch in William A. Wellmans
"Yellow
Sky"1) (1948, Herrin der toten Stadt), wo er neben Gregory Peck
den Outlaw Dude mimte.
Seine Figuren hatten oftmals einen psychopatischen Einschlag, so auch 1949
die Titelrolle des Killers in André de Toths "Slattery's Hurricane"
(Sturmflug) oder 1953 die Rolle des verfolgten Taschendiebes Skip McCoy
in Sam Fullers "Pickup on South Street"1)
(Polizei greift
ein2)). Fast schien
es, als sei Widmark schon auf eine bestimmte Rolle festgelegt. Immer wieder spielte er den
irren und skrupellosen Schurken, so auch in Filmen wie
"The Street with No Name" (1948, Straße ohne Namen) oder "Night and the City" (1950, Die Ratte von Soho). Doch der
vielseitige Schauspieler ließ sich nicht in ein Schema pressen und überraschte 1950 als
"good guy" und besonnener, pflichtbewusster Polizeiarzt in Elia Kazans
Thriller "Panic in the Streets"1)
(Unter
Geheimbefehl2)).
Publikum und Presse zeigten sich angetan und die
Hollywood-Bosse zögerten nicht länger, Widmark
nun auch in der Rolle des "Guten" einzusetzen, wie etwa als
Lieutenant Anderson in
"Halls of Montezuma"1) (1951, Okinawa),
als Lieutenant Commander John Lawrence in "The Frogmen" (1951, Die Froschmänner)
und als Leiter der "Feuerspringer" Cliff Mason in "Red Skies of Montana"1) (1952, Die Feuerspringer von
Montana). Dass er auch in Melodramen durchaus eine gute Figur machte, bewies er
beispielsweise neben Lauren Bacall in Vincente Minnellis "The
Cobweb"2) (1955, Die Verlorenen) oder mit der
abenteuerlichen Romanze "Run
for the Sun"2) (1956, Der Sonne
entgegen), aber auch mit eher seltenen Auftritten in
Komödien wie Gene Kellys "The
Tunnel of Love"2) (1956, Babys auf Bestellung)
wusste der vielseitige Schauspieler zu überzeugen.
Der Mann mit den markanten Gesichtszügen agierte in Streifen
unterschiedlichsten Genres, faszinierte das Publikum als Abenteurer ebenso wie
als Liebhaber. Als charismatischer, unbeugsamer Held stand er auf beiden Seiten des
Gesetzes,
als Polizist, Verbrecher, Privatdetektiv und Gangster. Darüber hinaus begann Richard Widmark sich
1954 mit Filmen wie "Garden of Evil"1) (Der Garten des Bösen) oder "Broken Lance"1)
(Die gebrochene
Lanze) auch als Westernheld zu etablieren ein Rollenfach, das er
in den folgenden Jahren in zahlreichen Pionierstorys perfektionierte: "Backlash"2) (1956, Das Geheimnis der fünf Gräber),
"The Last Wagon"1) (1956, Der letzte Wagen),
"The
Law and Jake Wade"1) (1956, Der Schatz der
Gehenkten2))
oder "The Alamo"1) (1960,
Alamo2)),
"Two
Rode Together"1) (1961, Zwei ritten
zusammen2)),
"Cheyenne
Autumn"2) (1963, Cheyenne),
"Alvarez Kelly"2) (1966)
und "The Way West" (1967, Der Weg nach Westen)
sind hier unter anderem zu nennen.
1961 gehörte auch Widmark als Ankläger Colonel Tad Lawson zur
Starbesetzung von Stanley Kramers hochgelobtem Gerichtsfilm "Judgment
at Nuremberg"1) (Das Urteil von Nürnberg), 1963 agierte er
in dem Abenteuer "The
Long Ships"1) (Raubzug der Wikinger) mit der für ihn eher
untypischen Figur des Wikingers Rolf. 1968 glänzte er
in Don Siegels "Madigan"1)
(Nur noch 72 Stunden2)) als Polizeidetektiv Madigan, der einsam gegen ein Netz
aus Korruption und Bestechung im Polizeiapparat von New York kämpft.
Dies war eine seiner stärksten Kino-Figuren und der Erfolg des Film führte zwangsläufig zur
Fernsehserie und Widmark wurde nun auch ein erfolgreicher TV-Star.
Seine Leinwandarbeit beschränkte sich in den 1970er Jahren auf einige uninteressante,
aber gewinnbringende Katastrophen- und Abenteuerfilme
wie "Rollercoaster"1) (1977, Achterbahn),
"The Swarm" (1978, Der tödliche Schwarm)
oder "Bear Island"1) (1979, Die Bäreninsel in der Hölle der Arktis).
Nur wenige Male spielte er prägnante Nebenfiguren wie in Sidney Lumets
gelungenen Agatha Christie-Adaption "Murder on the Orient Express"1) (1974, Mord im Orient-Expreß)
oder Stanley Kramers Thriller "The
Domino Principle"1) (1977, Das Domino Komplott). Mit Burt Lancaster drehte er
unter der Regie von Robert Aldrich "Twilight's
Last Gleaming"1) (1977, Das Ultimatum) und mimte den
General MacKenzie, in dem Actionstreifen "Who
Dares Wins"1) (1982, Das Kommando) mimte er einen US-Außenminister.
Erst 1987 konnte er unter der Regie von Volker Schlöndorff in dem
Fernsehstück "Ein Aufstand alter Männer" wieder das anspruchsvollere
Publikum überzeugen.
Dann zog er sich für einige Zeit vom Filmgeschäft zurück, kehrte 1991 noch
einmal in dem Politstreifen "True
Colors"1) (Der Preis der Macht), wo er den
Senator Stiles spielte, auf die Leinwand zurück.
1957 gründete Widmark auch seine eigene Filmproduktion, die "Heath Productions"
und gab seinem Schauspielerkollegen Karl Malden die Chance, den Film
"Wenn Männer zerbrechen" (Time Limit) zu inszenieren.
Widmark war jedoch nie nur Schauspieler und Produzent, er engagierte sich
vor allem in den Endsechziger Jahren politisch. Zwar hatte er immer erklärt,
dass für ihn Kunst unpolitisch sei, dass er sich aber als Mensch und Bürger
auch bei seiner Arbeit nicht von seiner
Verantwortung frei machen könne. Harte Attacken hatte er damals gegen die
amerikanische Vietnam-Politik geritten. Ihm war noch gut in Erinnerung wie
viele Existenzen in Hollywood durch die Aktivitäten des McCarthy-Systems vernichtet
wurden und die Psychose gegen den Kommunismus, die John Foster Dulles ausgelöst hatte,
war ihm noch deutlich im Ohr als er die Stimmen von Ronald Reagan und John Wayne hörte.
Privat war der Schauspieler Widmark, der zu den letzten der großen
Hollywoodhelden zählte, ein Pferdenarr. Er lebte die letzten Jahre zurückgezogen auf
seiner Ranch in Roxbury (Connecticut).
Er hasste Interviews und außer wenigen Auftritten erschien er nur selten in
Talk-Shows oder nahm an öffentlichen Veranstaltungen teil. Seine Frau,
die Drehbuchautorin Jean Hazlewood,
mit der er die gemeinsame, 1945 geborene Tochter Anne hatte, verstarb 1997 an den Folgen
der Alzheimererkrankung; das Paar war seit 5. April 1942 über 50 Jahre glücklich verheiratet gewesen. In
September 1999 ehelichte der Hollywoodstar die Schauspielerin Susan Blanchard,
die zwischen 1950 und 1956 mit seinem Kollegen Henry Fonda verheiratet gewesen
war.
Am 24. März 2008 starb die Hollywood-Legende Richard Widmark im Alter von 93 Jahren nach langer schwerer Krankheit
auf seinem Landsitz in Roxbury. Mit
seinen mehr als 70 Arbeiten für das Kino, die ihn auch international zu den ganz Großen der
Branche werden ließen, schrieb er teilweise Filmgeschichte. Die Schurkenrollen der
frühen Jahre färbten seine späteren Auftritte wie eine Grundierung ein:
als ein Stadium der Unreife, das in der Professionalität überwunden werden soll. (
) Er hat zwar in allen
Hollywood-Gattungen (außer dem Musical) gearbeitet, aber die beste Figur machte er in
den physischen Genres, die an rauen, unwirtlichen Realschauplätzen gedreht wurden. (
) Sein Spiel
wies mitunter Schleifspuren der Routine auf, ohne je seine Integrität zu kompromittieren.
Im Paranoia-Kino der Epoche nach Nixons Rücktritt verkörperte er undurchsichtige Drahtzieher
und rücksichtslose Machtmenschen. Auch darin blieb er ein stimmiges Abbild seines Landes.
(Quelle: www.welt.de)
Die "Süddeutsche
Zeitung" schrieb in einem Nachruf unter anderem "Er war ein
grundsolider Mann, integer und aufrecht, einer, der wusste, was er wollte und
was er tun musste, um das dann durchzusetzen. Einer, auf den man sich
verlassen konnte, auch wenn er manchmal eher zurückhaltend war, manchmal
impulsiv und grantig. (
) Das moderne Filmgeschäft verachtete er und den
Fernsehbetrieb, der mit seinen Talkshows die Leute zwang, ihre Privatsphäre
zu zerstören."
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