Der Couplet-Sänger, Komiker und Stummfilm-Pionier Arnold Rieck wurde am 22. Juni 1876 in Berlin geboren. Bevor er als Komödiant auch in den frühen kurzen Streifen der aufstrebenden Kinematographie1) bzw. auf der Leinwand Furore machte, tar er sich als Interpret von Couplets1) und als Alleinunterhalter mit humoristischen Darbietungen – heute würde man ihn als "Stand-Up-Comedian"1) bezeichnen – sowie in musikalischen Possen hervor.
Nach Schauspielunterricht gab er 1897 sein Bühnendebüt am "Hoftheater"1) in Gera1), "aber seine Körpergröße machte ihm einen Strich durch die Rechnung: An diesen Romeo reichte keine Julia heran. So musste er sich die Heldenlaufbahn abschminken und wurde – wider Willen – zum Komiker." kann man bei diegeschichteberlins.de lesen. 1899 trat er erstmals am Berliner "Apollo-Theater"1) auf und machte am 2. Mai 1899 in der frenetisch gefeierten Uraufführung der burlesk-phantastischen Ausstattungs-Operette "Frau Luna"1) von Paul Lincke1) als Schneider und Mondfahrer Lämmermeier auf sich aufmerksam.2) Die Lieder "Das macht die Berliner Luft", "Schenk mir doch ein kleines bisschen Liebe" oder "O Theophil, o Theophil" aus "Frau Luna" gerieten zu Gassenhauern und sind bis heute Ohrwürmer geblieben.
Seine Himmelfahrtsnase und ein ausgeprägter Berliner Dialekt wiesen ihn als Darsteller derbkomischer Typen aus. Ursprünglich war er Kammerdiener in Dessau gewesen, bis man sein Talent entdeckte und ihn ans "Apollo-Theater" engagierte. Dort fiel er als Lämmermeyer in "Frau Luna" auf.3)  

Arnold Rieck etwa 1920 auf einer
Fotografie von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930)
Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia 
Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier

Arnold Rieck etwa 1920 auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (18641930); Quelle: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia; Lizenz: gemeinfrei
Rieck wirkte in den folgenden Jahren an weiteren Berliner Bühnen, avancierte in den 10er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum Star des "Thalia-Theaters". Hier glänzte er beispielsweise 1912 mit der Figur des Schwerenöters "Puppchen", einer gleichnamigen Posse in 3 Akten mit Gesang und Tanz von Jean Gilbert1) (Uraufführung: 19.12.1912), an der Seite der damals ebenfalls beliebten Kolleginnen Elsa Grünberg (1882  1921) und Eugenie Della-Donna, mit denen er auch öfter in anderen Stücken zusammen auftrat. Der Evergreen "Puppchen, du bist mein Augenstern" nahm Rieck mit Elsa Grünberg zudem für mehrere Platten-Label auf, unter anderem für "Odeon"1) und die "Concert Record "Gramophone"".
Arnold Rieck auf einer Fotografie von Nicola Perscheid (18641930);  "Film Sterne-Serie" Nr. 185/4; Quelle: filmstarpostcards.blogspot.com; Lizenz: gemeinfrei Einen Tag nach der Premiere schrieb die "Vosssiche Zeitung"1) am 20. Dezember 1912 unter anderem: "Was in dem Stück vorgeht, braucht man nicht zu erfahren  Wer es nachzuerzählen vermag, verdient mindestens einen der vielen Lorbeerkränze. Der leitende Gedanke besteht darin, daß Herr Arnold Rieck zum Träger dieser Posse gemacht wurde. Das gibt ihr das Rückrat. Arnold Rieck ist eben das "Puppchen", unter welcher Kosebezeichnung er den verliebten Damen des Stückes vorteilhaft bekannt ist; ein Jüngling noch vor dem Bartflaum, ein schlimmer Kleiner von der gesegneten Körperlänge, mit der die Natur diesen ausgezeichneten Komiker bedacht hat  Seine Hauptpartnerin ist Fräulein Della Donna, die sich im Ensemble des 2Thalia-Theaters" bereits einen Namen als temperamentvolle Possen- oder Operettensoubrette gemacht hatte. Es steckt Vollblut in ihrem Spiel, Gesang und Tanz. Die neue Rolle gibt ihr Gelegenheit, ihr anmutige Gestalt in einer ganzen Reihe schöner Kleider zu zeigen. Ein Tanzduett von ihr mit Rieck: "Heut gehn wir gar nicht erst ins Bett", mußte wiederholt werden. Den größten Anklang unter den Liedern fand aber das Duett Riecks mit Fräulein Elsa Grünberg "Puppchen, du bist mein Augenstern!" das dreimal zur Wiederholung verlangt und dann, wie erwähnt, vom Publikum viermal nachgesungen wurde. Das wird nun wohl die Errungenschaft für den ganzen Winter werden. Kann man's ändern?"
  
Arnold Rieck auf einer Fotografie
von Nicola Perscheid1) (1864 – 1930)
 "Film Sterne-Serie" Nr. 185/4
Quelle: filmstarpostcards.blogspot.com;
Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier
Schon zuvor hatte Rieck als Nachfolger von Guido Thielscher in musikalischen Possen von Gilbert Erfolge gefeiert, etwa in "Polnische Wirtschaft"1) (ca. 1910), als Weinreisender in "Autoliebchen" (ab Frühjahr 1912) mit Eugenie Della-Donna als Partnerin, danach einmal mehr mit Elsa Grünberg in "Die Tangoprinzessin" (1913), "Wenn der Frühling kommt" (1914) oder in "Das Vagabundenmädel" (ca. 1916).
Bereits ab 1909 wurde dem "Thalia-Theater" der "Thalia-Theater-Verlag" mit einem Schallplatten-Vertrieb angegliedert und aus den genannten Aufführungen auch etliche Platten mit Arnold Rieck und seinen heute vergessenen Partnerinnen aufgelegt: So aus "Polnische Wirtschaft" das Walzerlied "Die Dorfmusik" und der Rheinländer "Männe, hak' mir mal die Taille auf" mit Helene Ballot (1884 – ?), mit Lina Goltz "Komm', mein Schatz, in den Lunapark". Aus "Das Autoliebchen" stammt das Marsch-Couplet "Das haben die Mädchen so gerne" mit Eugenie Della-Donna und das Walzerlied "Fräulein, könn'n Sie linksrum tanzen?" mit der Soubrette Hedi Ury ( 1962), die später die erste Ehefrau des Schauspielers Curt Bois werden sollte. Aus "Puppchen" gerieten natürlich der Hit "Puppchen, du bist mein Augenstern" und das Marsch-Couplet "Geh'n wir mal zu Hagenbeck" mit Elsa Grünberg zu Kassenschlagern. Mit Emmy Wehlen (1887 – 1977) sang er etwa 1909 die witzigen Duetts "Hallo Liebhaber" und "Ohne Männer" aus der Operette "Doktor Klapperstorch", mit Rosi Loibner "Im Lustgarten ist Frühkonzert", ebenfalls aus "Das Autoliebchen". Auch am Sprechtheater feierte Arnold Rieck Erfolge, beispielsweise in dem Lustspiel-Klassiker "Charleys Tante"1) von Brandon Thomas1), wo er Ende der 1910er Jahre am "Thalia-Theater" gemeinsam mit der Schauspielerin Margarete Schlegel das Publikum begeisterte.
Nach eigenen Aussagen wandte sich Arnold Rieck als erster deutscher Bühnenschauspieler den "bewegten Bildern" zu und soll bereits um 1900 in kurzen Grotesk-Streifen wie "Der Geck im Damenbade" und "Piefke mit dem Floh" aufgetreten sein. Seine erste nachgewiesene Arbeiten für die Kinematographie ist der 1906 von Oskar Messter1) für seine der "Messters Projektion GmbH" gedrehte Kurzfilm "Die fünf Sinne". Anschließend trat der Künstler in einigen Tonbildern1) in Erscheinung, unter anderem 1908 in dem Tonbild "Die Dollar-Prinzessin"4) gemeinsam mit Helene Winter bzw. dem Duett "Ringelreihen" aus dem 1. Akt der Operette "Die Dollarprinzessin"1) von Leo Fall1).
Während des 1. Weltkrieges bzw. ab 1915 trat Rieck regelmäßig in lustigen Kurzfilmchen in Erscheinung und avancierte zum "Paradevertreter des frühen Kintoppklamauks".5) In ganz auf den Komiker abgestellten Produktionen mimte er "stocksteife, komische Type in altertümlicher Aufmachung, mit der er sich, an längst überkommene Zeiten erinnernd, bewusst und ohne Scheu der Lächerlichkeit preiszugeben verstand."5)
  

Foto: Arnold Rieck vor 1929
Urheber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: cyranos.ch; Photochemie-Karte Nr. 265
Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier

Arnold Rieck vor 1929; Urheber: Alexander Binder (18881929); Quelle: www.cyranos.ch; Photochemie-Karte Nr. 265; Lizenz: gemeinfrei
Arnold Rieck in dem Stummfilm "Arnold auf Brautschau" (Bolten-Baeckers-Film, 1922); Quelle: Deutsche Fotothek, (df_pos-2006-a_0000870) aus "Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von Dr. Oskar Kalbus (Berlin 1935, S. 33) bzw. Ross-Verlag 1935; Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Unbekannt; Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung: 07.12.2012; Originalfoto: www.deutschefotothek.de "Lehmanns Brautfahrt"1) (1916), "Der standhafte Benjamin"1) (1917) oder "Veilchen Nr. 4"1) (1917) hießen die Episoden, in denen Rieck die Zuschauer zu belustigen wusste. Für den Schauspieler Ferry Sikla, der sich mit drei Stummfilmen auch als Regisseur versuchte, war er der "Der Vetter aus Mexiko"4) (1917) und der "Der unwiderstehliche Theodor"6) (1917/18). Bis Anfang der 1920er Jahre folgten eine Reihe ähnlich gelagerter heiter-kurzweiliger Geschichten wie unter der Regie von Willy Grunwald1) die Komödie "Die Hochzeitsreise"6) (1919) mit Hilde Wolter1) als Partnerin oder "Paulchen Fingerhut"6) (1919), in Szene gesetzt von Carl Froehlich1). Ab 1919/20 entstanden eine Reihe Komödien bei der Berliner "BB-Film-Fabrikation" des Filmpioniers Heinrich Bolten-Baeckers1), so war Rieck unter anderem "Der Mann ohne Gedächtnis", "Der fidele Eskimo" und der Liedersänger Arthur Weyergang in "Der Vorstadt Caruso", ging als "Arnold auf Brautschau" oder präsentierte sich in "Killemann hat 'nen Klaps" als der Pantoffelheld Kuno Killemann, der sein Gedächtnis verliert, um der Schwiegermutter zu entgehen.
   
Foto: Arnold Rieck in dem Stummfilm
"Arnold auf Brautschau" (Bolten-Baeckers-Film, 1920)
Quelle: Deutsche Fotothek, (df_pos-2006-a_0000870) aus
"Vom Werden deutscher Filmkunst/1. Teil: Der stumme Film" von
Dr. Oskar Kalbus1) (Berlin 1935, S. 33) bzw. Ross-Verlag 1935
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek; Urheber: Unbekannt
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung: 07.12.2012.
Originalfoto: www.deutschefotothek.de
Mit seinen nachfolgenden Filmen rückte Arnold Rieck vermehrt in die zweite Reihe, der Geschmack des Publikums bzw. die von ihm verkörperte Art des Humors hatte sich überlebt. Er spielte noch in Streifen wie "Se. Exzellenz der Revisor" (1922) von (Regie) und mit Friedrich Zelnik oder in der ebenfalls von Zelnik mit Ehefrau Lya Mara gedrehten Geschichte "Yvette, die Modeprinzessin" (1922). Letztmalig trat er in dem von Carl Froelich nach dem Gedicht/Epos von Friedrich Hebbel1) inszenierten Melodram "Mutter und Kind"1) (1924) neben Protagonistin Henny Porten mit der Rolle eines Schusters auf → Übersicht Filmografie.

In seinen letzten Lebensjahren konzentrierte sich Rieck wieder verstärkt auf seine Arbeit als Bühnen-Komiker, wirkte unter anderem in Berlin an der "Komischen Oper"1) sowie in Leipzig am "Neuen Operettentheater"7).  
Der einst gefeierte Theater- und Stummfilmstar Arnold Rieck starb am 7. November 1924 in Leipzig1) – er wurde nur 48 Jahre alt. Zuvor war er auf der Bühne zusammengebrochen. "Er hatte schon länger an einer Herzmuskelentzündung gelitten. Es sah zunächst so aus, als ob er sich wieder erholen würde, aber dann verschlechterte sich sein Zustand. (…) Sein Grab ist unsichtbar geworden. "Olle Riecke", wie ihn die Berliner nannten, ist zugewachsen. Die Nachwelt hat sein Grab verwildern lassen."8) Die letzte Ruhe fand der heute weitgehend vergessene Künstler auf dem "Dreifaltigkeitskirchhof II"1) in Berlin-Kreuzberg1).

Arnold Rieck, fotografiert von Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Photochemie-Karte Nr. 280; Quelle: filmstarpostcards.blogspot.com
Angaben zur Lizenz (gemeinfrei) siehe hier

Arnold Rieck, fotografiert von Alexander Binder (18881929); Photochemie-Karte Nr. 280; Quelle: filmstarpostcards.blogspot.com; Lizenz: gemeinfrei
Quellen (unter anderem): Wikipedia, cyranos.ch, diegeschichteberlins.de
Fotos bei filmstarpostcards.blogspot.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) filmportal.de, 6) Murnau Stiftung, 7) theaterarchiv-dresden.de
Quelle:
2) Wikipedia (Artikel zu "Frau Luna", abgerufen 05.12.2012)
3) www.luise-berlin.de
5) Wikipedia (Artikel zu Arnold Rieck, abgerufen 05.12.2012)
8) diegeschichteberlins.de: Text: Gerold Ducke; Fotos: Erika Babatz; Auszug aus ihrem Vortrag "Friedhof der Schauspieler, Zweiter Akt", gehalten Im Rahmen der Vortragsreihe des "Vereins für die Geschichte Berlins" am 16. September 2015.
Lizenz Foto Arnold Rieck (Urheber: Nicola Perscheid/Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database, filmportal.de sowie
frühe Stummfilme bei "The German Early Cinema Database"
(Fremde Links: filmportal.de, Wikipedia, Murnau Stiftung, cyranos.ch; P = Produktion; R = Regie)
Tonbilder Stummfilme
Um zur Seite der Publikumslieblinge zurückzukehren, bitte dieses Fenster schließen.
Home: www.steffi-line.de