Filmografie / Hörspiel
Tana Schanzara; Copyright Wilfried Böing Tana Schanzara wurde am 19. Dezember 1925 als Konstanze Schwanzara (Schwanzara: tschechisch Tschenzara = Spaßmacher) in der Schleswig-Holsteinischen Landeshauptstadt Kiel1). Ihr Vater Hans Schanzara1) (1897 – 1984) war ein bekannter Opernsänger und Komponist, Mutter Gertrud, eine Schweizerin, ebenfalls Opernsängerin. Als Tochter Tana zwei Jahre alt war, zogen die Eltern nach Dortmund, wo beide ein Engagement am "Dortmunder Opernhaus"1) hatten. Bedingt durch den Wechsel des Vaters an die "Kölner Oper", besuchte Schanzara eine Kölner Schule und legte dort ihr Abitur ab, anschließend ließ sie sich in Köln von Friedel Münzer (1892 – 1967) zur Schauspielerin ausbilden. Erste Engagements erhielt sie anschließend an den "Bonner Kammerspielen" sowie in Köln, über Mannheim, Oldenburg und Gelsenkirchen kam sie Mitte der 1950er Jahre an das "Schauspielhaus Bochum"1), dem sie seit 1956 als Ensemblemitglied angehörte und das bis zuletzt ihre künstlerische Heimat blieb. Hier glänzte sie in vielen erfolgreichen Bühnenstücken, arbeitete im Verlaufe der Jahrzehnt mit allen Intendanten/Regisseuren (mit Ausnahme von Saladin Schmitt1)) des Hauses zusammen, so mit Hans Schalla1), Peter Zadek1), Claus Peymann1), Leander Haußmann1), Frank-Patrick Steckel1), Matthias Hartmann1) und Elmar Goerden1), aber auch mit legendären Theatermachern wie Peter Palitzsch1) und Rainer Werner Fassbinder1)  – um nur Einige zu nennen. Mit mehr als 50 Jahren Bühnenpräsenz war sie zuletzt die dienstälteste Schauspielerin des Ensembles.
 
Foto mit freundlicher Genehmigung des Schauspielhauses Bochum;
das Copyright liegt bei Wilfried Böing.
In nachhaltiger Erinnerung bleiben Tana Schanzaras Auftritte in den Solo-Programmen "Solo für Tana" (1985) und "Tana in New York" (1990) als quasselfreudige Trinkhallen-Besitzerin Jendrinski sowie in der Revue "Tana in Moskau" (Premiere: 11.06.1996, → sn-herne.de) jeweils von Uwe Jens Jensen1) mit teils selbstverfassten Texten und Liedern der Künstlerin. Ebenso legendär ist ihr einziges Gastengagement am Wiener "Burgtheater"1), wo sie 1990 in "Tod und Teufel" von Peter Turrini1) die "Figur einer alten und versoffenen Frau" (Turrini) darstellte – eine Rolle, die alle Damen des "Burgtheater"-Ensembles zuvor strikt abgelehnt hatten, und für die sie von den Wienern umjubelt wurde. Die Rolle brachte ihr außerdem die Ernennung zur "Schauspielerin des Jahres" ein. Tana – die "Perle vom Pott", die "Ruhrpott-Duse", wie sie von ihrem Publikum, ihren Kollegen und Kritikern liebevoll genannt wird. (Zitat "Schauspielhaus Bochum")
Das Repertoire der Schauspielerin war breit gefächert, reichte von der Tragödie bis hin zur Komödie. In den letzen Jahren spielte sie in Bochum in erfolgreichen Produktionen, so beispielsweise die Totengräberswitwe Ursula in der von Matthias Hartmann in Szene gesetzten Tragödie "Die Familie Schroffenstein"1) ("Die Familie Ghonorez") von Heinrich von Kleist1) (2000, → sn-herne.de) oder die mordlustige Abby Brewster in "Arsen und Spitzenhäubchen", der von Gil Mehmert1) inszenierten berühmten Komödie des schwarzen Humors von Joseph Kesselring1) mit unter anderem Margit Carstensen als Abbys Schwester Martha (2002, → sn-herne.de sowie Verfilmung 19441)). Unter der Regie von Helge Schneider1) glänzte sie als Mutter des Knechts, Kuh Lisa und Kellnerin in dessen ersten Theaterstück "Mendy – Das Wusical"1) (Premiere: 17.04.2003), in der schwarzen Komödie "Harold und Maude" von Colin Higgins1) bzw. der Theaterversion des gleichnamigen Kino-Kultfilms1) gestaltete sie ein Jahr zuvor an den "Kammerspielen" (Premiere: 08.03.2002) erneut unter der Regie von Gil Mehmert die weibliche Hauptrolle an der Seite von André Meyer (Harold), berührte mit ihrer ergreifenden Darstellung der alten Maude das Publikum. Zuletzt war die über 80-Jährige zur Spielzeit 2006/2007 auf der Bochumer Bühne mit den Liederabenden "A Kiss Is Just A Kiss" (→ sn-herne.de) sowie "Ist das normal, ist das erlaubt?" mit Songs von Georg Kreisler1) und Gassenhauern von Claire Waldoff (→ taz.de) zu bewundern.
Seit einem Sturz im Jahre 2001 und einer anschließenden Hüftoperation war Tana Schanzara körperlich eingeschränkt und spielte ihre Rollen zum Teil im Sitzen → Auswahl Theaterrollen am "Schauspielhaus Bochum" bei Wikipedia.

Tana Schanzara gibt 2000 zum Abschied von Intendant Leander Haußmann Autogramme
Urheber: Wikimedia-User Maschinenjunge; Lizenz: CC BY-SA 2.5; Quelle: Wikimedia Commons

Tana Schanzara gibt 2000 zum Abschied von Intendant Leander Haussmann Autogramme; Urheber: Wikimedia-User Maschinenjunge; Lizenz: CC BY-SA 2.5; Quelle: Wikimedia Comons
Enorme Popularität erlangte Tana Schanzara seit Anfang der 1970er Jahre durch zahlreiche Film- und Fernsehrollen, wo sie meist typische "Ruhrpott"-Figuren mit unnachahmlicher Komik verkörperte. Neben Gastauftritten in so beliebten Krimi-Reihen wie "SOKO 5113", "Großstadtrevier" "Polizeiruf 110" oder "Tatort" erlebte man die charismatische Schauspielerin beispielsweise in den Mehrteilern "Die Knapp-Familie"1) (1981), "Leo und Charlotte"2) (1991) sowie "Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend"1) (1992), in der Satire "Club Las Piranjas"1) (1995) mit Hape Kerkeling1) und Angelika Milster1) als Club-Animateure mimte sie die Oma Schadletzki. Erneut mit Hape Kerkeling begeisterte sie unter dessen Regie die Fernsehzuschauer einmal mehr als Else Bettenberg in der Groteske "Willi und die Windzors"1) (1996) und auch in "Die Oma ist tot"1) (1997) stand sie als Oma Vera – wenn auch nur zu Anfang – mit Kerkeling vor der Kamera. Seit 1999 spielte Tana Schanzara in der Serie "Die Anrheiner"1) viele Folge lang (55–439; bis 2007) die Figur der Elsbeth Pawelczik, zu ihren weiteren Arbeiten für das Fernsehen zählen unter anderem Filme wie die Dramen "Das vergessene Leben" (1998, mit Inge Meysel), "Zehn wahnsinnige Tage" (2000) und "Verlorene Kinder"3) (2000) sowie zuletzt die Komödie "Eine verflixte Begegnung im Mondschein"4) (2004), wo sie als Tante Rosa auftauchte  → Übersicht TV-Produktionen.
  
Auf der Leinwand sah man Tana Schanzara erstmals mit der kleinen Rolle der verwirrten Mutter in dem von Rainer Werner Fassbinder1) produzierten und Ulli Lommel1) inszenierten grellen Vampir-Film "Die Zärtlichkeit der Wölfe"1) (1973) mit Kurt Raab1) als Serienmörder Fritz Haarmann1). Adolf Winkelmann1) besetzte sie in dem Streifen "Die Abfahrer"1) (1979), in der Aussteigerkomödie "Jede Menge Kohle"1) (1981), in dem Science Fiction-Film "Super"5) (1984) und in der Komödie "Peng! Du bist tot!"1) (1987). Zu Tana Schanzaras weiten Arbeiten für das Kino zählen auch Produktionen wie "Schluckauf"5) (1992), "Dead Flowers" (1992), "Die Denunziantin"5) (1993) oder "Männerpension"1) (1996). In der Komödie "Fußball ist unser Leben"1) (2000) mimte sie die "Omma" Käthe von Hans Pollak (Uwe Ochsenknecht1)), bei dem sich alles um den Liga-Verein FC Schalke 04 und seinen Fan-Club "Dios Knappen Gelsenkirchen" drehte. In der herrlich makaber-amüsanten Geschichte über Leute vom Bau mit dem Titel "Was nicht passt, wird passend gemacht"1) (2002 sah man sie als Mutter des Bauunternehmers Werner Wiesenkamp, dargestellt von Dietmar Bär1). Nach dem Kurz-Spielfilm "Don't Get Stuck" (2003 von Birgit Stein1) stand Tana Schanzara für  die Komödie "Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm"1) (2004) von und mit Helge Schneider sowie die skurril-komische Story "Aus der Tiefe des Raumes –…mitten ins Netz!"1) (2004) von Gil Mehmert1) vor der Kamera. Die letzte Arbeit für das Kino war die Hauptrolle der Margarethe Krause in "Ein Dichter in der Familie"5) (2006): Autor und Produzent Werner Streletz1) sowie Regisseur Johannes Klaus gelang mit diesem Film eine Hommage an die Charakterschauspielerin, "in der sie einen sensiblen, vielleicht auch gebrochenen Charakter zeichnen kann, eine Rolle mit differenziertem Tiefgang, die gleichwohl nicht nur dem Bierernst huldigen sollte." so Werner Streletz. "Eine alte Frau erzählt einer jungen Helferin (Magdalena van den Hoven) die Geschichte ihrer Ehe mit einem gescheiterten Poeten (Ernst Stötzner1)), dessen Gedichte niemand drucken wollte. Die als Hommage an die "Ruhrpott-Duse" Tana Schanzara gedachte No-Budget-Produktion erweist sich als das Werk ambitionierter Hobbyfilmer, die mit den Gesetzen des filmischen Erzählens nur rudimentär vertraut sind. Bestenfalls ein Home Movie für Freunde und Verwandte." notiert das Filmlexikon → Übersicht Kinofilme.
Tana Schanzara; Copyright Edmond Frederik Auch als Schallplatten-Star wurde Tana Schanzara berühmt: Unvergessen bleibt bis heute ihr Platten-Debüt 1970 mit dem Song "Vatter, aufstehn!", dem die Lieder "Vatter, aufpassen" und "Vatter, Augen zu" folgten. 1977 veröffentlichte sie mit "Bett an Bett mit Alex" eine Parodie auf den Song "Living next door to Alice"1), 1992 die CD "Tanas Ruhrpottwelt".
Zudem stand die Schauspielerin immer mal wieder im Hörspielstudio und bereicherte mit ihrer unverwechselbaren, meist schnoddrig klingenden Stimme so manches Hörspiel. Zuletzt sprach sie die Wahrsagerin Witwe Schlotterbeck in den Hörspielen um den Räuber Hotzenplotz1) von Otfried Preußler1), so in den inzwischen auf CD verfügbaren, jeweils vierteiligen Produktionen "Der Räuber Hotzenplotz"6) (2006), "Neues vom Räuber Hotzenplotz"6) (2007) und "Hotzenplotz 3"6) (2008) mit Michael Mendl in der Rolle des Hotzenplotz; eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
 
In ihrem Buch "Jeden Morgen dasselbe Theater" (1997) mit dem Untertitel "Lieder und Geschichten" erzählt die Ruhrgebiet-Ikone aus ihrem aufregenden Leben, viele einzigartige Fotos runden das amüsante Selbstporträt ab. Sie ist ein Original – und eine grandiose Schauspielerin, die nicht nur im Theater, sondern auch im Kino ihr Publikum begeistert: Tana Schanzara, die "Königin des Ruhrpotts". Eigenwillig und humorvoll erzählt sie von den Höhen und Tiefen ihres ungewöhnlichen Lebens. In Bochum hat sie Theatergeschichte geschrieben, und sie hat Menschen getroffen, die ähnlich waren wie sie kämpferisch, klug und voller Herzlichkeit. (Auszug Klappentext)  
 
Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem
Fotografen Edmond Frederik zur Verfügung gestellt.
© Edmond Frederik (Lizensiert)
Tana Schanzara, "Perle des Ruhrgebiets" und "Kohlenpott-Duse", starb am Tage ihres 83. Geburtstages, am 19. Dezember 2008 in einer Bochumer Klinik; die letzte Ruhe fand sie auf dem Hauptfriedhof in Krefeld1) in einem Familiengrab → Foto der Grabstelle bei knerger.de.
Der langjährige Star des Bochumer Schauspielhauses galt als "Heidi Kabel des Kohlenpotts" und erhielt für ihre darstellerische Leistungen zahlreiche Ehrungen, bereits 1989 wurde ihr der "Ehrenring der Stadt Bochum" überreicht. Für ihre Gastrolle im Wiener "Burgtheater" erhielt sie 1990, wie erwähnt, vom Theatermagazin "Theater heute"1) den Titel "Schauspielerin des Jahres". 1994 wurde Tana Schanzara der "Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen"1) verliehen, im Rahmen des von der Stadt Herne veranstalteten Wettbewerbs "Tegtmeiers Erben"1), benannt nach dem Ruhrgebiets-Kleinbürger Adolf Tegtmeier alias Jürgen von Manger, übereichte man ihr 1999 den Ehrenpreis. Ebenfalls 1999 verlieh der Verein "Pro Ruhrgebiet"1) Tana Schanzara den Ehrentitel "Bürgerin des Ruhrgebietes"1). Noch wenige Monate vor ihrem Tod war sie am 4. Juni 2008 von der damaligen Oberbürgermeisterin der Stadt Bochum, Dr. Ottilie Scholz1), mit dem "Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstorden der Bundesrepublik"1) ausgezeichnet worden. Auf Vorschlag von NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers1) wurde mit Tana Schanzara eine große deutsche Volksschauspielerin geehrt, "die bundesweit in vielen Inszenierungen ihre vielseitigen schauspielerischen Fähigkeiten gezeigt hat."

Die Künstlerin, eine große Hundeliebhaberin, war viele Jahre in Herne zu Hause und widmete ihre Freizeit auch ihren geliebten Vierbeinern, hatte zeitweise mehr als 40 davon, wie sie 2004 in der ZDF-Sendung "Johannes B. Kerner"1) verriet. Zuletzt hatte sie in einem Altenstift in der Nähe des Bochumer Schauspielhauses gelebt.
Am 15. Juli 2010 wurde der bisherige "Westfalenplatz" gegenüber dem Schauspielhaus in Bochum ihr zu Ehren in "Tana-Schanzara-Platz" umbenannt. Am 3. Juli 2012 fand zudem auf dem Vorplatz des Schauspielhauses die Enthüllung eines Denkmals bzw. einer vom schwäbischen Künstler Karl Ulrich Nuss1) geschaffenen Bronzeplastik der "Revier-Duse" statt, die später auf dem "Tana-Schanzara-Platz" ihren endgültigen Platz fand → Foto bei Wikimedia Comons.
Siehe auch Wikipedia, www.bochum.de, agentur-delaberg.de sowie
den Nachruf bei www.welt.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehserien.de, 3) prisma.de, 4) tittelbach.tv, 5) filmportal.de, 6) ARD-Hörspieldatenbank
  
Filme
Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, Die Krimihomepage,
 deutsches-ilmhaus.de, fernsehserien.de, prisma.de, tittelbach.tv)
Kinofilme

Fernsehen (Auszug)

Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia, krimilexikon.de)
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