Als der in Belgien geborene berühmte Krimi-Autor Georges Simenon1)
(1903 1989) in der Erzählung "Pietr le letton" (1931, Maigret
und die Zwillinge) erstmals
den "Inspektor Maigret" als Hauptfigur einführte, ahnte er wohl
noch nicht, welchen Siegeszug diese Figur antreten würde. Im Laufe der
Jahre folgten insgesamt 103 Romane und Erzählungen, in denen der Pariser Kommissar
Jules Maigret
mit schweren Kriminalfällen konfrontiert wird, die er mehr durch Menschenkenntnis
und Intuition als durch Logik löst. Bereits Anfang der 1930er Jahre wurden
die spannenden Geschichten auf die Leinwand gebracht, verschiedene
Schauspieler wie Pierre Renoir, Michel Simon, Jean Gabin und Heinz Rühmann
schlüpften in den nachfolgenden Jahrzehnten in die Maske des
prominenten Ermittlers.
Ende der 1950er Jahre entstand in Großbritannien die Fernsehserie "Inspector Maigret"
mit Rupert Davies als Protagonisten, Simenon selbst soll der Schauspieler am
Besten gefallen haben, da er nach seiner Vorstellung der Romanvorlage am
ehesten entsprochen habe. Die BBC produzierte zwischen 1959 und 1969
insgesamt 52 schwarz-weiße Episoden zu rund 50 Minuten sowie zwei 90-minütige
Specials nach Originalromanen von Georges Simenon. Das ZDF brachte am 2. Januar 1965
mit "Maigret und die Tänzerin Arlette" (Murder in
Montmartre) die erste Folge dieser Serie auf den Bildschirm und
"Kommissar Maigret" fand auch bei uns eine begeisterte Fangemeinde. Maigret ist
Pfeifenraucher und strahlt die Gemächlichkeit eines
solchen aus. Er geht mit unendlicher Geduld an die Fälle heran,
verlässt sich auf seine Intuition, hakt nach und nach seine Liste
der Verdächtigen ab und leistet es sich auch mal zu warten,
bis jemand einen Fehler oder ein Geständnis macht. Sein Assistent
Lucas (Ewen Solon) unterstützt Maigret bei der Aufklärung der Fälle.
Eine wichtige Rolle in Maigrets Leben spielt seine Frau, Madame Maigret (Helen Shingler). (
) Jede Folge
begann mit der Aufnahme eines Streichholzes, das sich Maigret an einer Wand anzündete,
um sich ein Pfeifchen anzustecken. Die Sequenz war mit französisch anmutender Akkordeonmusik
unterlegt. Die Titelmusik stammte von
Ron Grainer1).
Weder Maigret noch seine Frau hatten in der Serie einen Vornamen.
(Quelle: Das Fernsehlexikon2))
Die Krimis sind durchweg sehenswert und wie die Romanvorlagen Studien
der menschlichen Natur bzw. deren niederen Instinkte. Maigret interessiert
sich vor allem für die Beweggründe einer Tat und nicht, wie sie begangen wurde; wie in
den Büchern stehen die Charaktere und deren letztlich zur Lösung des Falls führenden
Motive im Mittelpunkt, nicht jedoch unbedingt die jeweilige
Handlung. Der Erfolg der Serie war auch in Deutschland enorm, das ZDF zeigte
bis auf die beiden Specials alle Folgen. In der synchronisierten Fassung lieh
der Schauspieler Hans W. Hamacher1) (1920 2000)
seinem britischen Kollegen Davies die Stimme und sprach den Kommissar
Maigret. Die von Ron Grainer komponierte Titelmusik war vom ZDF
merkwürdigerweise nicht
übernommen worden, stattdessen wurde ein von Ernst-August Quelle1)
geschaffenes Titelthema gespielt.
Zwischen 1966 und 1972 entstand in Italien die 18-teilige TV-Serie "Le inchieste del commissario
Maigret" mit dem populären Gino Cervi1) (1901 1974) als Kommissar
Maigret. Cervi hatte bereits ab Mitte der 1950er Jahre an der Seite von Fernandel als kommunistischer Bürgermeister Weltruhm in den "Don Camillo & Peppone"-Filmen erlangt.
Die Serie um den Kommissar Maigret war
Cervis letzte Arbeit vor der Kamera, aus dieser Reihe ging mit "Maigret und der Würger von
Montmartre" (1967, Maigret à Pigalle) auch ein Kinofilm hervor.
Wie erwähnt war Simenons Romanheld bereits Anfang der 1930er Jahre visualisiert
worden, einer der ersten Darsteller war der französische Schauspieler Abel Tarride
(1865 1951) in "Le Chien jaune" (1932, Maigret und der
gelbe Hund), im gleichen Jahr kam von Jean Renoir der Streifen "La Nuit du carrefour"
(Maigrets Nacht an der Kreuzung) mit seinem Bruder Pierre Renoir1) (1885 1952)
als "Maigret" in die Lichtspielhäuser.
Der Franzose Harry Baur1)
(1880 1943) spielte die Simenon-Figur unter der Regie von Julien Duvivier in
"La Tête d'un homme" (1933). Richard Pottier realisierte "Picpus" (1943,
Maigret contra Picpus) mit Albert Préjean (1893 1979),
der den Maigret dann noch in Maurice Tourneurs
"Cécile est morte!" (1944, Sein schwierigster Fall) und Richard Pottiers
"Les Caves du Majestic" (1945, Maigret im Hotel Majestic)
mimte.
Am berühmtesten wurde jedoch neben Rupert Davies die französische
Leinwandlegende Jean Gabin1) (1904 1976),
der den bärbeißigen Pariser Ermittler eindrucksvoll
in "Maigret tend un piège"3) (1958, Kommissar Maigret stellt eine
Falle),
"Maigret et l'affaire Saint-Fiacre"3) (1959, Maigret kennt kein
Erbarmen) und "Maigret voit rouge"3) (1963, Kommissar Maigret sieht
rot!) mimte. Auch der Deutsche Heinz Rühmann1) (1902 1994)
machte in Alfred Weidenmanns
"Maigret und sein größter Fall"3) 1966 eine gute
Figur und hatte es mit einem Kunstraub zu tun. In der
langlebigen französischen TV-Serie "Les Enquêtes du commissaire Maigret"
(1967 1990) schlüpfte Jean Richard4)
(1921 2001) in die Rolle des legendären Ermittlers und gab der
Romanfigur über zwanzig Jahre lang ein Gesicht. Weniger erfolgreich war der Versuch
von Richard Harris1)
(1930 2002) Simenons Romanfigur authentische Züge zu verleihen, der von
Paul Lynch gedrehte TV-Film "Maigret" (1988) gehört nicht
unbedingt zu den Highlights der Maigret-Verfilmungen.
Weitere "Maigret"-Darsteller waren unter anderem Charles Laughton1) (1899 1962) in "The Man on the Eiffel Tower" (1949, Der Mann vom Eiffelturm),
Michel Simon1) (1895 1975) in dem Episodenfilm "Brelan d'as" (1952),
Eli Wallach1)
in "Stan the Killer" (1952) und Boris Tenin (1905 1990) in der
russischen Produktion "Megre i staraya dama" (1974, alternativ:
Maigret and the old Lady). Zu den neueren Verfilmungen zählt seit Anfang der
90er Jahre die französische TV-Serie "Maigret" mit Bruno Crémer1),
der die unorthodoxe Titelfigur bis 2005 in 54 Folgen verkörperte. Weniger
bekannt sind sicherlich die ab 1964 entstanden "Maigret"-Versionen
unserer holländischen Nachbarn, der in den Niederlanden populäre
Schauspieler Jan Teulings (1905 1989) klärte zwischen 1964 und 1968
insgesamt 17 Fälle, sein Kollege, der Schauspieler, Regisseur und Produzent
Kees Brusse (geb. 1925) brachte sechs Folgen lang (1964/65) Verbrecher zur
Strecke.
Eine Übersicht aller "Maigret"-Darsteller findet sich auf der
englischsprachigen Website www.trussel.com.
1) Der Link führt zu Wikipedia
2) Das Fernsehlexikon: Alles über 7000 Sendungen von Ally McBeal bis zur
ZDF Hitparade, von Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier
(Verlag Goldmann, ISBN-10: 3442301246/ISBN-13: 978-3442301249)
3) Der Link führt zu prisma-online.de
4) Der Link führt zu cyranos.ch
Siehe auch www.tvder60er.de,
Wikipedia
sowie www.maigret.de
weitere Links bei www.wunschliste.de
und www.fernsehserien.de
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Die Hauptdarsteller in der BBC-Serie:
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| Rupert Davies
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spielte den Kommissar Jules Maigret.
Geboren am 22. Mai 1916 in Liverpool,
gestorben am 22. November 1976 in London.
Bevor Rupert Davies als "Maigret" Furore auf dem Bildschirm
machte, konnte er schon auf eine beachtliche Fernsehkarriere
zurückblicken, die jedoch erst spät begonnen hatte. Zunächst war er
als junger Mann mit der britischen Handelsmarine zur See gefahren,
hatte dann im 2. Weltkrieg als Leutnant bei der Royal Air Force gedient.1942 geriet er
in deutsche Kriegsgefangenschaft, gehörte zu den
Internierten des durch zahlreiche Ausbruchsversuche bekannt gewordenen
Stammlagers der Luftwaffe "Stalag Luft III"1) und überlebte drei missglückte
Fluchtversuche; das Thema wurde später von John Sturges mit dem hochkarätig besetzten
Film "Gesprengte Ketten"1) (1963, The Great Escape) aufgegriffen.
Während der Zeit im Lager entdeckte Davies sein darstellerisches
Talent, einige Gefangene hatten Aufführungen organisiert, in denen er
mitwirkte. Nach Kriegsende entschied er sich endgültig für die
Schauspielerei und avancierte im Laufe der Jahre zu einem populären
Charakterdarsteller, vor allem beim Fernsehen. Seinen größten Erfolg
verzeichnete er zweifellos als Pfeife rauchender Kommissar Maigret in
der gleichnamigen BBC-Serie, blieb aber auch nach dem Ende der Reihe in
zahlreichen TV- und Filmproduktionen präsent. In nachhaltiger
Erinnerung bleibt er beispielsweise als Monsignore Ernest Müller bzw.
Gegenspieler Christopher Lees in dem Horrorstreifen "Draculas
Rückkehr"1) (1968, Dracula has risen from the grave), in der von
der BBC für das Fernsehen produzierten mehrteiligen Tolstoi-Adaption
"Krieg und Frieden" (1972, War & Peace) sah man ihn an
der Seite von Anthony Hopkins als Graf Rostow.
Als
Rupert Davies 1976 mit nur 60 Jahren seinem Krebsleiden erlag,
hinterließ er seine Ehefrau sowie die erwachsenen Söhne Tim und
Hoagy.
1) der Link führt zu Wikipedia
Siehe auch Wikipedia
Weitere
Filme1) mit Rupert Davies
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| Helen Shingler |
spielte Maigrets Frau, Madame Maigret.
Geboren am 29. August 1919 in London.
Helen Shingler ist die Mutter des Musikers Murray Head1)
und des Schauspielers Anthony Head1).
1) der Link führt zu Wikipedia
Weitere
Filme1) mit Helen Shingler
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| Ewen Solon |
spielte Maigrets Assistenten Lucas.
Geboren am 7. September 1917 in Mount Eden, Auckland (Neuseeland),
gestorben am 7. Juli 1985 in Addleston (Großbritannien).
Bevor Ewen Solon eine beachtliche Film- und Fernsehkarriere
startete, hatte er sich mit diversen Jobs über Wasser gehalten. Erste
Bühnenerfahrungen sammelte er in seiner Heimat bei kleineren
Theatertruppen, doch erst Ende der 1940er Jahre stellte sich allmählich
der Erfolg ein, nachdem er sich in London niedergelassen hatte und in
verschiedenen Theater- aber auch Filmproduktionen Fuß fassen konnte.
Populär wurde Solon nicht zuletzt durch die BBC-Serie "Inspector Maigret",
auch nach dem Ende der Reihe übernahm er zahlreiche Aufgaben vor der
Kamera, arbeitete mit berühmten Kollegen wie Anthony Quinn, Christopher Lee,
Peter Cushing, Richard Attenborough oder Robert Mitchum zusammen.
Siehe auch die englischsprachige Website www.ewensolon.com
Weitere
Filme1) mit Ewen Solon
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