Leopoldine Konstantin 1910 als Maria in Eduard Stuckens "Gawân" in den Berliner "Kammerspielen"; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-500; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1910 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-500 bzw. Wikimedia Commons Die Schauspielerin Leopoldine Konstantin wurde am 12. März 1886 (nach anderen Quellen am 12.08.1890) als Leopoldine Eugenie Amelie Konstantin im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Brünn (heute Brno, Tschechien) geboren. Die Tochter des Wasserwerk-Direktors Michael Konstantin erwarb sich ihr darstellerisches Rüstzeug an der Schauspielschule des "Deutschen Theaters" in Berlin bei dem Rezitator, Schauspieler und Sprecherzieher Prof. Alexander Strakosch (1845 – 1909), den sie kurz darauf 1906 heiratete. Bereits im darauffolgenden Jahr gab sie (vermutlich am 5. September 1907) ihr Bühnendebüt unter der Intendanz von Max Reinhardt1) (1873 – 1943) an den dem "Deutschen Theater" angeschlossenen "Kammerspielen" als Drittbesetzung der Sklavin Lesbia in Friedrich Hebbels "Gyges und sein Ring" (Regie: Emil Milan1)). Es folgten kleinere Rollen, etwa als Schülerin Thea in Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen" (1907) sowie in verschiedenen Shakespeare-Stücken, als Page in "Romeo und Julia" (1907), als Mädchen Perdita in "Das Wintermärchen" (1908) und als Elf Puck in "Ein Sommernachtstraum" (1910). Aufmerksamkeit erregte sie erstmals, als sie Ende März 1910 an den Berliner "Kammerspielen" in einer Inszenierung von Eduard von Winterstein die Maria, junge Gattin des Ritters Hautdesert (Ludwig Hartau), in Eduard Stuckens Drama "Gawân: Ein Mysterium"1) an der Seite von Friedrich Kayssler (Gawân) interpretierte; siehe auch den Artikel zu der Inszenierung bei Wikipedia.
  
 
Leopoldine Konstantin 1910 als Maria in Eduard Stuckens "Gawân" in den Berliner "Kammerspielen".
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-500;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1910 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; weitere Angaben zur Lizenz siehe hier
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-500 bzw. Wikimedia Commons
Leopoldine Konstantin, die seit 1910 als "heitere Grazie des Salons" galt, wirkte zur Spielzeit 1912/13 an den Berliner "Reinhardt-Bühnen", wechselte dann 1916 nach einem Rechtsstreit mit Reinhardt zunächst an das Wiener "Stadttheater", anschließend an das "Theater in der Josefstadt" sowie an das "Deutsche Volkstheater". Sie gestaltete hier die typische "Grande Dame", besonders erfolgreich war sie 1924 am "Volkstheater" in der Titelrolle von Friedrich Schillers "Maria Stuart".
 
Bereits in der orientalisch-exotischen Tanz-Pantomime "Sumurűn" (1910), Max Reinhardt ersten Inszenierung für den Film, hatte Leopoldine Konstantin als verführerische Tänzerin frühe Erfahrungen vor der Kamera gesammelt, ab 1912 wirkte sie dann regelmäßig mit Hauptrollen in Stummfilmen mit. In ihren ersten Leinwandrollen gab sie "lediglich Variationen ihres damenhaft-lasziven Typs"2), so auch als Nymphe Circe in Max Reinhardts Abenteuer "Die Insel der Seligen"1) (1913). Es folgten meist melodramatische, tragisch endende Geschichten wie Hans Oberländers "Maria Magdalena"3) (1914) mit Erich Kaiser-Titz als Partner oder nicht minder melodramatische Krimis wie Joe Mays "Der Onyxkopf" (1917) mit Max Landa als Detektiv Joe Debbs.
 

Leopoldine Konstantin 1912 als "Buhlschaft" in dem von Hugo von Hofmannsthal
erneuerten alten Stück "Jedermann", das von Max Reinhardt aufgeführt wird
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-501;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1912 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; weitere Angaben zur Lizenz siehe hier
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-501 bzw. Wikimedia Commons

Leopoldine Konstantin 1912 als "Buhlschaft" in dem von Hugo von Hofmannsthal erneuerten alten Stück "Jedermann", das von Max Reinhardt aufgeführt wird; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-501; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1912 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-501 bzw. Wikimedia Commons
Curt Goetz mit Leopoldine Konstantin (1917); Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-502; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1917 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Furore machte die Schauspielerin mit der Titelrolle der spanischen Tänzerin Lola Montez1) in Robert Heymanns gleichnamigem Historiendrama (1918). Ein Jahr später agierte sie in Jaap Speyers Sittenbild "Lilli" und "Lillis Ehe. Ein Gesellschaftsbild aus Berlin W." neben Protagonistin Mia Pankau, der Kritiker des "Film-Kurier" fand sie in Alfred Tostarys "Können Gedanken töten?" (1920) gut, aber etwas monoton in der Mimik der hysterischen Frau. (M. P., 04.04.1920).2) Nach Nebenrollen in Produktionen wie Urban Gads Drama "Christian Wahnschaffe"3) (1921, Teil 1) und dem Vierteiler " Der Silberkönig" (1921) beendete Leopoldine Konstantin zunächst ihre filmische Laufbahn und konzentrierte sich auf die Arbeit am Theater. Häufig tritt sie in Wien auf. In der Titelrolle von W. Somerset Maughams "Finden Sie, daß sich Constance richtig verhält?" (17.01.1928, R: Max Reinhardt) findet sie zu verloren geglaubten Nuancen zurück: "Sie hat die zirpenden Töne, die Flattrigkeit der Wiener Jarnozeit abgestreift und spielt mit einer überraschenden Klugheit und Feinheit. Die Dialogführung ist beherrscht, die Ruhe bei aller Lebhaftigkeit musterhaft, die Ironie zurückgehalten und angenehm. (H. Ihering, Berliner Börsen-Courier, 19.01.1928).2)

  
Leopoldine Konstantin 1917 mit dem Schriftsteller und Schauspieler Curt Goetz5)
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-502;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1917 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; weitere Angaben zur Lizenz siehe hier
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-502 bzw. Wikimedia Commons

Anfang der 1930er Jahre nahm Leopoldine Konstantin ihre Arbeit für den Film wieder auf und konnte aufgrund ihrer Bühnenerfahrung auch im Tonfilm bestehen. Es waren nun vorwiegend Lustspiele, in denen sie sich mit prägnanten Nebenrollen zeigte. Etwa als forsche Millionärin Ellinor Blackwell in Reinhold Schünzels heiteren Geschichte "Saison in Kairo"3) (1933) oder als Mutter von Dolly Haas in Robert A. Stemmles musikalischen Krimi-Komödie "Es tut sich was um Mitternacht"4) (1933). In Gerhard Lamprechts Literaturadaption "Prinzessin Turandot"3) (1934) mimte sie neben Titelheldin Käthe von Nagy die Kaiserin, konnte in Hans Steinhoffs propagandistischem Preußenfilm "Der alte und der junge König"1) (1934) als Königin Sophie eine ernste Variation ihres Rollenspektrums bieten.2) In "Frischer Wind aus Kanada"3) (1935), einer Komödie im Modehaus-Milieu, "ironisiert (sie) mit überlegenem Humor eine superkluge Frau", notierte G. Herzberg im "Film-Kurier" (12.03.1936).
1935 verließ Leopoldine Konstantin Deutschland und ging zunächst nach Österreich, wirkte danach nur noch in drei Kinoproduktionen mit, in Österreich in Géza von Bolvárys Jungmädchen-Melodram "Mädchenpensionat" (1936), in Deutschland in dem Marika-Rökk-Streifen "Und du mein Schatz fährst mit"1) (1937, Regie: Georg Jacoby) sowie in der von Marc Allégret in Szene gesetzten deutsch-französischen Co-Produktion "Andere Welt" (1937).
Seit 1924 in zweiter Ehe mit dem ungarischen Ministerialrat und Autor Géza Herczeg1) (1888 – 1954) verheiratet, ging sie mit ihm und dem aus erster Ehe stammenden Sohn Alexander nach dem Anschluss Österreichs 1938 über London ins US-amerikanische Exil; die Ehe wurde kurz darauf Ende der 1930er Jahre geschieden.

Leopoldine Konstantin 1913 an den Kammerspielen" in dem Lustspiel "Schöne Frauen" von Etienne Rey
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-503;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1913 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; weitere Angaben zur Lizenz siehe hier
Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-503 bzw. Wikimedia Commons

Leopoldine Konstantin 1913 an den Kammerspielen" in dem Lustspiel "Schöne Frauen" von Etienne Rey; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-503; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1913 / Lizenz CC-BY-SA 3.0; Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-503 bzw. Wikimedia Commons
Leopoldine Konstantin 1917; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Atelier Madame d'Ora (1881–1963); Datierung: 06.09.1917; Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204080-D) Aufgrund mangelnder englischer Sprachkenntnisse konnte Leopoldine Konstantin als Schauspielerin in den USA nicht Fuß fassen, musste sich anfangs als Fabrikarbeiterin durchschlagen. erst nach einem intensivem Sprachstudium erhielt sie in Alfred Hitchcocks Thriller "Berüchtigt"1) (1946, Notorious) als Madame Anna Sebastian, eifersüchtige und eiskalte Mutter von Alexander Sebastian (Claude Rains) eine tragende Rolle neben Cary Grant und Ingrid Bergman. "Mit kühler, beängstigender Arroganz und harscher Unnahbarkeit spielt sie eine Deutsche, die, um ihren in nazistische Machenschaften verwickelten Sohn (Claude Rains) zu schützen, nicht vor einem Giftmord zurückschreckt."2) Auf der Bühne spielte sie in dem Emigranten-Ensemble "The Players from Abroad"1) und zeigte sich unter anderem im Oktober 1946 einmal mehr als Constance in "The Constant Wife" ("Finden Sie, dass Constanze sich richtig verhält?") von William Somerset Maugham; zudem trat auch in zwei TV-Serien auf, die 1950 ausgestrahlt wurden.
1948 kehrte die Schauspielerin nach Wien zurück, nahm ihre Bühnentätigkeit wieder auf, spielte sporadisch Theater in Österreich und Deutschland und wurde nun meist als "skurrile Alte" besetzt. Außerdem arbeitete sie mit Dichterlesungen für den Hörfunk; an ihre früheren Erfolge konnte sie jedoch nicht mehr anknüpfen.

Leopoldine Konstantin 1917
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Atelier Madame d'Ora1) (1881–1963); Datierung: 06.09.1917
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer 204080-D)

Leopoldine Konstantin, die zuletzt gemeinsam mit ihrer Adoptivtochter Elisabeth Herczeg in der Wiener Trauttmansdorffgasse lebte, starb am 14. Dezember 19656) in Hitzing bei Wien im Alter von 79 Jahren an Herzstillstand. Ihre letzte Ruhestätte fand sie auf dem Wiener Zentralfriedhof (Evangelischer Friedhof Simmering).
Ihr Sohn Alexander, für den sie 1923 im Norden von Westerland auf Sylt ein Haus als Rückzugs-Ort gebaut hatte, war noch während der letzten deutschen Luftangriffe auf London im Frühjahr 1944 ums Leben gekommen.
Quellen: Wikipedia, www.cyranos.ch sowie
CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 19*)
Fotos bei www.virtual-history.com und bei der Österreichischen Nationalbibliothek
*) Mit der Quelle: Marcus Bier: "Leopoldine Konstantin" in: M. B.: Schauspielerportraits (Berlin/West: Hentrich 1989, S. 136–141)
Link: 1) Wikipedia, 3) Murnau Stiftung, 4) filmportal.de, 5) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle: 2) CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, LG 19
6) laut "Österreich-Lexikon" am 15. Dezember 1965 → www.aeiou.at
Weitere Angaben zur Lizenz: Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
www.earlycinema.uni-koeln.de
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme
  • 1910: Sumurűn (Regie: Max Reinhardt)
  • 1912: Gebannt und erlöst
  • 1912: Die Hand des Schicksals
  • 1912: Die Heldin der schwarzen Berge
  • 1913: Vater und Sohn
  • 1913: Die Insel der Seligen (→ Murnau Stiftung)
  • 1913: Europäisches Sklavenleben
  • 1913: Schuldig
  • 1913: Ultimo
  • 1914: Kleine weiße Sklaven
  • 1914: Verhängnisvolles Glück
  • 1914: Die entfesselte Bestie
  • 1914: Maria Magdalena
  • 1915: Der Dolch im Strumpfband
  • 1915: Der Schuss im Traum
  • 1915: Die zerbrochene Puppe
  • 1915: Die Tänzerin
  • 1916: Der Radiumraub
  • 1916: Das Wiegenlied
  • 1917: Aus vergessenen Akten
  • 1917: Der Onyxkopf (mit Max Landa als Joe Debbs)
  • 1917: Eine Nacht in der Stahlkammer
  • 1918: Lola Montez
  • 1918: Der Volontär
  • 1918: Die Tänzerin
  • 1919: Der Verrat der Gräfin Leonie
  • 1919: Lilli
  • 1919: Lillis Ehe / Ein Gesellschaftsbild aus Berlin W.
  • 1920: Können Gedanken töten?
  • 1920: Der Shawl der Kaiserin Katharina II.
  • 1920: Präsident Barrada
  • 1920: Christian Wahnschaffe: Teil 1: Weltbrand
  • 1921: Der Silberkönig
    • Teil 1: Der 13. März
    • Teil 2: Der Mann der Tat
    • Teil 3: Claim 36
    • Teil 4: Rochesterstreet 29
Tonfilme
Leopoldine Konstantin 1911 als Fortuna in Johann Nestroys Zauberposse "Lumpazivagabundus" am "Deutschen Theater"; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 183-2008-0128-504; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1911; Lizenz CC-BY-SA 3.0; Originalfoto und Beschreibung: Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-504 bzw. Wikimedia Commons
Leopoldine Konstantin 1911 als Fortuna
in Johann Nestroys Zauberposse "Lumpazivagabundus"
am "Deutschen Theater"
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank,
Bild 183-2008-0128-504;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 1911
Lizenz CC-BY-SA 3.0; weitere Angaben zur Lizenz siehe hier
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 183-2008-0128-504
bzw. Wikimedia Commons
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