Wirken (Auszug) |
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Wolfgang Windgassen (Wolfgang Fritz Hermann Windgassen) erblickte am 26. Juni 1914 als Sohn des
gefeierten Heldentenors Fritz Windgassen (1883 1963) und
der Koloratur-Sopranistin
Vali von der Osten1) (1882 1923), Schwester der
ebenfalls berühmten Sopranistin Eva von der Osten1) (1881 1936),
in der französischen Stadt Annemasse1) nahe dem
Genfersee1)
das Licht der Welt; zum Zeitpunkt der Geburt war Vater Fritz noch mit Olga Hess
verheiratet, die Heirat mit Vali von der Osten
erfolgte 1916.*) Sein
1917 geborener Bruder Joachim kam Ende Mai 1941 während des 2. Weltkrieges
beim Untergang des Schlachtschiffs "Bismarck"1)
als Soldat ums Leben. Wolfgang Windgassen war gerade mal 9 Jahre alt, als die Mutter an den Folgen einer Sepsis verstarb, besuchte anfangs eine Privatschule in Kassel1), dann ab 1924 ein Gymnasium in Stuttgart1), wo Fritz Windgassen an der dortigen "Staatsoper Stuttgart"1) engagiert war. Bevor Sohn Wolfgang ebenfalls zu einem berühmten Heldentenor avancierte, absolvierte er auf Wunsch des Vaters zunächst ein technischer Volontär an der Stuttgarter Oper, studierte dann jedoch Gesang bei Alfons Fischer und ergänzend seinem Vater sowie an der "Stuttgarter Musikhochschule" (heute "Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart"1)) bei der Mezzosopranistin Maria Ranzow (1886 1953); die so genannte "Bühnenreifeprüfung" bestand er nicht. 1937 trat er seinen Wehrdienst bei der "Nachrichten-Abteilung 25" in Esslingen1) an, mit Beginn des 2. Weltkriegs wurde Windgassen 1939 zum Kriegsdienst eingezogen, im Frankreichfeldzug eingesetzt, danach in den von dem NS-Regime besetzten Niederlanden. Gleichzeitig erhielt er ein erstes Engagement am "Stadttheater Pforzheim"1), wo er am 24. Januar 1941 mit der Partie des Don Alvaro in der Oper "La forza del destino"1) ("Die Macht des Schicksals") von Giuseppe Verdi1) (Musik) debütierte. Bis zur Schließung aller deutschen Theater am 1. September 1944 stand er dort vom Dienst an der Front zurückgestellt im lyrischen und im Operetten-Fach auf der Bühne.*) Nach Kriegsende konnte Windgassen seine Karriere erfolgreich fortsetzen, 1945 gehörte er als Nachfolger seines Vaters zum Ensemble der "Staatsoper Stuttgart"1), der er bis zu seinem Tode treu blieb. Unter anderem gab er am 13. Dezember 1946 den Hans Schwalb, Anführer der aufständischen Bauern, in der deutschen Erstaufführung der Oper "Mathis der Maler"1) von Paul Hindemith1) an der Seite von Engelbert Czubok1) in der Titelpartie des Matthias Grünewald1), oder im Folgejahr den welschen Spielmann in der Uraufführung (15.06.1947) des "bairischen Stücks" mit Musik "Die Bernauerin"1) von Carl Orff1) mit Godela Orff1), Tochter des Komponisten, in der Titelrolle (Sprechrolle) der Agnes Bernauer1). Hatte Windgassen anfangs Partien wie den Tamino in dem Mozart-Werk "Die Zauberflöte"1), den Gefangenen Florestan in "Fidelio"1) von Ludwig van Beethoven1) oder den Jägerburschen Max in "Der Freischütz"1) von Carl Maria von Weber1) gestaltet, konzentrierte er sich ab Anfang der 1950er Jahre auf die "schweren" Heldenrollen in den Opern von Richard Wagner1) und galt rasch als exzellenter Interpret in diesem Fach bzw. als einer der führenden Wagner-Tenöre. 1950 glänzte er in Stuttgart erstmals als Siegmund in Wagners "Die Walküre"1), wurde im Folgejahr zu den ersten Nachkriegsaufführungen der "Bayreuther Festspielen"1) eingeladen" und debütierte dort im Sommer 1951 auf dem "Grünen Hügel"1) in den Inszenierungen von Wieland Wagner1) sowohl als Gott Froh in "Das Rheingold"1) als auch Titelheld in "Parsifal"1). Seither gastierte Windgassen nahezu jährlich in Bayreuth, wurde zu einer festen Institution der traditionsreichen Festspiele, war zudem ein enger Mitarbeiter Wieland Wagners und modernisierte mit diesem die Darbietungen. Windgassen beeindruckte außer dem "Parsifal", den Göttern Froh bzw. Loge in "Das Rheingold"1) und dem Siegmund in "Die Walküre"1) als Siegfried1) in "Siegfried"1) sowie in "Götterdämmerung"1), als Protagonist in "Lohengrin"1) und "Tannhäuser"1), als Jäger Erik in "Der fliegende Holländer"1), als Ritter Walther von Stolzing in "Die Meistersinger von Nürnberg"1) und als Tristan in "Tristan und Isolde"1) mit dieser Partie verabschiedete er sich neben Birgit Nilsson1) (Isolde) nach rund zwanzig Jahren vom Bayreuther Publikum. Darüber hinaus sang er 1954; das Tenor-Solo in der von Wilhelm Furtwängler1) dirigierten, konzertanten Aufführung der "9. Sinfonie"1) von Ludwig van Beethoven1) → Übersicht Wirken in Bayreuth. "Mein Held" pflegte Regisseur und Festspielleiter Wieland Wagner ihn anzureden. Mit ihm zusammen entrümpelte der Wagner-Enkel die "Bayreuther Festspiele" nach dem Zweiten Weltkrieg – Wagner szenisch, bühnenbildnerisch und ideologisch, Windgassen stimmlich und schauspielerisch.2) Windgassen war immer Tenor gewesen, seine tragfähige und durchschlagende Stimme, obwohl nicht übermäßig voluminös, hatte nie Schwierigkeiten, das Wagner-Orchester zu übertönen, die kluge Ökonomie seines kräftesparenden Singens, das jedoch selten sparsam wirkte, ließ ihn diese Partien mühelos durchstehen, an denen junge Sänger heute oft verzweifeln. Sein Tristan etwa, den er neben Birgit Nilsson in der heute schon legendären Inszenierung Wieland Wagners sang, ist ja auch auf Platte festgehalten und vermag auch auf diesem Wege einiges von der Faszination des Sänger-Darstellers Windgassen zu vermitteln.3) Ebenfalls dokumentiert ist sein Cola Rienzi (Cola di Rienzo1)), päpstlicher Notar, in Wagners Frühwerk "Rienzi"1), das auf Wunsch des Komponisten nicht zu den zehn Werken des so genannten "Bayreuther Kanons"1) zählen und daher von Windgassen nicht bei den Festspielen gesungen wurde. Es existiert jedoch ein Live-Mitschnitt (CD) der Aufführung vom 3. November 1957 an der "Staatsoper Stuttgart"1) unter der musikalischen Leitung von Lovro von Matačić1) mit unter anderem Paula Brivkalne1) (Rienzis Schwester Irene), Gustav Neidlinger1) (Steffano Colonna), Josef Traxel (dessen Sohn Adriano) und Hans Günther Nöcker 1) (Paolo Orsini). Übrigens gelangt die Oper seit der Premiere am 26. Juli 2026 erstmals in Bayreuth zur Aufführung. Doch nicht nur in Stuttgart und Bayreuth konnte man seine Gesangkunst bewundern, seit Anfang der 1950er gastierte Windgassen regelmäßg an der "Wiener Staatsoper"1), wo er am 7. Oktober 1953 mit dem "Lohengrin" seinen Einstand gab. Auch hier präsentierte er sich überwigend mit seinen brillanten Wagner-Rollen. Ausnahmen bildeten unter anderem der Gefangene Florestan in Beethovens "Fidelio"1) zwischen 1953 und 1971 in 38 Vorstellungen , der Jägerbursche Max in "Der Freischütz"1) (1953) von Carl Maria von Weber1), der Hoffmann in "Les contes d'Hoffmann"1) ("Hoffmanns Erzählungen") von Jacques Offenbach1) (1953/54), der Herzog von Mantua in "Rigoletto"1) (1954) von Giuseppe Verdi1), der Don José in "Carmen"1) von Georges Bizet1) (1954 mit Martha Mödl1) als Carmen) und der Marineleutnant Pinkerton in "Madama Butterfly"1) von Giacomo Puccini1) (1954) mit Carla Martinis1) als Cio-Cio-San, genannt "Butterfly". Zu nennen ist weiterhin der Tamino in dem Mozart-Werk "Die Zauberflöte"1) (5 Vorstelungen 19541962), der Maler Mario Cavaradossi in Puccinis "Tosca"1) (1956) und der Aegisth1) in "Elektra"1) von Richard Strauss1), den er zwischen 1961 und 1974 in 14 Vorstellungen sang. Zu seinen Wiener Auftritten gehörte am 12. Mai 1970 auch der Kardinallegat Bernardo Novagerio1) in der Oper "Palestrina"1) von Hans Pfitzner1), inszeniert von Hans Hotter (auch Partie des Kardinals Carlo Borromeo1)) unter der musikalischen Leitung von Hans Swarowsky1) mit Anton Dermota1) als Kapellmeister Giovanni Pierluigi da Palestrina1) → Übersicht Wirken an der "Wiener Staatsoper". Windgassen feierte im Rahmen von Gastspielen an allen bedeutenden Opernhäusern weltweit Triumphe, gab 1952 unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan1) sein Debüt an der "Mailänder Scala"1) als Florestan in "Fidelio", 1954 am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) als "Tristan" mit Rudolf Kempe1) am Dirigentenpult. Er faszinierte das Publikum am "Gran Teatre del Liceu"1) in Barcelona1), der "Pariser Oper"1), am "Théâtre Royal de la Monnaie"1) in Brüssel1) oder am "Teatro Colón"1) in Buenos Aires1), ebenso wie beispielsweise an der "Hamburgischen Staatsoper"1), der "Bayerischen Staatsoper"1) in München1) und der "Deutschen Oper Berlin"1). Zu einem der Höhepunkte seiner Karriere geriet sicherlich 1957 die Einladung der berühmten New Yorker "Metropolitan Opera"1), dort als Siegmund in "Die Walküre"1) sowie als Siegfried1) in "Siegfried"1) und "Götterdämmerung"1), den drei Teilen des vierteiligen Wagner-Zyklus "Der Ring des Nibelungen"1), aufzutreten. "Trotz verlockender Angebote hielt er seinem Stammhaus, der "Staatsoper Stuttgart", bis zuletzt die Treue. Jeden Tag rief er, wenn er erreichbar war, um vier Uhr an, um zu fragen, ob die Abendvorstellung gesichert sei oder ob man ihn brauche." notiert Wikipedia. Später (1970) erlebte man Windgassen auch an der "San Francisco Opera"1), wo er einmal mehr als Partner von Birgit Nilsson1) (Isolde) den Tristan in "Tristan und Isolde"1) interpretierte. Etwa zeitgleich tat sich der Tenor auch als Opernregisseur hervor, inszenierte beispielsweise 1969 "Tristan und Isolde" an "Det Kongelige Teater"1) ("Königliche Theate") in Kopenhagen1). Zudem hinterließ er in seinen letzten Lebensjahren auch bei einigen Stuttgarter Inszenierungen seine Handschrift. Mitunter machte Windgassen Ausflüge in die "leichte Muse", so trat er in der von Otto Schenk nach der gleichnamigen Operette1) von Johann Strauss1) für das Fernsehen prominent in Szene gesetzten Adaption "Die Fledermaus"1) (1972) als Prinz Orlofsky in Erscheinung. Karl Böhm1) leitete die "Wiener Philharmoniker"1), Norbert Balatsch1) den "Wiener Staatsopernchor"1), unter anderem gehörten bedeutende Opernkollegen/-kolleginnen wie Eberhard Waechter1) (Gabriel Eisenstein), Gundula Janowitz1) (dessen Ehefrau Rosalinde), Renate Holm1) (Kammerzofe Adele), Erich Kunz1) (Gefängnisdirektor Frank) und letztlich Otto Schenk selbst (Gerichtsdiener Frosch) zur Besetzung → fernsehserien.de. Im Folgejahr brachte das ZDF am 15, Dezember 1973 mit "Schwarzwaldmädel"1) die von Wolfgang Liebeneiner1) gedrehte, gleichnamige Operette1) von Leon Jessel1) (Musik) auf den Bildschirm. Hier spielte/sang Windgassen den in die Jahre gekommenen Domkapellmeister Blasius Römer, bei dem die von der US-amerikanischen Sopranistin Janet Perry1) dargestellte Haushaltshilfe Bärbele tätig ist, in die Römer heimlich verliebt ist. In weiteren Rollen sah man unter anderem Dick Laan1) (Hans), den Tenor Willi Brokmeier1) (dessen Freund Richard) und die Sängerin Rut Rex1) (Malwine). Der "Österreichishe Rundfunk"1) (ORF) produzierte übrigens den aufwendigen TV-Film "Otello" (EA: 26.12.1965), den Otto Schenk in den Wiener "Rosenhügel-Filmstudios"1) nach der gleichnamigen Oper1) von Giuseppe Verdi1) (Musik) in deutscher Sprache mit Windgassen als Feldherr Otello und Sena Jurinac1) als dessen Gemahlin Desdemona in Szene setzte; unter anderem gab der kanadische Bariton Norman Mittelmann (19322019 → Wikipedia (englisch)) den Fähnrich Jago → arbeiterzeitung.at. Von 1972 bis zu seinem Tod fungierte der 1951 zum "Baden-Württembergischen Kammersänger" und 1964 zum "Österreichischen Kammersänger" ernannte Wolfgang Windgassen als künstlerischer Direktor der "Staatsoper Stuttgart"1). Darüber hinaus war er von 1963 bis 1972 Präsident der "Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger". 1972 würdigte man seine Leistungen mit dem "Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland"1) ("Großes Verdienstkreuz"), bereits 1968 verlieh ihm die Stadt Bayreuth1) den "Goldenen Ehrenring"1). An weiteren Auszeichnungen ist das "Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich"1) (1970) und die "Bayerische Wasserwachtmedaille in Gold" (1974) zu nennen. Die in einigen Artikeln erwähnte Ernennung zum "Ehrenbürger" der Stadt Bayreuth (1967) lässt sich nicht eindeutig belegen, weder auf der Website bayreuth.de noch bei der Wikipedia-Übersicht wird er genannt. Der international gefeierte Tenor starb am 8. September 1974 im Alter von nur 60 Jahren unerwartet in Stuttgart1) an Herzversagen; noch an seinem 60. Geburtstag war er im Juni an der "Staatsoper Stuttgart" als "Tannhäuser" aufgetreten. Die letzte Ruhe fand er auf dem "Waldfriedhof Stuttgart"1) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons. Der Künstler war seit 1961 in zweiter Ehe mit der Sopranistin Lore Wissmann1) (1922 2007) verheiratet, die später an der Seite ihres Gatten beigesetzt wurde → Foto der Grabstelle bei knerger.de. Die erste, 1939 geschlossene Ehe mit der Solo-Tänzerin Charlotte Schweikher endete 1957 vor dem Scheidungsrichter. Aus dieser Verbindung ging der spätere Regisseur/Produzent Peter Joachim Windgassen (* 1947) hervor, sowie Tochter Verena Windgassen-Bubeck (* 1955), die einen medizinischen-Beruf ergriff bzw. Ärztin wurde.*) In Stuttgart erinnert der "Wolfgang-Windgassen-Weg" nahe der "Staatsoper" an den größten Wagner-Tenor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der nicht nur die "Bayreuther Festspiele" maßgeblich prägte. "Wolfgang Windgassens große Begabung war der Tenorgesang mit schlankem Stimmtimbre, klarer Diktion und ehrlicher Charakterzeichnung. Mit dem keuchenden Schwergewicht der Wagnerhelden von einst hatte er nichts mehr zu tun. ( ) Windgassens künstlerische Solidarität war eine Stütze für Wieland Wagner, der nach dem Weltkrieg hart darum kämpfen musste, die Festspiele zu modernisieren, sie endlich von der Deutschtümelei zu befreien, auch von der Schande des Teufelspakts mit Hitler und dem Nazi-Staat." kann man in dem Artikel bei deutschlandfunk.de anlässlich des 100. Geburtstages (2014) des legendären Tenors lesen. |
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Siehe auch Wikipedia
(deutsch (mit Diskografie),
Wikipedia (englisch), bayreuther-festspiele.de, operissimo.com, "Landesarchiv Baden-Württemberg", "Österreichisches Musiklexikon", deutsche-biographie.de |
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*) Sebastian Stauss: "Windgassen, Friedrich (Fritz) Hermann
Wolfgang" in: "Neue Deutsche Biographie 28" (2024), S. 231233) → online-Version: deutsche-biographie.de Fremde Links: 1) Wikipedia Quelle: 2) Wikipedia (abgerufen 19.12.2011) 3) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 280) |
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