Wirken (Auszug)
Die österreichische Sopranistin Leonie Rysanek wurde am 14. November 1926 als Tochter des aus Tschechien stammenden Steinmetzes Peter Rysánek (1891 – 1974) und dessen Ehefrau Josefine (1892 – 1985) in Wien1) geboren, wo sie gemeinsam mit ihren fünf Geschwistern aufwuchs; die am 18. März 1924 geborene ältere Schwester Lotte Rysanek1) († 14.12.2016) machte sich ebenfalls als Sopranistin einen Namen. Ihre Gesangsausbildung erhielt die junge Leonie mittels eines Stipendiums zunächst am "Konservatorium der Stadt Wien" (heute: "Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien"1) (MUK) von dem Kammersänger Alfred Jerger1) (1889 – 1976), der in den 1920er und 1930er Jahren der führende Charakter-Bariton der "Wiener Staatsoper"1) war, Obwohl sie das Gesangsstudium in Wien noch nicht abgeschlossen hatte, gab die damals 22-Jährige 1949 am "Landestheater Innsbruck"1) ihr Bühnendebüt mit der Partie der Agathe in der romantischen OPer "Der Freischütz"1) von Carl Maria von Weber1), was den Ausschluss vom Konservatorium zur Folge hatte.
Leonie Rysanek 1954; Urheberin: Sabine Toepffer (1916–2000); Quelle: geschichtewiki.wien.gv.at von "Wienbibliothek im Rathaus" (H.I.N.-237671); Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0 Daraufhin nahm sie Privatunterricht bei dem Heldenbariton Rudolf Grossmann (1901 – 1983), den sie 1950 in erster Ehe heiratete. Ebenfalls 1950 trat sie ein zweijähriges Engagement am heutigen "Saarländischen Staatstheater"1) in Saarbrücken1) an. Bei der  Wiedereröffnung der "Bayreuther Festspiele"1) bzw. den ersten Nachkriegsfestspielen gelang Leonie Rysanek im Sommer 1951 auf dem "Grünen Hügel"1) in Bayreuth1) der viel beachtete Durchbruch als Wagner1)-Interpretin und wurde mit der Partie der Sieglinde in "Die Walküre"1) über Nacht berühmt – Wagner-Enkel Wieland Wagner1) (1918 – 1966) selbst hatte die Sängerin für seine erste, im "Festspielhaus"1) aufgeführte Nachkriegs-Inszenierung der "Walküre" ausgesucht – Herbert von Karajan1) (außer 12.08.: Hans Knappertsbusch1)) stand am Dirigentenpult, unter anderem gehörten Günther Treptow1) (Siegmund), Arnold van Mill1) (Hunding1)), Astrid Varnay1) (Brünnhilde1)) und Sigurd Björling1) (Gott Wotan1)) zur Besetzung. Mit Wieland Wagner verband Leonie Rysanek eine Beziehung, die aus Anziehung und Abstoßung gemischt war; trotz ihres Erfolgs wurde sie in den nächsten Jahren nicht mehr engagiert und kehrte erst 1958 wieder nach Bayreuth zurück, um dort bis Anfang der 1980 wieder aufzutreten → Übersicht siehe hier.
 
Leonie Rysanek 1954
Urheberin: Sabine Toepffer (1916 – 2000)
Quelle: geschichtewiki.wien.gv.at von
"Wienbibliothek im Rathaus"1) (H.I.N.-237671)
Lizenz: CC BY-NC-ND 4.0
Bereits Anfang Juni 1950 debütierte sie an der "Wiener Staatsoper"1), gestaltete in dem Werk "Die toten Augen"1) von Eugen d’Albert1) (Musik) als  Myrtocle die Gattin des Arcesius, dem römischen Sondergesandter in Jerusalem (Karl Kamann1)).Seit September 1955 Ensemblemitglied dieser renommierten Bühne, trat sie dort bis Mitte der 1990er regelmäßig in zahlreichen Inszenierungen auf und zählte zu den Stars des Hauses → Übersicht Wirken an der "Wiener Staatsoper" siehe hier.
Rasch zu einer viel gefragten Sopranistin avanciert, gab Leonie Rysanek im Laufe ihrer glanzvollen Karriere umjubelte Gastspiele an bedeutenden Opernhäusern wie beispielsweise der "Bayerischen Staatsoper"1) in München1), der "Hamburgischen Staatsoper"1), der "Städtischen Oper" in Berlin (heute "Deutsche Oper Berlin"1)), der "Mailänder Scala"1), dem Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) oder der "Pariser Oper"1).
Ab 1957 trat sie in San Francisco auf, zwei Jahre später begeisterte sie Anfang Februar 1959 erstmals an der New Yorker "Metropolitan Opera"1),  ein Auftritt, der sie endgültig zum international gefeierten Star der Opernszene machte: Sie sprang für die Primadonna Maria Callas mit der Partie der Lady Macbeth in "Lady Macbeth"1) von Giuseppe Verdi1) ein und verzeichnete an der Seite von Leonard Warren (1911 – 1960) in der Rolle des Feldherrn Macbeth1) einen sensationellen Erfolg. Bis Mitte der 1990er konnte man an der "Met" ihre Gesangskunst bewundern, insgesamt wirkte sie dort in 300 Vorstellungen. Anlässlich ihres 25-jährigen Bühnenjubiläums an der "Metropolitan Opera" widmete man ihr am 26. Februar 1984 (→ Info) einen festlichen Gala-Abend mit der Künstlerin ie den Wagner-Werken "Parsifal"1) (2. Akt) und "Die Walküre"1) (1. Akt) sowie unter anderem Peter Hofmann1) als Partner, James Levine1) stand am Dirigentenpult  → Übersicht der Rollen an der "Met" siehe hier.

Leonie Rysanek in der Oper "Oberon"1) von
Carl Maria von Weber1), 1955 an der "Städtischen Oper"1), Berlin
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004263_002)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1955
Quelle: www.deutschefotothek.de;
Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Leonie Rysanek in der Oper "Oberon" von Carl Maria von Weber, 1955 an der "Städtischen Oper", Berlin; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pk_0004263_002); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1955; Quelle: www.deutschefotothek.de
Als Wagner-Interpretin schlechthin gestaltete Leonie Rysanek nicht nur in Bayreuth, Wien oder an der "Met" neben der Sieglinde in "Die Walküre" grandios die Elsa von Brabant1) und Ortrud in "Lohengrin"1), die Elisabeth1) in "Tannhäuser"1), die Senta in "Der fliegende Holländer"1) und die geheimnisvoll-wilde Helferin der Gralsritter Kundry1) in "Parsifal"1)
Darüber hinaus brillierte die Sopranistin  in etlichen anderen Partien ihres Fachs, so beispielsweise als Leonore alias "Fidelio in "Fidelio"1) von von Ludwig van Beethoven1), machte sich auch als herausragende Verdi1)-Sängerin einen Namen: So glänzte sie als Amelia in ""Un ballo in maschera"1) ("Ein Maskenball"), als Elisabetta/Élisabeth de Valois1) in "Don Carlo"1), als Desdemona in "Otello"1), als Lady Macbeth in "Macbeth"1) oder mit der Titelpartie in "Aida"1). Mit ihrer vokalen Darstellungskraft verlieh sie den Puccini1)-Heroinen wie der Floria Tosca in  "Tosca"1) oder der chinesischen Kaiser-Tochter Turandot in "Turandot"1) moderne Leidenschaftlichkeit.
In Opern von Richard Strauss1) beeindruckte sie vor allem unangefochten als "Die Kaiserin" in "Die Frau ohne Schatten"1) – unter anderem zwischen 1955 und 1984 35 Mal an der "Wiener Staatsoper", zwischen 1966 und 1978 rund 30 Mal an der "Met" oder 1972 an der "Pariser Oper"1) –, eine Partie, die untrennbar mit ihrem Namen verbunden bleibt. Sie sang hinreißend die Titelrollen in "Die ägyptische Helena"1), "Ariadne auf Naxos"1) und "Daphne"1), begeisterte sowohl als Chrysothemis1) als auch als Klytämnestra1) in "Elektra"1), ebenso wie als Feldmarschallin Fürstin Werdenberg in "Der Rosenkavalier"1), oder machte als Salome1) in "Salome"1) Furore. "In späteren Jahren eroberte Leonie Rysanek das tschechische Fach und begeisterte in den Werken von Leoš Janáček1), so als Küsterin Buryjovk in Janáčeks "Jenůfa"1) und als reiche Marfa Ignatěvna Kabanová (die "Kabanicha"), Mutter des mit Katěrina, genannt "Káťa", verheirateten Tichon Ivanyč Kabanov, in "Káťa Kabanová"1).2)
Porträtfoto 1960 der Opernsängerin Leonie Rysanek; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: ungenannt; Datierung: 1960; Rechteinhaber/Copyright ÖNB Wien; Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO400265/02) Während ihrer glanzvollen Karriere arbeitete Leonie Rysanek mit so berühmten Dirigenten wie Antal Doráti1), Herbert von Karajan1), Karl Böhm1), Horst Stein1), Berislav Klobučar1), James Levine1), Christoph von Dohnányi1) oder Ferenc Fricsay1) zusammen, zu ihren Gesangspartnern zählten Künstler von internationalem Ruf wie beispielsweise Dietrich Fischer-Dieskau, Jon Vickers, Tito Gobbi1), Plácido Domingo, George London1) oder Leonard Warren.
Bei den "Salzburger Festspielen"1) war sie eher selten vertreten, unter anderem gab sie auch hier 1974 und 1975 "Die Kaiserin" in "Die Frau ohne Schatten" sowie 1996 die Klytämnestra1) (im Wechsel mit Doris Soffel1)) in "Elektra" an der Seite von Hildegard Behrens1) in der Titelpartie der Elekta1) – Keit Asari1) inszenierte die Strauss-Oper , Lorin Maazel1) leitete die "Wiener Philharmoniker"1) → salzburgerfestspiele.at.

Porträtfoto 1960 der Opernsängerin Leonie Rysanek
Foto mit freundlicher Genehmigung der
Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: ungenannt; Datierung: 1960
Rechteinhaber/© ÖNB Wien; → Info 
Bildarchiv Austria (Inventarnummer FO400265/02)
Nach fast 50 Jahren, mehr als 60 Partien und über 3.000 Vorstellungen nahm Leonie Rysanak Mitte der 1990er ihren Abschied von der Opernbühne, feierte am 2. Oktober 1996 mit der Partie der alten Gräfin in "Pique Dame"1) von Pjotr Tschaikowski1) (englisch: "The Queen of Spades") unter der musikalischen Leitung von Waleri Gergijew1) neben Ben Heppner1) (Offizier German/Hermann), Karita Mattila1) (Enkelin Lisa) und Dmitri Hvorostovsky1) (Fürst Jelezki) ihren letzten großen Erfolg an der "Met" → Übersicht (Auszug) Wirken siehe hier.
  
Am 9. September 1997 ernannte man sie zur Präsidentin der jährlich im Mai/Juni stattfindenden "Wiener Festwochen"1),  doch bereits am 7. März 1998 erlag die "ungekrönte Königin der Opernbühne" Leonie Rysanek  in ihrer Geburtsstadt Wien1) im Alter von 70 Jahren den Folgen ihrer Knochenkrebserkrankung, die 1994 festgestellt worden war. Sie hinterließ ihren zweiten Ehemann, den Journalisten und Musikwissenschaftler Ernst-Ludwig Gausmann (30.12.1928 – 17.07.2017), mit dem sie seit 1968 verheiratet war und der zudem als ihr Manager fungierte. Am 17. März 1998 wurde die Operndiva unter großer Anteilnahme in Wien zu Grabe getragen; bei der feierlichen Beisetzung in einem Ehrengrab1) auf dem "Wiener Zentralfriedhof"1) (Gruppe 33 G, Nummer 27) sang der "Wiener Staatsopernchor"1), ein Streichorchester spielte Werke von Johann Sebastian Bach1), eine enge Freundin und Kollegin Leonie Rysyneks, Hildegard Behrens1) (1937 – 2009), bot die von Bach vertonte/bearbeitete Arie "Bist du bei mir"1) dar → Foto der Grabstelle, in der später auch Ernst-Ludwig Gausmann die letzte Ruhe fand, bei Wikimedia Commons, knerger.de.
 
Verschiedenste Auszeichnungen belegen die herausragende gesangliche Leistung der Sopranistin, die 1956 zur "Bayerischen" sowie "Österreichischen Kammersängerin" ernannte Leonie Rysanek war Ehrenmitglied1) der "Wiener Staatsoper"1) (1974), der New Yorker "Metropolitan Opera" (1984), der "San Francisco Opera"1) (1986) und der "Opéra de  Marseille"1) (1994). Unter anderem war sie Trägerin des "Lotte Lehmann-Gedächtnisringes" (1979), des "Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse"1) (1977), des "Ehrenringes der Stadt Wien"1) (1986), des "Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse"1) (1988), des "Großen Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich"1) (1996) sowie seit 1991 "Commandeur"1) des französischen "Ordre des Arts et des Lettres"1). Noch rund zehn Monate vor ihrem Tod ernannte man sie am 28. Mai 1997 zur "Bürger(in) ehrenhalber der Stadt Wien"1.
"Stern" für Leonie Rysanek auf der "Musik Meile Wien"; Urheber des Fotos Copyright Wikimedia-User 1971markus; Lizenz: CC BY-SA 4.0; Quelle: Wikimedia Commons Seit 2014 erinnert im 22. Wiener Bezirk Donaustadt1) der "Leonie-Rysanek-Weg" sowie seit 2016 der "Leonie-Rysanek-Park" im 3. Wiener Gemeindebezirk Landstraße1) an die international gefeierte Sopranistin.
Auf der zwischen dem "Theater an der Wien"1) bis zum "Stephansplatz"1) verlaufenden, ehemaligen "Musik Meile Wien" (feierliche Eröffnung am 06.04.2002 → www.ots.at), oft als "Walk of Fame der Klassik" bezeichnet, widmete man auch Leonie Rysanek einen "Stern", direkt im Zentrum der Stadt, unmittelbar vor der "Wiener Staatsoper" (auf dem Vorplatz, dem "Herbert-von-Karajan-Platz"3)). Laut eines ORF-Berichtes (18.06.2017) verschwinden die "Sterne" seit geraumer Zeit sukzessive, da die Renovierung zu teuer wäre → wien.orf.at.
 
"Stern" für Leonie Rysanek auf
der "Musik Meile Wien"
Urheber des Fotos © Wikimedia-User 1971markus
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Quelle: Wikimedia Commons
Der Musikjournalist und Buchautor Peter Sommeregger schrieb im Magazin "Orpheus – Oper und mehr"1) in seinem Artikel "Die letzte Primadonna" unter anderem: "Um Leonie Rysaneks Karriere zu würdigen und aus heutiger Sicht richtig einzuordnen, muss man bedenken, dass diese Laufbahn nicht annähernd so stark von den Medien unterstützt wurde wie heutige Karrieren. Ihre Wirkung, ihren Ruhm erwarb sie sich ausschließlich durch Auftritte, die durch ihr Charisma und ihre darstellerische Intensität zum Ereignis wurden. Sie war wohl die letzte Primadonna, die ohne Agentur, ohne medienwirksame TV-Auftritte und über weite Strecken auch ohne Schallplatten-Einspielungen ihren internationalen Ruhm über Jahrzehnte erhalten konnte." → orpheus-magazin.de
Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch),
deutsche-biographie.de, bayreuther-festspiele.de,
geschichtewiki.wien.gv.at, klassik-begeistert.de
"Österreichisches Musiklexikon":
Rysanek-Schwestern
Fremde Links: 1) Wikipedia, 3) geschichtewiki.wien.gv.at
Quelle:
2) Peter Dusek: "Rysanek, Leonie", in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 311–312); → Onlinefassung: deutsche-biographie.de
     
Wirken (Auszug)
(Fremde Links: Wikipedia, musiklexikon.ac.at,
operissimo.com, bayreuther-festspiele.de; R = Inszenierung/Regie)
"Wiener Staatsoper" → archiv.wiener-staatsoper.at "Metropolitan Opera", New York
Die "Met" weist 300 Vorstellungen mit Leonie Rysanek aus → archives.metopera.org.
(Gala-Vorstellungen/Konzerte wurden hier überwiegend nicht aufgeführt)
"Salzburger Festspiele" (Auszug) "Bayreuther Festspiele" in Werken von Richard Wagner  (Quelle: bayreuther-festspiele.de)
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