Dorothea Wieck vor 1929; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: www.cyranos.ch Dorothea Wieck wurde 3. Januar 1908 als Dorothea Olavia Wieck und Tochter des erfolgreichen Großkaufmanns Leopold Wieck im Schweizerischen Davos geboren. Sie stammte aus einer traditionsreichen Künstlerfamilie: Zu ihren Vorfahren väterlicherseits gehörte der berühmten Wiener Musikpädagogen Friedrich Wieck1) (1785 –1873), dessen eine Tochter Clara1) (1819 –1896) die Gattin des Komponisten Robert Schumann1) (1810 –1856), die andere Tochter die ebenfalls berühmt gewordene Pianistin Maria Wieck war; ihr Großonkel August Palme (1826 –1954) war ein schwedischer Schauspieler.
Die junge Dorothea verbrachte ihre Kindheit in Schweden, später besuchte sie ab 1914 vier Jahre lang eine Höhere Mädchenschule in Freiburg i.Br., danach ein Internat in Dresden. Ihre künstlerische Laufbahn begann im Alter von 12 Jahren mit einer Ausbildung zur Tänzerin, mit 15 Jahren nahm sie bei Maria Moissi, der ersten Frau des Schauspielers Alexander Moissi2) (1879 – 1935) an deren Schule in Berlin Schauspielunterricht.
Während einer Schülerreise kam Dorothea Wieck ein Jahr später nach Wien und erhielt dort ihr erstes Engagement am "Theater in der Josephstadt". Dort debütierte sie in Leonid Nikolajewitsch Andrejews Drama "Du sollst nicht töten" und schon bald wurde Otto Falckenberg auf das junge Talent aufmerksam, der sie an die Münchner Kammerspiele verpflichtete. Hier glänzte sie unter anderem in Ferenc Molnárs Stück "Olympia" und als Julchen in Zuckmayers Schauspiel "Schinderhannes"1).

Dorothea Wieck vor 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
Quelle: www.cyranos.ch; Angaben zur Lizenz siehe hier

In München wurde sie von Regisseur Franz Seitz auch für den Film entdeckt: Ihr Leinwanddebüt gab sie mit einer kleinen Rolle in dem Stummfilm "Heimliche Sünder" (1926), im gleichen Jahr folgte "Die Kleine Inge und ihre drei Väter". Nach Filmen wie "Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren" (1926), "Klettermaxe" (1927) oder "Der Fremdenlegionär" (1928) hatte Dorothea Wieck mit der Rolle der Lehrerin Fräulein von Bernburg in Leontine Sagans "Mädchen in Uniform"1) (1931) ihren Durchbruch als Filmschauspielerin, einer Rolle die später in dem Remake von 19581) von Lilli Palmer verkörpert wurde. 1932 erlebte man sie mit der Titelrolle in Richard Oswalds Operettenadaption "Gräfin Mariza", im gleichen Jahr in Carl Boeses Biopic "Theodor Körner" an der Seite von Willy Domgraf-Fassbaender. Bis Ende der 1930er Jahre stand die Wieck für Filme wie "Teilnehmer antwortet nicht" (1932), "Trenck" (1932), "Anna und Elisabeth"3) (1933), "Der Student von Prag"1) (1935), "Liselotte von der Pfalz"3) (1935), "Liebe kann lügen" (1937), "Die gelbe Flagge"4) (1937) oder "Der Vierte kommt nicht"3) (1939) vor der Kamera und auch in Hollywood drehte sie zwei Filme für die "Paramount": "Cradle Song" (1933, Wiegenlied) und "Miss Fane's Baby Is Stolen" (1934, Wo ist das Kind der Madeleine F.). Eine Verdächtigung wegen angeblicher Nazispionage bereitete dann jedoch ihrer erhofften Hollywood-Karriere ein frühes Ende.
Nach Deutschland zurückgekehrt, widersetzte sich die eigenwillige Schauspielerin hartnäckig den Versuchen, sich als "Märtyrerin des Nationalsozialismus" feiern zu lassen und legte sich mit den Machthabern des Dritten Reiches an. Sie spielte zunächst wieder Theater an der Berliner "Volksbühne" und am "Schillertheater", außerdem sah man sie noch in den NS-Propagandastreifen Filmen "Kopf hoch, Johannes!"1) (1941;
Vorbehaltsfilm1))", "Andreas Schlüter"1) (1942) und "Der Grüne Salon"3) (1944), weitgehend war sie jedoch von den Nazis "kaltgestellt" worden. Ihr letzter Film während des Krieges "Leb wohl Christina"3) (1945) blieb unvollendet.

Nach Ende des 2. Weltkrieges konnte Dorothea Wieck nicht mehr so recht an ihre früheren Erfolge anknüpfen, sie spielte noch eine tragende Rolle in dem Krimi "Mordprozeß Dr. Jordan"1) (1949), weitere kleinere Auftritte hatte sie unter anderem in den Produktionen "Fünf unter Verdacht"4), (1950), "Das Seltsame Leben des Herrn Bruggs"1) (1951), "Hinter Klostermauern" (1952), "Der Mann meines Lebens"3) (1954) "Unternehmen Schlafsack" (1955), "Anastasia, die letzte Zarentochter"1) (1956), "Menschen im Hotel"1) (1959) und " Morgen wirst du um mich weinen"4) (1959).

Foto: Portrait Dorothea Wiecks vor dem Gohliser Schlößchen im Jahre 1946
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df roe-neg 0000100 001)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek
Urheber: Roger Rössing (1929–2006) / Renate Rössing (1929–2005)
Datierung: 1946 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung der Deutschen Fotothek zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 12.11.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung: Wikimedia Commons bzw. Wikipedia

Portrait Dorothea Wiecks vor dem Gohliser Schlößchen im Jahre 1946; Copyright: Deutsche Fotothek, (file: df roe-neg 0000100 001); Urheber: Roger Rössing / Renate Rössing; Datierung: 1946 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Für und mit Harry Piel spielte sie in dessen Sensationsfilm "Gesprengte Gitter"3) (1953), einer überarbeiteten Version des Films "Panik" (1940–1943), die DEFA gab ihr in der E.T.A. Hoffmann-Adaption "Das Fräulein von Scuderi"1) (1955) die Rolle der Frau von Maintenon. Letztmalig erlebte man sie neben Curd Jürgens als Gräfin in Gerd Oswalds Stefan Zweig-Adaption "Schachnovelle"1) (1960) sowie als Mutter Oberin in dem Krimi "Das Mädchen und der Staatsanwalt"1) (1962) auf der Leinwand. Sie wirkte noch in einigen Fernsehproduktionen wie dem Mehrteiler "Die Revolution entlässt ihre Kinder" (1962) mit, danach zog sie sich Dorothea Wieck aus dem Filmgeschäft zurück; lediglich in zwei "Kommissar"-Folgen war sie 1969 und 1973 noch einmal auf dem Bildschirm präsent.
Die Schauspielerin konzentrierte sich auf ihre Arbeit am Theater, stand unter anderem in Leipzig auf der Bühne und hatte auch Erfolg mit Rezitationsabenden; von 1961 bis 1967 leitete sie ihre eigene Schauspielschule in Berlin.
  
Dorothea Wieck, die sich in den letzten Jahren völlig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, starb am 19. Februar 1986 im Alter von 78 Jahren in Berlin (West). Die letzte Ruhe fand sie auf dem Berliner Waldfriedhof Heerstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf → Foto der Grabstelle (18 K–21) bei knerger.de.
1973 hatte man der Schauspielerin den "Bundesfilmpreises in Gold"1)  für "langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film" verliehen.
In erster Ehre war Dorothea Wieck seit 13. September 1932 mit dem Journalisten und Schriftsteller Ernst von der Decken1) (1894 – 1958) verheiratet gewesen, die Verbindung wurde bereits 1935 wieder geschieden.
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch, www.fembio.org, www.berlin.friedparks.de
Fotos bei film.virtual-history.com
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait innerhalb dieser HP, 3) Murnau-Stiftung, 4) filmportal.de
Lizenz Foto Dorothea Wieck (Urheber: Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Kinofilme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung, filmportal.de)
Stummfilme (Auszug)
  • 1926: Heimliche Sünder
  • 1926: Die kleine Inge und ihre drei Väter
  • 1926: Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren
  • 1927: Klettermaxe
  • 1927: VALENCIA Du schönste aller Rosen
  • 1927: Mein Heidelberg, ich kann Dich nicht vergessen
  • 1928: Der Fremdenlegionär
Tonfilme
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