 |
Joost Siedhoff wurde am 27. Juni 1926 als Sohn des Tänzers und
Pantomimen Werner Siedhoff und der Innenarchitektin Alma Siedhoff-Buscher,
die beim Weimarer Bauhaus1) arbeitete, in Dessau geboren.
Joost Siedhoff bezeichnet sich selbst gerne als "Bauhaus-Sprössling",
da auch sein Vater bei der Bauhaus-Bühne von Oskar Schlemmer1)
(1888 1943) tätig war.
Aufgewachsen in seiner Geburtstadt sowie im Stubaital, Potsdam und
Frankfurt a.M. wurde Siedhoff während des 2. Weltkrieges als Soldat
eingezogen, erst 1946 konnte der "Kriegsheimkehrer" in
Offenbach sein Abitur machen. Bereits im gleichen Jahr wurde er für
"Radio Frankfurt" verpflichtet und wirkte in verschiedenen
Hörspielen mit. Über die "Studio-Bühne" der
"Goethe-Universität" kam er dann als Charakterdarsteller
zum "Fritz-Rémond-Theater im Zoo", Anfang der 1950er Jahre
kam das Medium Film hinzu. Gleich mit einer seiner ersten Rolle, dem
Sohn Willi in den Kinofilmen "Die Familie Hesselbach", "Familie Hesselbach im Urlaub"
und
"Das Horoskop der Familie Hesselbach" wurde er bundesweit bekannt,
so war es nur folgerichtig, dass er auch in der Hesselbach-Serie2) diese
Figur mimte; doch nach nur 10 Folgen verließ er die Fernsehfamilie,
wohl um nicht allzu sehr auf diese Figur festgelegt zu werden.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
Im Verlaufe der nächsten Jahre spielte Siedhoff
verschiedenste Charaktere in zahlreichen Serien und
Einzelproduktionen, blieb jedoch stets dem Hörfunk und vor allem der
Bühne verbunden. Bereits 1960 begann Joost Siedhoff mit dem eigenen Theaterensemble
"Die Brücke", zu dem namhafte Schauspieler wie Peter Lühr, Heinz Baumann, Heinz Schubert,
Erich Schellow, Judith Holzmeister oder Antje Weissgerber gehörten, weltweit mehr als 90 Länder zu bereisen,
zwischen 1965 und 1976 gastierte er unter anderem an den
"Münchener Kammerspielen", am "Bayerischen Staatsschauspiel" und am "Theater 44", wo er
sein eigenes Programm "Denk ich an
Deutschland" präsentierte. Das Berliner "Theater am Kurfürstendamm",
das "Staatstheater in Stuttgart", das "Düsseldorfer
Schauspielhaus", die "Hamburger Kammerspiele" oder das
"Prinzregententheater" in München sind
nur einige weitere Stationen von Siedhoffs Theaterlaufbahn, an
wichtigen Rollen sind unter anderem der Just in Lessings
"Minna von Barnhelm", der Willy Lohmann in
Millers "Der Tod des Handlungsreisenden" oder der Theobald Maske in Sternheims "Der Snob" zu
nennen. Eindrucksvoll war auch sein Jakobowski in Werfels
"Jacobowski und der Oberst", ebenso wie die Titelrolle in
Shakespeares "Titus Andronicus" oder in jüngerer
Zeit der Professor Chumley
in dem Boulevard-Klassiker "Mein Freund Harvey" von Mary Chase.
 |
Joost Siedhoff und Winfried Baasner2) in "Der Snob"
von Carl Sternheim an den "Hamburger Kammerspielen"
Inszenierung: Hanno Lunin;
Premiere: 08.04.1980
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der
Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
Zu Siedhoffs Arbeiten für das Fernsehen zählen wiederholte Auftritte
in beliebten Krimi-Reihen wie "Kriminalmuseum ",
"Tatort", "Ein Fall für zwei", "Die Männer vom K3",
"Anwalt Abel" oder "Polizeiruf 110", weitere
Serien waren unter anderem "Die Pawlaks" (1982), "Hallo, Onkel
Doc!" (1994) und "Bei uns daheim" (1996), 1997 spielte
er in dem Dauerbrenner "Die Lindenstraße" den Pastor Traube.
Man erlebte Siefhoff in erfolgreichen TV-Spielen wie den Mehrteilern
"Der Winter, der ein Sommer war"2) (1976) und "Timm
Thaler"2) (1979), Rainer Wolffhardt besetzte ihn in "Die Sache ist
gelaufen" (1985) neben Uwe Ochsenknecht, in der Satire "Der Kleine
Dachschaden" (1998) sah man ihn neben Uwe Friedrichsen und Gaby Dohm,
in der Komödie "Walli, die Eisfrau" (1998) stand er
mit Claudine Wilde und Stefan Kurt vor der Kamera. Zu seinen jüngeren
TV-Rollen zählt die des Kommissar Frederich in dem Krimi "Sperling und der stumme Schrei" (2002)
sowie der Siegfried Mahlmann in dem Tatort "Verraten und verkauft" (2004).
|
Anfang Oktober 2007 glänzte Siedhoff in der turbulenten
Familienkomödie "Der Mustervater 2 Opa allein zu Haus" und
zeigte nicht nur mit der Figur des Opa Hubert, dass er noch lange nicht
zum "alten Eisen" gehört. Authentisch verkörperte er den
halsstarrigen, pensionierten ehemaligen Lateinlehrer Hubert Herrlich, der nach dem Tod
seiner Frau zu seinem Sohn Stefan Herrlich alias Walter Sittler zieht
und das eingespielte Familienleben bzw. Stefans Ehefrau (Claudia Michelsen) und
die drei Enkelkindern ganz schön durcheinander bringt. Es folgten
Auftritte in Fernsehspielen wie "Das Glück am Horizont"
(2008) oder "Ich trag dich bis ans Ende der Welt" (2010), in
den Serien "Doktor Martin" (2009), "Unser Charly"
(2008/10) und "SOKO Köln" (2010) spielte er ebenfalls
Gastrollen. Zuletzt sah man ihn am 6. Dezember 2010 als Mordopfer Felix van Gelden
in dem ZDF-Krimi "Mörderischer Besuch"3)
an der Seite von Heiner Lauterbach als Jerusalemer Chefinspektor
Michael Ochajon sowie als Opa Heinrich in der Episode "Hamburg Paris und zurück"
(EA: 21.02.2011) aus dem Dauerbrenner "Großstadtrevier".
Foto mit freundlicher Genehmigung der
Agentur
Siewert und Knittel
bzw. des Fotografen David Cuenca (www.david-cuenca.com)
© David Cuenca
|
|
 |
Verschiedentlich übernahm Siedhoff kleinere Aufgaben in
internationalen Kinoproduktionen, so in Bille Augusts Kassenschlager
"The House of the Spirits"1) (1993, Das Geisterhaus) nach dem
Roman von Isabel Allende; in Benjamin Ross' rabenschwarzer Komödie
"The Young Poisoner's Handbook" (1995, Das Handbuch des jungen Giftmischers)
und Julio Medems Lovestory "Die Liebenden des Polarkreises" (1999,
Los Amantes del Circulo Polar) war er ebenso zu sehen wie in Eric Tills
opulenten Filmepos "Luther"1) (2003) und Till Franzens
poetischem Debütwerk "Die Blaue Grenze" (2005). In
den letzten Jahren war Siedhoff in dem Horrorstreifen "Virus
Undead"1) (2008) zu sehen, spielte Hauptrollen in
dem Kurzfilm "Ach Luise" (2008), mit dem Regisseurin Irene Graef die Alzheimer-Krankheit
thematisiert, sowie in dem Kurzfilm
"Die Berliner Mauer" (2009, The Berlin Wall) des britischen
Regisseurs Paul Cotter.
Foto mit freundlicher Genehmigung der Agentur
Siewert und Knittel
bzw. des Fotografen David Cuenca (www.david-cuenca.com)
© David Cuenca |
|