Erni Mangold wurde am 25. Januar 1927 als Erna Goldmann im niederösterreichischen Groß-Weikersdorf geboren. Ihr schauspielerisches Handwerkzeug erlernte sie an der Theaterschule Helmut Kraus, anschließend erhielt sie ab 1946 ein Engagement am Wiener "Theater an der Josefstadt", wo sie zehn Jahre lang auf der Bühne stand und rasch zu einer herausragenden Charakterdarstellerin avanciert war. Weitere Verpflichtungen führten Erni Mangold Mitte der 1950er Jahre an das Hamburger Schauspielhaus, wo sie bis 1963 unter Gustaf Gründgens ihre schauspielerische Vielfältigkeit beweisen konnte. Danach ging sie zu Karl Heinz Stroux nach Düsseldorf, verschiedene Engagements in Wien sowie an bedeutenden deutschen Bühnen schlossen sich an.
1972 folgte sie einem Ruf an das Salzburger "Mozarteum", anschließend unterrichtete sie an der Theaterschule Helmut Kraus und am Reinhardt-Seminar, von 1984 bis 1995 übernahm sie als Professorin eine Lehrtätigkeit an der Wiener Hochschule für Musik und darstellende Kunst. 1971 erhielt Erni Mangold für ihre Leistungen die "Kainz-Medaille"1), 2000 wurde ihr der Titel "Kammerschauspielerin"1) verliehen.
 

Erni Mangold anlässlich der "Romy"-Verleihung1) 2015 in der Wiener Hofburg
Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Manfred Werner – Tsui;  Lizenz CC-BY-SA 3.0

Erni Mangold anlässlich der "Romy"-Verleihung 2015 in der Wiener Hofburg; Quelle: Wikimedia Commons; Urheber: Manfred Werner – Tsui;  Lizenz CC-BY-SA 3.0
Weitere Auszeichnungen in den letzten Jahren waren 2005 der "Nestroy-Theaterpreis"1) in der Kategorie "Beste Nebenrolle" für ihre Darstellung des Schneewittchen in dem textlastigen Stück "Prinzessinnendramen" von Elfriede Jelinek am Wiener "Volkstheater", ein Jahr später folgte das "Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien" und 2009 das "Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich". Zuletzt konnte sie 2012 das "Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst" entgegennehmen.

Zum Film war Erni Mangold Ende der 1940er Jahre gekommen und hatte ihr Leinwanddebüt mit der Rolle der Mizzi in "Das Andere Leben" (1948) gegeben. Es folgten Filme wie "Der Engel mit der Posaune" (1948), "Großstadtnacht" (1950), "Abenteuer im Schloß"1) (1952), "Fiakermilli – Liebling von Wien"
1) (1953), "Der Letzte Walzer" (1953), "Ein Haus voll Liebe" (1954), "Der Förster vom Silberwald"1) (1954) oder "Ingrid – Die Geschichte eines Fotomodells" (1955). Am eindrucksvollsten war ihre Rolle der Priscilla Pietzak und Geliebten des Hellsehers in dem Film "Hanussen" (1955) unter der Regie von O. W. Fischer, der auch die Titelrolle spielte. Mit diesem Film konnte sie erstmals das bisherige Rollenklischee des lieben Wiener Mädels durchbrechen.
Bis Ende der 1950er Jahre stand Erni Mangold noch für Filme wie "Uns gefällt die Welt" (1956), "Skandal um Dr. Vlimmen" (1956), "Die Ehe des Dr. med. Danwitz"
1) (1956), "Ein Herz kehrt heim"1) (1956), "Tolle Nacht" (1957), "Der Maulkorb"1) (1958) und "Die Halbzarte" (1958) vor der Kamera, danach arbeitete sie eher selten für das Kino. Sie übernahm unter anderem noch Rollen in "Sturm im Wasserglas" (1960), "Frau Warrens Gewerbe" (1960), "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" (1967), "Kinderarzt Dr. Fröhlich"1) (1972), "Duett zu dritt" (1976), "Kassbach – Ein Porträt" (1979), "Der Bockerer"1) (1981) und "Before Sunrise – Zwischenstopp in Wien"1) (1995).

Auf dem Bildschirm erlebte man die Schauspielerin seit Mitte der 1960er Jahre sporadisch in anspruchsvollen Stücken wie beispielsweise "Don Gil von den grünen Hosen" (1964), "Die Hinrichtung" (1966) oder "Ein Florentiner Hut" (1967). 1974 agierte sie in dem Tatort "Mord im Ministerium", zwei Jahre später mimte sie die Mutter in Rainer Werner Fassbinders Drama "Ich will doch nur, dass ihr mich liebt".
Vor allem in jüngerer Zeit ist die Charakterdarstellerin wieder vermehrt im Fernsehen präsent; Neben Auftritten in beliebten Krimi-Reihen wie "Tatort" "Bloch", "Kommissar Rex" oder "Der Bulle von Tölz" erlebte man sie beispielsweise 2001 als Anna Breitwieser in dem Krimi "Blumen für Polt"1), eine Mutter spielte sie in Xaver Schwarzenbergers Psycho-Thriller "Ein Hund kam in die Küche"1) (2002) und in Matti Geschonnecks Beziehungsdrama "Wer liebt, hat Recht" (2002). Xaver Schwarzenberger besetzte sie in seinem spannenden Drama "Annas Heimkehr"1) (2003), neben Christiane Hörbiger und Götz George stand sie für die Krimikomödie "Blatt und Blüte – Die Erbschaft"2) (2004) vor der Kamera und in Susanne Zankes Alpendrama "Bauernprinzessin"3) (EA: 10.10.2004) übernahm sie die einfühlsame Figur der Großmutter Burgi, die sie auch in der den Fortsetzungen "Bauernprinzessin II – Kopf oder Herz"3) (EA: 28.05.2007) und "Bauernprinzessin III – In der Zwickmühle"3) (EA: 18.10.2009) mimte.
 
Weitere Arbeiten vor der Kamera waren beispielsweise die Kinoproduktion "Weiße Lilien" (2007) sowie Xaver Schwarzenbergers TV-Beziehungsdrama "Copacabana"2) (ARD: Mai 2008) mit Bruno Ganz und Nicole Heesters, wo sie als biestige Großmutter Rita glänzte. Max Färberböck besetzte sie als alte Frau in der Bestsellerverfilmung "Anonyma – Eine Frau in Berlin"1) (Kinostart: 23.10.2008) mit Nina Hoss in der Hauptrolle, in Philipp Stölzls "Nordwand"1) (Kinostart: 23.10.2008), einem Bergdrama um den Versuch der Erstbesteigung der Eiger Nordwand im Jahre 1936, war sie als Großmutter neben Benno Fürmann zu sehen. Fertiggestellt ist der Thriller mit dem Titel "Hinter Kaifeck"1) (Kinostart: 12.03.2009), der sich an den Mordfall in Hinterkaifeck1) im Jahr 1922 anlehnt und in dem Benno Fürmann als Fotograf Marc Barenberg erneut die Hauptrolle spielt; Erni Mangold verkörpert die gebrechliche alte Frau Alma Lukas. Danach stand sie als Mutter Ziwoda für "Kottan ermittelt: Rien ne va plus"1) (Kinostart Deutschland: 02.06.2011) vor der Kamera, ein Film, den Peter Patzak basierend auf der legendären "Kottan ermittelt"-Serie1) gedreht hatte, in der Erni Mangold in einigen Folgen (2, 9 und 19) ebenfalls mitgewirkt hatte. In dem Streifen "Echte Wiener 2 – Die Deppat'n und die Gspritzt'n"1) (Kinostart: 23.12.2010) hatte sie ebenfalls einen kleineren Part, war als Herta in dem österreichischen Liebesfilm "Anfang 80"1) (Kinostart Deutschland: 27.03.2013) neben den Protagonisten Christine Ostermayer und Karl Merkatz zu sehen. In Sherry Hormanns Verfilmung der tragischen Entführungs-Geschichte der österreicherin Natascha Kampusch1), die acht Jahre lang gefangen gehalten wurde, spielte sie die Großmutter des Entführers Wolfgang Přiklopil. Das Drama "3096 Tage"1) basiert auf dem gleichnamigen, 2010 veröffentlichten Buch von Natascha Kampusch, am Drehbuch schrieb Bernd Eichinger1) mit, der jedoch vor Vollendung des Scripts am 24. Januar 2011 starb. Die Weltpremiere des Films mit Amelia Pidgeon1) als junge Protagonistin fand am 25. Februar 2013 in Wien statt, drei Tage später ging er auch in Deutschland an den Start. Nach ihrer Rolle der Frau Lupo in Frederick Bakers, ganz auf Gerhard Polt zugeschnittenen Komödie "Und Äktschn!"1) (Kinostart: 06.02.2014) trat Erni Mangold in Houchang Allahyaris Drama "Der letzte Tanz"1) mit der weiblichen Hauptrolle der Geriatrie-Patientin Julia Ecker in Erscheinung, die zu dem Zivildiener Karl (Daniel Sträßer) eine emotionale Beziehung aufbaut, in der es zu einem Geschlechtsverkehr kommt. Dieser wird von der Oberschwester entdeckt, Karl verhaftet, als Vergewaltiger angeklagt und verurteilt; Kinostart war der 13. Juni 2014. In der amüsanten Geschichte "Der Vampir auf der Couch"1) (Regie: David Ruehm) gehörte sie neben den Protagonisten Tobias Moretti und Jeanette Hain als Fräulein Sedlacek ebenfalls zur Besetzung. Die Premiere in Österreich war am 16. Dezember, der Kinostart folgte am 19. Dezember 2014. In Deutschland startete der Film am 10. September 2015 → www.filmfonds-wien.at.
 
Im Fernsehen erlebte man die Schauspielerin in den letzten Jahren unter anderem als demenzkranke Johanna Clemens in dem sozialkritischen ARD-Drama "Genug ist nicht genug"2) (EA: 13.05.2009) und in dem Romy Schneider-Biopic "Romy"1) (mit Jessica Schwarz in der Hauptrolle; EA: 11.11.2009) als Großmutter von Romy Schneider In dem mit Heino Ferch, Jürgen Vogel, Ina Weiße und Peter Simonischek starbesetzten ZDF-Thriller "Tod in Istanbul – Auf eigene Rechnung"2) (EA: 28.02.2011) von Regisseur Matti Geschonneck mimte sie die Mutter des in eine spannende Geschichte verwickelten mächtigen BKA-Chefs Kurt Herder (Peter Simonischek). Abgedreht war der von Jan Ruzicka inszenierte ARD-Film "Pilgerfahrt nach Padua"1) mit Gisela Schneeberger in der Hauptrolle der Altenpflegerin Gundula, wo Erni Mangold als Frau Lechthaler auftauchte; Erstaustrahlung war der 14. Oktober 2011. Danach agierte sie in der Komödie "Das Wunder von Merching"2) (EA: 04.05.2012) als alte Lechner Bäuerin neben den Hauptdarstellern Jule Ronstedt, Fred Stillkrauth und Klaus Steinbacher.
Eine prägnante Figur war die der Magda Holzer in dem Münchener "Tatort" mit dem Titel "Aus der Tiefe der Zeit"1) (EA: 27.10.2013). Hier präsentierte sich Erni Mangold grandios als die hochbetagte und verbitterte, einstige Zirkusprinzessin bzw. legendäre Kunstschützin "Calamity Jane", die in dem von Dominik Graf in Szene gesetzten komplexen Krimi in das Visier der Ermittler Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) gerät → www.tittelbach.tv. Danach sah man Erni Mangold als alte Haushälterin Ildi in dem Film "Ein Sommer im Burgenland" (EA: 01.02.2015) aus der ZDF-Reihe "Herzkino" mit Hannelore Elsner in der Hauptrolle der Dolmetscherin Maria Graf, die mit ihrer Vergangenheit bzw. dunklen Familiengeheimnissen konfrontiert wird und schließlich zu sich selbst findet → presseportal.zdf.de, www.tittelbach.tv. Nach ihrer Mitwirkung in "Der Tote am Teich" (EA: 03.12.2015) aus der ORF-Reihe "Landkrimi"1) hatte Erni Mangold in dem ZDF-Film "Hundertmal Frühling" (EA: 28.02.2016) aus der losen Reihe "Frühling"1) um die Dorfhelferin Katja Baumann alias Simone Thomalla eine tragende Rolle als Seniorin Erna Krawinkel → tittelbach.tv.
 
Immer wieder zog bzw. zieht es Erni Mangold neben ihrer unfangreichen Arbeit für Film und Fernsehen auf die Theaterbretter. So brillierte sie anlässlich ihres 65-jährigen Bühnenjubiläums seit 23. März 2011 am Wiener "Volkstheater" als legendäre Theaterheroine Sarah Bernhardt4) (1944 – 1923), die die vor einem Jahrhundert nicht nur ganz Paris verzauberte. In John Murrells halb fiktivem, halb biografischem Kammerspiel "Memoiren der Sarah Bernhardt" ("Memoir"), sensibel inszeniert von Michael Schottenberg, zwingt die Diva ihren leidgeprüften, schwerhörigen Sekretär Georges Pitou (Erich Schleyer) zum Aufschreiben und zum Nachspielen ihrer Erinnerungen. "Wer eine Vorstellung davon haben will, wie groß die Bernhardt in diesem Fach war, der sollte Erni Mangold dabei zusehen, wie sich ihre theatralische Leidenschaft in Starre verwandelt. (…) Frau Mangold ist hervorragend in der Übertreibung, Herr Schleyer ergänzt sie in dieser 70-minütigen Inszenierung von Michael Schottenberg perfekt. Dieses Duo ist traumhaft sicher beim Setzen der Pointen, sogar kleinere Textschwächen werden in ihrer Improvisation zu Treffern. (…) Mangold wird zur männerverschlingenden Kameliendame, der sich Schleyer nur mit größter Vorsicht nähert, im nächsten Augenblick ist sie ein elfjähriges Mädchen, während er eine grauenhafte Mutter und schließlich ansatzlos eine strenge Oberschwester spielt, die Frau Bernhardt vergeblich Zucht beibringen möchte." notiert unter anderem diepresse.com. "In Erni Mangolds Darstellung verschwimmen die Grenzen zwischen bewusster Selbstinszenierung und einer trotz äußerem Erfolg lebenslang um Zuwendung und Anerkennung ringenden, innerlich unsicheren Frau, die sich hinter den verschiedensten Masken verschanzt." schrieb beispielsweise die "Wiener Zeitung".
Erni Mangold, die von 1958 bis 1978 mit dem Schauspieler Heinz Reincke4) (1925 – 2011) verheiratet war, lebt heute im niederösterreichischen St. Leonhard am Hornerwald.
 
Ihre Memoiren (aufgezeichnet von Doris Priesching) "Lassen Sie mich in Ruhe – Erinnerungen" erschienen Anfang Oktober 2011 im Wiener "Amalthea Signum Verlag".
  

Erni Mangold am 24. November 2011 anlässlich der Präsentation
ihrer Memoiren "Lassen Sie mich in Ruhe – Erinnerungen"
Ausschnitt des Original-Fotos; Urheber: Wolfgang H. Wögerer (Wien, Österreich);
Lizenz CC-BY-3.0; Quelle: Wikimedia Commons

Erni Mangold am 24. November 2011 anlässlich der Präsentation ihrer Memoiren; Ausschnitt des Original-Fotos; Urheber: Wolfgang H. Wögerer (Wien, Österreich); Lizenz CC-BY-3.0; Quelle: Wikimedia Commons
Erni Mangold bei der Agentur Kelterborn
Siehe auch Wikipedia; Filmografie bei der Internet Movie Database
Link: 1) Wikipedia, 2)  prisma.de, 3) fernsehserien.de, 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP Stand: März 2016
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