Klaus Kammer wurde am 10. Januar 1929 in Hannover geboren, wo er auch später zwischen 1947 und 1949 eine Ausbildung zum Schauspieler an der privaten Schauspielschule der Hannoveranischen. Kammerspiele begann. Bereits 1948 gab er in seiner Geburtsstadt sein Theaterdebüt, zur Spielzeit 1949/50 wechselte er nach Witten/Ruhr, im darauffolgenden Jahr an das "Nordmark-Landestheater Schleswig", wo er unter anderem als Hugo in Sartres "Die schmutzigen Hände" und als Melchior in Wedekinds "Frühlings Erwachen" auf sich aufmerksam machte. Weitere Stationen von Kammers Theaterkarriere wurden 1951/52 die Städtischen Bühnen in Essen und 1953/54 das "Thalia-Theater" in Hamburg, ab 1955 spielte er in Berlin am "Schiller- und Schloßpark-Theater". 
Klaus Kammer, Fritz Kortner und der Schriftsteller Rolf Hochhuth anlässlich der Verleihung des "Berliner Kunstpreises" am 21. April 1963 in der Berliner "Akademie der Künste"; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-P084771; Fotograf: Unbekannt / Datierung: 21. April 1963 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Klaus Kammer gehörte trotz seiner nicht beendeten Schauspielerausbildung zu den bedeutendsten Personen der deutschen Nachkriegs-Theaterszene, galt als Ausnahmeerscheinung und stand bei seinem frühen Tod bereits auf dem Zenit seiner Karriere. 1958 war er mit dem "Deutschen Kritikerpreis" ausgezeichnet worden, noch nicht einmal 35 Jahre alt, trug er schon den Titel "Staatsschauspieler", Ende 1963 hatte ihm der Berliner Senat den Preis "Junge Generation" verliehen. Mit Interpretationen wie dem Jimmy Porter in "Osbornes "Blick zurück im Zorn" oder dem Andri in Dürrenmatts "Andorra" hatte er nicht nur die Kritiker begeistert, wurde als "Nervenschauspieler war, geladen mit explosivem Temperament" bezeichnet.
Kammer arbeitete in Berlin mit so bedeutenden Regisseuren wie Willi Schmidt (1910 – 1994), Boleslaw Barlog1) (1906 – 1999) und Fritz Kortner2) (1892 – 1970) zusammen.
 

Foto (von links nach rechts): Klaus Kammer, Fritz Kortner und der Schriftsteller Rolf Hochhuth anlässlich der Verleihung des "Berliner Kunstpreises" am 21. April 1963 in der Berliner "Akademie der Künste" 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, B 145 Bild-P084771;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: 21. April 1963 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv B 145 Bild-P084771 bzw. Wikimedia Commons
Mit seiner berühmten Darstellung eines zum Menschen erzogenen Affen in Kafkas, von Willi Schmidt für die Berliner "Akademie der Künste" als Ein-Personen-Stück inszeniertem "Ein Bericht für eine Akademie" schrieb Kammer Theatergeschichte. Der bedeutende Theaterkritiker Friedrich Luft (1911 – 1990) begeisterte sich in "Die Welt": "Vergleichbares ist diesem Kritiker bisher nicht untergekommen. Kammers Darbietung ist ein extremer Schauspielakt ohnegleichen …". DIE ZEIT (15.05.1964, Nr. 20) schrieb anlässlich des Nachrufs auf Klaus Kammer unter anderem "Da spielte Klaus Kammer einen zum Menschenerzogenen Affen, der auf der Höhe seiner Bildung das Äffische im Menschen bloßlegt. Eine theatralische Verstellungskunst solcher Art ward seit dem Tode von Werner Krauß nicht mehr gesehen." Die historische Aufnahme aus dem Jahr 1963 ist inzwischen als Audio-CD erhältlich, im Klappentext heißt es beispielsweise: "Klaus Kammer spricht die komische, böse, verächtliche und mit tragischer Hoffnungslosigkeit geladene Rede eines vermenschlichtes Affen vor einer Akademie. (…) Klaus Kammer kriecht, hangelt, springt an das Pult, geführt vom befrackten Akademie-Diener. Er entfaltet sein Manuskript. Er röchelt erst äffisch. Dann beginnt er mit gehemmter Tierstimme zu sprechen."
 
Kammers wenige Arbeiten vor der Kamera zeigten ebenfalls seine außergewöhnliche Darstellungskraft, erinnerungswürdig bleibt neben dem Willy Kufalt in "Wer einmal aus dem Blechnapf frisst"2) (1962) im Fernsehen sicherlich seine Verkörperung des Joe Bonaparte in Clifford Odets Drama "Golden Boy"1) (1962) an der Seite von Hildegard Knef und René Deltgen. Seit Mitte der 1950er Jahre hatte der Schauspieler auch sporadisch Aufgaben in Kinoproduktionen übernommen, spielte unter anderem in Geza von Cziffras Krimi "Banditen der Autobahn" (1955),  Helmut Käutners Zuckmayer-Adaption "Ein Mädchen aus Flandern"1) (1956) sowie an der Seite von Karlheinz Böhm und Christian Wolff in Kurt Meisels Antikriegsfilm "Kriegsgericht" (1959).
 
Wenige Monate nach seinem 35. Geburtstag kam Klaus Kammer am 9. Mai 1964 auf tragische Weise zu Tode, er starb an den Folgen einer Kohlenstoffmonoxid-Vergiftung. Offiziellen Berichten zufolge war er in der Garage seines Berliner Wohnhauses gestürzt, während der Motor seines Wagens lief. Der Ausnahmeschauspieler hinterließ zwei Töchter; er war mit seiner Kollegin Hilde Röhling verheiratet, die er am Hamburger "Thalia-Theater" kennengelernt hatte.
Seine letzte Ruhestätte fand der zum "Staatsschauspieler" ernannte Charaktermime in einem Familiengrab auf dem Stöckener Friedhof in Hannover → Foto der Grabstätte bei www.knerger.de

2003 entstand von Andreas Lewin der Dokumentarfilm "Er spielte seinen Schatten mit – der Schauspieler Klaus Kammer". Der Film erzählt von den Schatten- und Nachtseiten einer beispiellosen Karriere und Begabung, rekonstruiert die Geschichte des Heranwachsens und der rücksichtslosen Selbstverwirklichung eines Schauspielers, der zur Stunde Null in Deutschland das Spielen für sich entdeckte. Die Beschreibung eines atemlosen Aufstiegs und jähen Falls.3)
   
Link: 1) Wikipedia, 2) Kurzportrait bzw. Beschreibung innerhalb dieser Homepage
3) Quelle: theaterkanal.de (Seite nicht mehr existent)
Siehe auch Wikipedia, www.deutsche-biographie.de sowie den Artikel bei www.zeit.de
Filmografie bei www.imdb.de
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