Erich Hallhuber jr.
Erich Hallhuber wurde am 14. Juli 1951 in München in eine Künstlerfamilie hineingeboren. Sein Vater war der ehemalige Opernsänger bzw. Schauspieler Erich Hallhuber sen.1) (1929 – 2015), seine Mutter eine hervorragende Pianistin. Nach dem Abitur am "Albert-Einstein-Gymnasium"1) absolvierte er zwischen 1971 und 1974 in seiner Geburtsstadt eine Ausbildung zum Schauspieler an der renommierten "Otto–Falckenberg-Schule"1).
Sein Bühnendebüt gab er am "Schauspiel Köln"1) und war dort unter anderem 1977 als Orlando in der Shakespeare-Komödie "Wie es euch gefällt"1) unter der Regie des damaligen Direktors Roberto Ciulli1) zu sehen. In Shakespeares "Antonius und Cleopatra"1) gestaltete er den Julius Caesar1), in "Die letzten Stunden der Reichskanzlei" von Hartmut Lange1) NS-Propagandaminister Joseph Goebbels1). Für seine Verkörperung des Titus Feuerfuchs in der Nestroy-Posse "Der Talisman"1) erhielt Hallhuber 1979 den "Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen"1). Im gleichen Jahr wechselte er an das "Bayerische Staatsschauspiel"1), dessen Ensemble er bis 1986 angehörte. Hallhuber war in Klassikern wie der "Orestie"1) von Aischylos1) (1979, Regie: Franco Enriquez), Molières "Dom Juan"1) (auch "Salzburger Festspiele"1) 1983 mit Michael Degen in der Titelrolle; Regie: Ingmar Bergman1)) oder Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig"1) (1984, Regie: Alfred Kirchner1)) ebenso erfolgreich wie in Stücken der Moderne.
 

Erich Hallhuber 1998 auf dem Nockherberg1) als Bruder Barnabas
Foto (Bildname: 22746-40-04) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR)
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Erich Hallhuber 1998 auf dem Nockherberg als Bruder Barnabas während der Fastenpredigt; Foto (Bildname: 22746-40-04) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR); Copyright BR/Foto Sessner
Man sah ihn beispielsweise 1984/85 als Biologieprofessor Nick in Edward Albees Drama "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?"1) unter der Regie von August Everding1) an der Seite der Protagonisten Nicole Heesters (Martha) und Martin Benrath (George), eine Aufführung des "Residenztheaters"1), die im Sommer 1985 auch bei den "Bregenzer Festspielen"1) gezeigt wurde → chronik.bregenzerfestspiele.net. Ebenfalls 1984/85 interpretierte er – jeweils in Inszenierungen von Ingmar Bergman und mit Gaby Dohm als Partnerin – am "Residenztheater" den Prinzen Philipp in "Yvonne, Prinzessin von Burgund" von Witold Gombrowicz1) und den Johan in der Bühnenfassung von Bergmanns Drama "Szenen einer Ehe"1). 1987 ging Hallhuber mit Rita Russek1) und Bergmans "Szenen einer Ehe" auf Tournee. Neben etlichen anderen Gastspielen gab Hallhuber im Juni 1989 bei den "Luisenburg-Festspielen"1) in Wunsiedel den Franz Moor in Schillers "Die Räuber", der mit Hallhuber befreundete Miroslav Nemec1) spielte den Karl Moor. Nemec und Hallhuber kannten sich seit Ende der 1970er Jahre aus ihrer Zeit in Köln, später standen beide auch in München am "Bayerischen Staatsschauspiel" gemeinsam auf der Bühne, Jahre später sollte Nemecr in der "Tatort"-Folge "Viktualienmarkt"1) (2000) als Kriminalhauptkommissar Ivo Batic gegen ihn bzw. den Geschäftsmann Hans Riedl ermitteln .
Der beliebte Schauspieler hatte zudem Engagements unter anderem an den "Münchner Kammerspielen"1), am "Münchner Volkstheater"1) und am "Theater Bonn"1). Dank seines musikalischen Talents (Stimmlage Bariton) wurden ihm auch Gesangsrollen angeboten. 1991 erntete der wandlungsfähige Mime beste Kritiken am Münchner "Gärtnerplatztheater" für die Rolle des Bäckers in der Erstaufführung von Stephen Sondheims1) Musical "Ab in den Wald"1) ("Into The Woods") unter der Regie des damaligen "Gärtnerplatz"-Intendanten Hellmuth Matiasek1) (Premiere: 14. April 1991). (Quelle: presseportal.de) → siehe auch Programmheft bei aprilhailer.de
Erich Hallhuber als Richter Wunder in der "Café Meineid"-Episode "Ober oder Unter" (1995); Foto (Bildname: 22995-9-02) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR); Copyright BR/Foto Sessner Seit Mitte der 1970er Jahre war Hallhuber in zahlreichen Fernsehspielen und Serien vermehrt auf dem Bildschirm präsent. Neben Auftritten in so beliebten Krimi-Serien wie "Der Alte", "Derrick", "Ein Fall für zwei", "Die Männer vom K3", "Tatort", "Anwalt Abel" oder "Die Verbrechen des Professor Capellari" sah man ihn unter anderem 1992 neben Katja Riemann1) als Generaldirektor Paul Oldenhoff in dem Mehrteiler "Regina auf den Stufen"1), nach dem Roman von Utta Danella1). So richtig populär geworden war Hallhuber seit 1990 mit der zentralen Figur des Amtsrichters Heinz Wunder, der in Franz Xaver Bogners Gerichtsserie "Café Meineid"1) knifflige Fälle bisweilen auch ganz unbürokratisch löste. Zwischen 1990 und 2003 entstanden insgesamt 147 Folgen, deren Geschichten auf echten Fällen beruhten. In nachhaltiger Erinnerung ist Hallhuber auch mit der Figur des Seefahrers John Gore1) (1729/30 – 1790) in dem historischen Vierteiler "Wind und Sterne"1) (1987) über die Reisen von James Cook1) und die Entdeckung Australiens geblieben.
 
Erich Hallhuber als Richter Wunder in der 
"Café Meineid"-Doppelfolge "Ober oder Unter"2) (1995)
Foto (Bildname: 22995-9-02) zur Verfügung gestellt vom Bayerischen Rundfunk (BR)
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Zwischen 1989 und 1992 übernahm er in acht Episoden die Rolle des zwielichtigen, wenn auch charmanten Schiebers "Metzger-Willi " in der mit dem "Adolf-Grimme-Preis"1) ausgezeichneten Serie "Löwengrube"1), gedreht von Rainer Wolffhardt1) (Drehbuch: Willy Purucker1)) nach der 28-teiligen Hörspielserie "Die Grandauers und ihre Zeit"1) (1979–1985). Rollen in vielen weiteren TV-Serien und Fernsehspielen ließen Hallhuber zum Publikumsliebling werden, so erlebte man ihn beispielsweise 1994/1995 in der Serie "Immenhof"1) mit der männlichen Hauptrolle des Stefan Christiansen, der sich mit seiner Frau Hanna (Claudia Rieschel1)) auf dem Gestüt Immenhof in Schleswig-Holstein niederlässt, das zuvor Gräfin Bantz (Anneliese Uhlig) gehörte, 1995/1996 erfreute er das Publikum als schräger, bayerischer Kommissar Max Haller zusammen mit seiner "Gegenspielerin", der ehrgeizigen "preußischen" Staatsanwältin Katharina Mohndorff (Nicole Spiekermann1)), in der SAT.1-Krimiserie "Kriminaltango"2). 1999 war er der streitbare Chirurg Fabian Sternberg, der in den Geschichten um "Die Sternbergs"2) regelmäßig für Ärger mit seinem Bruder (Robert Giggenbach1)) sowie seiner Ehefrau (Angela Roy1)) sorgt – der Untertitel der Serie "Ärzte, Brüder, Leidenschaften" war Programm. 2000 wirkte er in dem Melodram "Die Stimme des Herzens"3) mit, im darauffolgenden Jahr in dem zweiteiligen Dokudrama "Der Tanz mit dem Teufel"1) über die Entführung (14.12.1976) des von Sebastian Koch1) dargestellten Richard Oetker1). Herrlich war seine Darstellung des kauzig-liebenswerten und lispelnden Hausmeisters Fritz Rasshofer in Willy Puruckers (Drehbuch) "Geschichten aus dem Nachbarhaus"2), und zwar in "Pauline & Co."2) (2000), "Hoffest"2) (2001) und "Zugvögel"2) (2002) – um nur einige der vielen Produktionen, in denen Hallhuber vor der Kamera stand, zu nennen. Zu seinen letzten Arbeiten zählte 2003 der Thriller "Der Fußfesselmörder"3), die Ausstrahlung des Zweiteilers "Im Namen des Herrn"3) Ende Dezember 2003 erlebte er nicht mehr: In Bernd Fischerauers aufwändigen TV-Drama um bigotte Doppelmoral, Nächstenliebe, Industrie und Kirche, mit Heiner Lauterbach in der Rolle des Pater Verimund, mimte Hallhuber bravourös den für Finanzen im Kloster zuständigen Pater Albert, der von seiner Spielsucht nicht lassen kann, schließlich aber wieder in die Arme von Mutter Kirche zurückfindet. Auch die Folge "Mit rechten Dingen" aus der Serie "München 7"1), in der Hallhuber den Oberamtsrat Rudolf Kalisch spielte, wurde erst mehr als ein Jahr nach dem Tod des Schauspielers am 14. November 2004 ausgestrahlt.
In Kinoproduktionen war Erich Hallhuber selten vertreten, unter anderen trat er 1997 in Helmut Dietls Kassenschlager "Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief"1) als der korrupte Banker Hopf in Erscheinung, der zusammen mit seinen "Kumpanen" Melk (Edgar Selge) und Weich (Christian Berkel1)) im "Rossini" auftauchen, um bei dem hochverschuldeten Produzenten Oskar Reiter (Heiner Lauterbach) den "Loreley"-Vertrag einzutreiben. In dem Drama "Der Stellvertreter"1) (2002, "Amen."), gedreht von Costa-Gavras1) nach dem Schauspiel von Rolf Hochhuth1), mimte er den Hitler-Getreuen bzw. Aristokraten Direktor Freiherr von Rutta → Übersicht Filmografie.
 
Neben seiner Arbeit für das Fernsehen machte sich der vielseitige Schauspieler auch mit persönlichen Unterhaltungsprogrammen einen Namen. Er beeindruckte beispielsweise mit "Ginge da ein Wind – Dichter im Widerstand", dem Kästner-Abend "Ragout fin de siècle", "Play it again Brecht – Brecht in Amerika" oder dem Kabarett-Programm "Warten auf Niveau". 1999 übernahm er zusammen mit Ursula Heller1) die Moderation des Galaabends im Rahmen der Verleihung des "Bayerischen Fernsehpreises"1) und führte ein Jahr später durch die Veranstaltung anlässlich des "Bayerischen Filmpreises"1). Unvergessen bleibt er auch 1997 und 1998 als "Salvatorredner" Bruder Barnabas, der den Gästen beim alljährlichen Starkbieranstich auf dem Nockherberg1) in München eine Fastenpredigt hält bzw. den "Großkopferten" die Leviten liest. "Hallhuber bestand auf der Freiheit, den Text des Redenschreibers Hannes Burger abändern zu dürfen, während Burger den wortgenauen Vortrag seines Textes forderte. Aufgrund dieses Streits sagte Hallhuber 1999 kurzfristig seinen Auftritt ab." notiert Wikipedia. Durch die Übertragung im "Bayerischen Fernsehen" wurde diese Auftaktveranstaltung des jährlichen Salvator-Ausschanks auf dem Nockherberg seit 1982 auch einem breiten Publikum zugänglich.
Zudem war Hallhuber als Synchronsprecher gefragt, lieh unter anderem Alan Rickman1) (als Severus Snape1)) in den ersten beiden "Harry-Potter"-Filmen "Harry Potter und der Stein der Weisen (2001)" und "Harry Potter und die Kammer des Schreckens (2002)" seine Stimme. Auch synchronisierte er John Malkovich1) (als Nicholas "Nick" Gage) in "Eleni"1) (1985) oder Sam Neill1) (als David Jenkins) in "Jagd auf einen Unsichtbaren" (1992) → mehr bei synchronkartei.de.
  
Erich Hallhuber starb überraschend am 17. September 2003 im Alter von nur 52 Jahren in München; wie die Presse mitteilte war er am 21. September von einer Bekannten tot in seiner Wohnung aufgefunden worden, Hinweise auf einen gewaltsamen Tod gab es nicht. Die Todesursache, ein epileptischer Anfall, wurde erst geraume Zeit nach seinem Tod bekannt gegeben.4)
Unter großer Anteilnahme zahlreicher Freunde, Kollegen und Weggefährten fand die Trauerfeier in der Aussegnungshalle im Krematorium auf dem Münchner Ostfriedhof1) statt, die Erdbestattung erfolgte dann im engsten Familienkreis → Foto der Grabstelle (Grab Nr. 133–1–10) bei knerger.de. Der damalige Münchener Oberbürgermeister Christian Ude1) bezeichnete seinen Freund Hallhuber in einer ergreifenden Trauerrede als einen "lebensfrohen, kraftstrotzenden Mann, der den Kopf voller Zukunftspläne, das Herz voller Lebensfreude hatte". "Als Schauspieler war er ein Meister der feinen Nuancen." schrieb unter anderem die "Mittelbayerische". Jahrelange Lebensgefährten Hallhubers war die Schauspielerin und Regisseurin Angela Roy1), mit der er unter anderem 1998 am Münchner "Cuvilliés-Theater"1) das Theaterstück "Play it again Brecht" realisiert hatte. Aus einer früheren Beziehung stammt der 1990 geborene Sohn Fabian.
Anlässlich des 60. Geburtstages des viel zu früh verstorbenen Mimen strahlte das Bayerische Fernsehen am 17. Juli 2011 das 45-minütige filmische Portrait "Zwischen Nestroy und Nockherberg – Der Schauspieler Erich Hallhuber" von Annette Hopfenmüller1) aus. "Miroslav Nemec, Christine Neubauer1), Rita Russek, Willy Purucker, Franz Xaver Bogner1), Hallhubers Sohn Fabian und sein Vater Erich Hallhuber senior zeichnen das Bild eines ebenso hochbegabten wie hochsensiblen Menschen, der sein Leben nicht so leichtnahm wie seine Karriere …" → www.br.de
Siehe auch Wikipedia
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehserien.de, 3) prisma.de
4) Quelle: Wikipedia (abgerufen 01.01.2012)
       
Filme
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Die Krimihomepage, br.de, prisma.de)
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