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Kurt Böwe wurde am 28. April 1929 in Reetz (Mark Brandenburg) geboren.
Der Vater war Landwirt und bewirtschaftete einen kleinen
Bauernhof, mit dem er seine Frau und seine sieben Kinder ernährte. Schon früh
erkannte er die Begabung seines Sohnes Kurt und ermöglichte ihm den Besuch
der Aufbauschule in Kyritz. Nach der Schule, die Kurt Böwe mit dem
Abitur abschloss, entschied er sich für den Beruf des Schauspielers und
bestand 1949 die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule des "Deutschen
Theaters Berlin". Doch dann entschloss er sich kurzfristig für ein Studium der
Germanistik und Theaterwissenschaften an der Berliner "Humboldt-Universität",
welches er 1954 mit dem Staatsexamen beendete, um anschließend sechs Jahre
lang an der Universität als Assistent zu arbeiten. Böwe hielt Vorlesungen in
Theatergeschichte und Dramaturgie, wollte promovieren und engagierte sich
während dieser Zeit für die Studentenbühne. Deren Leiter Horst Schönemann1)
(1927 1987) entdeckte das schauspielerische Talent Böwes und bestärkte ihn darin, seine
anfänglichen Pläne, Schauspieler zu werden, wieder aufzunehmen und holte ihn 1960 an
das "Maxim Gorki Theater".
In den 1980er Jahren folgten sozialkritische Filme, in denen Böwe seine schauspielerische Dominanz beweisen konnte. In Roland Grafs bitterer, gesellschaftskritischen Satire "Märkische Forschungen" (1981/82), nach einer Erzählung von Günter de Bruyn, verlieh er, an der Seite von Hermann Beyer als seinem Gegenspieler, dem karrieresüchtigen, verschlagenen Literatur-Professor Menzel gefährlich sympathische Züge, eine Rolle, für die Böwe 1982 mit dem "Darstellerpreis" des Spielfilmfestivals der DDR ausgezeichnet wurde. Ähnlich widersprüchlich, aber letztendlich positiv angelegt war der leidenschaftliche Kleinstadt-Bürgermeister Jadup, der in Rainer Simons "Jadup und Boel" die verhängnisvolle Entwicklungen in der DDR erkennt und den Verlust der Ideale in einer erstarrten Gesellschaft aufzeigt. Der Film wurde zunächst verboten und konnte erst am 12. Mai 1988 in der Stadthalle von Karl-Marx-Stadt uraufgeführt werden. Auch Achim und Wolfgang Hübners sechsteilige Familienserie "Einzug ins Paradies" (1983/84), die die Schicksale von Mietern in einem gerade fertiggestellten, trostlosen Neubaublock zeigte und in dem Böwe die Rolle des väterlichen, ratgebenden Außenseiters Jonas Weithold spielte, durfte zunächst nicht ausgestrahlt werden und kam erst 1987 auf den Bildschirm. Beeindruckend war 1982 auch Böwes Interpretation des Vaters Van der Straaten in "Melanie van der Straaten", ein Stück, das Thomas Langhoff nach dem gleichnamigen großen Frauenroman von Theodor Fontane für das Fernsehen inszeniert hatte. In dem DEFA-Episodenfilm "Automärchen" (1983) zeigte Böwe mit einer Doppelrolle sein komödiantisches Talent: Hier ist er einerseits der biedere Kraftfahrzeugschlosser Kalle Sengebusch, andererseits das hektisch-nervöse Gespenst "Automobil-Unglück", das Unfälle verursacht, die der Schlosser zu verhindern sucht. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitete Kurt Böwe eng mit der Fernsehregisseurin Vera Loebner zusammen, die ihm verschiedenste interessante Hauptrollen gab. So sah man ihn als Förster Wunderlich in der zweiteiligen Karl-May-Verfilmung "Das Buschgespenst"1) (1986), als Oskar Külz in "Die Verschwundene Miniatur" (1989) nach Erich Kästner oder mit der Titelrolle in "Pause für Wanzka" (1990) nach Alfred Wellms Buch gegen das DDR-Schulsystem. Beeindruckend war auch Böwes Darstellung des Berliner Modearztes Dr. Holtfreter, der in Vera Loebners Zweiteiler "Späte Ankunft" (1989) auf der Suche nach den wahren Werten 1896 die Großstadt verlässt, um in einer märkischen Kleinstadt als Landarzt das Vertrauen seiner neuen Patienten zu erringen und in Konfrontation mit seiner Umgebung gerät. Im gesamtdeutschen Fernsehen wurde Kurt Böwe nach dem Zusammenbruch der DDR populär durch seine Rolle des kauzigen und liebenswerten ostdeutschen Kriminalkommissars Kurt Groth in der Reihe "Polizeiruf 110"1): Zwischen 1994 und 2000 klärte er insgesamt 16 Mal gemeinsam mit seinem jungen Kollegen Jens Hinrichs alias Uwe Steimle1) vor einem Millionenpublikum in Schwerin so manchen kniffligen Fall. Aus gesundheitlichen Gründen gab Böwe die Rolle dann an Henry Hübchen ab, der als Kommissar Jürgen Schmidt einige Folgen lang gemeinsam mit Hinrichs ermittelte. Eine schöner Part war 1992 auch die des jovialen und opportunistischen Theaterintendanten Walz in Andreas Dresens hochgelobtem "Wendefilm" und Spielfilm-Debüt "Stilles Land", ebenso wie die des pensionierten Kommissars Max Buttstädt in Roland Gräfs TV-Krimikomödie "Die Spur des Bernsteinzimmers" (1992), der ersten gesamtdeutschen DEFA-Produktion. In Fred Noczynskis Kinderfilm "Sprache der Vögel" (1992) mimte Kurt Böwe den Großvater, der gemeinsam mit dem fünfjährigen Enkel Thomas die Sprache der Vögel verstehen lernen will, wobei ihnen die "Vogelzwitschersprechmaschine" helfen soll. Als der geliebte Großvater stirbt, muss sich der kleine Junge auf seine Weise mit dem Tod auseinandersetzen. Zu Kurt Böwes letzten Arbeiten für das Kino zählt die Rolle des Onkel Hermann in Günther Meyers amüsantem, kindgerechten Fantasy-Abenteuer "Spuk aus der Gruft"1) (1998), welches die Brandenburger Sage um den "Ritter Kahlebutz" als Vorlage nahm. Nicht zu vergessen ist auch seine einfühlsame Moderation in der mehrteiligen TV-Dokumentation "Die Brandenburger Chronik eines Landes" (1998). Neben seiner umfangreichen Arbeit für Theater, Film und Fernsehen machte sich Kurt Böwe auch mit mehr als 150 Hörspiel-Figuren einen Namen als herausragender Sprecher, hier wäre unter anderem der "Lodek" in Günther Rückers "Grünstein-Variante" (1976) als eine der wichtigen Rollen zu nennen; zahlreiche Plattenaufnahmen und CDs zeugen von Böwes einzigartigen Interpretationen. Darüber hinaus begeisterte der Charakterdarsteller mit Lesungen, etwa mit Texten seines Lieblingsschriftstellers Theodor Fontane, immer wieder das Publikum. Der große Theatermime, Komödiant und Literaturkenner Kurt Böwe starb am 14. Juni 2000 im Alter von 71 Jahren nach langer schwerer Krankheit in Berlin; seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Waldfriedhof in Krumbeck (Prignitz). Anlässlich einer Trauerfeier am 21. Juni 2000 im Deutschen Theater Berlin würdigte der damalige Ministerpräsidenten Manfred Stolpe den "Mann aus der Prignitz" unter anderem mit den Worten "Scheinbare Gegensätze fallen auf: Er hat sich niemandem lieb Kind gemacht und war dennoch beliebt wie wenige. Er hatte Witz, blieb aber trocken, konnte grimmig und störrisch wirken. Die Menschen nahmen ihn als einen der Ihren, doch war er zurückhaltend und leise und drängte sich niemals auf. Er war schlau und hatte sich zugleich eine direkte und einfache Lebensart bewahrt. Er war Profi im besten Sinne, ein wahrer Könner, und dabei doch immer Autodidakt mit einem eigenen, beherzten, fast naiven Zugang zur Schauspielkunst. Man kannte ihn als "ganzen Kerl", als Mann mit Bodenhaftung, als standfeste Vaterfigur. Aber Kur Böwe – das wird uns gerade im Rückblick klar – zeichnete ein empfindsames Gemüt aus, ein Gespür für Wahrhaftigkeit, das seinen Auftritten vor Publikum eine große Überzeugungskraft gab. Es war, als spielte er immer einen Teil seiner selbst. … Kurt Böwe war eine einzigartige Persönlichkeit. Sicher war er auch durch die DDR geprägt. Vor allem die Grundhaltung eines ganz aufrichtigen Antifaschismus und das Bekenntnis zu "Nie wieder Krieg!" gehören zu seiner Biografie. Jedoch war er am wenigsten ein Vertreter von Ideologien. Auch hat er sich nie zur staatlichen Ikone machen lassen. Er stand für sich allein. Er hat gegen den Strich gelebt. Auch nach der Wende erlaubte er sich Misstrauen und Skepsis." Kurt Böwe war mit der Hörspiel-Dramaturgin Heidemarie Schönknecht
verheiratet und lebte mit seiner Familie in Berlin-Lichtenberg; aus der
Verbindung stammen vier Kinder. Die 1972 geborene jüngste Tochter Winnie Böwe1)
trat in die Fußstapfen ihres Vaters und hat sich ebenfalls einen Namen als
Schauspielerin, aber auch Opernsängerin gemacht hat. Auch die 1964
geborene Tochter Susanne ergriff den Beruf der Schauspielerin. |
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| Link: 1) Wikipedia | ||
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Einige Textbausteine des Kurzportraits stammen aus "Lexikon der DDR-Stars" (Ausgabe 1999, S. 33/34) Siehe auch Wikipedia, www.defa-datenbank.de Filmografie bei www.imdb.de |
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