Manja Behrens als Helena und Peter Hamel als Demetrius in "Ein Sommernachtstraum" von William Shakespeare mit Musik von Carl Maria von Weber,Schauspielhaus Dresden, Neueinstudierung 16.02.1939, Regie: Karl Hanns Böhm, Dirigent: Bernhard Eichhorn; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0004344); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Reinhard Berger; Urheber: Reinhard Berger (1890-1976); Datierung: 02.1939; Quelle: www.deutschefotothek.de Manja Behrens wurde am 12. April 1914 als Tochter eines Rechtsanwaltes, der als "Kgl. Sächsischer Hofsyndikus" am "Dresdner Hoftheater" tätig war, und dessen Ehefrau, der aus Prag stammenden königlich-sächsischen Hofschauspielerin Maria Lichtenegg, in Dresden geboren. Anfangs begann das junge Mädchen in Prag ein Englisch-Studium, musste die Ausbildung jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Eltern abbrechen. Nach Dresden zurückkehrt, arbeitete die 16-Jährige für die nächsten fünf Jahre als Zahnarzthelferin und verdiente sich so das Geld für eine private Schauspielausbildung, die sie ab 1930 in ihrer Geburtsstadt bei dem Oberspielleiter und Kammersänger Waldemar Staegemann1) (1879 – 1958) und später bei Erich Ponto absolvierte. Ihr Bühnendebüt gab Manja Behrens 1935 am "Staatstheater Dresden", mit der Titelrolle in dem Märchendrama "Und Pippa tanzt"1) von Gerhart Hauptmann gelang ihr der Durchbruch zur gefeierten Charakterdarstellerin. "Wie Frau Behrens spricht, möchte ich gesprochen werden.", soll Gerhart Hauptmann nach der Premiere des Stücks gesagt haben.
Mit kurzen Unterbrechungen blieb das "Staatstheater Dresden" für die nachfolgende Zeit ihre künstlerische Heimat, bis Anfang der 1950er Jahre gehörte sie zum Ensemble. Begonnen hatte sie als jugendliche Liebhaberin und Naive in Komödien und Boulevardstücken, später brillierte sie zunehmend im klassischen Rollenfach und gestaltete die großen Frauenfiguren der Bühnenliteratur.
 
Manja Behrens als Helena und Peter Hamel1) als Demetrius
in "Ein Sommernachtstraum"1) von William Shakespeare
mit Musik von Carl Maria von Weber1), Schauspielhaus Dresden,
Neueinstudierung 16.02.1939, Regie: Karl Hans Böhm, Dirigent: Bernhard Eichhorn1);
Fotografie von Reinhard Berger (1890–1976) → Selbstporträt
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0004344)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Reinhard Berger; Datierung: 02.1939
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
In ihre Anfangszeit als Schauspielerin fiel auch der erste Kontakt mit der Filmszene, durch Vermittlung des Leinwandstars Adolf Wohlbrück erhielt sie einen Vertrag für das von Jürgen von Alten1) in Szene gesetzte propagandistische Kriminaldrama "Stärker als Paragraphen" (1936), gedreht nach dem gleichnamigen Theaterstück von Felix Helmer mit Paul Hartmann als der in einen Gewissenskonflikt geratene Rechtsanwalt Dr. Birk, Karl Hellmer als Wucherer Theodor Hubricht und Manja Behrens als dessen Nichte. Auch ihre zweite Arbeit vor der Kamera war ein Streifen von Jürgen von Alten und hieß "Susanne im Bade" (1936), in dieser Komödie mimte sie die Kunstschülerin Gussy Alfken, die in einem biederen Städtchen für einen handfesten Skandal sorgt, als eine Skizze mit ihr im Badeanzug öffentlich wird → Murnau Stiftung.
Für die attraktive Schauspielerin schien eine Leinwandkarriere vorgezeichnet, doch es kam zu einem vorzeitigen "Aus": Der als "Schürzenjäger" bekannte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels1) hatte ein Auge auf sie geworfen, wurde jedoch von Manja Behrens abgewiesen, Daraufhin stellte Goebbels sie kalt und erteilte ein Filmverbot. Sie kehrte nach Dresden zurück und konzentrierte sich auf die Arbeit am Theater.
Nachdem auch in Dresden 1944 das Theaterleben durch die kriegsbedingte Schließung der Spielstätten zum Erliegen kam, arbeitete Manja Behrens bis Ende des Krieges als Schraubendreherin in einer Fabrik, konnte dann nach 1945 ihre schauspielerische Karriere in Dresden fortsetzen. Mit Beginn der 1950er Jahre war sie in Berlin beschäftigt, zunächst am "Theater am Schiffbauerdamm"1) – hier gestaltete sie unter anderem 1952 in "Die Feinde"1) von Maxim Gorki die Tatjana – anschließend von 1953 bis 1967 an der "Volksbühne"1) sowie ab 1967 am "Maxim-Gorki-Theater"1), dessen Ensemble sie über 25 Jahre angehörte. Zu erwähnen ist, dass sie ab 1964 am "Berliner Ensemble" wechselweise mit Helene Weigel die Figur der Coriolan-Mutter Volumnia in "Die Tragödie des Coriolan", der Brecht'schen Fassung des Shakespeare-Stücks "Coriolanus"1) interpretierte → Theatertreffen 1966. Gastrollen führten sie später unter anderem an das "Wiener Burgtheater" (1992; "Onkel Wanja"1)) und das "Stadttheater Bern" (1994, "Der Vater"1)).

Manja Behrens (l.) als Prinzessin Mareile und Lotte Gruner (1906–1984) als Prinz Goldhaar
in dem Märchenspiel "Der kleine Muck" von Friedrich Forster1)
mit Musik von Bernhard Eichhorn1) (musikalische Leitung B. Eichhorn,
Regie: Rudolf Schröder; Schauspielhaus Dresden, Erstaufführung 02.12.1938)
Fotografie von Reinhard Berger (1890–1976) → Selbstporträt
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0004319)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Reinhard Berger; Datierung: 1938
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Manja Behrens (l.) als Prinzessin Mareile und Lotte Gruner (1906–1984) als Prinz Goldhaar in dem Märchenspiel "Der kleine Muck" von Friedrich Forster mit Musik von Bernhard Eichhorn (musikalische Leitung B. Eichhorn,Inszenierung: Rudolf Schröder; Schauspielhaus Dresden, Estaufführung 02.12.1938); Fotografie von Reinhard Berger (1890–1976); Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pos-2009-a_0004319); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Reinhard Berger; Datierung: 1938; Quelle: www.deutschefotothek.de
Im folgenden eine kleine Auswahl der Rollen bzw. Stücke, mit bzw. in denen Manja Behrens in Dresden und Berlin in Erscheinung trat:
(Quelle (überwiegend): Sächsische Biografie, ***), Wikipedia, .volksbuehne-berlin.de; Link: Wikipedia)
Parallel zur Arbeit am Theater stand Manja Behrens zudem seit Ende der 1950er Jahre vor der Kamera und konnte nun in Produktionen der DEFA1) bzw. des "Deutschen Fernsehfunks"1) (DFF) ihre schauspielerische Kunst einem breiten Publikum präsentieren. So überzeugte sie in dem Kino-Drama "Gejagt bis zum Morgen"2) (1957) als redliche, arbeitslose Martha Kurda, die nach dem tödlichen Arbeitsunfall ihres Mannes alleine zwei Kinder durchbringen muss. Als Emmi Jahnke zeigte sie sich in Konrad Wolfs mit Aufführungsverbot belegtem Film "Sonnensucher"1) (1958), der erst 1972 in die Lichtspielhäuser gelangte. Als Partnerin von Martin Flörchinger spielte sie in "Ehesache Lorenz"1) (1959) – erzählt wird die Geschichte der mehr als 20 Jahre verheirateten Richterin Trude Lorenz. Deren "Ehe gerät in eine Krise, als ihr Mann, Abteilungsleiter eines Großbetriebes, sich auf eine Affäre mit seiner Sekretärin einlässt. In Stil und Aussage überdurchschnittliche, heiter-nachdenkliche Unterhaltung. Darstellerisch hervorragend … notiert das Filmlexikon.

Manja Behrens Anfang der 1950er Jahre
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001143_002)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek
Urheber: Abraham Pisarek1) (1901–1983); Datierung: 1952?
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Manja Behrens Anfang der 1950er Jahre; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_pkm_0001143_002); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Abraham Pisarek; Urheber: Abraham Pisarek (1901–1983); Datierung: 1952?; Quelle: www.deutschefotothek.de
Man sah sie im darauffolgenden Jahr in dem Krimi "Seilergasse 8"1)  (1960) erneut mit Flörchinger, diesmal als Ehefrau des von Flörchinger dargestellten Ermittlers bei der Mordkommission Albert Schirding. Als Wolfgang Staudte den viel diskutierten und später preisgekrönten Antikriegsfilm "Kirmes"1) (1960) drehte, fand er in Manja Behrens die geeignete Schauspielerin für die leidende und tapfere Mutter des desertierten Soldaten Robert Mertens (Götz George). Weitere Leinwandauftritte hatte sie unter anderem in Heiner Carows von der Kritik positiv bewerteten Drama "Das Leben beginnt"1) (1960) und in Frank Beyers vergnüglichen Geschichte "Karbid und Sauerampfer"1) (1964). Hier "agiert Manja Behrens drall und vital als lebenslustige Witwe an der Seite von Erwin Geschonneck"*).
Als Mitte der 1960er Jahre von dem britischen Historiker Hugh Trevor-Roper1) ihre frühere, langjährige Affäre mit dem ranghohen NS-Funktionär und Hitler-Vertrauten Martin Bormann1) publik gemacht wurde, blieben Rollenangebote für Kinofilme in den kommenden rund zwanzig Jahren aus, erst in dem Kriegsdrama um einen überzeugten Hitlerjungen mit dem Titel "Stielke, Heinz, fünfzehn…"1) (1987) wurde sie wieder mit einem kleineren Part bedacht.
Auf dem Bildschirm zeigte sie sich neben der Übernahme von Theater-Inszenierungen überwiegend in Literaturadaptionen, so glänzte sie beispielsweise als Titelheldin in "Die Neuberin"3) (1960), realisiert nach dem Komödiantenstück von Günther Weisenborn1) und Eberhard Keindorff1) über die Schauspielerin Friederike Caroline Neuber1). Sie gab beispielsweise die Mutter Rothardt in "Rauhreif"1) (1963) nach dem Hörspiel von Bernhard Seeger1) und die Königin Januari in der Märchenkomödie "Die Ringe aus Zinn"3) (1979). In dem Lustspiel "Nicht verzagen, Trudchen fragen"3) (1980) war sie die mit viel Mutterwitz ausgestattete Protagonistin Trude.
 
Manja Behrens, die 1974 mit dem "Kunstpreis der DDR"1) ausgezeichnet worden war, starb am 18. Januar 2003 im Alter von 88 Jahren in ihrer Berliner Wohnung. Die letzte Ruhe fand sie an der Seite ihres Mannes auf dem Waldfriedhof "Weißer Hirsch"1) in Dresden → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
Seit 1958 war sie mit dem Bühnenbildner Karl von Appen1) (1900 – 1981) verheiratet, den sie an der "Volksbühne" kennengelernt hatte. Nach von Appens Tod verwaltete sie dessen Nachlass und bewahrte laut Wikipedia unter anderem das Modell des von Helene Weigel gezogenen Marketender-Wagens aus Brechts "Mutter Courage und ihre Kinder"1) vor der Vernichtung.
Der Nachlass von Manja Behrens befindet sich (wie der ihres Mannes) in der Berliner "Akademie der Künste" → Manja-Behrens-Archiv, Karl-von-Appen-Archiv.
"Der Tagespiegel" (www.tagesspiegel.de) schrieb unter anderem in einem Nachruf: An der "Volksbühne" überzeugte die mit dem Bühnenbilder Karl von Appen verheiratete Schauspielerin durch ihre modulationsfähige, "weiche" Stimme. Härte, Unbedingtheit zeigte sie dabei eher in einer von Güte, von Mitgefühl überdeckten Art. Die Frau John in Hauptmanns "Ratten" (1956) war einer der Höhepunkte ihrer Karriere, weil sie hier nicht auf tränenreiche Verzweiflung setzte, sondern auf kreatürliche Kraft, auf die heiße, unstillbare Sehnsucht nach dem anderen, erfüllten Leben. Und die "Berliner Zeitung" (www.berliner-zeitung.de) schrieb: Von Herkommen wie Erscheinung her lag ihr die Darstellung herrscherlicher Frauen, von Ausbildung wie Gefühl her das Mitleiden (bis hin zur Identifizierung) mit beleidigten und unterdrückten Frauen, von der Gesinnung her mit solchen, die revoltieren. (…) Sie konnte eine sehr spitze Zunge haben, kaschierte sie aber auf Sächsisch wie Berlinerisch.
Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Kay Weniger: "Zwischen Bühne und Baracke"**)
sowie Wikipedia, Sächsische Biografie ***)
Fotos bei www.virtual-history.com
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 22)
**) Kay Weniger: "Zwischen Bühne und Baracke. Lexikon der verfolgten Theater-, Film- und Musikkünstler 1933 bis 1945" (Metropol, Berlin 2008,  S. 425/426)
***) Manfred Altner: "Behrens, Manja", in: Sächsische Biografie, hrsg. vom "Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.", bearb. von Martina Schattkowsky
→ Online-Ausgabe: http://saebi.isgv.de/biografie/Manja_Behrens_(1914-2003) bei http://saebi.isgv.de
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) filmportal.de, 3) fernsehenderddr.de
   
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Kinofilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de

(Fremde Links: filmportal.de, Murnau Stiftung, Wikipedia, defa-stiftung.de, fernsehenderddr.de, prisma.de)
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