Danielle Darrieux (Danielle Yvonne Marie Antoinette Darrieux) wurde am 1. Mai 1917 als Tochter eines Militärarztes in der südwestlich gelegenen französischen Stadt Bordeaux geboren und wuchs in Paris auf; der Vater starb als Danielle erst 7 Jahre alt war. Aus einer musikalischen Familie stammend, studierte Danielle Darrieux nach dem Schulabschluss am Pariser Konservatorium die Fächern Gesang, Klavier und Cello.
 
Ihr Leinwanddebüt gab sie bereits mit 14 Jahren, als sie einen Besetzungswettbewerb als Pendant von Dolly Haas1) (1910 – 1994) für Wilhelm Thieles französische Version von "Le bal" (1931, Der Ball) gewann. In den folgenden Jahren agierte die attraktive junge Frau in rund einem Dutzend der damals üblichen Operettenfilme und Lustspiele und wurde meist mit Rollen des verliebten Mädchens besetzt, das den Aufstieg aus einfachen Verhältnissen schafft wie beispielsweise in Billy Wilders ersten Regiearbeit "Mauvaise graine"2) (1934, Böses Blut). Später avancierte sie dann in Rollen als "Dame von Welt" zum Synonym für französisches Stilempfinden. Auch über die Grenzen Frankreichs bekannt wurde die Darrieux 1936 durch ihre sensible Darstellung der 17-jährigen Baroness Maria von Vetsera2), in die sich der unglücklich verheiratete österreichisch-ungarische Kronprinz Rudolf2) (Charles Boyer) in Anatole Litvaks Historiendrama "Mayerling"2) verliebt und vermutlich in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1889 auf Schloss Mayerling2) mit der Geliebten den Freitod wählt.

Foto: Danielle Darrieux 2008
Urheber: Studio Harcourt, Paris (studio-harcourt.eu)
Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz CC-BY-SA 3.0

Danielle Darrieux 2008; Urheber: Studio Harcourt, Paris (studio-harcourt.eu); Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz CC-BY-SA 3.0.
1939 hatte sie dann großen Erfolg in "Battement de coeur" von Regisseur Henri Decoin2) (1896 – 1969), mit dem sie von 1935 bis 1941 verheiratet war.
Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges ging Danielle Darrieux 1938 mit ihrem Mann für einige Zeit nach Hollywood und drehte noch im gleichen Jahr mit Henry Koster ihren ersten amerikanischen Film, zeigte sich in der Komödie "The Rage of Paris" (1938, Die flotte Pariserin) als Partnerin von Douglas Fairbanks Jr.; kurz darauf kehrte sie nach Frankreich zurück. Wegen ihrer Auftritte vor deutschen Besatzungstruppen gegen Ende des Krieges, war sie zeitweise in Frankreich umstritten. Nach ihrer Rehabilitierung erhielt die Schauspielerin dann wieder anspruchsvolle Charakterrollen in französischen und internationalen Filmproduktionen. So überzeugte sie 1950 in Max Ophüls' hochkarätig besetzten Schnitzler-Adaption "La ronde"3) (Der Reigen) als "junge Frau", neben Jean Gabin 1951 in Henri Decoins "La vérité sur Bébé Donge" (Die Wahrheit über unsere Ehe). In der tragisch-romantischen Titelrolle von Max Ophüls' Dreiecks-Tragödie aus dem morbiden Aristokratenmilieu der versunkenen Epoche der Jahrhundertwende4) "Madame de …"2) war sie 1953 – erneut an der Seite von Charles Boyer – in wohl einer ihren besten Filme zu sehen und ein Jahr später neben Gérard Philipe als Madame de Rênal in "Le rouge et le noir"2) (Rot und Schwarz), gedreht von Claude Autant-Lara nach dem gleichnamigen Roman2) von Stendhal.
In den 1950er Jahren kehrte Danielle Darrieux auch zeitweise wieder nach Hollywood zurück, um so erfolgreiche Filme wie Robert Rossens Historienepos "Alexander the Great"2) (1956, Alexander der Große) zu drehen und an der Seite von Richard Burton als Titelheld dessen Mutter, die Königin Olympias von Epirus2) zu verkörpern. In den 1960er Jahren schien ihre Popularität zu schwinden, dennoch drehte sie mit Claude Chabrols noch einmal so anspruchsvolle Filme wie "Landru"2) (1963, Der Frauenmörder von Paris), der sie als Mordopfer besetzte, oder als Filmmutter von Catherine Deneuve mit Jacques Demuys die liebevollen Hommage auf das amerikanische Film-Musical4) "Les demoiselles de Rochefort"2) (1967, Die Fräulein von Rochefort). Außerdem trat sie auch als Chansonsängerin auf und spielte einige Schallplatten ein.
In den späten 1970er Jahren übernahm die Schauspielerin auch des öfteren Rollen in Fernseh-Produktionen und fand neben der Arbeit für den Film auch noch Zeit für Theaterauftritte. So gab sie 1970 am Broadway die Hauptrolle in dem Musical "Coco", welches von dem Leben Coco Chanels2) inspiriert worden war (Text: Alan Jay Lerner2)/Musik: André Previn2)). Im Verlaufe ihrer Karriere drehte die Darrieux rund 140 Kino- und Fernsehfilme, zeigen immer wieder die gesamte Spannbreite ihrer Charakterisierungskunst. Diese reicht von musikalischer Leichtigkeit wie in in Jaques Demys "Une chambre en ville" (1982, Ein Zimmer in der Stadt) bis hin zu tragischen Rollen, wie die der Alkoholikerin Madame Krantz in Benoît Jacquots "Corps et biens" (1986). Ab den 1980er Jahren bis in jüngere Zeit schränkte die Mimin im übrigen ihre Leinwandpräsenz zugunsten verschiedenster TV-Rollen ein und nahm nur noch wenige ausgesuchte Rollen an. In der Titelrolle der sechsteiligen TV-Serie "Ein Fall für Madame"5) (Miss) erwies sie sich 1980 auch auf bundesdeutschen Bildschirmen als würdige Nachfolgerin von Kommissar Maigret.
 
2002 agierte sie in der preisgekrönten Musicalkomödie von François Ozon "8 femmes"2) (8 Frauen), wurde gemeinsam mit ihre Kolleginnen Catherine Deneuve, Isabelle Huppert, Emmanuelle Béart, Fanny Ardant, Virginie Ledoyen, Firmine Richard und Ludivine Sagnier in Berlin mit dem "Silbernen Bär"2) sowie dem "Europäischen Filmpreis"2) ausgezeichnet, Darrieux selbst erhielt zudem einen "César"2) als "Beste Nebendarstellerin". Im darauffolgenden Jahr (2003) nahm sie den französischen Theaterpreis "Molière" entgegennehmen für ihre eindrucksvolle Gestaltung in der Bühnenversion der Erzählung "Oskar und die Dame in Rosa"2) (OT: Oscar et la dame rose) von Éric-Emmanuel Schmitt2).
Auch im hohen Alter hat die Grande Dame nichts von ihrer einzigartigen Verwandlungsfähigkeit verloren. Wie einst Regisseur Max Ophüls feststellte, mit dem sie große Filme wie "Pläsier" und "Madame de…" drehte. Danielle Darrieux ist eine der ganz wenigen Darsteller, die unvorbereitet in eine Rolle wie in eine zweite Haut schlüpfen. (…) Elegant und kokett ist die Schauspielerin auch heute noch. "Mir war es immer wichtig, zuerst Frau und dann Schauspielerin zu sein", erklärte Darrieux – was der Film-Diva ihr Leben lang auch gelungen ist.6)

Die Ikone des französischen Films konnte am 1. Mai 2017 den seltenen 100. Geburtstag feiern, rund fünf Monate später starb sie am 17. Oktober 2017 in dem Ort Bois-le-Roi (Département Eure) in der Nähe von Paris. Der gesundheitliche Zustand der Schauspielerin habe sich zuletzt verschlechtert, zitierte die französische Zeitung "Le Monde" den Lebensgefährten.
Danielle Darrieux war nach ihrer Scheidung von Henri Decoin2) (1896 – 1969) im Jahre 1941 seit 1942 bis 1947 mit dem Playboy und Diplomaten Porfirio Rubirosa2) (1909 – 1965) verheiratet, dessen Karriere sich unter anderem durch unzählige Sexskandale auszeichnete. Danach heirate die Schauspielerin 1948 in dritter Ehe Georges Mitsinkidès, der 1991 verstarb, zuletzt war Jacques Jenvrin an ihrer Seite.
Der jüngere Bruder Olivier Darrieux (1921 – 1994) stand seit Anfang der 1940er Jahre ebenfalls verschiedentlich vor der Kamera.
Textbausteine des Kurzportraits von www.prisma.de
Siehe auch Wikipedia, www.cyranos.ch
Fotos bei www.virtual-history.com
Link: 1)  Kurzportrait innerhalb dieser HP, 2) Wikipedia, 3) prisma.de, 5) www.fernsehserien.de
4) Lexikon des internationalen Films
6) Artikel zum 90. Geburtstag am 1. Mai 2007 bei www.n-tv.de (Seite nicht mehr abrufbar)
Kinofilme (Auszug)
Filmografie bei Internet Movie Database
(Link: filmportal.de, Wikipedia, in Klammern: prisma.de)
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