Die inzwischen zur Kultserie avancierte Reihe "Königlich Bayerischen
Amtsgericht" flimmerte mit der Geschichte "Der Pfarrgockel"
erstmals am 13. Januar 1969 über die Bildschirme. Die Zuschauer lernten die
fiktive, verträumte bayerische Kleinstadt Geisbach anno 1912 und deren
Bewohner kennen, die der bayerischen Gerechtigkeit vertrauen und sich
hilfesuchend an die Obrigkeit wenden. Vor dem Amtsgericht zur Zeit des Prinzregenten Luitpold
werden keine spektakulären Verbrechen verhandelt, vielmehr sind es eher die
kleinen, alltäglichen Gaunereien, mit denen der kluge, stets
schnupfende Amtsgerichtsrat Alois Stierhammer (Hans Baur)
konfrontiert wird. Bei seinen Bemühungen, die Wahrheit herauszufinden und
Gerechtigkeit walten zu lassen, wird Stierhammer unterstützt von einem leicht trotteligen
Justizwachtmeister und Gerichtsdiener (Georg Blädel) sowie dem
Gerichtsschreiber Haberkorn (Franz Loskarn), als Staatsanwalt fungierte
Schauspieler Peter Brand.
Geistiger Vater der humorigen, oft kurios anmutenden Geschichten ist
Autor Georg Lohmeier, allein Titel wie "Bierkrawall" (Folge 2),
"Der Wildschütz" (Folge 16), "Der Roßtäuscher" (Folge 32)
oder "Der Hochzeitslader und sein Trick" (Folge 43) lassen den
Zuschauer erahnen, welch schwieriger Betrugsfall wieder mal auf der
Tagesordnung steht. Nächtliche Ruhestörungen, Verleumdungen, Raufereien im
Wirtshaus oder auch Nichtachtung der Obrigkeit wie in "Der zerbrochene
Maßkrug" (Folge 31), wo dem Herrn Gendarmeriekommandanten ein Bierkrug auf den Kopf
gehauen wird, müssen untersucht und geklärt werden. Alois Stierhammer
wendet in den insgesamt 53 Folgen zu je 25 Minuten manchmal eigenwillige und listige Methoden
an, um der Gerechtigkeit auf die Sprünge zu helfen,
meistens sind die Beklagten mit den Urteilssprüchen einverstanden und erkennen willig die bayerische Gerechtigkeit
an; zum Schluss jeder Verhandlung gibt der Königlich Bayerische
Amtsrichter den Delinquenten, aber auch den Zuschauern stets noch eine "kleine Moral von der Geschicht" mit auf den
Weg.
Die Serie endete vorerst am 30. April 1971 mit Folge 52 "Der Wilderer",
ein knappes Jahr später wurde die Sendung mit "Der Böllerer" am
23. Januar 1972 endgültig eingestellt. Mehrfach wurde die Reihe in
den 70er, 80er und 90er Jahren wiederholt und war zuletzt im Jahre 2004 im Bayerischen Fernsehen zu sehen.
Dabei gab es auch ein Wiedersehen mit vielen legendären bayerischen
Volksschauspielern wie Ludwig Schmid-Wildy, Beppo Brem, Gustl Bayrhammer,
Max Grießer, Maxl Graf, Fritz Straßner oder Erni Singerl, die regelmäßig
in der Serie mitspielten.
Die Dreharbeiten zu der ZDF-Gerichtsserie fanden damals in Tittmoning und Laufen
statt, bei dem im Vorspann zu sehenden Amtsgerichtsgebäude handelt es sich
um das Rathaus des Salzachstädtchens Tittmoning1).
1) Der Link führt zur Homepage von Tittmoning.
Siehe auch Wikipedia
und br-online.de
Eine Kurzbeschreibung der einzelnen Folgen kann man bei www.fernsehserien.de
nachlesen.
Weitere Links bei www.wunschliste.de
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Die Vertreter der Obrigkeit:
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| Hans Baur |
spielte den Amtsgerichtsrat Alois Stierhammer.
Geboren am 08. August 1910 in Eresing bei Landsberg,
gestorben am 21. Dezember 1986 in München.
Kurzbiografie
zu Hans Baur innerhalb dieser Homepage.
Siehe auch Wikipedia
Weitere
Filme1) mit Hans Baur
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| Peter Brand
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spielte den Staatsanwalt.
Weitere
Filme1) mit Peter Brand
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| Georg Blädel
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spielte den Justizwachtmeister, der auch
für die Ordnung im Gericht zuständig ist.
Geboren am 31. Januar 1906 in München,
gestorben am 26. Juli 1990 in München.
Der Sohn des bekannten Unterhaltungskünstlers und
"Instrumentalhumoristen" Hans Blädel (1871 1937) trat
schon früh in die Fußstapfen seines Vaters. Wie sein Vater trat auch
"Schorsch" Blädel als herausragender Valentin-Interpret in
Erscheinung, bis heute unvergessen bleibt seine Darstellung des
"Buchbinder Wanninger" (1936) in der gleichnamigen
Valentin-Episode, in der zu der Stimme von Valentin den geplagten
Handwerker mimte, der mit zunehmender Verzweiflung versucht, die
Mitteilung über die fertiggestellten Bücher bei der Baufima Meissner
loszuwerden. Der bayerische Schauspieler, der schon früh zu den Stars
des damals noch jungen Rundfunks zählte, war ein herausragender Komiker und wurde
auch als Sänger mit volkstümlichen Stimmungsschlager wie "Hab'
ich einen Durst/Wenn nur besser eing'schenkt wär" oder "In
München gibt's a Bier/Wir bleib'n beim Bier" über bajuwarische
Grenzen hinweg populär.
Bundesweit so richtig bekannt wurde er mit der Figur des
Gerichtsdieners in der Serie " Königlich Bayerische Amtsgericht"
und auch in einigen Stücken des "Komödienstadel" zeigte er
seine schauspielerische Vielseitigkeit.
Ende der 70er Jahre übernahm er kleinere Aufgaben in einigen "Tatort"-Folgen,
seine letzte Arbeit vor der Kamera war eine Nebenrolle in Michael Verhoevens
Filmdrama "Das schreckliche Mädchen" (1990).
Sohn Egon Blädel ist Spielleiter und Regisseur beim Starnberger
Marionettentheater.
Siehe auch Wikipedia
Weitere
Filme1) mit Georg Blädel
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| Franz Loskarn
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spielte den Gerichtsschreiber Haberkorn.
Geboren am 3. Mai 1890 in München,
gestorben am 23. April 1978 in München.
Bevor Franz Loskarn eine Karriere als Schauspieler
machte, hatte der gelernte Goldschmied zunächst in seinem Beruf
gearbeitet. Dann entschied er sich für die "Bretter, die die
Welt bedeuten", wollte ursprünglich Opernsänger werden und ließ sich von Viktor Schwanneke (1880 1931; auch Victor Schwanneke) in Gesang
und Schauspiel ausbilden. Der 1. Weltkrieg
verhinderte zunächst Loskarns beginnende Karriere, zwischen 1914 und 1918 musste er als
Soldat für sein Vaterland kämpfen
und konnte erst im Herbst 1918 sein Bühnendebüt in Ingolstadt als Schauspieler
geben; außerdem war er dort auch als Inspizient tätig. Im Laufe der
nachfolgenden Jahre wirkte Loskarn an verschiedenen bayerischen
Bühnen und Mundart-Theatern, avancierte in Berg- und Bauerndramen
sowie derb-dörflichen
Schwänken zum typischen bajuwarischen
Volksschauspieler. In München spielte er unter anderem am "Volkstheater" und
an den "Münchner Kammerspielen", an der "Konrad-Dreher-Bühne" war er
zeitweise als Oberspielleiter tätig.
Ab Ende der 1920er Jahre übernahm Loskarn verschiedentlich Aufgaben
in Stummfilmen und spielte prägnante Nebenrollen in noch stummen
Heimatdramen mit alpenländischem Hintergrund wie "Almenrausch
und Edelweiß" (1928), "Amor auf Ski" (1928) oder
"Wildschütz Jennerwein Herzen in Not" (1930). Sein erster
Tonfilm war 1934 das völkisch-reaktionäre Tendenzstück "Um das
Menschenrecht", es folgten Produktionen wie "Weiberregiment"1) (1936),
"Der Jäger von Fall" (1936), "Das Sündige Dorf" (1940)
oder "Der Verkaufte Großvater" (1942), lediglich in dem Propagandafilm
"Blutsbrüderschaft"1) (1941) wich er er
vom Typus des Urbayern ab und spielte einen Kommunistenführer.
Auch im deutschen Nachkriegsfilm gehörte Loskarn in Leinwand-Lustspielen
und Heimat-Melodramen wie "Ein Herz schlägt für dich" (1949),
"Aufruhr im Paradies" (1950), "In München steht ein Hofbräuhaus" (1952),
"Der Klosterjäger" (1953), "Schloss Hubertus" (1954),
"Die Geierwally" (1956) oder "Bei der blonden Kathrein" (1959)
zu den vielbeschäftigten Nebendarstellern, mimte typisch bayerische
Schutzmänner, Jäger, Gemeindediener oder Bürgermeister.
Dem Volkstheater blieb Franz Loskarn neben seiner Arbeit für den
Film stets treu, darüber hinaus wirkte er in zahllosen Hörfunksendungen des Bayerischen Rundfunks
mit. In seinen letzten Jahren fand er beim Fernsehen ein weiteres
Betätigungsfeld, mit der Rolle des Gerichtsschreiber Haberkorn in der
Kultserie "Königlich Bayerisches Amtsgericht" erlangte der
Schauspieler auch im fortgeschrittenen Alter noch einmal eine große
Popularität.
Quelle: Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films, 2001
sowie Wikipedia
Weitere
Filme1) mit Franz Loskarn
1) Der Link führt zu Wikipedia
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| 1) Der Link führt zur "german.imdb.com".
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| Der "Vater"
der Geschichten
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Georg Lohmeier wurde am 9. Juli 1926 als neuntes Kind eines
Großbauern im bayerischen Loh geboren. Er selbst beschreibt seinen
Werdegang folgendermaßen: Darauf war ich immer stolz, dass ich in Loh geboren bin, als Sohn des
"Bräu z'Loh", eines kleinen Bauernbräus in der ehemaligen Gemeinde
Wasentegernbach, Pfarrei Schwindkirchen, jetzt zur Stadtgemeinde Dorfen (Nähe Erding, Oberbayern) gehörig.
Meine Mutter, eine gebürtige Feldwieserin vom Chiemsee und Nichte des Pallinger Pfarrers Schwaiger,
der noch in Salzburg studiert hatte, wollte aus mir unbedingt einen Geistlichen machen. So bin ich auf
den Freisinger Domberg gekommen, ins erzbischöfliche Knabenseminar. Ich habe dort das Domgymnasium absolviert,
wurde 1944/45 noch zur Wehrmacht eingezogen und habe dann zwei Semester an der
phil. theol. Hochschule studiert. Bin "ausgesprungen" und habe
in München bei den Professoren Arthur Kutscher, Edgar Hederer, Eduard Hartl, Otto Basler, Dempf, Wenzel,
Schnabel, Johannes Spörl usw. Theaterwissenschaften und philologisch-historische Fächer sowie Kunstgeschichte gehört.
Bei Hederer verfertigte ich eine Dissertation über Ludwig Thoma, habe aber den Dr. phil. doch nicht
ganz erobert, da ich meinen Namen vorher schon mit einigen Theaterstücken, Hörspielen und Geschichten bekannt gemacht habe,
ja sogar bei den Münchner Kammerspielen und beim Bayerischen Staatsschauspiel. Meine Erstlinge hießen
"Die Fremde" und "Thomas Witwen", "Die
Bulldogbraut" und "Der Schützenverein", "Der
Ehrengast" und "Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben".
(Quelle: www.br-online.de)
Rasch avancierte Lohmeier mit seinen humorigen Stücken nicht zuletzt
durch das Fernsehen zu einem bekannten Autor, humorige Serien wie "Das Königlich Bayerische
Amtsgericht", "Zwickelbach & Co." (1976) oder die
13teilige Reihe "Heiße Wickel kalte Güsse" (1984), so
genannte "Kneippiaden", die den Kur-Alltag in einem Badeort
schildern, stammen aus seiner Feder. Mehr als ein Dutzend Drehbücher
für den "Komödienstadel" verfasste Lohmeier für den
Bayerischen Rundfunk, darunter so erfolgreiche Stücke wie "Die
Tochter des Bombardon" (1964), "Es geigt sich was" (1987) oder
"Der Pfandlbräu" (1993).
Lohmeier, der 1983 mit dem Karl-Valentin-Orden ausgezeichnet wurde,
veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter "Auf den Spuren der Väter: Gschichtn aus der bayerischen
Geschichte" (1987), "Bayerisches für Christenmenschen" (1990)
und "G'schichten aus der Geschichte. Bayern von der Steinzeit zu
Stoiber" (1996); auch seine Geschichten über das "Königlich Bayerische
Amtsgericht" sind als Buch auf den Markt gekommen.
Georg Lohmeier, der nachweislich als Monarchist gilt und den "Bund bayerischer Patrioten"
gründete, machte sich auch als Schauspieler und Regisseur einen
Namen. Anlässlich seines 75. Geburtstages porträtierte ihn 2001 die Filmemacherin Sybille Krafft
und gab ihrem Film den Titel "Ein königlich-bayerisches
Original". Dabei unterhielt sich die Autorin mit dem großen Geschichtenerzähler
über Bauernpfarrer, Hofschranzen, Mätressen und sonstige
"Zölibatessen". Sie würdigte sein Werk und
zeigte Lohmeiers Lust am Widerspruch, an der Selbstdarstellung und Provokation.
(Quelle: www.br-online.de)
Siehe auch Wikipedia
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