John Wayne wurde als Marion Robert Morrison am 26. Mai 1907 als
Sohn eines schottischen Einwanderers und einer Irin in Winterset (Iowa) geboren. Als seine Eltern
beschlossen, auch ihren nächsten Sohn Robert zu nennen, änderten sie Waynes
Geburtsnamen in Marion Michael ab. Noch heute ist der Geburtsort für eingefleischte Wayne-Fans eine Art
Wallfahrtsort. Nachdem die Familie wegen des wärmeren Klimas nach Kalifornien
gezogen war und der Vater Clyde Morrison in Lancaster zwei Jahre lang mehr
schlecht als recht eine Farm betrieb, kamen sie schließlich nach Glendale,
einem Vorort von Los Angeles, wo der Vater eine Apotheke betrieb und sein
Sohn die "Glendale High Schoolquot; besuchte;
später studierte er Jura und
Volkswirtschaftslehre an der Universität Süd Kalifornien in Los Angeles
und er
war ein großer Football-Spieler, doch nach einem Schwimmunfall musste er
seine Träume von einer Sportlerkarriere begraben. Das Stipendium, dass er als Football-Spieler erhalten hatte,
reichte vorne und hinten nicht zum Leben. Deshalb begann Morrison 1926 bei der "Fox" als Requisiteur,
war dann Komparse und spielte bald kleinere Filmrollen, vor allem bei seinem Freund John Ford, der sein wichtigster
Regisseur bleiben sollte.
Dieser setzte ihn 1930 in "The Big Trail" (Der große Treck) ein. Trotz des Misserfolges dieses Films
blieb das Jurastudium auf der
Strecke. "Duke Morrison", so hieß Wayne in seinen ersten Filmen, drehte einen Streifen
nach dem anderen, allein in den kommenden acht
Jahren kamen so rund 80 Filme zusammen, manche mehr, manche weniger bekannt.
1939 gelang ihm der endgültige Durchbruch mit der Hauptrolle des Outlaws Ringo Kid
in dem Klassiker
"Stagecoach" (Höllenfahrt nach Santa Fé). Erst vor den Dreharbeiten zu
diesem Film verpasste man "Duke Morrison" einen neuen Namen: Zunächst noch unter
"Trevor", dann unter "John" wurde der Name
"Wayne" zum Synonym für den Western schlechthin.
Schlagkräftig und bibelfest, schnell bei der Hand mit der Winchester und einer
Tracht Prügel für die widerspenstige Frau, stakste Wayne durch seine Filme, das Klischee
vom Sinnbild amerikanischer Größe. Filmklassiker wie
"Red River"1) (1948, auch: Panik
am roten Fluß2)),
"Ford Apache"1) (1948,
Bis zum Letzten Mann2)),
"She
Wore a Yellow Ribbon"1) (1949, Der Teufelshauptmann),
"Rio Grande"1) (1950)
"The
Searchers"1) (1956, Der schwarze Falke),
"The
Horse Soldiers"1) (1959, Der letzte Befehl),
"The
Comancheros"1) (1961, Die Comancheros)
sowie "The Man Who Shot Liberty Valance"1) (1961, Der Mann, der Liberty Valance
erschoß2)) ließen Wayne unsterblich
werden. Unbedingt sehenswert ist auch der inzwischen zum Kultfilm avancierte,
von Howard Hawks gedrehte Western
"Rio Bravo"1) (1959) mit einen trinkfesten Dean Martin, mit dem
Wayne auch für Henry Hathaways
"The
Sons of Katie Elder"1) (1965, Die vier Söhne der
Katie Elder2)) vor der Kamera stand,
ebenso wie das Afrika-Abenteuer "Hatari" (1961, Hatari2)) von Regisseur Howard Hawks.
"The
War Wagon"1) (1966, Die Gewaltigen) zeigt Wayne an
der Seite von Kirk Douglas, mit Rock Hudson spielte er in "The
Undefeated"1) (1969, Die Unbesiegten), nicht ganz so
gelungen war der harte Western "Chisum"1), ebenfalls aus dem Jahre 1969
(siehe auch Wikipedia).
Die Hollywood-Legende verkörperte für Millionen von Amerikanern der
Mittelklasse den Traum vom Wilden Westen, der Rückkehr zum
freien Leben jenseits administrativer Zwangsmaßnahmen, die Verwirklichung wirrer
Pubertätsträume, mit denen sich die Masse der getretenen Arbeiter den Feierabend
vertrieb. Hohe Schauspielkunst war nicht gefordert. Der 1,92 Meter große Hüne verkörperte
genau das, was man sich unter einem Westernhelden
vorstellte.
"Für mein Gefühl waren viele Westernstars vor mir zu verdammt perfekt. Ich versuchte,
einen Mann zu spielen, der sich schmutzig macht, der schwitzt, aber auch gerne Mädchen küsst.
Der sauber kämpft, so lange es möglich ist, aber schmutzig, wenn es nicht anders
geht.", so einmal Wayne über seine Rollen.
John Wayne gehörte zu den Mächtigen in Hollywood. Außer seiner Stellung als
einer der ganz wenigen Spitzenstars besaß er noch eine eigene
Produktionsgesellschaft, die "Batjac", so benannt nach dem Schiff,
das Wayne in Edward Ludwigs "Im Banne der roten Hexe" ("Wake of
the Red Witch", 1949) kommandierte. Besonders in den von ihm selbst produzierten
Filmen beschwor der selbstbewusste Star, der sich gern "The Duke"
nennen ließ, seinen eigenen Mythos.
Am deutlichsten geschah das in "The
Alamo"1) (1960, Alamo2)),
in dem Wayne selbst Regie führte.
Der Film erzählt die Geschichte der berühmten Festungsbelagerung im Jahr 1836, bei der der
mexikanische General Santa Ana mit einer Übermacht das Fort
Alamo erstürmte und die Besatzung bis auf den letzten Mann niedermacht.
Wayne spielte selbst den legendären Davy Crockett, der in Alamo getötet
wird. 1967 schließlich
gab er mit "The
Green Berets"2) (Die grünen Teufel)
als Hauptdarsteller und Co-Regisseur sein persönliches Bekenntnis zum Vietnam-Krieg ab,
"The Green Berets" so hießen die amerikanischen Vietnam-Kämpfer.
Zynischerweise entstand der Film kurz nach dem meisterhaften Howard-Hawks-Western
"El Dorado"1) (1967, El
Dorado2)), in dem der Held im Sattel einen herrlich ironischen Denkzettel erhält,
wenn er nur mühsam auf sein Pferd kommt. Und seinen einzigen Oscar erhielt
Wayne erst, nachdem er sich 1969 in "True
Grit"1)
(Der Marshall2)) als trinkfester, alternder
Marshal Rooster Cogburn selbst aufs
Korn nahm. Unbedingt sehenswert für Western-Fans sind auch
"Hondo"2) (1953, Man nennt mich Hondo),
"Rio Lobo"1) (1970, Rio
Lobo2)),
"Big
Jake"1) (1971, Big
Jake2)),
"The
Cowboys"1) (1972, Die
Cowboys2)) und "The
Train Robbers"1) (1973, Dreckiges Gold). Ein
besonderes Highlight ist die Westernkomödie "Rooster Cogburn"1) (1975, Mit
Dynamit und frommen Sprüchen2)), mit John Wayne erneut als einäugigem, raubeinigen Marshal Rooster Cogburn
und Katharine Hepburn als frommer, nicht minder renitenten Pfarrerstochter
Eula.
Dazwischen lagen Streifen, die nahezu in Vergessenheit geraten sind, so
beispielsweise die Kriegsfilme
"Long
Voyage Home"1) (1940, Der lange Weg nach Cardiff),
"They
were Expendable"1) (1945, Schnellboote vor Bataan), die
Abenteuer "Reap
the Wild Wind"1) (1942, Piraten im Karibischen Meer),
"The
Conqueror1) (1955, Der Eroberer),
der Western "Three
Godfathers"1) (1948, Spuren im Sand) oder die Agentenfilme
"Jet
Pilot"1) (1957, Düsenjäger) und
"McQ"1) (1973, McQ schlägt zu).
Dass John Wayne auch in Komödie zu überzeugen wusste, bewies er mit der
gelungenen Charakterstudie des Ex-Boxers Sean Thornton in John Fords
"The
Quiet Man"1) (1952, Der Sieger), in der
Westernkomödie "North
to Alaska"1) (1960, Land der tausend
Abenteuer2)) von
Regisseur Henry Hathaway oder in John Fords
"Donovan's
Reef"1) (1962, Die Hafenkneipe von Tahiti). Auch in dem
aufwendig und spektakulär inszenierten Kriegsfilm
"The
Longest Day"1) (1961, Der längste Tag) gehörte Wayne
als Colonel Benjamin Vandervoort zur
hochkarätigen Besetzung.
Seine letzte Rolle spielte Wayne unter der Regie von
Don Siegel 1976 in "Der
Shootist"1) (Der
Shootist Der letzte Scharfschütze)2): Da war der von seiner
eigenen Krebserkrankung
gezeichnete Wayne ein todkranker krebskranker Revolverheld.
John Wayne war drei Mal verheiratet, jeweils mit Lateinamerikanerinnen, und bekam sieben Kinder.
Von 1933 bis 1945 war Josephine Alcia Saenz seine Ehefrau, die ihm vier Kinder
schenkte. Mit Esperanza Baur war Wayne von 1946 bis 1954 verheiratet, im gleichen Jahr gab
er nach der Scheidung seiner Frau Pilar das Ja-Wort, die bis zum Tod der Hollywoodlegende an seiner
Seite war; aus dieser Verbindung stammen die Kinder Aissa (geb. 1956), Ethan
(geb. 1962) und Marisa (geb. 1966); Sohn John
Ethan Wayne wurde in den 1980er Jahren Filmdarsteller.
Waynes ältester Sohn Michael (1934 2003) aus der Verbindung mit Josephine Alcia Saenz
wurde Filmproduzent und arbeitete mit seinem Vater eng in der Familienfirma
"Batjac Productions" zusammen. Sohn Patrick (geb. 1939) wurde ebenfalls
Schauspieler und trat neben seinem Vater in jugendlichen Rollen auf. Tochter
Mary Antonia "Toni" (1936 2000), verheiratet mit Donald La Cava
und Mutter von acht Kindern, stand verschiedentlich vor der Kamera, Tochter
Melinda Wayne-Munoz (geb. 1940) hatte neben ihrem Vater eine winzige Rolle in
John Fords Western "The Quiet Man" (1952, Die Katze mit dem roten Haar).
Der Kettenraucher John Wayne entging bereits 1963 knapp dem Tode, als er an Krebs erkrankte.
Nachdem ihm ein Lungenflügel entfernt worden war, schien die Krankheit zunächst besiegt.
Doch knapp 15 Jahre später holte ihn der Krebs wieder ein. Kurz nach seinem
letzten öffentlichen Auftritt bei der Oscar-Verleihung 1979 verstarb
er am 11. November 1979 im Alter von 72 Jahren in Los Angeles an Lungen- und Magen-Krebs. John Wayne, der als
Western-Held zum Mythos wurde, fand auf dem Friedhof "Pacific View"
im südkalifornischen Newport Beach in
der Nähe von drei großen Bäumen mit Blick auf das Meer seine
letzte Ruhestätte. "Er war hässlich, er war stark, und er hatte Würde"
(Feo, fuerte y formal) sollte die kernige Inschrift auf John Waynes Grab
lauten, die der Star kurz vor
seinem Tod am 12. Juni 1979 selbst gewählt hatte Sein Wunsch
ging nicht in Erfüllung. Stattdessen bekam die wegen der Angst vor Grabräubern betont
schmucklose Ruhestätte 20 Jahre nach Waynes Tod einen in den Boden eingelassenen Grabstein
mit einem Relief des Darstellers zu Pferde vor dem
"Alamo" und einem Zitat aus einem Interview: "Tomorrow is the most important thing in life.
Comes into us at midnight very clean. It's perfect when it arrives and it puts itself in our hands.
It hopes we've learned something from
yesterday." (Quelle: Wikipedia)
Dafür ist John Wayne mit einer drei Meter großen Bronzefigur in der
Eingangshalle des "John Wayne"-Flughafens im südkalifornischen Irvine
allgegenwärtig mit Cowboyhut, Westernstiefeln und die Hand am Revolver.
Sein Tod war wie eine große Hollywood-Inszenierung. Als er am Sterbebett lag, erschienen
die ersten Sonderausgaben der Boulevardblätter, dann startet ein Fernsehsender die
erste Retrospektive. Ronald Reagan, späterer Präsident der USA und in
jüngeren Jahren ein eher glückloser Filmdarsteller, schwärmte von seinem Vorbild:
"Niemand vertritt die Werte unseres Landes so wie er." Und Präsident
Jimmy Carter
eilte ans Sterbebett. Wayne beichtet seine letzten Sünden und ließ sich taufen. Dann
starb er wie ein echter Amerikaner. Aufrichtigkeit, Männlichkeit
und penetranter Patriotismus waren im Film wie im Leben die Ideale, für die das Western-Idol
gerade gestanden hatte.
"John Wayne war der erfolgreichste Filmheld des Jahrhunderts und die Verkörperung
Amerikas, von Millionen geliebt, von vielen gehasst, zum Schluss von allen
bewundert als der Mann, der den Ritt zum großen Saloon über den Wolken mit
Weisheit, Würde und Witz antritt", so ein Zitat aus einer
John-Wayne-Biographie. Schlagen, schießen, saufen - raufen, reiten,
rauchen: Das Leinwand-Image von John Wayne
hat klare Konturen. Kritiker werfen dem amerikanischen Schauspieler vor, immer
nur die gleiche Rolle zu spielen. Wayne
entgegnet darauf, dass ihm die Ehefrau von Filmstar Harry Carey geraten habe: Enttäusche die Erwartungshaltung des Publikums
nicht. "Das war der beste Rat meines Lebens", sagt Wayne
später. Obwohl er auch Abenteuer- und Kriegsfilme dreht, ist Wayne
die Inkarnation des Western.*)
Am 26. Mai 2007 wäre die Western-Legende 100 Jahre alt geworden.
Verschiedenste Autoren haben sich mit dem Leben des "Duke"
beschäftigt, von George Carpozi stammt das 1984 veröffentlichte Buch
"John Wayne. Seine Filme sein Leben (The John Wayne Story), von Ronald L. Davis
kam "Duke: The Life and Image of John Wayne" auf den Markt und Michael Munn
publizierte "John Wayne: The Man Behind the Myth" um nur einiges
zu nennen.
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