| Shirley Temple |
|
Shirley Temple (Shirley Jane Temple) wurde am 23. April 1928 in Santa Monica
(Kalifornien) als Tochter des Leiters einer Bankfiliale geboren, besuchte
später die "Westlake School for Girls". Bereits mit vier Jahren spielte
sie in einer parodistischen Kurzfilmserie für "Educational Pictures"
mit, Popularität erlangte
sie durch
"Stand Up and Cheer", in dem sie mit James Dunn (1905 1967)
einen Song trällerte. 1934 machte Fox mit ihr einen Vertrag und schon im gleichen Jahr
erhielt sie einen Spezial-Oscar. 42 Spielfilme drehte sie bis sie 21 Jahre alt war, zehn Jahre lang zählte das niedliche Mädchen in mehr oder weniger rührseligen Geschichten zu den zehn zugkräftigsten Kassenstars Hollywood und die Serienprodukte Herstellungskosten nicht mehr als dreihunderttausend Dollar brachten der amerikanischen "Fox" Millionengewinne: Kinderstar Shirley Temple war ein Stück amerikanischer Traum und Wirklichkeit. Ihr Konterfei verzierte Shampoo, Seifen- und Waschmittel-Verpackungen; sogar ein Kinder-Cocktail wurde nach ihr benannt, der weltweit der bekannteste alkoholfreie Drink ist. Die Shirley-Temple-Puppe war ein wichtiges Requisit in jedem amerikanischen Haushalt, vor allem aber verkörperte sie das gute Gewissen der Vereinigten Staaten. Neben Jackie Coogan (1914 1984), Freddie Bartholomew (1924 1994) und Roddy MacDowall (1928 1998) war Shirley Temple der verkaufsaktivste Kinderstar jener Jahre. Mit mehr als dreihunderttausend Dollar erreichte sie 1937 das siebthöchste Jahreseinkommen in den USA, mit dem Werbe-Nebengeschäft kassierte die Familie nochmals 30.000 Dollar im Monat. (siehe auch "Kinderstar: Fluch oder Segen?" bei www.cyranos.ch) Sie war vorlaut, ein bisschen wie eine Puppe mit Lockenkopf; sie tanzte und sang und eroberte mit ihrer Naivität die Herzen der Menschen. Produktionen mit Titeln wie "Little Miss Marker" (1934, Die Glückspuppe), "Baby Take a Bow" (1934, Shirleys großes Spiel), "Our Little Girl" (1935, Unser kleines Mädel), "The Littlest Rebel" (1935, Der Kleinste Rebell) oder "The Little Colonel" (1935) waren ganz auf die Protagonistin zugeschnitten. Shirley Temple war das Findelkind Ching-Ching zwischen China und Amerika in William A. Seiters "Stowaway" (1936, Sonnenscheinchen), die Priscilla in John Fords "Rekrut Willie Winkie" (1937, Rekrut Willie Winkie) und die "Heidi" (1937) bei Allan Dwan, als angehender Star neben Randolph Scott spielte sie in Allan Dwans "Rebecca of Sunnybrook Farm" (1937, Shirley auf Welle 303). Oft mimte sie die Halbwaise, deren Vater im Bürgerkrieg, Kolonialkrieg, oder Burenkrieg seinen Mann steht, während die Tochter zu Hause tapfer und im Glauben an die Gerechtigkeit ausharrt, bis Daddy zurückkehrt. Die sechs-, acht- oder zehnjährige Shirley begnügte sich dabei nicht nur mit passivem Warten auf die Heimkehr des Helden, sie stützte auch die Mutlosen zu Hause, half den Unterdrückten, kämpfte mit den unwiderstehlichen Waffen des Kindes gegen jede Art von Unrecht. Wenn in den Filmen Präsident Lincoln von der Kleinen begeistert ist oder in "Die kleine Prinzessin" (1939, The Little Princess) sogar Queen Victoria auftaucht und Shirley bei der Suche nach ihrem Vater-Kriegshelden hilft, so ist das nicht ganz so utopisch: Die wahre Shirley ließ sich auf dem Schoß von Franklin D. Roosevelt fotografieren, und sie selbst kommentierte ihre Wirkung auf die Zuschauermassen politisch: "Wenn die Stimmung der Leute in den Depressionsjahren ganz unten ist, kann man für 15 Cent ins Kino gehen und das lachende Gesicht eines Kindes sehen, das einem die Sorgen vergessen hilft! Ist das nicht wundervoll?" In Shirley Temples Filmen spiegelte sich der amerikanische Geist: Sie waren geprägt vom kämpferischen Heroismus der Nation, die das Indianermassaker, Korea und Vietnam möglich machten und von jenem gemäßigten Rassismus, der den "dummen Negersklaven" oder die "idiotischen Indianer" zwar nicht verteufelten, sondern ihnen gnädig die Torheiten nachsah. "Was eigentlich Sklavenbefreiung heißt, weiß ich auch nicht mehr", sagte das Faktotum in "Der kleinste Rebell".
Shirley Temple war genau zur rechten Zeit im Filmgeschäft,
ihr Erscheinen rettete die Produzenten vor einer großen Krise, denn es
galt in den harten Schicksalsjahren der Vereinigten Staaten, saubere Filme
mit moralisch-kämpferischern Botschaften zu drehen. Und das schaffte sie auf überzeugende Weise.
Alles drehte sich in den Filmen um Shirley. Sie war die Gerechtigkeit, Tapferkeit, sie
war das Vertrauen der Nation. Die Kinder, die Shirley verkörperte, mussten Schweres
durchmachen. Doch immer wieder
war es das kleine Mädchen, das die Erwachsenen durch ihr Selbstvertrauen, ihre Stärke
verblüffte.
|
|
Textteile von www.prisma-online.de Offizielle (englischsprachige) Website:www.shirleytemple.com; siehe auch wikipedia.org Filmografie bei der german.imdb.com; Fotos bei film.virtual-history.com |
|
Um zur Seite der Leinwandstars zurückzukehren, bitte dieses Fenster
schließen. Home: www.steffi-line.de |