Leni Riefenstahl gilt wegen ihrer Nähe zum Machtapparat des Nationalsozialismus als eine der umstrittensten und kontrovers diskutiertesten Personen der deutschen Filmgeschichte, doch mit ihren innovativen Arbeiten als Regisseurin und Fotografin hinterließ sie künstlerisch nachhaltige Spuren, setze hinter der Kamera neue Maßstäbe in der filmischen Reportage.
Geboren wurde die Künstlerin am 22. August 1902 als Helene Bertha Amalia Riefenstahl und Tochter eines Kaufmanns bzw. Installateurmeisters in Berlin-Wedding; ihr jüngerer Bruder Heinz erblickte zwei Jahre später das Licht der Welt. Schon früh interessierte sich Leni Riefenstahl für darstellende Kunst, nach der Schule, welche sie am Berliner Kollmorgenschen Lyzeum 1918 mit der mittleren Reife beendete, nahm sie mit Unterstützung ihrer Mutter Bertha, zunächst ohne Wissen ihres autoritären Vaters, an der Helene-Grimm-Reiter-Schule heimlich Ballettunterricht und war vor allem vom Ausdruckstanz begeistert. Als der Vater Alfred Riefenstahl dahinter kam, musste sie die Tanzschule verlassen.

Foto: Leni Riefenstahl 1923
Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Karl Schenker, Berlin (? – 1935)
Original: Angelika Taschen (Hg.): "Leni Riefenstahl – Fünf Leben." Taschen-Verlag, 2000
Angaben zur Lizenz siehe hier

Leni Riefenstahl 1923; Quelle: Wikipedia bzw. Wikimedia Commons; Urheber: Karl Schenker, Berlin (? – 1935); Original: Angelika Taschen (Hg.): "Leni Riefenstahl – Fünf Leben." Taschen-Verlag, 2000; Lizenz: Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Ihr Aufenthalt 1919 in einem Mädchenpensionat in Thale (Harz) blieb nur ein Intermezzo, schließlich war der Vater mit den Plänen seiner Tochter, zur Bühne zu gehen, einverstanden und Leni Riefenstahl begann 1921 offiziell eine Ausbildung im klassischen Ballett bei Eugenie Eduardowa (1882 –1960), einer ehemaligen Solotänzerin aus St.  Petersburg; daneben studierte sie Ausdruckstanz an der Jutta-Klamt-Schule. 1923 ging sie für ein halbes Jahr nach Dresden und besuchte die dortige, von Mary Wigman1) (1886 – 1973) 1920 gegründete Schule. Im Herbst des gleichen Jahres gab Leni Riefenstahl mit einem Soloauftritt in München ihr Bühnendebüt als Tänzerin "Diotima", wurde wenig später von Max Reinhardt als Solotänzerin an das "Deutsche Theater" in Berlin engagiert. Bis 1926 folgen zahlreiche erfolgreiche Auftritte an Theatern in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland, doch während eines Auftritts in Prag zog sie sich eine Bänderzerrung am Knie zu und musste ihre Träume, als Tänzerin weiter Karriere zu machen, begraben.
Leni Riefenstahl 1928; Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder (1888 – 1929); Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: Die Schutzdauer (von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei. Nach ihrer Genesung wandte sie nun der Schauspielerei bzw. dem noch jungen Medium Film zu, bereits mit dem Kulturfilm "Wege zu Kraft und Schönheit"2) (1925) hatte sie erste Erfahrungen vor der Kamera gemacht. Nachdem sie den von dem Schöpfer des Bergfilms Dr. Arnold Fanck1) (1889 – 1974) inszenierten Stummfilm "Berg des Schicksals" (1924) mit Luis Trenker3) (1892 – 1990) in der Hauptrolle gesehen hatte, war sie so begeistert, dass sie mit Fanck Kontakt aufnahm. Dieser war von der Ausstrahlung der jungen Künstlerin so beeindruckt, dass er ihr eine Rolle in seinem ebenfalls stummen Drama "Der heilige Berg"2) an der Seite von Trenker anbot, wo sie mit der Rolle der Tänzerin Diotima ihr Leinwanddebüt gab; die Uraufführung erfolgte am 14. Dezember 1926. Damit begann für Leni Riefenstahl eine langjährige Zusammenarbeit mit Fanck, der ihr in den kommenden Jahren in seinen Abenteuer- und Bergfilmen eindrucksvolle Hauptrollen gab. Für die Filmarbeiten lernte sie klettern und Ski fahren, gefährliche Stunts führte sie selbst aus und ließ sich nie "doubeln".
 
 
Foto: Leni Riefenstahl 1928
Quelle: Wikimedia Commons
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander Binder1) (1888 – 1929)
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In dem Stummfilm "Der große Sprung"2) (1927) war Leni Riefenstahl erneut neben Luis Trenker zu sehen und mimte die sportliche Ziegenhirtin Gita, um deren Herz der Bauernbursche Toni (Luis Trenker) und der Millionär Michael Treuherz (Hans Schneeberger) buhlen. In "Die weiße Hölle vom Piz Palü"1) (1929) tauchte sie auf der stummen Leinwand als Frau des Bergsteigers Johannes Krafft (Gustav Diessl3)) auf. Dieser Film, der als einer der letzten großen Produktionen der Stummfilm-Ära gilt, wurde auch international ein Erfolg, 1930 wurde unter dem Titel "The White Hell of Piz Palü" eine englische Tonfilmfassung hergestellt.4)
"Stürme über dem Mont Blanc"1) (1930) an der Seite von Sepp Rist3) war dann der erste Tonfilm, den Leni Riefenstahl mit Fanck drehte, zunächst als Stummfilm konzipiert, wurde das Bergdrama später nachsynchronisiert. 1931 folgte die Komödie "Der weiße Rausch – neue Wunder des Schneeschuhs"1), zwei Jahre später das Abenteuer "S.O.S. Eisberg"2) (1933), erneut mit Gustav Diessl und mit Sepp Rist als Partner; siehe auch die Filmbeschreibung bei Wikipedia. Das Drehbuch basiert auf Motiven der Hörspielvorlage von Friedrich Wolf, die den Absturz des Luftschiffes "Italia" im nördlichen Eismeer im Jahr 1928 und die sich daran anschließende internationale Rettungsaktion behandelt. Betont die Vorlage noch die Rolle des Funkverkehrs für die internationale Solidarität (die italienischen Havaristen werden schließlich durch einen sowjetischen Eisbrecher gerettet), so wird "SOS Eisberg" aus betont nationaler Perspektive erzählt: Eine deutsche Funkstation koordiniert die Suchaktion, ein deutscher Flieger bringt die Rettung.4) Auch hier wurde wegen der noch mangelnden Synchronisationstechnik mit "SOS Iceberg"2) eine englischsprachige Version gedreht, in der der US-amerikanische Filmstar Rod La Roque (1898 – 1969) den Part von Gustav Diessl übernommen hatte.
Ein für Leni Riefenstahl eher untypischer Film ist das von Rudolf Raffé (1885 – 1978) inszenierte und lange als verschollen geltende stumme Melodram "Das Schicksal derer von Habsburg" aus dem Jahre 1928, wo sie als Baronesse Mary Vetsera agierte. Es ist der einzige Film mit Leni Riefenstahl als Schauspielerin, der nicht im Bergmilieu angesiedelt ist bzw. nicht von Arnold Fanck realisiert wurde. Thematisiert werden die familiären Verstrickungen am österreichischen Kaiserhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts um Kaiser Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth I. und deren Kindern, Kronprinz Rudolf und dem Thronfolger Franz Ferdinand, der schließlich 1914 in Sarajevo einem Attentat zum Opfer fiel, dem Auslöser des I. Weltkriegs. Im Film sind vom Regisseur Rolf Raffé zur Spielfilmhandlung original Dokumentaraufnahmen eingeschnitten worden. (Quelle: www.helmut-schmidt-online.de; siehe auch www.bonnerkinemathek.de)
  
Während ihrer Arbeit als Schauspielerin eignete sich Leni Riefenstahl auch in der Zusammenarbeit mit Fanck weitreichende Kenntnisse über Kamera-, Regie- und Schneidetechnik an. 1932 war der mystisch-romantische Bergfilm "Das blaue Licht"1) entstanden, mit dem Leni Riefenstahl ihr Regiedebüt gab. Neben dem Drehbuch und der weiblichen Hauptrolle fungierte sie auch als Produzentin, zeichnete für den Schnitt und die "Bildgestaltung" verantwortlich; bei der Regiearbeit und dem Drehbuch war sie von dem ungarischen Filmtheoretiker und Drehbuchautor Béla Balázs1) (1884 – 1949) unterstützt worden.
"Das blaue Licht", auf dem Filmfestival in Venedig mit der Silbermedaille ausgezeichnet, weckte die Aufmerksamkeit von Adolf Hitler und Joseph Goebbels, woraufhin Riefenstahl, die aus eigener Initiative mit Hitler Kontakt aufgenommen hatte, den Auftrag bekam, Filme im Sinne der Führung der NSDAP zu drehen.4)

Mit "Sieg des Glaubens"1) über den 5. Reichsparteitag der NSDAP (1. – 3.09.1933) in Nürnberg lieferte Leni Riefenstahl 1933 ihren ersten propagandistischen Dokumentarfilm ab und schuf damit eine neue Art des dokumentarischen Films. Im Kontrast zu bereits bekannten Dokumentarfilmen hat die damals 31-Jährige einen eigenen Stil entwickelt, der darauf abzielte, die Ereignisse überhöht darzustellen. In Zusammenarbeit mit dem Kameramann Sepp Allgeier probierte sie noch nicht bekannte Perspektiven und Techniken aus. Durch die Nähe zu Hitler genoss Riefenstahl außergewöhnliche Privilegien, die es ihr ermöglichten, Nahaufnahmen des Diktators auf die Kinoleinwand zu übertragen. Außerdem wurde Hitler nicht nur während seiner Ansprachen, sondern auch abseits bei Unterhaltungen mit Parteiführern oder beim Betrachten der Parade gefilmt. Durch diese Aufnahmen entstand gewissermaßen ein Eindruck des Privaten. Bei der Montage des Films versuchte Riefenstahl die Übergänge möglichst geschickt zu gestalten, so dass ein gewisser Rhythmus bei den gezeigten Bildern entstand. Eine weitere Besonderheit im Vergleich zum bekannten Dokumentarfilm zeigte sich im Fehlen eines gesprochenen Off-Kommentars. Es war ausschließlich der Originalton des Parteitags im Film zu hören. Untermalt wurde "Sieg des Glaubens" zusätzlich durch die Filmmusik von Herbert Windt, der Wagner-Klänge mit Parteihymnen vermischte.4)
Auch der Reichsparteitag der NSDAP im Jahre 1934 wurde von Leni Riefenstahl mit der Kamera festgehalten, der inszenierte Dokumentarfilm "Triumph des Willens"1), am 28. März 1935 im Berliner "Ufa-Palast" uraufgeführt, gilt als eines der einflussreichsten Werke der Regisseurin bzw. wirkungsvollsten Propagandafilme überhaupt. Riefenstahl hebt die Solidarität der Parteibasis zum NS-Regime durch einen vielfältigen Bilderrhythmus heraus, wofür sie die chronologische Reihenfolge der Ereignisse aufbricht. Durch spezielle Kameraeinstellungen und ungewöhnliche Schnitte werden die führenden Nationalsozialisten vor der von Albert Speer gestalteten Kulisse in eine mythische Atmosphäre gerückt. Die Ausdruckskraft von Symbolen wie dem Hakenkreuz, Flaggen und dem Reichsadler werden durch Licht- und Musikeffekte betont. Riefenstahls Film wird mit dem "Deutschen Filmpreis" und mit der Goldmedaille in Venedig ausgezeichnet.5)
Nach dem Propagandafilm "Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht"1) (1935) drehte Leni Riefenstahl mit "Olympia"1) (1938) einen weiteren, diesmal zweiteiligen, rund vier Stunden langen heroischen Dokumentarfilm, der sie auch über die Grenzen Deutschlands berühmt machte. Sie hatte den Auftrag erhalten, die zwischen dem 1. und 16. August 1936 in Berlin ausgetragen 6. Olympischen Spiele filmisch zu begleiten, mit großem Aufwand und mit moderner Technik werden die Dreharbeiten während der Spiele durchgeführt. (…) Damit hebt sie Sportaufnahmen auf die Ebene der Kunst und zelebriert mit Bildern die Schönheit menschlicher Bewegung und Kraft; zentral ist dabei die Verherrlichung der Schönheit und Harmonie des Körpers.5)
Foto: Leni Riefenstahl bei Dreharbeiten zu "Olympia"
Historische Originalbeschreibung:
Olympiafilm-Premiere am Geburtstag des Führers.
Am 20. April erlebt der von Leni Riefenstahl geschaffene große Olympiafilm in Berlin seine feierliche Uraufführung. Unser Bild zeigt Leni Riefenstahl mit einem Kameramann des Olympiafilms bei der Arbeit (Scherl-Bilderdienst-Olympiafilm,
14.4.1938, Herausgabe-Datum)
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 146-1988-106-29;
Fotograf: Unbekannt / Datierung: August 1936 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb
dieser Webpräsenz wurde am 11.10.2010 erteilt.
Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 146-1988-106-29 bzw. commons.wikimedia.org
Leni Riefenstahl bei Dreharbeiten  zu "Olympia";  Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 146-1988-106-29; Fotograf: Unbekannt / Datierung: August 1936 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Das unfangreiche Filmmaterial mündete in zwei Teilen: Der Prolog des ersten Teils (Fest der Völker) ist berühmt: Die Bilder zeigen die Ruine der Akropolis, überblenden dann auf einzelne Köpfe antiker Athleten und Göttinnen, auf die Skulptur eines Diskuswerfers, der dann zu einem "lebenden Bild" eines nackten Athleten wird, der am Meer in Zeitlupe Diskus, Speerwurf und Kugelstoßen präsentiert. Mit nackten Gymnastinnen, deren Bewegungen vom olympischen Feuer überblendet werden und der Stafette olympischer Fackelträger durch Griechenland bis zum Berliner Olympiastadion wird die Antike in die moderne Zeit, das Berlin von 1936, geholt. Auch im zweiten Teil (Fest der Schönheit) gibt es wieder einen Prolog: Morgendlicher Wald, in dem Waldläufer in einer Reihe als Silhouetten auftauchen und nackt ins Wasser springen, Sauna, glänzende Athletenkörper, gegenseitiges Massieren und Schlagen mit Birkenreisern, lachende Gesichter unter der Dusche. Noch bekannter ist der Abschluss des Films: Das Turmspringen der Männer, das zu einer Folge schwereloser Flüge in den Himmel wird. Im Stadion dann abendliche Beleuchtung, Glocken mit Geläut, olympische Flamme und Fahnenstangen, die sich einander zuneigen und mit Lorbeer geschmückt werden. Olympische Fahne und der "Lichtdom", die Inszenierung von Albert Speer, beenden den Film.4)
Uraufgeführt am 20. April 1938 im Berliner "Ufa-Palast" wurde der Film anschließend während einer Europa-Tournee in Wien, Graz, Paris, Brüssel, Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Oslo und Rom gezeigt. Leni Riefenstahl erhielt etliche Preise, so unter anderem den "Deutschen Staatspreis" (1937/38), den schwedischen "Polar-Preis" (1938), die "Goldmedaille" für den "Besten Film" anlässlich der Internationalen Filmfestspiele in Venedig (1938) sowie beim Filmfestival in Lausanne 1948 nachträglich vom IOC (Comitée International Olympique) ein "Olympisches Diplom" zur "Olympischen Goldmedaille" (1939).
Leni Riefenstahl 1939 während eines Truppenbesuchs in Polen beim XIV. Armeekorps; Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 146-2004-0021; Fotograf: Oswald Burmeister / Datierung: 1939 / Lizenz CC-BY-SA 3.0. Foto: Leni Riefenstahl 1939 während eines Truppenbesuchs in Polen beim XIV. Armeekorps.
 
Quelle: Deutsches Bundesarchiv, Digitale Bilddatenbank, Bild 146-2004-0021;
Fotograf: Oswald Burmeister / Datierung: 1939 / Lizenz CC-BY-SA 3.0.
Genehmigung des Bundesarchivs zur Veröffentlichung innerhalb
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Originalfoto und Beschreibung:
Deutsches Bundesarchiv Bild 146-2004-0021 bzw. commons.wikimedia.org
Nach jahrelanger Vorbereitung begannen 1940 die Dreharbeiten zu einem Berg-Melodram nach Eugen d'Alberts Oper "Tiefland" mit Bernhard Minetti (Don Sebastian) und Aribert Wäscher (Verwalter Camillo); Leni Riefenstahl fungierte mit ihrer 1931 gegründeten "Riefenstahl-Film GmbH" als Produzentin, führte nach einem eigenen Drehbuch Regie und spielte die weibliche Hauptrolle der Betteltänzerin Martha. Erst nach Kriegsende wurde der Streifen fertiggestellt und gelangte am 11. Februar 1954 zur Uraufführung, ein finanzieller Erfolg wurde "Tiefland" jedoch nicht; siehe auch www.helmut-schmidt-online.de.
 
Während des 2. Weltkrieges konnte Leni Riefenstahl auch wegen gesundheitlicher Probleme keine Filme mehr realisieren, in den 1950er Jahren begann sie nach ihren Erfolgen als Tänzerin, Schauspielerin und Filmregisseurin eine vierte Karriere als Fotografin, erlangte mit ihrer ästhetischen und ausdrucksreichen Kunst auch internationale Anerkennung. Doch zunächst wurde ihr Ende der 1940er Jahre der Prozess gemacht, der Vorwurf lautete, sie habe die beim Film "Tiefland" als Komparsen eingesetzten, aus dem Salzburger Konzentrationslager Maxglan rekrutierten Sinti und Roma nicht bezahlt und ihnen fälschlicherweise die Rettung vor der Deportation versprochen – Leni Riefenstahl wurde freigesprochen. Im Rahmen des gegen sie laufenden Entnazifizierungsverfahrend wurde sie zwischen 1948 und 1952 in vier Spruchkammerverfahren als "Mitläuferin" des Naziregimes eingestuft und kein Berufsverbot erlassen; in der Filmbranche konnte sie jedoch nicht mehr Fuß fassen. Auf nachfolgende Vorwürfe und Artikel bezüglich ihrer Verstrickung in die Propagandatätigkeit für das NS-Regime reagierte sie regelmäßig mit juristischen Schritten.
In den siebziger Jahren veröffentlichte Leni Riefenstahl mit "Die Nuba – Menschen wie von einem anderen Stern" (1973) und "Die Nuba von Kau" (1975) zwei vielbeachtete Bildbände über den sudanesischen Stamm der Nuba, noch im Alter von 72 Jahren lernte sie tauchen und erregte mit ihren eindrucksvollen tropischen Unterwasseraufnahmen Aufsehen. Sie publizierte den Bildband "Korallengärten" (1978), ihr letzter Film "Impressionen unter Wasser" wurde 2002 noch einmal auf "arte" gezeigt.
1972 war Leni Riefenstahl anlässlich der Olympischen Spielen in München offiziell als Fotografin für die "Sunday Times" akkreditiert worden.

Foto: © Rainer Binder
(Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.)

Leni Riefenstahl 01; Copyright Rainer Binder
Leni Riefenstahl erhielt für ihre Leistungen als Fotografin zahlreiche Preise, wurde beispielsweise 1976 vom "Art-Directors-Club Deutschland" mit einer Goldmedaille für ihre künstlerisches Werk ausgezeichnet. Sie stellte ihre Werke rund um den Globus aus, so wurde unter anderem ihre Fotoserie über die Nubas in Tokio (1980/1991) ein glorioser Triumph für die Künstlerin. Zwei Jahre später publizierte sie den Bildband "Mein Afrika" (1982), ihre in neun Sprachen übersetzten, auch im Ausland vielbeachteten Erinnerungen kamen 1987 mit dem schlichten Titel "Memoiren" auf den Markt, in denen sie erneut den rein künstlerischen Aspekt ihrer Filmwerke betont und jedwede weitergehende politische Motivation bestreitet. Ihren letzten Bildband "Wunder unter Wasser" veröffentlichte Leni Riefenstahl im Jahre 1990. "Fünf Leben" hieß die im Jahre 2000 von Angelika Taschen herausgegebene Bild-Biografie über Leni Riefenstahl. Der umfangreiche Bildband mit Fotografien, die zumeist aus dem Archiv der Regisseurin stammten, dokumentiert mit Texten in Englisch, Deutsch und Französisch die Karriere der Tänzerin, Schauspielerin, Filmregisseurin, Fotografin und Taucherin Leni Riefenstahl.
Noch im hohen Alter wirkte die Regisseurin und Fotografin 1992 an ihrer Filmbiografie "Die Macht der Bilder" mit. Das über mehrere Monate hinweg an Originalschauplätzen gedrehte Portrait von Regisseur Ray Müller erhielt beste Kritiken und konnte unter anderem den TV-Oscar "Emmy" erringen. "Die Macht der Bilder" wurde auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt und im New Yorker "Museum of Modern Art" gezeigt.
Obwohl jede neue Ausstellung, jedes neue Buch über Riefenstahl Kontroversen auslöst, bleibt die Tatsache ihrer Begabung unumstritten. Die bezaubernde Schönheit und der lyrisch-musikalische Rhythmus ihrer Filme berauschen immer noch. Gerade dieses Talent, durch Film zu verführen, wurde ihr zum Verhängnis.6)
Weitere erwähnenswerte Ereignisse rund um Leni Riefenstahl Ende der 1990 Jahre sind beispielsweise die von Johann Kresnik1) choreographierte Version ihrer Memoiren am Kölner Schauspielhaus (1996), die umfassende Werkschau ihrer Arbeiten in Mailand und Rom (1996/97) oder die Ausstellung über ihr Lebenswerk im Potsdamer Filmmuseum (1999).
Leni Riefenstahl, die ihre letzten Lebensjahre hochbetagt und hochmotiviert in ihrem Haus am Starnberger See verbrachte, feierte am 22. August 2002 ihren 100. Geburtstag und war damit die damit die älteste aktive Filmemacherin der Welt. Das "Time"-Magazin bezeichnet Riefenstahl "als einzige Frau, die zu den 100 einflussreichsten und beeindruckendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts" zählt.
Auch ihren 101. Geburtstag konnte Leni Riefenstahl trotz bereits angeschlagener Gesundheit noch in ihrem Haus in Pöcking am Starnberger See begehen. Doch nur kurz darauf starb die Künstlerin dort am 8. September 2003, als Todesursache wurde in den Medien Herzstillstand genannt. Im Rahmen einer bewegenden Trauerfeier nahmen Freunde und Weggefährten vier Tage später in der Aussegnungshalle am Münchner Ostfriedhof Abschied von Leni Riefenstahl. Zu den Trauergästen gehörten unter anderem der Medienunternehmer Leo Kirch sowie die bayerische TV-Moderatorin und Ärztin Antje-Katrin Kühnemann, welche die Trauerrede hielt. Der Leichnam wurde nach dem Willen der Verstorbenen eingeäschert, die Urne am 10. Oktober 2003 auf dem Münchener Waldfriedhof beigesetzt; Riefenstahl hatte sich eine Grabstätte umgeben von Bäumen und Blumen gewünscht.

Foto: © Rainer Binder
(Das Foto wurde mir freundlicherweise von dem Fotografen Rainer Binder zur Verfügung gestellt. 
Das Copyright liegt bei Rainer Binder; das Foto darf nicht für andere Zwecke verwendet werden.)

Leni Riefenstahl 02; Copyright Rainer Binder
Seit Ende der 1960er Jahre war der mehr als 40 Jahre jüngere Horst Kettner auch als Mitarbeiter und Kameramann an der Seite von Leni Riefenstahl. Verheiratet war sie nur wenige Jahre gewesen, am 21. März 1944 hatte sie dem Major der Gebirgsjäger, Peter Jacob, in Kitzbühl das Ja-Wort gegeben. Nur drei Jahre später endete die Verbindung vor dem Scheidungsrichter. Der 1992 verstorbene Peter Jacob machte sich später als Kulturfilmproduzent bzw. Regisseur einen Namen, war ab 1956 und mit der Schauspielerin Ellen Schwiers3) verheiratet und gründete 1982 zusammen mit seiner Frau sowie Tochter Katerina Jacob1) das Tourneetheater "Das Ensemble".

 
Verschiedenste Autoren haben sich mit der umstrittenen Filmemacherin beschäftigt, Lutz Kinkel veröffentlichte im April 2001 sein Buch "Die Scheinwerferin. Leni Riefenstahl und das 'Dritte Reich'" und stellt Riefenstahls Rolle während des Naziregimes in den Focus, das von Rainer Rother 2000 publizierte Werk "Leni Riefenstahl. Die Verführung des Talents" behandelt Werk und Karriere der umstrittensten Regisseurin der Filmgeschichte. Die Darstellung begnügt sich erstmals nicht mit der Alternative "Propagandistin oder Genie", sondern zielt auf den geschichtlichen Kontext, in den Riefenstahls Leben und Werk einzuordnen sind. Dabei werden einige der bekanntesten Legenden anhand bisher unberücksichtigter Akten und Dokumente korrigiert.7)  
Zum 100. Geburtstag der Künstlerin kam 2002 von Jürgen Trimborn1) die Biografie "Riefenstahl. Eine deutsche Karriere" auf den Markt, mit der der Autor das Leben Leni Riefenstahls jenseits polarisierender Pauschalurteile nachzeichnet. Im September 2003 erschien von der Journalistin und Riefenstahl-Schwägerin Ilse Collignon (1913 – 2003) "Meine liebe Leni. Enthüllungen einer Riefenstahl"; die Autorin hatte 1935 in erster Ehe Heinz Riefenstahl geheiratet (Scheidung 1943).
Am 20. März 2008 strahlte das ZDF erstmals die von Oliver Halmburger und Anja Greulich gedrehte 45-minütige Dokumentation "Hitlers nützliche Idole: Leni Riefenstahl – Die Regisseurin. Künstlerin und Opportunistin" aus: Der Film zeigt die Schlüsselmomente des langen Lebens von Leni Riefenstahl, Hitlers liebster Künstlerin. Weggefährten, Freunde, Historiker, Filmexperten und -kritiker äußern sich im Interview zu Riefenstahls Lebenswerk, einige von ihnen zum ersten Mal. Archivbilder, Filmausschnitte und Dokumente zeichnen das Bild einer Frau, die selbstbewusst ihren Weg ging und verleugnete, dass dieser in die Irre führte. (Quelle: www.loopfilm.de); weitere Veröffentlichungen siehe Wikipedia.
 
Im Herbst 2010 ging durch die Presse, dass das Leben von Leni Riefenstahl verfilmt werden soll, Jenny Elvers-Elbertzhagen1) soll die Künstlerin in einer internationalen Kinoproduktion unter holländischer Regie spielen. Ihre Agentur "Kick Management" bestätigte einen Bericht der Bild-Zeitung. Der Film soll frühestens 2012 in die Kinos kommen, der Arbeitstitel des Films lautet "Angeklagt". Die Dreharbeiten sollen im nächsten Jahr in Berlin, Afrika und New York stattfinden.4)8)  
Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP
Quelle:
4) Wikipedia
5) tabellarischer Lebenslauf des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum)
6) Artikel von Rachel Freudenburg bei www.fembio.org
7) Klappentext, veröffentlicht bei www.perlentaucher.de
8) http://www.news.de/medien/855073714/jenny-elvers-spielt-hitlers-lieblingsregisseurin/1/Nachricht auf news.de
Lizenz Fotos Leni Riefenstahl (Urheber: Karl Schenker/Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist.
Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
Einige Textbausteine stammen von der Seite des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum).
Weitergehende Informationen findet man im Internet auf der offiziellen Homepage www.leni-riefenstahl.de.
Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de, www.fembio.org, www.cyranos.ch
sowie einen Nachruf bei "DIE ZEIT" und verschiedene Artikel bei www.spiegel.de
Fotos bei film.virtual-history.com
  
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Link: Wikipedia, Murnau Stiftung)
Als Schauspielerin Als Regisseurin/Produzentin
  • 1932: Das blaue Licht (auch Darstellerin)
  • 1933: Sieg des Glaubens 
    (Dokumentation über den NSDAP-Reichsparteitag 1933)
  • 1934: Triumph des Willens
    (Dokumentation über den NSDAP-Reichsparteitag 1934)
  • 1935: Tag der Freiheit! – Unsere Wehrmacht 
    (Dokumentation über den NSDAP-Reichsparteitag 1935)
  • 1938: Olympia (Dokumentation über die Olympischen Spiele 1936)
    • Teil 1: Fest der Völker
    • Teil 2: Fest der Schönheit
  • 1939: Reportage der Truppenparade von Adolf Hitler in Warschau
    (Sonderfilmtrupp Riefenstahl)
  • 1944: Arno Breker – Harte Zeit, starke Kunst
    (Kurzdokumentation; nur Produktion; Regie: Arnold Fanck)
  • 1944: Atlantik-Wall (nur Produktion; Regie: Arnold Fanck)
  • 1940-1944: Tiefland (auch Darstellerin; Uraufführung: 11.02.1954)
  • 2002: Impressionen unter Wasser (Dokumentation)
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