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"Stürme über dem Mont Blanc"1) (1930) an der Seite von Sepp Rist3) war dann der erste Tonfilm, den Leni Riefenstahl mit Fanck drehte, zunächst als Stummfilm konzipiert, wurde das Bergdrama später nachsynchronisiert. 1931 folgte die Komödie "Der weiße Rausch neue Wunder des Schneeschuhs"1), zwei Jahre später das Abenteuer "S.O.S. Eisberg"2) (1933), erneut mit Gustav Diessl und mit Sepp Rist als Partner; siehe auch die Filmbeschreibung bei Wikipedia. Das Drehbuch basiert auf Motiven der Hörspielvorlage von Friedrich Wolf, die den Absturz des Luftschiffes "Italia" im nördlichen Eismeer im Jahr 1928 und die sich daran anschließende internationale Rettungsaktion behandelt. Betont die Vorlage noch die Rolle des Funkverkehrs für die internationale Solidarität (die italienischen Havaristen werden schließlich durch einen sowjetischen Eisbrecher gerettet), so wird "SOS Eisberg" aus betont nationaler Perspektive erzählt: Eine deutsche Funkstation koordiniert die Suchaktion, ein deutscher Flieger bringt die Rettung.4) Auch hier wurde wegen der noch mangelnden Synchronisationstechnik mit "SOS Iceberg"2) eine englischsprachige Version gedreht, in der der US-amerikanische Filmstar Rod La Roque (1898 1969) den Part von Gustav Diessl übernommen hatte. Ein für Leni Riefenstahl eher untypischer Film ist das von Rudolf Raffé (1885 1978) inszenierte und lange als verschollen geltende stumme Melodram "Das Schicksal derer von Habsburg" aus dem Jahre 1928, wo sie als Baronesse Mary Vetsera agierte. Es ist der einzige Film mit Leni Riefenstahl als Schauspielerin, der nicht im Bergmilieu angesiedelt ist bzw. nicht von Arnold Fanck realisiert wurde. Thematisiert werden die familiären Verstrickungen am österreichischen Kaiserhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts um Kaiser Franz Joseph I., Kaiserin Elisabeth I. und deren Kindern, Kronprinz Rudolf und dem Thronfolger Franz Ferdinand, der schließlich 1914 in Sarajevo einem Attentat zum Opfer fiel, dem Auslöser des I. Weltkriegs. Im Film sind vom Regisseur Rolf Raffé zur Spielfilmhandlung original Dokumentaraufnahmen eingeschnitten worden. (Quelle: www.helmut-schmidt-online.de; siehe auch www.bonnerkinemathek.de) Während ihrer Arbeit als Schauspielerin eignete sich Leni Riefenstahl auch in der Zusammenarbeit mit Fanck weitreichende Kenntnisse über Kamera-, Regie- und Schneidetechnik an. 1932 war der mystisch-romantische Bergfilm "Das blaue Licht"1) entstanden, mit dem Leni Riefenstahl ihr Regiedebüt gab. Neben dem Drehbuch und der weiblichen Hauptrolle fungierte sie auch als Produzentin, zeichnete für den Schnitt und die "Bildgestaltung" verantwortlich; bei der Regiearbeit und dem Drehbuch war sie von dem ungarischen Filmtheoretiker und Drehbuchautor Béla Balázs1) (1884 1949) unterstützt worden. "Das blaue Licht", auf dem Filmfestival in Venedig mit der Silbermedaille ausgezeichnet, weckte die Aufmerksamkeit von Adolf Hitler und Joseph Goebbels, woraufhin Riefenstahl, die aus eigener Initiative mit Hitler Kontakt aufgenommen hatte, den Auftrag bekam, Filme im Sinne der Führung der NSDAP zu drehen.4) Mit "Sieg des Glaubens"1) über den 5. Reichsparteitag der NSDAP (1. 3.09.1933) in Nürnberg lieferte Leni Riefenstahl 1933 ihren ersten propagandistischen Dokumentarfilm ab und schuf damit eine neue Art des dokumentarischen Films. Im Kontrast zu bereits bekannten Dokumentarfilmen hat die damals 31-Jährige einen eigenen Stil entwickelt, der darauf abzielte, die Ereignisse überhöht darzustellen. In Zusammenarbeit mit dem Kameramann Sepp Allgeier probierte sie noch nicht bekannte Perspektiven und Techniken aus. Durch die Nähe zu Hitler genoss Riefenstahl außergewöhnliche Privilegien, die es ihr ermöglichten, Nahaufnahmen des Diktators auf die Kinoleinwand zu übertragen. Außerdem wurde Hitler nicht nur während seiner Ansprachen, sondern auch abseits bei Unterhaltungen mit Parteiführern oder beim Betrachten der Parade gefilmt. Durch diese Aufnahmen entstand gewissermaßen ein Eindruck des Privaten. Bei der Montage des Films versuchte Riefenstahl die Übergänge möglichst geschickt zu gestalten, so dass ein gewisser Rhythmus bei den gezeigten Bildern entstand. Eine weitere Besonderheit im Vergleich zum bekannten Dokumentarfilm zeigte sich im Fehlen eines gesprochenen Off-Kommentars. Es war ausschließlich der Originalton des Parteitags im Film zu hören. Untermalt wurde "Sieg des Glaubens" zusätzlich durch die Filmmusik von Herbert Windt, der Wagner-Klänge mit Parteihymnen vermischte.4) Auch der Reichsparteitag der NSDAP im Jahre 1934 wurde von Leni Riefenstahl mit der Kamera festgehalten, der inszenierte Dokumentarfilm "Triumph des Willens"1), am 28. März 1935 im Berliner "Ufa-Palast" uraufgeführt, gilt als eines der einflussreichsten Werke der Regisseurin bzw. wirkungsvollsten Propagandafilme überhaupt. Riefenstahl hebt die Solidarität der Parteibasis zum NS-Regime durch einen vielfältigen Bilderrhythmus heraus, wofür sie die chronologische Reihenfolge der Ereignisse aufbricht. Durch spezielle Kameraeinstellungen und ungewöhnliche Schnitte werden die führenden Nationalsozialisten vor der von Albert Speer gestalteten Kulisse in eine mythische Atmosphäre gerückt. Die Ausdruckskraft von Symbolen wie dem Hakenkreuz, Flaggen und dem Reichsadler werden durch Licht- und Musikeffekte betont. Riefenstahls Film wird mit dem "Deutschen Filmpreis" und mit der Goldmedaille in Venedig ausgezeichnet.5) Nach dem Propagandafilm "Tag der Freiheit! Unsere Wehrmacht"1) (1935) drehte Leni Riefenstahl mit "Olympia"1) (1938) einen weiteren, diesmal zweiteiligen, rund vier Stunden langen heroischen Dokumentarfilm, der sie auch über die Grenzen Deutschlands berühmt machte. Sie hatte den Auftrag erhalten, die zwischen dem 1. und 16. August 1936 in Berlin ausgetragen 6. Olympischen Spiele filmisch zu begleiten, mit großem Aufwand und mit moderner Technik werden die Dreharbeiten während der Spiele durchgeführt. ( ) Damit hebt sie Sportaufnahmen auf die Ebene der Kunst und zelebriert mit Bildern die Schönheit menschlicher Bewegung und Kraft; zentral ist dabei die Verherrlichung der Schönheit und Harmonie des Körpers.5)
Uraufgeführt am 20. April 1938 im Berliner "Ufa-Palast" wurde der Film anschließend während einer Europa-Tournee in Wien, Graz, Paris, Brüssel, Kopenhagen, Stockholm, Helsinki, Oslo und Rom gezeigt. Leni Riefenstahl erhielt etliche Preise, so unter anderem den "Deutschen Staatspreis" (1937/38), den schwedischen "Polar-Preis" (1938), die "Goldmedaille" für den "Besten Film" anlässlich der Internationalen Filmfestspiele in Venedig (1938) sowie beim Filmfestival in Lausanne 1948 nachträglich vom IOC (Comitée International Olympique) ein "Olympisches Diplom" zur "Olympischen Goldmedaille" (1939).
Während des 2. Weltkrieges konnte Leni Riefenstahl auch wegen gesundheitlicher Probleme keine Filme mehr realisieren, in den 1950er Jahren begann sie nach ihren Erfolgen als Tänzerin, Schauspielerin und Filmregisseurin eine vierte Karriere als Fotografin, erlangte mit ihrer ästhetischen und ausdrucksreichen Kunst auch internationale Anerkennung. Doch zunächst wurde ihr Ende der 1940er Jahre der Prozess gemacht, der Vorwurf lautete, sie habe die beim Film "Tiefland" als Komparsen eingesetzten, aus dem Salzburger Konzentrationslager Maxglan rekrutierten Sinti und Roma nicht bezahlt und ihnen fälschlicherweise die Rettung vor der Deportation versprochen Leni Riefenstahl wurde freigesprochen. Im Rahmen des gegen sie laufenden Entnazifizierungsverfahrend wurde sie zwischen 1948 und 1952 in vier Spruchkammerverfahren als "Mitläuferin" des Naziregimes eingestuft und kein Berufsverbot erlassen; in der Filmbranche konnte sie jedoch nicht mehr Fuß fassen. Auf nachfolgende Vorwürfe und Artikel bezüglich ihrer Verstrickung in die Propagandatätigkeit für das NS-Regime reagierte sie regelmäßig mit juristischen Schritten.
Noch im hohen Alter wirkte die Regisseurin und Fotografin 1992 an ihrer Filmbiografie "Die Macht der Bilder" mit. Das über mehrere Monate hinweg an Originalschauplätzen gedrehte Portrait von Regisseur Ray Müller erhielt beste Kritiken und konnte unter anderem den TV-Oscar "Emmy" erringen. "Die Macht der Bilder" wurde auch im deutschen Fernsehen ausgestrahlt und im New Yorker "Museum of Modern Art" gezeigt. Obwohl jede neue Ausstellung, jedes neue Buch über Riefenstahl Kontroversen auslöst, bleibt die Tatsache ihrer Begabung unumstritten. Die bezaubernde Schönheit und der lyrisch-musikalische Rhythmus ihrer Filme berauschen immer noch. Gerade dieses Talent, durch Film zu verführen, wurde ihr zum Verhängnis.6) Weitere erwähnenswerte Ereignisse rund um Leni Riefenstahl Ende der 1990 Jahre sind beispielsweise die von Johann Kresnik1) choreographierte Version ihrer Memoiren am Kölner Schauspielhaus (1996), die umfassende Werkschau ihrer Arbeiten in Mailand und Rom (1996/97) oder die Ausstellung über ihr Lebenswerk im Potsdamer Filmmuseum (1999).
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Seit Ende der 1960er Jahre war der mehr als 40 Jahre jüngere Horst Kettner
auch als Mitarbeiter und Kameramann an der Seite von Leni Riefenstahl. Verheiratet war
sie nur wenige Jahre gewesen, am 21. März 1944 hatte
sie dem Major der Gebirgsjäger, Peter Jacob, in Kitzbühl das Ja-Wort
gegeben. Nur drei Jahre später endete die
Verbindung vor dem Scheidungsrichter. Der 1992 verstorbene Peter Jacob
machte sich später als Kulturfilmproduzent bzw. Regisseur einen Namen, war
ab 1956 und mit der Schauspielerin Ellen Schwiers3) verheiratet
und gründete 1982 zusammen mit seiner
Frau sowie Tochter Katerina Jacob1)
das Tourneetheater "Das Ensemble". Verschiedenste Autoren haben sich mit der umstrittenen Filmemacherin beschäftigt, Lutz Kinkel veröffentlichte im April 2001 sein Buch "Die Scheinwerferin. Leni Riefenstahl und das 'Dritte Reich'" und stellt Riefenstahls Rolle während des Naziregimes in den Focus, das von Rainer Rother 2000 publizierte Werk "Leni Riefenstahl. Die Verführung des Talents" behandelt Werk und Karriere der umstrittensten Regisseurin der Filmgeschichte. Die Darstellung begnügt sich erstmals nicht mit der Alternative "Propagandistin oder Genie", sondern zielt auf den geschichtlichen Kontext, in den Riefenstahls Leben und Werk einzuordnen sind. Dabei werden einige der bekanntesten Legenden anhand bisher unberücksichtigter Akten und Dokumente korrigiert.7) Zum 100. Geburtstag der Künstlerin kam 2002 von Jürgen Trimborn1) die Biografie "Riefenstahl. Eine deutsche Karriere" auf den Markt, mit der der Autor das Leben Leni Riefenstahls jenseits polarisierender Pauschalurteile nachzeichnet. Im September 2003 erschien von der Journalistin und Riefenstahl-Schwägerin Ilse Collignon (1913 2003) "Meine liebe Leni. Enthüllungen einer Riefenstahl"; die Autorin hatte 1935 in erster Ehe Heinz Riefenstahl geheiratet (Scheidung 1943). Am 20. März 2008 strahlte das ZDF erstmals die von Oliver Halmburger und Anja Greulich gedrehte 45-minütige Dokumentation "Hitlers nützliche Idole: Leni Riefenstahl Die Regisseurin. Künstlerin und Opportunistin" aus: Der Film zeigt die Schlüsselmomente des langen Lebens von Leni Riefenstahl, Hitlers liebster Künstlerin. Weggefährten, Freunde, Historiker, Filmexperten und -kritiker äußern sich im Interview zu Riefenstahls Lebenswerk, einige von ihnen zum ersten Mal. Archivbilder, Filmausschnitte und Dokumente zeichnen das Bild einer Frau, die selbstbewusst ihren Weg ging und verleugnete, dass dieser in die Irre führte. (Quelle: www.loopfilm.de); weitere Veröffentlichungen siehe Wikipedia. Im Herbst 2010 ging durch die Presse, dass das Leben von Leni Riefenstahl verfilmt werden soll, Jenny Elvers-Elbertzhagen1) soll die Künstlerin in einer internationalen Kinoproduktion unter holländischer Regie spielen. Ihre Agentur "Kick Management" bestätigte einen Bericht der Bild-Zeitung. Der Film soll frühestens 2012 in die Kinos kommen, der Arbeitstitel des Films lautet "Angeklagt". Die Dreharbeiten sollen im nächsten Jahr in Berlin, Afrika und New York stattfinden.4)8) |
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Link: 1) Wikipedia, 2) Murnau-Stiftung, 3) Kurzportrait innerhalb dieser HP Quelle: 4) Wikipedia 5) tabellarischer Lebenslauf des LeMO-Projekts (Deutsches Historisches Museum) 6) Artikel von Rachel Freudenburg bei www.fembio.org 7) Klappentext, veröffentlicht bei www.perlentaucher.de 8) http://www.news.de/medien/855073714/jenny-elvers-spielt-hitlers-lieblingsregisseurin/1/Nachricht auf news.de Lizenz Fotos Leni Riefenstahl (Urheber: Karl Schenker/Alexander Binder): Diese Bild- oder Mediendatei ist gemeinfrei, weil ihre urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, die Vereinigten Staaten, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers. |
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| Einige Textbausteine stammen von der Seite des LeMO-Projekts
(Deutsches Historisches Museum). Weitergehende Informationen findet man im Internet auf der offiziellen Homepage www.leni-riefenstahl.de. Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de, www.fembio.org, www.cyranos.ch sowie einen Nachruf bei "DIE ZEIT" und verschiedene Artikel bei www.spiegel.de Fotos bei film.virtual-history.com |
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