Ein Jahr später gelang ihr in Jacques Demys
ungewöhnlichen Musical "Les parapluies de Cherbourg"1)
(Die Regenschirme von
Cherbourg2)) der internationale Durchbruch und sie erhielt für
ihre Leistung den Preis der französischen Filmakademie.
Der Film erzählte die gefühlvolle Geschichte über die junge Verkäuferin
Geneviève, die sich hoffnungslos in einen Tankwart verliebt, der sie schwängert, in den Krieg
zieht und sie in eine sorglose, jedoch auch lieblose Ehe mit einem anderen Mann treibt.
Trotz oder grade wegen des Erfolgs dosierte die Schauspielerin
ihre Auftritte und drehte pro Jahr nicht mehr als ein oder zwei Filme.
1964 engagierte Roman Polanski1) die bildhübsche Französin für die Hauptrolle
der schizophrenen Mörderin in seinem makabren Film "Répulsion"1)
(Ekel2)) und ein Jahr später erhielt sie die Titelrolle der
distinguiert-kühlen, großbürgerlichen Teilzeitprostituierten Sévérine
in dem Meisterwerk "Belle de jour"1)
(Schöne des
Tages2)) von dem
damals 67-jährigen Luis Buñuel1)
(1990 2003), dessen favorisierte Hauptdarstellerin sie
dann wurde. Bei der Uraufführung sorgte "Belle de jour" aufgrund
der Thematik anfänglich für ziemliche Aufregung;
die Deneuve spielte darin eine wohlhabende, aber gelangweilte
Hausfrau, die einen Nachmittagsjob in einem von Paris elegantesten Bordells annimmt.
Das Foto wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt.
Das Copyright liegt bei Virginia Shue.
|
|
|
Es folgten Produktionen wie "Herzklopfen" (1968, La chamade),
"Mayerling" (1968), "Das Geheimnis der falschen Braut"1) (1969, La sirène du Mississippi)
oder "Tristana"1) (1970).
Die Filmografie der 70er Jahre weist Produktionen wie "Berühre nicht die weiße Frau"1) (1974, Touche pas à la femme blanche),
"Die schönen Wilden" (1975, Le Sauvage), "Marschier
oder stirb"1) (1977, March or die) oder "Allein zu zweit" (1979, À nous deux)
auf. Zu den prägnantesten Filmen der 80er Jahre
gehören 1986 André Techinés Familiendrama "Le lieu du crime"2) (Schauplatz des Verbrechens) und im
folgenden Jahr ihre Rolle des "späten Mädchens" in Jean-Pierre Mockys "Agent
trouble".
|
 |
1981 erhielt die Deneuve den französischen Filmpreis "César"
für ihre Rolle der Theaterchefin Marion Steiner in François Truffauts
"Le dernier métro"1)
(1980, Die letzte
Metro2)). Der Film mit Gérard Depardieu als Partner war auch an den
Kinokassen ein riesiger Erfolg: Das Drama, das im Nazi-besetzten Paris
spielt, entfaltet sich im Theater Montmartre, während eine Gruppe von
Schauspielern probt. Catherine Deneuve verkörpert die Direktorin des
Theaters und Mitglied des Ensembles. Sie hält ihren jüdischen Ehemann, der
sich versteckt, auf dem Laufenden und berichtet ihm Neuigkeiten von der
Außenwelt und dem Theater, einschließlich der Feindschaft mit einem
Nazi-freundlichen Theaterkritiker und der sexuellen Spannung, die von einem
jungen Schauspieler ausgeht, der sich in sie verliebt hat
Foto mit freundlicher Genehmigung von Einhorn-Film
© Einhorn-Film/Weltlichtspiele Kino GmbH
|
| In der Liebesgeschichte von André Téchiné "Begegnung
in Biarritz"1) (1982, Hôtel des Amériques) zeigte sich die Deneuve als elegante,
selbstsichere Ärztin Héléne, die sich in den heruntergekommenen Gilles
(Patrick Dewaere) verliebt, in dem Gangsterstreifen der
Schock" (1982, Le choc) kam sie als Partnerin des Berufskillers
Christian alias Alain Delon daher. "Begierde"1) 1983, The Hunger)
hieß der britische Thriller unter anderem mit David Bowie,
"Hoffen
wir, daß es ein Mädchen wird"1) (1985, Speriamo che sia femmina)
der preisgekrönte Film des italienischen Regisseurs Mario Monicelli. |
1985 wurde Catherine Deneuve als Nachfolgerin von Brigitte Bardot
offizielles Modell der französischen Symbolfigur "Marianne". 1993
erhielt Régis Wagniers melodramatischer Film "Indochine"1)
(1992, Indochine2)),
der wesentlich durch Deneuve's Spiel lebt, eine Oscarnominierung als bester
fremdsprachiger Film: Das Epos spielt im französischen Indochina
zwischen 1930 und 1954; Eliane alias Catherine Deneuve, eine
kühle Besitzerin einer Kautschuk-Plantage, hat eine elternlose anamesische
Prinzessin adoptiert. Die Handlung konzentriert sich auf Elianes Leben, in dem
sie sich mit dem sich verändernden Vietnam auseinandersetzen muss und
anfängt, sich gegen Nationalismus, Kommunismus und gegen ein korruptes und
grausames Establishment aufzulehnen.
Das Foto, welches Catherine Deneuve mit François Truffaut
zeigt, wurde mir freundlicherweise von der Fotografin
Virginia Shue (Hamburg)
zur Verfügung gestellt. Das Copyright liegt bei Virginia Shue. |
|
Danach glänzte die Deneuve unter der Regie von André Téchiné in
dem sensiblen Geschwisterportrait "Meine
liebste Jahreszeit"1) (1993, Ma saison préférée)
an der Seite von Daniel Auteuil, in "Hundert
und eine Nacht"1)
(1995, Les cent et une nuit de Simon Cinéma), einer Hommage der französischen
Filmlegende Agnès Varda zum hundertsten Geburtstag des Kinos, gehörte sie
neben dem Protagonisten Simon Cinèma (Michel Piccoli) zu den Stars des europäischen
und amerikanischen Kinos - Marcello Mastroianni, Fanny Ardant, Jean-Paul Belmondo, Alain Delon, Robert de
Niro oder Hanna Schygulla sind hier zu sehen.
In "Les voleurs" (Diebe der
Nacht) spielte sie dann 1996 die Hochschulprofessorin Marie, die, nachdem
sie verheiratet gewesen und Mutter geworden ist, herausfindet, dass sie sich in
ihre Studentin Juliette alias Laurence Cote verliebt hat. Zu den jüngeren
erfolgreichen Kinoproduktionen zählt unter anderem Raoúl Ruiz' Melodram
"Die wiedergefundene Zeit" (1999, Le temps retrouvé), die
schrille Krimi-Musical-Farce "8 Frauen"1)
(2002, 8 femmes2)) von François Ozon sowie
die internationale Produktion "Dem
Paradies ganz nah"1)
(2002, Au plus près du paradis). In dem mehrteiligen, von Josée Dayan
2003 inszenierten französischen Fernsehfilm
"Gefährliche
Liebschaften"1) nach dem französischen
Briefroman "Les Liaisons dangereuses" von Choderlos de Laclos1)
(1741 1803) mimte sie die intrigante Marquise Isabelle Merteuil.
In "Marie
und Freud"2) (2004, Princesse Marie), einer von
Benoît Jacquot in Szene gesetzten halbdokumentarischen TV-Filmbiografie über
Marie Bonaparte1) (1882 1962), der Urgroßnichte von
Napoléon, und deren engen Freund Sigmund Freud1)
(1856 1939, zeigte sie sich
als Marie Bonaparte, der berühmte Tiefenpsychologe Freud wurde von Heinz Bennent3)
verkörpert (siehe auch www.filmstills.at).
Es folgten Produktionen wie "Rois et Reine" (2004), "Le Héros de la famille" (2006) oder der deutsche TV-Film "Frühstück mit einer Unbekannten"1).
Der Star spielte Hauptrollen in Filmen wie den Drama "Après lui" (2007) oder dem von Arnaud Desplechin
in Szene gesetzten, bewegenden "Weihnachtsmärchen" "Un conte de Noël" (2008), das ihr Ende Mai 2008
einen Spezialpreis bei den 61. Filmfestspielen in Cannes einbrachte. Ebenfalls in Cannes gezeigt wurde
das dokumentarische Kino-Abenteuer der beiden libanesischen Regisseure Joana Hadjithomas und Khalil Joreige
"Je veux voir" (2008), mit dem
an den Krieg im Libanon erinnert werden soll.
Catherine Deneuve, die am 22. Oktober 2008 ihren 65. Geburtstag feierte und als
"Frankreichs ungekrönte Königin des Films" gilt, gehört nach wie
vor zu den gefragten Leinwanddarstellerinnen des französischen Kinos. Allein 2008 gingen vier Produktionen
mit ihr an den Start, neben den genannten auch
die Komödie "Mes Stars et moi" (Kinostart: 29. Oktober 2008) von Laëtitia Colombani, in
der sie neben Kad Merad, Emmanuelle Béart und Mélanie Bernier
eine Hauptrolle spielt. Drei weitere Streifen mit der Deneuve sind für 2009 zu
nennen: Im Herbst 2008 begannen die Dreharbeiten zu dem Drama "La
Cuisine", dem dritten Spielfilm der jungen Regisseurin Julie Lopès-Curval,
am 27. August 2009 kam der Film in der Schweiz und Deutschland die Kinos. Auch
in dem neuen Film von André Téchiné "La fille du rer"
(The Girl on the Train), gedreht nach der wahren Geschichte einer mythomanischen
jungen Frau (dargestellt von Émilie Dequenne), die 2004 die französischen
Medien wissen ließ, sie sei in der Pariser Untergrundbahn Opfer antisemtischer
Angriffe geworden, hat Catherine Deneuve eine prägnante Rolle übernommen,
sie verkörpert die herrische Mutter
der jungen Alice; der deutschsprachige Kinostart war am 9. Juli 2009.
Schließlich ist noch David Charhons Komödie "Cyprien", mit Elie Semoun
in der Hauptrolle zu nennen, wo die französische Schauspielerin als Mutter von Laurent Stocker zu sehen
ist; der
Kinostart war am 16. Juli 2009.
Foto rechts: Catherine Deneuve während der Berlinale 2005
Foto mit freundlicher Genehmigung von Bodo Petermann
© Bodo Petermann, BP PHOTO (www.bpphoto.de) |
|
Eine erneute Zusammenarbeit mit Julie Lopès-Curval ergab sich mit dem Drama
"Mères et Filles" (2009), wo sie eine reservierte Mutter spielt, die von ihrer schwangeren Tochter
Audrey (Marina Hands) besucht wird. Während der Begegnung brechen Konflikte
auf, als Audrey das Tagebuch ihrer Großmutter entdeckt, kommen dunkle Familiengeheimnisses
ans Licht. Die von François Ozon in Szene gesetzte, liebevoll-ironische Komödie
"Potiche"1) (2010, Das Schmuckstück), in der sie wieder einmal mit Gérard Depardieu vor
der Kamera gestanden hat, startet am 24. März 2011 in den deutschen
Kinos.
François Ozons neuerliches Meisterwerk, das einen
gleichnamigen Theatererfolg aus dem Jahre 1980 adaptiert, erstürmte
im November 2010 bei der Premiere in Frankreich mit über 750.000 Besuchern auf Anhieb Platz 1 der Kinocharts. "Potiche" ist ganz der großen Catherine
Deneuve gewidmet, die in einer Parodie auf die sozialen Komödien der Siebziger
Jahre eine frustrierte Unternehmergattin spielt. (
). Deneuve dominiert den
Film genauso unangefochten wie sie das Unternehmen leitet und vertritt dabei
einen so volkstümlichen Feminismus, als hätte sich Mary Poppins mit den
Suffragetten verbündet. Zurecht feiert man sie am Lido für ihre geballte
Einzigartigkeit. notiert Daniel Kothenschulte1)
in der "Berliner
Zeitung" (06.09.2010).
Abgedreht ist das Drama "Les yeux de sa mère" (2011) von Regisseur Thierry Klifa
mit der Deneuve in der Hauptrolle einer einst weltberühmten
Fernsehjournalistin, ebenso wie Christophe Honorés Film "Les bien-aimés" (2011).
In der 3D-Neuverfilmung von "Asterix bei den Briten" mit dem
Arbeitstitel "Astérix et Obélix: God Save Britannia" hat sie neben
Gérard Depardieu, der zum vierten Mal den Part des schwergewichtigen Obelix
mimt, die Rolle der britischen Königin übernommen haben; der Filmspaß soll 2012 in die Kinos kommen.
Die spielerische Bandbreite von Catherine Deneuve ist enorm: Sie kann
Verruchtheit und Distinguiertheit ebenso darstellen, wie Angst und weibliche
Überlegenheit demonstrieren. Ihr Spiel wirkt dabei stets kontrolliert,
unexzessiv und geheimnisvoll bis unnahbar und unterkühlt. Sie ließ sich
nie an ein bestimmtes Genre binden,
ob Thriller, Musical, Melodram oder Komödie jedem ihrer Filme verlieh sie ihr spezifisches
"Deneuve-Charisma". Dementsprechend können sich die Auszeichnungen
der Schauspielerin sehen lassen: Beispielsweise erhielt sie neben den
erwähnten Preisen 1980 in Rom den "David di Donatello" als "Beste ausländische Schauspielerin" für
"Le dernier métro" (Die letzte Metro), für ihre Leistung in "8 Frauen" konnte sie gemeinsam
mit ihren sieben anderen Mitspielerinnen 2002 den
"European Film Award" sowie in Berlin den "Silbernen Bären"
entgegennehmen. 2005 überreichte man Catherine Deneuve in
Cannes die "Ehrenpalme" für ihr Lebenswerk; siehe auch Liste der
Auszeichnungen bei Wikipedia.
Anlässlich des 65. Geburtstages der inzwischen mehrfachen Großmutter titelte
der "Kölner Stadt-Anzeiger" "Klug, makellos, unergründlich"
und schrieb unter anderem:
In der Tat bezieht Catherine Deneuve ihre Ausstrahlung
aus der Kunst, die Makellosigkeit ihres Äußeren mit einer verletzlich wirkenden Zurückgezogenheit
zu verbinden, mit einer Scheu, die nicht selten wie eine
Abweisung wirken kann: Luis Buñuels "La Belle de Jour" ist nicht
zuletzt deshalb eine so großartige Provokation, weil Séverine mit größtmöglicher
Radikalität aus dem Gefängnis ihrer Unnahbarkeit ausbricht und sich als Prostituierte in einem Bordell verdingt.
Neben der Schauspielerei ist Catherine Deneuve auch als Geschäftsfrau überaus
erfolgreich. 1971 gründete sie ihre eigene Produktionsfirma "Les Films de la
Citrouille". In den 80er Jahren machte sie im amerikanischen Fernsehen erfolgreich Werbung
für Chanel-Parfum und 1986 kam ein eigener Duft unter ihrem Namen auf den Markt.
Im Gegensatz zu anderen französischen Schauspielerinnen hat
Catherine Deneuve die Grande Dame des französischen
Kinos nie Theater gespielt und war ausschließlich auf der
Leinwand zu sehen. Sie schirmte ihr Privatleben, so gut es ging, von der Öffentlichkeit ab.
Einige Jahre war sie mit dem britischen Modefotografen David Bailey1)
verheiratet; die 1965 geschlossene Ehe wurde 1972 geschieden.
Aus der Liaison mit ihrem Entdecker Roger Vadim stammt Sohn
Christian (geb. 1963), der heute selbst Schauspieler ist; ein zweites Kind,
Tochter Chiara1)
(geb. 1972), stammt aus Catherine Deneuves Beziehung
mit Schauspielerkollege Marcello Mastroianni3)
(1924 1996).
Foto: Catherine Deneuve anlässlich der "Cinema for Peace"-Verleihung
im Berliner Konzerthaus am Gendarmenmarkt (15.02.2010); Foto mit freundlicher
Genehmigung des Berliner Fotografen Christian Behring/© Christian Behring
(www.christian-behring.com)
|
|
|