Rosa Albach-Retty wurde am 26. Dezember 1874 als Rosa Clara Franziska Helene Retty im hessischen Hanau1) als Tochter des Schauspielers und Regisseurs Rudolf Retty1) (1845 – 1913) geboren; die Mutter Marie Katharina Retty war Sängerin. Aus ihrer am 4. Dezember 1899 geschlossenen Ehe mit dem K.u.K.-Offizier und späteren Rechtsanwalt Dr. Karl Albach (21.10.1870 – 31.06.1952) stammte der Ufa-Star Wolf Albach-Retty (1906 – 1967), die international gefeierte Schauspielerin Romy Schneider (1938 – 1982) war ihre Enkelin.
Das Elternhaus von Rosa Albach-Retty war musisch geprägt, schon früh wurde die junge Rosa mit der Musik und darstellenden Kunst vertraut gemacht. Das schauspielerische Handwerk erlernte sie bei ihrem Vater, der um 1890 an dem von Adolph L'Arronge1) geleiteten "Deutschen Theater"1) in Berlin engagiert war. Vom legendären Josef Kainz1) empfohlen, debütierte Tochter Rosa bereits mit 17 Jahren am "Deutschen Theater". Sie wirkte Berliner "Lessingtheater"1), wo sie mit der der Titelrolle in Lessings "Minna von Barnhelm"1) erste Erfolge feierte. Auch Hosenrollen wie in der Bühnenversion des berühmten Romans "Der kleine Lord"1) oder dem Shakespeare-Stück "Der Kaufmann von Venedig"1) gehörten zu ihrem Repertoire. 1895 wechselte sie nach Wien an das "Deutsche Volkstheater"1), wo sie unter anderem mit der Titelrolle in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn"1) brillierte. 1903 berief sie Direktor Paul Schlenther1) für das Rollenfach der Naiven an das Wiener "Burgtheater"1) und dort gab sie ihren Einstand mit der Figur der Suzanne in dem Lustspiel "Die Welt, in der man sich langweilt" von Édouard Pailleron (1834 – 1899). Bis zuletzt blieb die renommierte Bühne ihre künstlerische Heimat, bereits 1905 erhielt sie den Titel "Hofschauspielerin", 1928 wurde sie zum "Ehrenmitglied" der  ernannt, 1958 gab sie dort ihre Abschiedsvorstellung.

Rosa Albach-Retty um 1900, fotografiert von Rudolf Krziwanek1) (1843–1905)
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Rudolf Krziwanek; Datierung: um 1900
© ÖNB Wien, Bildarchiv (Inventarnummer Kor 72A)

Rosa Albach-Retty um 1900, fotografiert von Rudolf Krziwanek (1843–1905); Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber: Rudolf Krziwanek; Datierung: um 1900; Copyright ÖNB Wien, Bildarchiv (Inventarnummer Kor 72A)
Rosa Albach-Retty als Rahel in "Die Jüdin von Toledo" von Franz Grillparzer, aufgeführt 1908 am Wiener "Burgtheater"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Adolf Bernhard; Datierung: 31.05.1908; Copyright ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer NB 610426 B) In ihren frühen Jahren glänzte Rosa Albach-Retty meist als jugendlich unbekümmerte Schönheit, so beispielsweise 1908 als Rahel in Grillparzers Trauerspiel "Die Jüdin von Toledo"1) an der Seite von Josef Kainz, dessen bevorzugte Partnerin sie wurde und mit dem sie auch auf einige Gastspielreisen ging. Sie beeindruckte unter anderem als Dr. Franz Juras Ehefrau Delfine in Hermann Bahrs Lustspiel "Das Konzert"1) (1919), als Leonore Sanvitale, Gräfin von Scandiano, in dem Goethe-Drama "Torquato Tasso"1), als Zofe Nerissa in Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", als Roxane in Edmond Rostands romantischen Liebesgeschichte "Cyrano de Bergerac"1) oder mit den Titelrollen in Strindbergs Tragödie "Fräulein Julie"1) und Arthur Schnitzlers Komödie "Komtesse Mizzi"1).
Anfang der 1930er Jahre wechselte die Schauspielerin im vorgerückten Alter das Rollenfach, verlieh nun Figuren wie Gretchens Nachbarin Marthe Schwerdtlein in Goethes "Faust"1) oder der Witwe Frau Marthe Rull in Kleists "Der zerbrochne Krug"1) eindrucksvolle Konturen, bewies in vielen klassischen und modernen Werken ihre schauspielerische Dominanz und facettenreiche Ausdruckskraft. Sie brillierte in Dramen aber vor allem im charakterkomischen Fach, in dem sie die ganze Bandbreite ihrer darstellerischen Größe unter Beweis stellte. Zu ihren Glanzleistungen zählen unter anderem die Mutter in Ibsens dramatischem Gedicht "Peer Gynt"1), eine Rolle, die Rosa Albach-Retty zwischen 1935 und 1952 vielfach verkörperte, weiterhin die Herzogin in Eugène Scribes Lustspiel "Das Glas Wasser"1), die Gattin des Michael Kramer in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Drama1), die Miss Prism in Oscar Wildes Komödie "Bunbury"1) oder die Amme in der Shakespeare-Tragödie "Romeo und Julia"1).

Rosa Albach-Retty als Rahel in "Die Jüdin von Toledo" von Franz Grillparzer,
aufgeführt 1908 am Wiener "Burgtheater"
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: Adolf Bernhard; Datierung: 31.05.1908
© ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer NB 610426 B)

Nach Ende des 2. Weltkrieges sah man sie beispielsweise als Frau Andrew in George Bernard Shaws1) Lustspiel "Major Barbara", als Julia in T. S. Eliots1) Ehekomödie "Die Cocktailparty", als Tante in dem spanischen Stück "Doña Rosita bleibt ledig oder Die Sprache der Blumen" von Federico García Lorca1) oder in Komödien von Jean Anouilh1), so als Garderobiere in "Colombe, die weiße Taube" und als Madame Desmermortes in "Einladung ins Schloss". Im Alter von 74 Jahren nahm die Burgschauspielerin 1958 mit der Rolle der reichen Millionärswitwe Mrs. Ethel Savage in der amüsanten Geschichte "Eine etwas sonderbare Dame" (→ "The Curious Savage" theatertexte.de) von John Patrick1) Abschied vom Theater, blieb dem "Burgtheater" jedoch als "Ehrenmitglied" weiterhin verbunden. Im März 1973 feierte Rosa Albach-Retty dann das einmalige Fest der 70-jährigen Zugehörigkeit zum Wiener "Burgtheater", ein Ereignis, dass noch nie einem Künstler beim "Burgtheater" vergönnt war. Neben ihrem Titel "Hofschauspielerin", den sie als letzte Schauspielerin trug, erhielt Rosa Albach-Retty während ihrer langen Karriere, in der sie über 300 Rollen gestaltet hatte, zahlreiche weitere Auszeichnungen: Bereits 1955 konnte sie das "Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich"1) entgegennehmen, seit September 1958 war sie die erste Trägerin der von der Stadt Wien gestifteten "Kainz-Medaille"1) und wurde für ihre Darstellung in "Eine etwas sonderbare Dame" gewürdigt. Sie war Trägerin des "Österreichischen Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst I. Klasse" (1963) und des "Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich" (1977). Auch der Professorentitel (1935) gehört zu den Anerkennungen ihrer Lebensleistung → Auszeichnungen bei Wikipedia.

Rosa Albach-Retty
Quelle: Wikimedia Commons: Scan aus "Spemanns goldenes Buch des Theaters" (1902)
 von Wikipedia-Nutzer Goerdten; Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier

Rosa Albach-Retty; Quelle: Wikipedia: Scan aus "Spemanns goldenes Buch des Theaters" (1902)  von Wikipedia-Benutzer Goerdten; Die Schutzdauer für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen. Es ist daher gemeinfrei.
Rosa Albach-Retty  1925, fotografiert von Franz Xaver Setzer (1886 – 1939); Quelle: austria-forum.org Vereinzelt trat die Schauspielerin in Kinoproduktionen in Erscheinung: Erstmals sah man sie 1930 in der musikalischen Komödie "Geld auf der Straße"2) auf der Leinwand, im Verlaufe der nächsten Jahrzehnte spielte sie sporadisch einprägsame Nebenrollen in den Filmen "Episode"1) (1935), "Hotel Sacher"1) (1939), "Maria Ilona"1) (1939), "Dreimal Hochzeit"2) (1941) und zusammen mit ihrem Sohn Wolf Albach-Retty in der Literaturadaption "Die heimliche Gräfin"1) (1942). In Karl Hartls Mozart-Biografie "Wen die Götter lieben"1) (1942), mit Hans Holt in der Rolle des Wolfgang Amadeus Mozart1), stellte sie dessen Mutter Anna Maria Mozart1) dar. In dem Biopic bzw. NS-Propagandastreifen "Wien 1910"1) (1943) über die letzten drei Tage im Leben des Wiener Bürgermeisters und Antisemiten Dr.  Karl Lueger1) (gespielt von Rudolf Forster) zeigte sie sich als Luegers Schwester Rosa. In den 1950ern sah man sie an der Seite von Paul Hörbiger in der Theaterverfilmung "Der alte Sünder"1) (1951) und als Reichsgräfin Fuchs1) in dem melodramatischen Historienstreifen "Maria Theresia"1) (1951) neben Paula Wessely in der Titelrolle der österreichische Kaiserin Maria Theresia1). Zu ihren weiteren Ausflügen auf die Leinwand zählten kleinere Parts in dem Film noir "Abenteuer in Wien"1) (1952) mit Gustav Fröhlich und Cornell Borchers, in der Verfilmung von Ferdinand Raimunds Zaubermärchen "Der Verschwender" (1953) mit Attila Hörbiger, Maria Andergast und Josef Meinrad sowie zuletzt Franz Antels Remake "Der Kongreß tanzt"1) (1956) mit Johanna Matz und Rudolf Prack → Übersicht Filmografie.

Rosa Albach-Retty 1925, fotografiert
von Franz Xaver Setzer1) (1886 – 1939)
Quelle: austria-forum.org; Angaben zu Lizenz siehe hier

Rosa Albach-Retty, die ihre letzten Jahre im dem von Kammerschauspielerin Hilde Wagner1) (1904 – 1992) gegründeten "Hilde-Wagener Künstlerheim" in Baden bei Wien1) verbrachte, starb dort am 26. August 1980 im gesegneten Alter von 105 Jahren. Die letzte Ruhe fand sie in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof1) (Gruppe 32 C, Nummer 50), in welches nach ihrem Tod ihr 1967 verstorbener Sohn Wolf vom Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf1) überführt wurde; in diesem Grab ruht zudem Wolf Albach-Rettys zweite Ehefrau Trude Marlen (1912 – 2005) sowie deren Zwillingsschwester Cecilia Maximiliane Brantley (1912 – 1997) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de. DER SPIEGEL (36/1980) vermerkte unter anderem in einem kurzen Nachruf: "Mühelos und immer erfolgreich schaffte sie in ihrer fast siebzigjährigen Theaterkarriere den Wechsel von der munteren Soubrette zur eleganten Salondame und später zur alten Frau. (…) Die Doyenne lebte mit diesen Erinnerungen, ihr hohes Alter und ihre letzten Jahre im Künstlerheim in Baden bei Wien empfand sie eher als Last ("Die Insassen sind nett, aber es sterben zu viel")." → spiegel.de 
Die von Gertrud Svoboda-Srncik aufgezeichneten Erinnerungen an ihr langes, ereignisreiches Leben veröffentlichte Rosa Albach-Retty zwei Jahre vor ihrem Tod unter dem Titel "So kurz sind hundert Jahre". 
Im Klappentext zu diesem Buch, das auch als bedeutendes Dokument zur Theatergeschichte gewertet werden kann, steht unter anderem: Rosa Albach-Retty wurde im selben Jahr wie Hugo von Hofmannsthal1) und Karl Kraus1) geboren. Ein Dreiviertel-Jahrhundert war sie als Schauspielerin aktiv und absolvierte ungezählte Gastspiele in Deutschland, Russland, Dänemark, der Schweiz und vor dem Ersten Weltkrieg in den Ländern der Habsburger Monarchie. Kaum eine Auszeichnung, die sie nicht erhalten hat, kaum ein Kritiker, der ihr nicht Hymnen gewidmet hätte. Das lange Leben der Schauspielertochter war und ist nicht das aufwendige Dasein einer Grande Dame, sondern – trotz ihres Erfolges, der ihr aufgrund ihrer großen Begabung, ihres Temperamentes und ihrer bezwingenden Natürlichkeit schon früh zuteil wurde – das einer bescheidenen Frau, die immer auf dem Boden der Tatsachen blieb. Nach allen Höhen und Tiefen, die auch ihr nicht erspart blieben, sagt sie heute: "Ich bin ein fröhlicher und glücklicher Mensch".

Rosa Albach-Retty im "Burgtheater" anlässlich der Feier ihres 100. Geburtstages
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber: Ungenannt; Datierung: 21.12.1974; © ÖNB/Wien, Bildarchiv (Inventarnummer FO402563/01)

Rosa Albach-Retty im
Bei Wikipedia wird notiert: "Dokumentiert ist die Nähe Rosa Albach-Rettys zum NS-Regime. Der Anschluss Österreichs1) an Nazi-Deutschland im Jahre 1938 wurde von ihr in der "Kleinen Volks-Zeitung"1) euphorisch kommentiert. Eine Mitgliedschaft Rosa Albach-Rettys in der NSDAP1) ist nicht erwiesen, jedoch waren sie und ihr Mann fördernde Mitglieder der SS1). Als großer Publikumsliebling und bekennende Verehrerin Hitlers1) wurde RosavAlbach-Retty von der NS-Kulturpolitik hofiert und in die sogenannte "Gottbegnadeten-Liste" der Nationalsozialisten aufgenommen. Das alles tat der Wertschätzung Albach-Rettys nach dem Ende des NS-Regimes keinen Abbruch, wie die ihr nach 1945 zuerkannten Auszeichnungen belegen."
So wurde der zwischen 1973 und 1975 errichtete Gemeindebau "Rosa-Albach-Retty-Hof"1) im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling1) nach ihr benannt, eine Gedenktafel erinnert dort an die legendäre Schauspielerin. Anlässlich des 100. Geburtstages der Künstlerin widmete ihr das "Kunsthistorische Museum"1) der Stadt Wien im Jahre 1974 eine Sonderausstellung. In der "Burgtheater"-Galerie, einer Sammlung von Künstlerporträts im Foyer, hängt ein von Rudolf Zieleisen geschaffenes Ölgemälde → Foto bei austria-forum.org.
Siehe auch cyranos.ch, Wikipedia, austria-forum.org, geschichtewiki.wien.gv.at
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Lizenz Fotos Rosa Albach-Retty: Dieses Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für das Herkunftsland des Werks und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 oder weniger Jahren nach dem Tod des Urhebers. 
  
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