Ernst-Georg Schwill 2013 anlässlich einer Lesung in der "Galerie Lobeda-West" in Jena; Urheber : Wikimedia-User: Indeedous; Lizenz: Gemeinfreiheit; Quelle: Wikimedia Commons Ernst-Georg Schwill gehört zu den Schauspielen, dessen Gesicht sich durch zahllose Film- vor allem aber Fernsehproduktionen eingeprägt hat, der Name jedoch oft nicht sofort präsent ist. Geboren wurde er am 30. März 1939 in Berlin und wuchs mit vier Geschwistern in einfachen Verhältnissen auf. Den Vater, der als Töpferhelfer die Familie durchgebracht hatte, verlor er früh, nachdem dieser als Wehrmachts-Soldat noch gegen Ende des 2. Weltkrieges 1945 an der Front sein Leben verlor. Einen weiteren Schicksalsschlag musste der kleine Junge ein Jahr später erleiden, 1946 verstarb die Mutter und ließ die fünf Kinder als Waisen zurück. Zunächst lebte Schwill bei seiner Tante, dann im "Pestalozzi-Kinderheim" in Berlin-Mitte und ab 1953 im größten Kinderheim der DDR,  im "Kinderkombinat A.S. Makarenko" in der "Königsheide"1) in Berlin-Johannisthal1) (Bezirk Treptow-Köpenick), benannt nach dem sowjetischen Vorreiter der sozialistischen Kollektiverziehung Anton Semjonowitsch Makarenko1) (1888 – 1939). Zunächst wollte Schwill Autoschlosser werden, doch durch Filmregisseur Gerhard Klein1) sollte sich der weitere Lebensweg grundlegend ändern.
 
Ernst-Georg Schwill 2013 anlässlich einer Lesung
in der "Galerie Lobeda-West" in Jena
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Lizenz: Gemeinfreiheit; Quelle: Wikimedia Commons
Dieser hatte den 14-Jährigen auf der Suche nach einem "kessen Jungen" entdeckt und ihm die Rolle des Max in dem Jugend-Krimi "Alarm im Zirkus"1) (1954) gegeben, der in der DDR zum "Kassenschlager des Jahres 1954" geriet. "Von Kritikern wird er für seine erste Leistung gelobt: Für den Zuschauer bietet er hohes Identifikationspotential. Regisseur Georg Klein gelingt auch dank der jungen Darsteller ein frischer Film, dem die Lust am Erzählen anzusehen ist." kann man in dem Artikel der DEFA-Stiftung lesen. Schwill fand Gefallen an der Arbeit vor der Kamera, absolvierte zunächst von 1954 bis 1957 eine Ausbildung zum Filmfotograf bei der "VEB DEFA-Kopierwerke" in Berlin-Johannisthal", um Kameramann werden zu können. Anschließend besuchte er bis 1960 die "Deutsche Hochschule für Filmkunst"1) im Potsdamer Stadtteil Babelsberg1) und erwarb sich dort sein darstellerisches Rüstzeug. Noch während der Studien erhielt Schwill Aufgaben in verschiedenen DEFA-Produktionen, unter anderem als Halbstarker Kohle in Gerhard Kleins Gegenwartsfilm "Berlin – Ecke Schönhauser…"1) (1957) und als Titelheld in Heiner Carows antifaschistischem Streifen "Sie nannten ihn Amigo"1) (1959). "Er spielt den 15-jährigen Rainer Meister, der von allen "Amigo" genannt wird. Zufällig entdeckt er auf seinem Hinterhof in einem Verschlag einen entflohenen politischen Häftling und setzt alles daran, damit dieser nicht von der Gestapo gefasst wird. Um dessen Überleben zu sichern, stellt er sich und kommt in ein Konzentrationslager. Wieder wird die Leistung von Ernst-Georg Schwill von den Kritikern hervorgehoben, denn er geht in der Rolle des Jungen förmlich auf, wirkt in seiner Schlichtheit überaus glaubhaft."2) So schrieb der Journalist Karl-Eduard von Schnitzler1) in einer zeitgenössischen Kritik über Schwill: "… durchaus glaubhaft (…) und mit einer Schlichtheit, einer Ausdrucksfähigkeit in Auge und Haltung, einer vielsagenden Knappheit in Dialog und Gestik, daß sich dieser junge Schauspieler mit seinem Amigo beträchtlich nach vorn gespielt hat."3)
 
Seit 1960 Mitglied im Ensemble des "DEFA-Studios für Spielfilme", sollten eine Vielzahl von Kinoproduktionen folgen, in denen er jedoch meist auf Nebenrollen reduziert blieb. Hervorzuheben ist sein Part des deutschen Interbrigadisten Willi Seifert, der sich in Frank Beyers packendem, hochgelobtem Bürgerkriegsdrama "Fünf Patronenhülsen"1) (1960) mit seinen Kameraden bei sengender Hitze in der Sierra Madre durch feindliches Gebiet schlagen muss. Das junge Publikum erreichte Schwill mit verschiedenen Märchen- bzw. Kinderfilmen, so war er beispielsweise der Soldat Zwiebel in " Das Kleid"1) (1961) nach dem Märchen "Des Kaisers neue Kleider"1) von Hans Christian Andersen, der Bär in "Rotkäppchen"1) (1962) nach dem Märchen der Gebrüder Grimm1) bzw. der Vorlage von Jewgeni Schwarz1), oder der sympathische Hauptwachtmeister Löffelholz in "Die Suche nach dem wunderbunten Vögelchen"1) (1964) nach dem Kinderbuch von Franz Fühmann1). Schwill mimte typische Berliner Arbeiter, Kfz-Mechaniker, LKW-Fahrer, Matrosen, Hausmeister, Taxifahrer, Polizisten oder einfach den Kumpel von Nebenan bzw. Menschen aus dem einfachen Volk und zählte zu den vielbeschäftigten Nebendarstellern, der auch nach der so genannten "Wende" in Kinoproduktionen seinen Platz fand. Zu aktuelleren Leinwandauftritten zählt der Märchenfilm "Die Krone von Arkus"1) (2015), wo er als Bäckermeister Menni in Erscheinung trat.
 
Kurzzeitig war Schwill am Theater zu erleben, zwischen 1961 und 1963 erhielt er jeweils Engagements beim "Berliner Ensemble" und am "Deutschen Theater", entschied sich dann jedoch zunächst für eine freiberufliche Tätigkeit als Schauspieler. 1970 nahm er dann das Angebot an, erneut festes Ensemblemitglied des "Deutschen Fernsehfunks"1) (DFF) zu werden, dem er bis zur Auflösung 1990/91 angehörte. Seit Anfang der 1960er Jahre tauchte Schwill in zahllosen DFF-Produktionen auf und geriet zum Dauergast auf den DDR-Bildschirmen. Auch hier waren es überwiegend die unverzichtbaren Chargenrollen, "denen er mit seinem Berliner Dialekt die gehörige Würze gibt. Meist verkörpert der Schauspieler Arbeiter und einfache Menschen, die er authentisch und glaubwürdig darstellen kann."2) Er spielte in Literaturadaptionen ebenso wie in Komödien, diversen Mehrteilern und Serien, mehrfach sah man ihn in den populären Krimireihen "Fernseh-Pitaval"1), "Der Staatsanwalt hat das Wort"1) und "Polizeiruf 110"1). Beispielsweise zeigte er sich in dem Fünfteiler "Scharnhorst"1) (1978) über den von Horst Drinda verkörperten Gerhard von Scharnhorst1) als dessen Diener Fritz, einen Diener, diesmal des jungen Mannes Callimaco, gab er auch in "La Mandragola"1) (1984), gedreht nach der Komödie von Niccoló Machiavelli1).
Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die Schwill wie etliche seiner ostdeutschen Kollegen erlebte, eroberte sich der Schauspieler einen festen Platz im gesamtdeutschen Fernsehen. So richtig populär wurde der stämmige, nur 1,65 Meter große Mann mit dem runden, freundlichen Gesicht in den "Tatort"-Folgen des Rundfunks Berlin-Brandenburg. (RBB). Hier unterstützte er als Kommissar bzw. Kriminaltechniker Lutz Weber4) ab 2000 dreizehn Jahre lang die Ermittler der 5. Mordkommission des Berliner LKA Ritter & Stark1) alias Dominic Raacke1) und Boris Aljinovic1). Bei Wikipedia wird die kauzige Figur mit der karierten Schiebermütze folgendermaßen charakterisiert: "Kommissar Lutz Weber, gespielt von Ernst-Georg Schwill, ist Mitte der 1940er Jahre geboren und stammt noch aus den Zeiten der Volkspolizei. Er ist ein verlässlicher Mitarbeiter und "ein Mann für alle Fälle". Auch er begann, wie Felix Stark, im Raubdezernat, wechselte später zur Mordkommission, wo auch er es am Anfang mit Till Ritter nicht leicht hatte. Aber er ist ein Gemütsmensch mit gesundem Menschenverstand und solider Grundausbildung. Durch seinen trockenen Berliner Humor gelingt es ihm oft auch mal, die ungeliebten Wahrheiten auszusprechen. Ganz besonders, wenn er, wie fast immer, vor seinen beiden Kollegen am Tatort ist und auch schon mal einen Kaffee besorgt. Meist ist er jedoch im Innendienst, um zu recherchieren, Akten zu bearbeiten oder alle möglichen anderen Kleinigkeiten zu organisieren."
Episodenrollen in Dauerbrennern wie "Für alle Fälle Stefanie"1), "In aller Freundschaft"1), "SOKO Leipzig"1) oder "SOKO Wismar"1) zählen ebenso zu Schwills schier endlosen Filmografie wie Einzelproduktionen, so gehörte er unter anderem in jüngster Zeit zur Besetzung des packenden Familiendramas "Böse Wetter – Das Geheimnis der Vergangenheit"1) (2016) mit Götz George in seiner letzten Rolle.
Sporadisch stand Schwill zudem für Hörspielproduktionen vor dem Mikrofon, eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke findet man hier am Ende des Artikels.
 
Neben seiner künstlerischen Arbeit engagierte sich Schwill auch politisch, Anfang der 1960er Jahre wurde er Kandidat im Zentralrat der "Freien Deutschen Jugend"1) (FDJ). Seine "DDR-Vergangenheit" holte ihn dann Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer ein, 2006 wurde durch die "Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen"1) (BStU)" bzw. die damalige Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Marianne Birthler1) publik gemacht, dass Schwill vom 27. Oktober 1964 bis zum 22. Mai 1973 als inoffizieller Mitarbeiter (IM) des "Ministeriums für Staatssicherheit" unter dem Decknamen "Jacob" tätig gewesen sein soll. Im November 2012 kam es zu weiteren Vorwürfen hinsichtlich von Stasi-Verstrickungen: Er habe von 1983 bis 1989 unter dem Decknamen "Maxe" erneut für das Ministerium gearbeitet – beide Vorwürfe bestreitet Ernst-Georg Schwill, zudem wurde die eigentliche IM-Akte Schwills bis heute nicht gefunden → www.welt.de, www.tagesspiegel.de. Immerhin gab es Diskussionen bzw. ein breites Medien-Echo, dass Schwill in dem Psychothriller "Es ist nicht vorbei"5) (2011) mit Anja Kling als Stasi-Opfer die Rolle eines Ex-Stasi-Führungsoffiziers übernommen hatte. Tatjana Sterneberg1), ehemalige deutsche Zwangsarbeiterin in der DDR und Gründerin bzw. Vorsitzende des "Fördervereins Begegnungs- und Gedenkstätte Hoheneck e. V." bemerkte, Schwill habe den ehemaligen Führungsoffizier "hervorragend" gespielt, vielleicht neben seinen  schauspielerischen Qualitäten auch deshalb, "weil er sich in der Materie offenbar auskenne." (…) "Schwill ist eine hervorragende Widerspiegelung" dieses Führungsoffiziers." (Quelle: Vereinigung 17. Juni 1953 e.V.)
 
Seine Erinnerungen veröffentlichte der stets bodenständig gebliebene Urberliner 2008 unter dem Titel "Is doch keene Frage nich", ein weiteres Buch erschien 2012 und heißt "Icke, meine und andere Tatorte. Geschichten." Ernst-Georg Schwill lebt mit seiner Ehefrau Jette, die seit über vierzig Jahren an seiner Seite ist, in Zernsdorf nahe seiner Geburtsstadt Berlin.
Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia, www.defa-stiftung.de
Webpräsenz: www.ernst-georg-schwill.de
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 308/309)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) tatort-fundus.de, 5) tittelbach.tv
Quellen:
2) DEFA-Stiftung 
3) Artikel bei der nicht mehr existenten Website defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org
   
Filme (Auszug)
Kinofilme / Fernsehen: DFF-Produktionen/Gesamtdeutsche Produktionen 
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie
filmportal.de
(Fremde Links: Wikipedia, defa-stiftung.de, filmportal.de, fernsehserien.de,
fernsehenderddr.de, Die Krimihomepage, tatort-fundus.de, prisma.de, tittelbach.tv)
Kinofilme Fernsehen (Auszug)
  
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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