Übersicht (Auswahl) Theater / Film / Hörspiel
Dieter Franke erblickte am 13. Oktober 1934 als Sohn eines Bühnenbildners in der sächsischen Gemeinde Harthau (heute Chemnitz-Harthau) das Licht der Welt. Schon früh interessierte er sich für Musik und die Schauspielerei, begann nach der Schule seine künstlerische Laufbahn am Theater im thüringischen Greiz, wo er sich als "Mann für alles" empfahl und als Garderobier, Requisiteur, Kulissenschieber oder Inspizient arbeitete sowie auch schon mal als Statist auf der Bühne stand. Dann entschied er sich für eine fundierte Ausbildung und besuchte ab 1954 vier Jahre lang in Berlin die "Staatliche Schauspielschule" (heute "Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin"1)). 1958 erhielt Franke ein erstes Engagement am "Städtischen Theater" in Karl-Marx-Stadt (heute "Theater Chemnitz"1), wo er für die kommenden fünf Jahre Bühnenerfahrungen sammelte bzw. sich ein vielfältiges Repertoire erarbeitete. Er gestaltete unter anderem als Schiller-Interpret den Muley Hassan, Mohr von Tunis, in "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua"1) und den Bandit Roller in "Die Räuber"1), den Arbeiter Jojo in der Komödie "Im 6. Stock" von Alfred Gehri, den Peter van Pels1) in der Dramatisierung von "Das Tagebuch der Anne Frank"1) der US-amerikanischen Autoren Albert Hackett1) und Francis Goodrich-Hackett1) oder den Titelhelden in dem Weihnachtsmärchen "Peter Petz" von Werner Toelcke1).
Nach einem kurzen Intermezzo (1963) an der Berliner "Volksbühne"1) wechselte Franke 1964 an das "Deutsche Theater"1), dem er für viele Jahre angehören sollte und rasch zu den prägenden Schauspielern zählte. Einen ersten großen Erfolg feierte der damals 30-Jährige 1965 als alter, hoffnungsloser Archivar Charlesmagne in Benno Bessons legendären Inszenierung der Märchen-Parabel "Der Drache"1) von Jewgeni Schwarz mit Rolf Ludwig in der Titelrolle und Eberhard Esche als Drachentöter Lanzelot. Hochgelobt wurde Franke für seine Verkörperung des Mephistopheles in Goethes "Faust. Der Tragödie erster Teil"1), 1968 in Szene gesetzt von Wolfgang Heinz1) und Adolf Dresen1) mit Fred Düren als Faust. "Der Teufel ist hier listig verschlagen und überaus vital" notiert die DEFA-Stiftung, für Hans-Dieter Schütt1) war er der "missmutig malochende Höllenproletarier"2). Als Adolf Dresen 1975 an einem Abend die Kleist-Stücke "Prinz Friedrich von Homburg"1) und "Der zerbrochne Krug"1) auf die Bühne brachte, fand er in Franke einen exzellenten Darsteller des Kurfürsten – Alexander Lang1) spielte den Titelhelden – bzw. des Dorfrichters Adam. So konnte man in der Monatszeitschrift "Theater der Zeit"1) (8/1975) lesen: "Den Kurfürsten gibt Dieter Franke, stiernackig, rabulistisch, die Verse herauswetternd, ein kampfeslustiger Souverän. Siegessicher setzt er sich zurecht, der Absolute, um die aufsässigen Generale zu empfangen, keinen Schritt gedenkt er zu weichen, und gerade das macht ihn komisch, gibt dem Stück seine Dimension." (…) Dieter Franke vor allem reihte als Dorfrichter Adam mimische Erfindung an mimische Erfindung, ein Feuerwerk an Einfällen, ohne sich zu wiederholen, die Figur auf grandiose Weise ausschöpfend. Da argumentiert und gestikuliert ein ausgekochter Opportunist, provinziell zwar, dörflich-muffig, grobschlächtig, aber aalglatt, trotz Klumpfuß leichtfüßig, flink mit der Zunge, noch flinker mit den Augen, geradezu unerschöpflich in der Beredsamkeit seiner Hände. Er biedert sich an und er tritt ins Fettnäpfchen, er streichelt die Volksseele und er tritt sie mit seinem Klumpfuß, er wird in die Enge getrieben, alle Felle schwimmen ihm davon, er aber sinnt unverdrossen, das Ding zu seinen Gunsten zu drehen."3)
Franke wusste auch in Stücken moderner Autoren wie Heiner Müller1) (1967, "Ödipus Tyrann"), Claus Hammel1) (1970, "Le Faiseur oder Warten auf Godeau"), Peter Hacks1) (1975, "Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern"1) nach Goethe) oder Wladimir Majakowski1) (1977, "Das Schwitzbad") das Publikum zu fesseln. Gefeiert wurde er 1978 als Macheath in der Uraufführung von "Die Galoschenoper" nach "The Beggar's Opera"1) von John Gay1) (Libretto) und Johann Christoph Pepusch1) (Musik) in der Version von Heinz Kahlau1) (Libretto) / Reiner Bredemeyer1) (Musik), inszeniert von Friedo Solter1). "Sein souveränes Spiel, seine tragikomischen und grotesken Stilmittel überzeugen Kritiker wie Zuschauer." schreibt die DEFA-Stiftung → mehr zum Theater-Wirken siehe hier.
 
Zudem konnte Dieter Franke seine schauspielerische Kunst in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen unter Beweis stellen, verlieh auch Nebenfiguren eindrückliche Präsenz, "die er – wie den Rennmark in "Das zweite Leben des Friedrich Wilhelm Georg Platow"1) (1973) – zu feinen, oft ironisch gefärbten psychologischen Studien werden läßt."*) Sein Leinwanddebüt hatte er 1963 in dem DEFA-Streifen "Verliebt und vorbestraft"1) gegeben, Beachtung fand sein weiser Krankenfahrer Adam Kowalski in dem Jugendfilm "Mein lieber Robinson"1) (1970). In nachhaltiger Erinnerung ist er sicherlich als dämonisch-komischer Teufel in "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus"1) (1977) nach dem Märchen "Der Teufel mit den drei goldenen Haaren"1) geblieben. "Seine liebevolle und amüsante Darstellung des Teufels in "Wer reißt denn gleich vor'm Teufel aus" (1977) unter Regie von Egon Schlegel ist auch heute immer noch sehenswert. Jakob muss, um seine geliebte Prinzessin heiraten zu können, die drei goldenen Haare des Teufels dem König bringen. In den Kleidern der Ehefrau des Teufels bemächtigt er sich gewitzt den drei Haaren. Besonders die witzige und ironische Darstellung Dieter Frankes wird gelobt: er bietet hier eine komödiantische Meisterleistung, bringt die gefährlichen und zugleich dummen Seiten des Teufels auf den Punkt." führt die DEFA-Stiftung aus. Für sein Spiel des schroff-raubeinigen dennoch warmherzigen Bau-Spezialisten Herbert Kotbuß, der sich in Ulrich Theins mit viel hintergründigem Humor ausgestatteten Komödie " Dach überm Kopf"4) (1980) auf Drängen der einstigen Köchin Karoline Gluth (Renate Geißler) für deren Hausbau engagiert, konnte er 1982 beim " 2. Nationalen Spielfilmfestival der DDR"1) den Publikumspreis "Großer Steiger" entgegennehmen.
Eine letzte Leinwandrolle spielte Franke als Traktorfahrer Fritz in "Märkische Forschungen"1) (1982), gedreht von Roland Gräf1) nach der Romanvorlage von Günter de Bruyn. "Dieters unbändiges Komödiantentum erlag nie der Klamotte, sein Spiel war volkstümlich, ohne je anheimelnd zu sein, es war messerscharf, aber nie denunziatorisch, es war aufregend und auf unwiderstehliche Art einleuchtend." meinte Roland Gräf einmal 1995.*)
1982 war er von Regisseur Erwin Stranka1) für den Part des Werkstattbesitzers Kalle Sengebusch bzw. des Geistes "Automobilunglück" in der Komödie rund um den Fetisch Auto mit dem Titel "Automärchen"1) (1983) engagiert worden, nach wenigen Tagen musste Franke die Dreharbeiten krankheitsbedingt abbrechen; seine Rolle wurde von dem mit ihm befreundeten Kollegen Kurt Böwe übernommen.
 
Beim Fernsehen fand Franke ebenfalls vielfältige Aufgaben, wurde bevorzugt in Literaturadaptionen, aber auch in Krimis sowie in heiteren Gegenwartsstücken besetzt. Beispielhaft zu nennen ist der Ankläger Leone in "Volpone"5) (1974) nach der Komödie von Ben Jonson1) in der Bearbeitung von Stefan Zweig1), der Jean in "Fräulein Julie"5) (1965) nach dem Drama von August Strindberg1), der General Albert Schieffenzahn in dem Zweiteiler "Der Streit um den Sergeanten Grischa"5) (1968) nach dem Roman von Arnold Zweig1) oder Don Juans Diener Sganarell in "Don Juan"5) (1972) nach der Moliére-Komödie1). In der dreiteiligen Fallada-Verfilmung "Jeder stirbt für sich allein"5) (1970) tauchte er als zynisch-sadistischer Obergruppenführer Prall auf, gab Kommissare in den Krimis "Tod in der Flasche"5) (1973) und "Rückkehr als Toter"5) (1974). In der amüsanten Geschichte "Camping-Camping"5) (1977) erfreute er als genervtes Familienoberhaupt Detlef Engel, der dem familiären Ostsee-Urlaubsalltag entflieht, in der Gaunerkomödie "Puppen für die Nacht"5) (1980) war er der Gauner Ole, der zusammen mit seinen Kollegen Charly (Jaecki Schwarz), Fuchs (Erik S. Klein) und Jesus (Klaus-Peter Thiele) in der Nachtbar "Crazy" die "Puppen" tanzen lässt. Nicht nur bei den kleinen Zuschauern konnte er in zwei Märchenverfilmungen punkten, in "Der Meisterdieb"1) (1978) machte er als Graf eine gute Figur, war der Gevatter Tod in der "gleichnamigen Parabel"1) (1980) über die Macht (und Notwendigkeit) des Todes – "kraftvoll gespielt und souverän inszeniert, wobei die Gestalt des Todes gegen das Klischee mit dem lebensprallen, komischen Darsteller Dieter Franke besetzt wurde." schreibt das "Filmlexikon" (→ www.zweitausendeins.de). Zu Frankes letzten TV-Auftritten zählt der Film "Ein Tag aus Goethes Kindheit"5) (1981), wo er als Johann Caspar Goethe1), Vater des Dichters Johann Wolfgang von Goethe1), in Erscheinung trat.
 
Darüber hinaus betätigte sich Franke sporadisch als Sprecher und wirkte bei verschiedenen Hörspielen mit, eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier. Für das Label "Litera"1) sprach er in "Pawels Lehrjahre" (1973) nach dem Roman "Wie der Stahl gehärtet wurde"1) von Nikolai Alexejewitsch Ostrowski1) den Fjodor Shuchrai → www.ddr-hoerspiele.net. Weiterhin ist er unter anderem als Meister in den Grimm'schen Märchen "Tischlein deck dich"1) und als Männchen in "Das blaue Licht"1) (1972) zu hören, als Igel in der Verserzählung "Das Tierhäuschen" (1973) von Samuil Marschak1) oder mit dem Ensemble des "Deutschen Theaters" als Jupiter in "Die schöne Helena" von Peter Hacks nach der Jacques Offenbach-Operette1)   → mehr bei www.ddr-hoerspiele.net. Das Weihnachten 1975 im "Deutschen Theater" präsentierte Programm bzw. der Volksliederabend unter anderem mit Dieter Franke, Alexander Lang, Adolf Dresen, Margit Bendokat1) und Elsa Grube-Deister ist seit ein paar Jahren auf CD im Handel erhältlich ("Astel-Paul und die anderen: Volkslieder im Deutschen Theater 1975").
 
Mit nur 48 Jahren erlag Dieter Franke am 21. Oktober 1982 in Berlin einer langjährigen Krankheit. Rolf Ludwig, Kurt Böwe, Eberhard Esche und Klaus Piontek geleiteten als Sargträger ihren Freund und Kollegen zur letzte Ruhe auf dem Berliner "Französischen Friedhof"1) → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons sowie knerger.de.
"Es gibt Schauspieler, die äußern sich in ihren Darstellungen übertrieben ernst – in einer Sache, mit der sie im Grunde doch nur spielen. Und es gibt Schauspieler, die spielen triebhaft mit einer Sache, die sie aber sehr ernst meinen. Dieter Franke gehörte zum zweiten Typus."2) charakterisierte Hans-Dieter Schütt den beliebten und gefeierten Charaktermimen.
Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia, www.filmstadt-quedlinburg.de,
www.defa-stiftung.de, filmportal.de sowie
ehemalige Seite defa-sternstunden.de → Memento bei web.archive.org
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 85)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) filmportal.de, 5) fernsehenderddr.de
Quellen: 
2) Hans-Dieter Schütt: "Mephisto, ein Prolet der Hölle" in "Neues Deutschland" (23.10.2012)
3) www.berliner-schauspielschule.de bzw. "Das utopische Theater: Von Brecht bis Müller – vier Jahrzehnte DDR-Theater …" von Gerhard Ebert
Theater-Wirken (Auszug)
Quelle (unter anderem): Wikipedia
(Fremde Links: Wikipedia; R = Regie, UA = Uraufführung, EA = Erstaufführung,  P= Premiere)
Filme
Kino / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links:  Wikipedia, filmportal.de, fernsehenderddr.de, fernsehserien.de)
Kinofilme  (DEFA-Produktionen) Fernsehen (Auszug; DFF-Produktionen, wenn nicht anders vermerkt)
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia (deutsch/englisch))
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