Rosa Albach-Retty wurde am 26. Dezember 1874 als Rosa Clara Franziska Helene Retty
im hessischen Hanau am Main geboren; aus ihrer Ehe mit dem k.u.k Offizier
Karl Albach (1870 1952) stammte der der Ufa-Star Wolf Albach-Retty1)
(1906 1967), die international gefeierte
Schauspielerin Romy Schneider1)
(1938 1982) war ihre Enkelin.
Das Elternhaus von Rosa Albach-Retty war musisch geprägt, schon früh wurde
die junge Rosa mit der Musik und darstellenden Kunst vertraut gemacht,
debütierte vom legendären Josef Kainz empfohlen bereits
mit 17 Jahren an dem von Adolph L'Arronge geleiteten Deutschen Theater in
Berlin. Über das Berliner "Lessing-Theater" und "Deutsche Volkstheater" in Wien,
wo sie unter anderem mit der Titelrolle in Kleists "Käthchen von Heilbronn"
brillierte, kam sie 1903 an das Wiener Burgtheater, das bis zuletzt
ihre künstlerische Heimat blieb.
In ihren frühen Jahren glänzte Rosa Albach-Retty meist als Naive oder
jugendlich unbekümmerte Schönheit, so beispielsweise 1908 als "Rahel" in Grillparzers
Trauerspiel "Die Jüdin von Toledo" an der Seite von Josef Kainz,
dessen bevorzugte Partnerin sie wurde und mit dem sie auch auf einige
Gastspielreisen ging. Sie beeindruckte unter anderem als "Delfine" in
Hermann Bahrs Komödie "Das Konzert" (1919), als "Leonore Sanvitale"
in Goethes Drama "Torquato Tasso", als Zofe "Nerissa" in
Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig", als "Roxane" in
Edmond Rostands romantischer Liebesgeschichte "Cyrano de Bergerac"
oder mit den Titelrollen in Strindbergs "Fräulein Julie"
und Arthur Schnitzlers "Komtesse Mizzi".
Foto: Rosa Albach-Retty um 1900
Urheber: Rudolf Krziwanek (gestorben 1905)
Quelle: Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv Austria, Inventarnr.
Kor 72A
bzw. Wikimedia Commons
Lizenz zur Veröffentlichung siehe hier
|
 |
Anfang der 1930er Jahre wechselte die Schauspielerin das Rollenfach, verlieh nun Figuren wie
der "Marthe Schwerdtlein" in Goethes "Faust" oder der
"Marthe" in Kleists "Der zerbrochene Krug"
eindrucksvolle Konturen, bewies in vielen klassischen und modernen Werken
ihre schauspielerische Dominanz und facettenreiche Ausdruckskraft,
brillierte in Dramen aber vor allem im charakterkomischen Fach, in dem sie
die ganze Bandbreite ihrer darstellerischen Größe unter Beweis stellte. Zu
ihren Glanzleistungen zählen unter anderem die Mutter in Ibsens "Peer Gynt",
eine Rolle, die Rosa Albach-Retty zwischen 1935 und 1952
vielfach verkörperte, weiterhin die Herzogin in Eugène Scribe's
Komödie "Das Glas Wasser", die Frau des "Michael Kramer"
in Gerhart Hauptmanns gleichnamigem Bühnenstück, die "Miss Prism" in
Oscar Wildes "Bunbury" oder die Amme in Shakespeares "Romeo und
Julia". Nach Ende des 2. Weltkrieges sah man sie beispielsweise als Frau Andrew in
George Bernard Shaws Lustspiel "Major Barbara", als Julia in T. S. Eliots
Ehekomödie "Cocktail Party", als Tante in Garcia Lorcas
Farce "Dona Rosita", als Garderobiere in Anouilhs "Colombe"
oder als Madame Desmermortes in "Einladung ins Schloß",
ebenfalls von Jean Anouilh. Im Alter von 74 Jahren nahm die Burgschauspielerin 1958 mit
der Rolle der reichen Witwe Mrs. Edna Savage in John Patricks
Komödie "Eine etwas sonderbare Dame" Abschied vom Theater, blieb
dem Burgtheater jedoch als "Ehrenmitglied" weiterhin verbunden.
Im März 1973 feierte Rosa Albach-Retty dann das einmalige Fest der 70-jährigen Zugehörigkeit zum Wiener Burgtheater, ein Ereignis,
dass noch nie einem Künstler beim Burgtheater vergönnt war. Neben ihrem Titel
"Hofschauspielerin", den sie als letzte Schauspielerin trug,
erhielt Rosa Albach-Retty während ihrer langen Karriere zahlreiche weitere
Auszeichnungen: So war sie seit Oktober 1958 erste Trägerin der Kainz-Medaille der Stadt
Wien und wurde für ihre Darstellung in "Eine etwas sonderbare Dame"
gewürdigt, ihr zu Ehren wurde der Rosa-Albach-Retty-Ring gestiftet,
den jeweils die Doyenne des Burgtheaters trägt, und auch der
Professorentitel gehört zu den Anerkennungen ihrer Lebensleistung.
Vereinzelt trat die Schauspielerin auch im Film auf: Erstmals sah man sie 1930 in
Georg Jacobys "Geld auf der Straße" auf der Leinwand, im
Verlaufe der nächsten Jahrzehnte spielte sie sporadisch einprägsame
Nebenrollen in Filmen wie "Hotel Sacher"2) (1939),
"Maria
Ilona"2) (1939), "Dreimal Hochzeit"2) (1941)
oder zusammen mit ihrem Sohn Wolf Albach-Retty in "Die Heimliche Gräfin" (1942).
In Karl Hartls Mozart-Biografie "Wen die Götter lieben" (1942),
mit Hans Holt in der Titelrolle, spielte sie die Mutter des Komponisten, in
den 1950ern sah man sie beispielsweise an der Seite von Paul Hörbiger in
"Der Alte Sünder" (1951) oder als Gräfin Fuchs in "Maria Theresia" (1951)
neben Paula Wessely in der Titelrolle. Zu ihren weiteren Ausflügen auf die
Leinwand zählen Emil E. Reinerts Literaturverfilmung "Abenteuer in Wien" (1952)
mit Gustav Fröhlich, das Ferdinand Raimund-Stück "Der
Verschwender" (1953) mit Attila Hörbiger, Maria Andergast und Josef Meinrad
sowie Franz Antels Remake "Der Kongreß tanzt" (1956) mit Johanna Matz
und Rudolf Prack.
Rosa Albach-Retty starb am 26. August 1980 im gesegneten Alter von 105 Jahren in
Baden bei Wien.
Die Erinnerungen an ihr langes, ereignisreiches
Leben hatte Rosa Albach-Retty zwei Jahre vor ihrem Tod unter dem Titel "So kurz sind hundert Jahre"
veröffentlicht.
Im Klappentext zu diesem Buch, das auch als bedeutendes Dokument zur
Theatergeschichte gewertet werden kann, steht unter anderem: Rosa Albach-Retty wurde
im selben Jahr wie Hugo von Hofmannsthal und Karl Kraus geboren. Ein
Dreiviertel-Jahrhundert war sie als Schauspielerin aktiv und absolvierte ungezählte
Gastspiele in Deutschland, Russland, Dänemark, der Schweiz und vor dem Ersten Weltkrieg
in den Ländern der Habsburger Monarchie. Kaum eine Auszeichnung, die sie
nicht erhalten hat, kaum ein Kritiker, der ihr nicht Hymnen gewidmet hätte. Das lange Leben der
Schauspielertochter war und ist nicht das aufwendige Dasein einer Grande Dame,
sondern trotz ihres Erfolges, der ihr aufgrund ihrer großen Begabung,
ihres Temperamentes und ihrer bezwingenden Natürlichkeit schon früh
zuteil wurde das einer bescheidenen Frau, die immer auf dem Boden der
Tatsachen blieb. Nach allen Höhen und Tiefen, die auch ihr nicht erspart blieben,
sagt sie heute: "Ich bin ein fröhlicher und glücklicher Mensch".
Foto: Rosa Albach-Retty
Quelle: Wikipedia:
Scan aus "Spemanns goldenes Buch des Theaters" (1902) von
Wikipedia-Benutzer Goerdten Lizenz
zur Veröffentlichung siehe hier
|
|
|