Richard Chamberlain
George Richard Chamberlain wurde am 31. März 1934 als Sohn eines erfolgreichen Fabrikanten und einer Sängerin im kalifornischen Beverly Hills (Los Angeles) geboren, wuchs er in großzügigen Verhältnissen auf. Als Jugendlicher genoss Chamberlain das typische Leben der kalifornischen Kids, schwimmen, sonnenbaden, Spaß haben. Nur eines unterschied ihn von seinen Altersgenossen – er wollte keinesfalls Schauspieler werden. Zunächst sah es auch gar nicht danach aus, denn nach seinem Abschluss an der Beverly Hills High School studierte er Kunst und Design – er wollte Designer werden – am "Pomona College" in Claremont, besonders die Malerei faszinierte den jungen Mann.
Die Liebe zum Theater entdeckte Chamberlain erst im letzten Jahr seines Studiums, und seine beispiellose Karriere startete er auf einer kleinen Studentenbühne. Das war vorerst ein kurzes Intermezzo, denn mitten in diese ersten Gehversuche brach der Koreakrieg herein. 1956 wurde Chamberlain zum Wehrdienst nach Ostasien geschickt, musste zwei Jahre Dienst tun und wurde dann, inzwischen zum Sergeanten befördert, nach Hause entlassen.

Zurück in der Heimat, griff er das Malen wieder auf und studierte nebenher Gesang – bei Carolyn Trojanowski am "Los Angeles Conservatory Of Music". Schließlich nahm er Schauspielunterricht bei einem der angesehensten Lehrer der Gegend – Jeff Corey. Seine ersten Rollen bekam er 1959 in der beliebten Westernserie "Gunsmoke", es folgten die Filme "The Secret of Purple Reef" (1960) und der Western "Massaker im Morgengrauen" (1961, A Thunder of Drums), bis ihm im gleichen Jahr der Durchbruch als populäres TV-Idol gelang: Mit 26 Jahren begeisterte Richard Chamberlain ein Millionenpublikum – als Serienheld "Dr. Kildare" in der gleichnamigen Arztserie, die bis 1966 im Fernsehen lief. Am 27. September 1961 wurde die erste Folge mit dem Titel "Twenty-four hours" in Amerika ausgestrahlt, bis August 1966 und der Episode "Reckoning" (Die Abrechnung) flimmerten weitere 190 Geschichten über den Bildschirm. Innerhalb kürzester Zeit war Chamberlain zu einem der ganz großen Fernsehstars avanciert, seine Beliebtheit ließ sich in bis zu 12.000 Fanbriefen ablesen, die Woche für Woche erhielt – das sind mehr als Clark Gable auf der Höhe seiner Popularität bekam; siehe auch die Serienbeschreibung innerhalb dieser Webpräsenz.
Der frühe Erfolg brachte Chamberlain zum Nachdenken und zu einem beherzten Entschluss, mit 33 Jahren kehrte der kalifornische Beau Film und Westküste den Rücken und ging nach England. Sein schlechtes Gewissen trieb ihn zu diesem Schritt. "Ich hatte das Gefühl, nun endlich die Schauspielausbildung nachholen zu müssen, die ich meinen Fans schuldig bin und die ich bis dahin versäumt hatte", sagte er viele Jahre später. Richard Chamberlain nahm Unterricht, wagte sich dann in London erfolgreich als "Hamlet" auf die Bühne. Es war auch die Zeit, in der sich der kalifornische Junge in jenen Gentleman verwandelte, der von nun an als Herzensbrecher die Filmwelt bereichern sollte. Selbst den lässigen Westküsten-Dialekt legte er zugunsten eines vornehmen Oxford-Englisch ab.

Kein Wunder, dass die britischen Filmregisseure den smarten Kalifornier für sich entdeckten. Englands Regie-Exzentriker Ken Russell holte ihn für die Hauptrolle in "Tschaikowsky – Genie oder Wahnsinn"1) (1970, The Music Lovers2)) vor die Kamera, und Richard Lester setzte ihn als einen der "Die drei Musketiere"1) (1973, The Three Musketeers2)) aufs Pferd, dem der zweite Teil "Die vier Musketiere – Die Rache der Mylady"2) (1974, The Four Musketeers) rasch folgte.
Danach ging Chamberlain zurück in die USA, spielte Theater am Broadway, suchte sich anspruchsvolle TV-Rollen aus, drehte aber auch Kinofilme wie den Katastrophenstreifen "Flammendes Inferno"2) (1974, Towering Inferno) oder übernahm die Titelrolle in David Greenes Dumas-Adaption "Der Graf von Monte Christo" (1975, The Count of Monte Cristo). Er stand für Peter Weirs Endzeitdrama "Die letzte Flut"1) (1977, The Last Wave)2) vor der Kamera, zeigte sich unter anderem in dem Kinofilm "Der tödliche Schwarm"2) (1977, The Swarm) und der TV-Serie "Colorado Saga"2) (1978, Centennial). 

Zwar lebte Richard Chamberlain der Arbeit wegen in Los Angeles, aber doch so weit ab wie möglich in den Bergen. Ein selbsternannter Außenseiter, dem die rauschenden Hollywood-Partys ein Greul sind. Oft dichtete man dem galanten Star Liebesaffären an, Gerüchte kursierten um angebliche Beziehungen mit "Denver"-Star Linda Evans und seiner "Dornenvögel"-Partnerin der ersten Staffel, Rachel Ward. Tatsächlich aber war Richard Chamberlain ein eingefleischter Junggeselle, längst ist es kein Geheimnis mehr, dass der charismatische Schauspieler zu Frauen eher eine platonische Liebe pflegt. Der Superstar hätte sich längst ins Privatleben zurückziehen können, als er in den 1980er Jahren eines der größten Comebacks der TV-Geschichte feierte. Nachdem er als Samurai in der TV-Reihe "Shogun"2) für einen Achtungserfolg sorgte, feierte er 1983 als Pater de Bricassart in "Die Dornenvögel"2) nach dem Roman der australischen Schriftstellerin Colleen McCullough seinen bislang größten Erfolg – und zwar weltweit. Allein in Deutschland sahen bei der Erstausstrahlung rund 21 Millionen Zuschauer – vorwiegend weibliche – die dramatische Liebe zwischen dem katholischen Pater und der australischen Farmerstochter Meggie Cleary (Rachel Ward) – in den USA sollen es 95 Millionen Zuschauer gewesen sein. Dafür gab es 1984 den "Golden Globe" für den Hauptdarsteller. Es war aber auch zu Herzen gehend – diese unendliche und letztlich unerfüllt gebliebene Liebesgeschichte.

Danach tauchte Chamberlain in Produktionen wie dem Abenteuer "Quartermain – Auf der Suche nach dem Schatz der Könige"1) (1985, King Solomon's Mines2)) sowie der Fortsetzung "Quatermain II – Auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt"2) (1987, Allan Quatermain and the Lost City of Gold) auf, drehte Filme wie "Agent ohne Namen"2) (1988, The Bourne Identity) oder "Rückkehr der Musketiere"2) (1989, The Return of the Musketeers), war im Fernsehen in Stücken wie "Die Nacht des Jägers" (1991, The Night of the Hunter) oder "Absturz in die weiße Hölle" (1993, Ordeal in the Arctic) zu sehen. Mit einer Überraschung wartete Sat.1 auf: Zwölf Jahre nach Chamberlains Mega-Erfolg, gab es die Fortsetzung der schönsten TV-Saga in der Geschichte des Fernsehens: Am 14. und 16. September 1997 zeigte SAT.1 "Die Dornenvögel – Die verlorenen Jahre" (The Thorn Birds: The Missing Years). Die Erfolgsstory sollte weitergehen: Zehn Jahre sind inzwischen vergangen. Pater Ralph unterstützt die Flüchtlinge, die es während des Zweiten Weltkriegs in die Vatikanstadt treibt. Meggie kämpft unterdessen allein auf der Farm gegen Dürre und Hunger. Ihr gemeinsamer Sohn ist inzwischen ein Teenager. Als Ralph nach Australien versetzt wird, gibt es ein Wiedersehen – die Liebe ist leidenschaftlich wie am ersten Tag …

Das erste Drehbuch für diese Fortsetzung überzeugte Chamberlain zunächst allerdings wenig; das Buch wurde umgeschrieben und fand schließlich sein "O.K." – einige Monate vergingen dann noch bis zum Drehstart und da Rachel Ward, Bryan Brown und andere Darsteller aus der Originalbesetzung zu diesem Zeitpunkt bereits anderweitig verpflichtet waren, musste nun eiligst eine neue "Crew" gefunden werden. "Die Dornenvögel – Die verlorenen Jahre" wurde an paradiesischen Sets in Queensland (Australien) gedreht. Richard Chamberlain schwärmt noch heute von den zwei Monaten, die er während der Dreharbeiten dort verbrachte.
Nachdem er in seiner Residenz auf Hawaii neue Kräfte gesammelt hatte, ließ er sich für das Musical "My Fair Lady" verpflichten. Der sensationelle Erfolg des Stücks machte eine Europatournee möglich und brachte Chamberlain im Anschluss auch nach Deutschland; 1995 konnte man ihn im Deutschen Theater in Berlin als Professor Higgins bewundern. Das nächste Projekt war die internationale zweiteilige TV-Koproduktion "Die verlorene Tochter" (1997, The Lost Daughter) um die Sonnentempler-Sekte, die fast 6 Millionen Zuschauer begeisterte. In Kanada drehte Richard Chamberlain im Frühjahr 1997 "Winterliebe – Späte Romanze im Schnee" (1997, All the Winters That Have Been), eine "reife Liebesgeschichte", an der Seite von Hal Holbrook and Karen Allen. Danach trat er nur noch sporadisch vor die Kamera, agierte mit Gastrollen in verschiedenen Serien wie beispielsweise in "Nip/Tuck"2) (2006) oder "Desperate Housewives"2) 2007). Zu seinen weiteren Arbeiten für das Kino zählen in den letzten Jahren das Melodram "Strength and Honour" (2006) von Mark Mahon, mit Michael Madsen als Boxers Sean Kellegher, der im Kampf einen Freund tötet, und Chamberlain als Trainer sowie die Komödie "Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme"2) (2007).Abgedreht hat Chamberlain die Lowbudget-Komödie "We Are the Hartmans" (2011), in der er den kranken Besitzer einer Rockkneipe mimt, 2012 soll der Independent-Film "The Perfect Family" in die Kinos kommen, in dem er die Rolle des eines Pastors übernommen hat.

In deutscher Sprache wurde Ende der 80er Jahre das Buch "Richard Chamberlain. Der Star aus Dornenvögel. Biographie" von Jeffrey Ryder veröffentlicht. Im April 2003 stellte Chamberlain seine Autobiografie "Shattered Love: A Memoir " vor, in der er sich offen zu seiner Homosexualität bekennt und darin unter anderem von dem "schmerzvollen, jedoch heilsamen Prozess, sein wirkliches Ich mit dem Image in der Öffentlichkeit zu versöhnen" berichtet. Chamberlain lebte in den letzten Jahren fast völlig zurückgezogen mit seinem Lebensgefährten Martin Rabbett, der als Agent, Produzent und Regisseur für Chamberlain fungierte, auf Hawaii. Unlängst ging durch die Presse, Chamberlain und Rabbett hätten sich nach über 30 Jahren getrennt, das gemeinsame Haus solle der "Dornenvögel"-Star bereits verlassen haben. Wie das Boulevardblatt "Daily Express" verlauten ließ, seien Chamberlains aktuelle Schauspielpläne der Grund für die Trennung.
 
Dass der einstige TV-Herzensbrecher am
31. März 2009 seinen 75. Geburtstag beging, war den deutschen Medien meist nur eine Randnotiz wert. Vermutlich, weil sich Chamberlain fast gänzlich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat und nur sporadisch Aufgaben vor der Kamera übernimmt. In den letzten Jahren lässt er sich auch nur noch selten auf die Bühne locken, wie zuletzt mit seiner US-Tournee als König Arthur in Monty Pythons Musical "Spamalot". Selbst an seinem Geburtstag trat er damit im Palace Theatre in Cleveland (Ohio) auf. 
   

1) Der Link führt zu prisma-online.de – 2) Der Link führt zu Wikipedia Stand Februar 2011
Textteile von www.prisma-online.de und Dirk Jasper Filmstar Lexikon
Siehe auch Wikipedia, www.whoswho.de sowie
die englischsprachige Fan-Seite www.richardchamberlain.net
  
Filme (Auszug)
Filmografie bei www.imdb.de
1960: The Secret of the Purple Reef
1961: A Thunder of Drums (Massaker im Morgengrauen)
1961: Dr. Kildare (TV Serie)
1963: Twilight of Honor (Rufmord)
1965: Joy in the Morning
1968: Petulia
1968: The Portrait of a Lady (TV)
1969: The Madwoman of Chaillot (Die Irre von Chaillot)
1970: Hamlet (TV)
1970: Julius Caesar
1971: The Music Lovers (Tschaikowskij – Genie und Wahnsinn)
1972: Lady Caroline Lamb (Die große Liebe der Lady Caroline)
1972: The Films of Robert Bolt
1972: The Woman I Love (TV)
1973: The Three Musketeers (Die Drei Musketiere)
1974: The Four Musketeers (Die Vier Halunken der Königin)
1974: F. Scott Fitzgerald and 'The Last of the Belles' (TV)
1974: The Lady's Not for Burning (TV)
1975: The Count of Monte-Cristo TV, Der Graf von Monte Cristo)
1975: The Towering Inferno (Flammendes Inferno)
1975: The Christmas Messenger (TV)
1976: The Man in the Iron Mask (Der Mann mit der eisernen Maske
1976: The Slipper and the Rose
1977: The Last Wave (Die letzte Flut)
1978: Centennial (TV Serie)
1978: The Swarm (Der Tödliche Schwarm)
1980: Murder by Phone (Starkstrom)
1980: Shogun (TV Serie)
1978: The Good Doctor (TV)
1983: The Thorn Birds (TV, Die Dornenvögel)
1983: Cook & Peary: The Race to the Pole (TV, Mission Nordpol)
1985: The Miracle (TV)
1985: Wallenberg: A Hero's Story (TV)
1986: Dream West (TV Serie: Das abenteuerliche Leben des John Charles Fremont)
1986: King Solomon's Mines (Quatermain – Auf der Suche nach dem Schatz der Könige)
1987: Casanova (TV)
1987: Allan Quatermain and the Lost City of Gold 
(Quatermain II – Auf der Suche nach der geheimnisvollen Stadt)
1988: The Bourne Identity (TV, Agent ohne Namen
1989: The Return of the Musketeers (Die Rückkehr der Musketiere)
1989: Island Son (TV-Serie: Dr. Kulani – Arzt auf Hawaii
1991: Aftermath: A Test of Love (TV, Alptraum)
1991: Night of the Hunter (TV, Die Nacht des Jägers)
1993: Ordeal in the Arctic (TV, Absturz in die weiße Hölle)
1996: Bird of Prey (Die Tochter des Paten)
1996: The Thorn Birds: The Missing Years (TV, Die Dornenvögel – Die verlorenen Jahre)
1997: A River Made to Drown In (Dark Moments  – Im Angesicht des Todes)
1997: All the Winters That Have Been (TV, Winterliebe – Späte Romanze im Schnee)
1997: The Lost Daughter (TV, Die Verlorene Tochter)
1999: The Pavilion
2006: Blackbeard (TV, Blackbeard – Piraten der Karibik)
2007: Strength and Honour
2007: I Now Pronounce You Chuck & Larry (Chuck und Larry – Wie Feuer und Flamme)
2011: We Are the Hartmans
2012: The Perfect Family
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