Lída Baarová
Lída Baarová wurde am 16. November 1914 als Ludmila Babková und Tochter eines Magistratsbeamten in der tschechischen Hauptstadt Prag geboren. Schon mit fünf Jahren bekam sie Tanzunterricht und absolvierte später eine Schauspielausbildung am Staatlichen Konservatorium ihrer Geburtsstadt; anschließend erhielt sie ein Engagement am dortigen Nationaltheater. Bereits mit 17 Jahren gab sie ihr Filmdebüt und erhielt weitere Rollen in tschechischen Filmen. 1934 holte sie die Ufa nach Deutschland und 1935 wurde sie als Partnerin von Gustav Fröhlich für den Film "Barcarole"1) verpflichtet – Lída Baarová wurde praktisch über Nacht ein Star. 1936 folgten die Propaganda-Filme "Die Stunde der Versuchung"1) und "Verräter"1), 1937 "Die Fledermaus" sowie 1938 "Der Spieler"1), in denen die bildschöne Schauspielerin meist den Typus des geheimnisvollen Vamps darstellte und neben so berühmten Kollegen wie Willy Birgel, Hilde Körber, Mathias Wieman, Grethe Weiser oder Hans Söhnker auftrat; außerdem spielte sie am Deutschen Theater in Berlin und an der Volksbühne.
  
Schlagzeilen machte dann die bis dahin heimliche Liaison der schönen Baarová mit Goebbels durch die legendäre Ohrfeige, die der eifersüchtige Gustav Fröhlich angeblich dem "Schirmherr des deutschen Films" gegeben haben soll. Im Sommer 1936 hatte Fröhlich eine Villa in der Nachbarschaft der Familie Goebbels in Berlin-Schwanenwerder gekauft, wo die Baarová mit dem Filmstar lebte. Goebbels war, trotz seiner nach außen plakativ dargestellten Bilderbuch-Ehe für Affären mit jungen, attraktiven Schauspielerinnen bekannt, wurde auch der "Der Bock von Babelsberg" genannt. Goebbels balzt nach allen Regeln der Kunst: Er spielt am Flügel romantische Weisen, rudert Lida über den See, füttert mit ihr Rehe im Wald und turtelt am Kamin. Die 22-Jährige wehrt sich nicht lange gegen seine Avancen. Sie trennt sich von Fröhlich und Goebbels hat freie Bahn bei seiner "Liduschka": "Er war sehr geistreich. Wir haben viel gelacht und wir haben uns gut verstanden. Ich muss sagen, er war ein sehr nobler Mensch." Aus der Affäre wird eine ernsthafte Liebe. (Quelle: www.wdr.de)
Als der Propagandaminister nach zwei Jahren erkennen ließ, dass er sich wegen der Schauspielerin scheiden lassen wolle, wandte sich Magda Goebbels im August 1938 unmittelbar an Hitler, der wutschnaubend ein Ende der Beziehung angeordnet haben soll. Lída Baarová fiel in Ungnade, bekam Spielverbot und die Premiere des 1938 zusammen mit Willy Fritsch gedrehten Films "Preußische Liebesgeschichte" wurde untersagt; erst 1951 wurde der Film unter dem Titel "Eine Liebeslegende" uraufgeführt.

Ende 1938 wurde die Schauspielerin aus Deutschland ausgewiesen und sie kehrte in ihre Heimat zurück. Dort filmte sie unter großen Schwierigkeiten weiter, verließ die Tschechoslowakei dann 1941, als die Deutschen ihre Heimat besetzten, ging nach Italien und drehte dort unter anderem 1943 den Raffael-Film "La Fornarina".
Nach Kriegsende wurde sie von den Tschechen wegen Kollaboration mit den Nazis und als Spionin angeklagt und für 18 Monate in dem berüchtigten Gefängnis Pancrac inhaftiert. Ende 1946 wurde sie entlassen, heiratete den früheren Direktor der Prager Staatsoper Jan Kopecky, einen Verwandten des kommunistischen Innenministers, und zog mit ihm unter abenteuerlichen Umständen zunächst nach Argentinien, später nach Spanien.
Ab 1950 ging Lída Baarová wieder nach Italien, drehte dort einige Filme und versuchte vergeblich als Schauspielerin wieder Fuß zu fassen; lediglich in dem 1953 von Fellini gedrehte Meisterwerk "I vitelloni" (Die Müßiggänger) konnte sie an alte Erfolge anknüpfen. 1956 ließ sie sich von Jan Kopecky scheiden, zog ins österreichische Salzburg und erhielt ein Engagement beim Theater.
Anfang der 60er Jahre war die Baarová erstmals auch wieder in Boulevardstücken auf deutschen Bühnen zu sehen, so in Düsseldorf, Heidelberg und Bad Godesberg – doch immer noch schlugen ihr Ressentiments entgegen. 1975 engagierte sie Rainer Werner Fassbinder für sein Stück "Die bitteren Tränen der Petra von Kant"; es sollte der letzte Triumph ihrer wechselvollen Karriere sein.

Lída Baarová, die seit 1958 bis zu dessen Tod 1980 mit dem schwedischen Professor Kurt Lundwall verheiratet war, verstarb am 28. Oktober 2000 mit 86 Jahren – von den Medien fast unbeachtet – in Salzburg. Ihre letzten Jahre verbrachte der einst an Luxus gewöhnte Ufa-Star vereinsamt, von der Parkinsonschen Krankheit gezeichnet in ihrer Salzburger Wohnung und lebte von einer bescheidenen Rente. Sie wurde auf eigenen Wunsch in ihrer Geburtsstadt Prag beigesetzt.
Nach dem Tod der Künstlerin wurden im Februar 2001 im Filmbuchverlag Kettermann und Schmidt die Memoiren "Lida Baarova: Die süße Bitterkeit meines Lebens" veröffentlicht, die die einstige Filmdiva bereits 1995 geschrieben hatte; damals fand sie jedoch kein Verleger für ihre Lebensgeschichte.
Ihr Leben war abenteuerlicher als ihre Filmrollen. Dennoch beeindruckte die schöne Frau mit der dunklen Stimme und den großen, melancholischen Augen auf der Leinwand an der Seite von Teufelskerlen und Patrioten, sie liebte auch Verräter leidenschaftlich. Blonde Konkurrentinnen hatten gegen diese luxuriöse, exotische, ausländische Variante des Vamps, die junge Russinnen, Italienerinnen, Französinnen oder litauische Prinzessinnen spielte, ebensowenig eine Chance, wie der sie liebende deutsche Leinwandheld seiner Zeit.
(Quelle: "Lexikon der deutschen Film- und TV-Stars" von Adolf Heinzelmeier/Berndt Schulz)
 

1) Der Link führt zur Filmbeschreibung der Murnau-Stiftung
Siehe auch wikipedia.org, www.shoa.de, www.cyranos.ch
Fotos bei film.virtual-history.com
     
Kinofilme
Filmografie bei der german.imdb.com
1931: Kariéra Pavla Camrdy 1931: Obrácení Ferdyse Pistory
1932: Funebrák 1932: Lelícek ve sluzbách Sherlocka Holmese
1932: Madla z cihelny 1932: Ruzové kombiné
1932: Senkýrka u divoké krásy 1932: Zapadlí vlastenci
1933: Její lékar 1933: Jsem devce s certem v tele
1933: Okénko 1933: Sedmá velmoc
1934: Grandhotel Nevada 1934: Pokusení paní Antonie
1934: Na růzích ustláno 1934: Zlatá Katerina
1934: Pán na roztrhání 1935: Leutnant Bobby, der Teufelskerl
1935: Einer zuviel an Bord 1935: Barcarole
1936: Komediantská princezna 1936: Svadlenka
1936: Die Stunde der Versuchung 1936: Verräter
1937: Die Fledermaus 1937: Panenstvi
1937: Die Kronzeugin 1937: Patrioten
1937: Lidé na kre 1937: Unter Ausschluss der Öffentlichkeit
1938: Preußische Liebesgeschichte 1938: Der Spieler
1939: Die Geliebte 1939: Turbína
1939: Maskovana milenka 1939: Männer müssen so sein
1939: Ohnivé léto 1940: Artur a Leontýna
1940: Dívka v modrém 1940: Zivot je krásný
1941: Palicova dcera 1941: Za tichych noci
1943: Il Cappello da prete 1943: La Sua strada
1943: Grazia 1943: Ti conosco, mascherina!
1943: La Fornarina 1944: Vivere ancora
1945: L’Ippocampo 1950: La Bisarca
1951: Gli Amanti di Ravello 1951: La Vendetta di una pazza
1951: Gli Innocenti pagano 1952: Carne inquieta
1953: Pietŕ per chi cade 1953: I Vitelloni
1956: Viaje de novios 1956: Todos somos necesarios
1956: La Mestiza 1956: Miedo
1957: Il Cielo brucia 1957: Rapsodia de sangre
1957: El Batallón de las sombras
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