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Geboren am 16. Dezember 1883 als Gabriel-Maximilien Leuvielle im französischen Caverne bei Saint-Loubès,
gestorben am 31. Oktober 1925 in Paris.
Was Max Linder von den damaligen Komikern unterschied war sein Stil.
Statt vordergründiger Burleske verzichtete er auf übertriebene Mimik und
entwickelte die Komik aus der Bewegung heraus. Wie viele Komiker seiner Zeit war
auch Linder ein begnadeter Artist, der seine Stunts selber ausführte, wie
z. B. sein Tanz auf Telefondrähten in luftiger Höhe. Linder war auch mit
einer ungehörigen Portion Neugier ausgestattet. So
ließ er es sich nicht nehmen, die Handhabung des eben erfundenen Wasserflugzeugs
zu erlernen und in einem seiner Filme einzubauen. Er ging etlichen modischen
Sportarten nach und nutzte immer die Gelegenheit, einzelne Szenen in seinen
Filmen zu integrieren. Dadurch wurden seine Filme auch eine Art Spiegelbild seiner Zeit,
die die neuesten Strömungen in der Gesellschaft aufzeigen.
Max Linder, mit bürgerlichem Namen Gabriel Leuvielle, wurde 1883 in Saint-Loubès geboren.
Die Eltern waren Winzer und als Kind schwänzte Max die Schule und spielte lieber zwischen den Reben und
mit den Weinlesern. Die Kindheit verankerte sich derart in seinem Bewusstsein,
dass er sich später als Star sich von seinen Aufenthalten in Moskau, Los Angeles oder Paris stets wieder
in sein Heimatdorf zurückzog. Seine Eltern schickten Max aufs Internat nach Bordeaux,
doch auch dort widmete er seine Zeit bald anderen Dingen als der Schule.
Der Sport war ein Bereich, für den er sich sehr interessierte, doch vor allem
das Theater nahm ihn schließlich ganz für sich ein. Ohne das Wissen der Eltern
meldete er sich bei einer Theaterschule an. Danach kam die mühsame Jobsuche. Er spielte
bei unzähligen Theaterintendanten vor bis er endlich beim Theater Ambigu Gehör fand und eine winzige Rolle erhielt.
Mit der Aufnahme ins "Theater de Variété" konnte Linder den entscheidenden Schritt für
seine zukünftige Karriere unternehmen.
Bei Charles Pathé1) erhielt er 1905 eine erste Chance, einen Film zu drehen.
Zu Anfang war er "nur" Darsteller, der den Anweisungen anderer Regisseure zu folgen hatte,
doch schließlich überzeugte er Pathé, dass er sein eigener Autor und Regisseur werden sollte.
Er bekam die Gelegenheit und musste fortan die Filme innerhalb eines Tages abdrehen,
unter denen vor allem "Les Debuts d'un patineur Das Debüt eines
Schlittschuhläufers" (1908)
bemerkenswert ist, weil er erstmals den verwirrten Dandy Max zum Helden hat.
Die Schlittschuhszenen erinnern an einen späteren Charles-Chaplin-Film mit dessen Rollschuheinlagen.
Als im Vorspann zu seinem Film "Max et la doctoresse" (1909) der Text erschien: "geschrieben von Max Linder
und gespielt vom Autor" dürfte dies das erste Mal in der Filmgeschichte gewesen sein,
dass im Zusammenhang mit einem filmischen Werk von einem Autor die Rede war.
Nach einer Entwicklung durch verschiedenste Figuren fand Linder zu
seinem endgültigen Erscheinungsbild mit Zylinder und Anzug. Dadurch wurde aus dem
Schauspieler Max Linder eine Komikfigur, die zur ersten unverwechselbaren Figur
der Filmgeschichte für das Publikum wurde, wie es später auch Pat & Patachon, Charles Chaplin,
Harold Lloyd oder Laurel & Hardy zustande brachten.
Nachdem André Deed nach Italien gegangen war, rückte Linder an
seiner Stelle zum Komikerstar der Pathé auf. 1910 drehte er eine Komödie pro Woche;
sie alle kreisten um den tadellosen Junggesellen Max, der im Luxus lebt
und in komische Situationen gerät, weil er hinter einer wohlerzogenen hübschen jungen Dame her ist.
Bald schon unterbrach die erste von mehreren schweren Krankheiten Linders Tätigkeit, und das Publikum wurde unruhig,
als der Nachschub an neuen Filmen wie "Max se marie Max heiratet" (1910) ausblieb.
Eine Cholera-Erkrankung in der Kindheit und ein schwerer Unfall bei Dreharbeiten zu einer Rollschuh-Nummer,
die ihn fast das Leben gekostet hätte, machten ihm gesundheitlich zu schaffen.
Um seine Abwesenheit seinem Publikum verständlich zu machen, erschien Linder in dem Dokumentarfilm
"Max dans sa famille" (1911, Max auf dem Wege zur Genesung), in dem er die Gründe seiner Abwesenheit erläuterte.
Bald kehrte er jedoch im Triumph auf die Leinwand zurück und ergänzte seine Filme mit einer Verbeugungstournee durch Europa.
1914 war er weltberühmt, und bald danach wurde er sein eigener Produzent, der seine Filme nach Meterpreisen
an die Pathé verkaufte. Sein Erfolg kannte keine Grenzen: ob Spanien, Deutschland, Italien oder Russland,
überall wurde Max Linder bei seinen Live-Auftritten in den Hauptstätten begeistert empfangen.
In Russland musste die Polizei die Armee zu Hilfe rufen, damit Linder den Moskauer Bahnhof verlassen konnte.
Beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde er freiwillig Soldat, kehrte er aber nach einigen Monaten schwer erkrankt zurück.
Unglücklicherweise kam Max Linder mit dem berüchtigten Kampfgas in Berührung, was ihm gesundheitlich schwer zu schaffen machte.
Das bloße Gerücht von seinem Tod genügte damals, um Frankreich in Trauer zu stürzen.
Mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde auch gleichzeitig das Ende der "Belle Epoque" eingeläutet.
Eine neue Zeit brach an, der Geschmack und die Gemütsverfassung des Publikums änderte sich.
1916 ging er in die USA, wo ihn die "Essanay" als Nachfolger Chaplins für acht Filme engagiert hatte.
Nur drei wurden jedoch fertiggestellt, bevor er wegen einer Rippenfellentzündung nach Europa zurückkehren musste.
Für die Genesung fuhr er an den idyllischen Genfer See.
In Paris drehte Linder "Le petit Cafe Das kleine Cafe" (1919), bevor er nach Hollywood
zurückkehrte, um drei Filme fertigzustellen, darunter die einfallsreiche Parodie
"The Three Must Get Theres Die drei Musketiere" (1922), den Max Linder
selbst als seinen besten Film bezeichnete und "Sieben Jahre Pech"
(1921, Seven Years Bad Luck), der wegen der Spiegelszene in sämtliche
filmische Geschichtsbücher einging. Doch Linders Beschwerden machten sich wieder bemerkbar und er
kehrte nach Europa zurück, noch bevor der Film "Die drei Musketiere" Premiere feierte.
Douglas Fairbanks schrieb ihm ein Telegramm, in dem er Linder darüber informierte,
dass der Film einen enormen Erfolg in New York hatte und die Kritiker begeistert waren.
1923 verliebte sich Max Linder in eine 17-jährige und heiratete sie. Im gleichen Jahr
eröffnete er sein eigenes Max-Linder-Kino. Für das Live-Orchester reservierte er einen
speziellen Platz im Gebäude, da er schon immer auf die musikalischen Untermalung seiner Filme
großen Wert legte. Ebenfalls 1923 drehte er den von Abel Gance mitverfassten "Au secours? Zu Hilfe/Das Gespensterschloss".
In diesem Film spielte er eine tragische Rolle; später untersagte Linder die Aufführung,
da er seinen Ruf als Komiker in Gefahr sah. Sein letzter vollendeter
Film "Le roi du cirque Der Zirkuskönig" (1924) entstand in Wien.
Für den Film "Der Ritter Barkas" (1925, Chevalier Barkas) kontaktierte Max Linder den damals unbekannten Regisseur René Clair.
Doch das Schicksal schlug einen anderen Weg ein, der Film wurde nicht realisiert.
Am 1. November 1925 beging Max Linder im Alter von 42 Jahren Selbstmord, nachdem er seine Frau getötet hatte.
Niemand kann heute nachvollziehen, was der wirkliche Grund für diese Tat war seine krankhaft gewordene
Eifersucht oder sein schlechter werdender Gesundheitszustand.
Die Schlagzeilen der Zeitungen waren geprägt von seinem Ableben: "Max Linder und seine Frau öffnen
sich die Pulsadern: Beide sterben" oder "Tragisches Ende eines Starkomikers angeblicher
Doppelselbstmord".
Linders Einfluss auf die Entwicklung der Filmkomödie ist von vielen, darunter keinem Geringeren als Charles Chaplin
(dessen allerersten Filme auf eine Kopie der Max-Linder-Figur schließen lassen), anerkannt worden.
Außerhalb von Archivvorstellungen ist sein Werk vor allem durch den Kompilationsfilm "En Compagnie de Max Linder" (1963)
dem zeitgenössischen Publikum bekannt geworden.
Von seinen ursprünglich 500 Filmen wurden bis heute nur 105 wiederentdeckt, manchmal in sehr schlechtem Zustand.
Schließen möchte ich diesen Bericht mit jener Widmung, die Charles Chaplin seinem Lehrmeister auf ein Foto
schrieb: "Dem einzigartigen Max, dem großen Meister Sein Schüler Charles Chaplin".
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