Auszeichnungen / Wirken (Auszug) |
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| Der italienische Tenor Luciano Pavarotti wurde am 12. Oktober 1935 in Modena1) geboren. Sein Vater Fernando Pavarotti (1913 2002), Mutter Adele (1916 2002) trug zum Lebensunterhalt durch Arbeit in einer Tabakmanufaktur bei. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, Luciano wuchs gemeinsam mit seiner Schwester Gabriella in einer beengten Zwei-Zimmer-Wohnung auf. Schon früh wurde er durch seinen Vater, der ebenfalls eine schöne Tenorstimme besaß und Mitglied des Opernchors von Modena war, an den Gesang herangeführt. Fernando Pavarotti liebte die berühmten italienischen Tenöre, besaß viele Schallplatten von Enrico Caruso (1873 1921), Beniamino Gigli (1880 1957), Aureliano Pertile1) (1885 1952) sowie Tito Schipa1) (1888 1965) und entführte so auch seinen Sohn in die Welt der Opernklassik; eine eigene Karriere als Sänger verwirklichte er zugunsten einer sicheren Existenz nicht. Wie schon sein Vater entschied sich Luciano Pavarotti, der bereits als Junge ebenfalls über eine außergewöhnliche Stimme verfügte und erste Erfahrungen im Chor von Modena gesammelt hatte, zunächst für einen Beruf, der sicher schien. | ||||||
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1963 erschien er zum ersten Mal außerhalb Italiens, als er den Sir Edgardo in
"Lucia di Lammermoor"1) in Amsterdam sang. Bekannt wurde er,
als er im gleichen Jahr zusammen mit Giuseppe Di Stefano in
Covent Garden1)
("Royal Opera House"1))
in "La Boheme" besetzt war und wegen der
Absage Di Stefanos auch jene Vorstellungen übernahm, die für den berühmten Kollegen
vorgesehen waren. Interessanterweise hat Pavarotti einmal auf die Frage nach seinen Vorbildern
"alle berühmten Kollegen" genannt, besonders aber Di Stefano, mit
der wohlweislichen Einschränkung
"von der Aussprache" her. Den entscheidenden Schub bekam
seine Laufbahn durch das Angebot, an der Seite von Joan Sutherland1) durch die Welt zu touren.
Sutherland und ihr Mann, der Dirigent Richard Bonynge1), brauchten für ihr
Revival der Belcanto1)-Oper beziehungsweise jenes Teils der Belcanto-Oper, der nicht
durch Maria Callas wiederbelebt worden war, immer wieder junge Tenöre, die in der
Lage waren, jenes Repertoire mit seinen Anforderungen in der Höhe zu singen,
die nicht mehr wie seinerzeit noch mit der Kopfstimme bewältigt werden durften.
Pavarotti war genau der Richtige für diese Aufgabe
2) Nach der Tournee (1965) mit Joan Sutherland und ihrem Ehemann Richard Bonynge durch die USA und Australien gab Pavarotti ein Jahr später sein Debüt an der "Mailänder Scala"1), am 23. November 1968 trat er erstmals an der New Yorker "Metropolitan Opera"1) auf und gab an der Seite von Mirella Freni1) (Mimi) den Rudolfo in "La Bohème", organisiert von seinem neuen New Yorker Agenten Herbert Breslin (1924 2012; → Wikipedia (englisch), der den Star über drei Jahrzehnte als Manager und Vertrauter begleitete.
Zwischen 1963 und 1996 konnte man den international gefeierten Tenor mit seinen Glanzrollen auch wiederholt an der "Wiener Staatsoper"1) bewundern, bei den "Salzburger Festspielen"1) war er eher selten vertreten. So 1978 in "Der Rosenkavalier" und 1983 mit der Titelpartie in Mozarts "Idomeneo", darüber hinaus trat er 1976, 1978, 1985 und 1988 bei den "Liederabenden der Salzburger Festspiele"1) auf → Auszug Wirken siehe hier. Ab Mitte der 1970er Jahre etablierte sich der Künstler, dessen Perfektion der Stimmführung die Opernwelt jubeln ließ, endgültig als Weltstar bzw. einer der führenden Tenöre vornehmlich des italienischen Repertoires. Breslin war es auch, der Pavarotti zu einer Art Superstar der Opernszene stilisierte, gemeinsam mit den beiden Tenören Plácido Domingo1) und José Carreras1), die im Laufe der Jahre als "Die drei Tenöre" ("The Three Tenors") Furore machten. Das Konzert der drei Tenöre am 7. Juli 1990 in den römischen "Caracalla-Thermen"1) anlässlich der "Fußball-Weltmeisterschaft 1990"1) erreichte etwa eine Milliarde Fernsehzuschauer/-innen in aller Welt. Das Gesangs-Trio popularisierte Opernarien und konnte mit diesem Programm bei ihren folgenden Tourneen Fußballstadien und Sportarenen mit Zuhörern füllen. Die Musikwelt kritisierte die astronomisch hohen Gagen als Kommerzialisierung sowie eine Banalisierung des Opernrepertoires.3) Die von Brian Large1) gedrehte TV-Dokumentation "Die drei Tenöre Der Beginn einer Legende" (2015) "lässt die besonderen Momente des hochklassigen Potpourri-Konzerts Revue passieren, gibt in Interviews mit den Beteiligten Einblick in Produktion und Backstage-Bereich und hinterfragt dabei das Phänomen "Klassik für ein Milliardenpublikum"."vermerkt filmdienst.de → siehe auch fernsehserien.de. Ungeachtet der Kritik war "Tenorissimo" Pavarotti einer der populärsten und bestverdienenden Künstlern der Welt, seine Konzerte stets weltweit auskauft, seine in die Millionen gehenden Plattenverkäufe sprechen für sich. Bei unzähligen Fernseh- und Galaauftritten war er ein gefragter Gast, insgesamt verkaufte Pavarotti rund 50 Millionen LPs, CDs und Videos und gilt damit neben Maria Callas als erfolgreichster Klassik-Star aller Zeiten. Allein die Aufnahme des ersten Konzerts der "Drei Tenöre" ging rund zehn Millionen Mal über den Ladentisch → Diskografie bei Wikipedia. Einen einzigen Ausflug auf die Leinwand machte er Anfang der 1980er in der von Franklin J. Schaffner1) gedrehten, eher seichten, musikalischen Romanze "Yes, Giorgio"1) (1982, "Geliebter Giorgio"), in dem er die Hauptrolle eines Tenors mimte, der seine Stimme während einer Amerika-Tournee durch eine Panikattacke verliert, diese mit Hilfe einer hübschen Ärztin (Kathryn Harrold1)) jedoch wiedererlangt. Der Streifen fand bei den zeitgenössischen Kritikern wenig Anklang, filmdienst.de urteilt: "Zwischen Melancholie und Romantik angesiedeltes, mitunter recht dümmliches Kino-Märchen, das von verlogenem Kitsch trieft; der Film ist lediglich eine Zelluloid-Bühne für den Tenor Pavarotti.". Die Bewertung lässt sich auch an Norman Steinbergs (Drehbuch) und Pavarottis Nominierung für den Negativ-Filmpreis "Goldene Himbeere"1) ablesen, mehr Beachtung fand der von John Williams1) komponierte Song "If We Were In Love" mit dem Text von Alan1) und Marilyn Bergman1), der 1983 für einen "Golden Globe"1) sowie einen "Oscar"1) nominiert wurde; beide begehrten Preise gingen jedoch an das von Will Jennings1) geschriebene sowie von Joe Cocker1) und Jennifer Warnes1) gesungene Titellied "Up Where We Belong" aus dem Liebesfilm "An Officer and a Gentleman"1) (1982, "Ein Offizier und Gentleman"). Darüber hinaus wurden etliche Konzert- und Opernaufführungen mit Pavarottis im Fernsehen ausgestrahlt. Zu nennen ist auch der von Jean-Pierre Ponnelle1) nach der Verdi-Oper "Rigoletto"1) gedrehten Film "Rigoletto" (1982), realisiert unter anderem am "Teatro Farnese"1) in Parma1), am "Teatro all'antica"1) in Sabbioneta1), im "Palazzo Ducale"1) (Castello di San Giorgio1)) und im "Palazzo del Te"1) in Mantua1), mit Pavarotti als Herzog von Mantua an der Seite von Ingvar Wixell1) (des Herzogs Hofnarr Rigoletto) und u. a. Edita Gruberová1) (Rigolettos Tochter Gilda); am Dirigentenpult stand Riccardo Chailly1) und leitete die "Wiener Philharmoniker"1) → Wikipedia (englisch). Für seine grandiose Gestaltung/Darstellung des Herzogs wurde Pavarotti 1983 mit einem "Emmy Award"1) in der Kategorie "Outstanding Individual Performance in a Variety or Music Program" ausgezeichnet → Filmauftritte von Pavarotti bei der Internet Movie Database. 1999 feierte der nicht nur äußerlich schwergewichtige Star, der in den USA als "Big P." tituliert wurde, sein 40-jähriges Bühnenjubiläum, fünf Jahre später gab er 2004 nach drei triumphalen Aufführungen von Puccinis "Tosca" an der New Yorker "Metropolitan Opera"1) seinen Abschied von der Opernbühne bekannt, blieb dem Publikum jedoch weiter im Rahmen von Konzerten erhalten.
Luciano Pavarotti war in erster Ehe seit September 1961 mit seiner Jugendliebe Adua Veroni verheiratet, aus der Verbindung gingen die Töchter Lorenza (* 1962), Cristina (* 1964) und Giuliana (* 1967) hervor. Im Jahre 2000 ließ sich Pavarotti von seiner Frau scheiden, um Mitte Dezember 2003 seine mehr als 30 Jahre jüngere, langjährige persönliche Sekretärin und Lebensgefährtin Nicoletta Mantovani (* 23.11.1969) zu ehelichen. Bereits im Januar 2003 brachte Nicoletta Mantovani die gemeinsame Tochter Alice zur Welt, der Zwillingsbruder des Mädchens verstarb nach Komplikationen bei der Geburt. Im September 2020 gab Pavarottis Witwe Nicoletta Mantovani ihrem Freund, dem Finanzberater Alberto Tinarelli, das Ja-Wort. Die Bedeutung Pavarottis, der bei alljährlichen Benefizkonzerten "Pavarotti & Friends" (→ Wikipedia (englisch)) gemeinsam mit internationalen Rock- und Popstars zwischen 1992 und 2003 seinen Ruhm für Organisationen wie "War Child"1) oder das Flüchtlingshilfswerk "UNHCR"1) einsetzte, kann auch von ärgsten Kritikern nicht geleugnet werden, Zu Beginn seiner Karriere war Pavarotti ein leichter lyrischer Tenor – ideal für die Partien von Bellini1), Donizetti1) und des jungen Verdi1). Im Laufe der Zeit entwickelte sich seine Stimme jedoch auch in Richtung dramatischerer Partien bis hin zum Verismo1), jener Gattung Oper, die von Mascagni1) und Leoncavallo1) begründet wurde, vom täglichen Leben der Durchschnittsbevölkerung erzählt und von sehr dramatischer Musik geprägt ist. Laut Herbert von Karajan1) war Pavarotti ein Jahrhundert-Tenor, eine Stimme, die es alle 100 Jahre nur einmal gebe. Die Opern-Gesamtaufnahmen Pavarottis werden als herausragende Werke der Vokalkunst angesehen. (…) In seiner Karriere hat Pavarotti an allen großen internationalen Bühnen der Welt gesungen und mit nahezu allen großen Dirigenten seiner Zeit zusammengearbeitet. Zu seinen Gesangspartnerinnen zählten neben Joan Sutherland1) und Mirella Freni1) vor allem Montserrat Caballé1), Maria Chiara1), Ileana Cotrubaș1) und Kiri Te Kanawa1).3)
Pavarottis erste Erinnerungen "Pavarotti, My Own Story" (1981) kamen Ende der 1980er Jahre auch in deutscher Sprache unter dem Titel "Ich, Luciano Pavarotti" auf den Markt, 1995 erschien mit "Pavarotti: My World" ("Meine Welt mein Leben") eine weitere Autobiografie; beide Memoiren entstanden in Zusammenarbeit mit William Connor Wright1). Verschiedene Autoren beschäftigten sich mit dem Leben und Wirken des Star-Tenors, zu nennen ist unter anderem das 1991 von Jürgen Kesting1) publizierte Buch "Luciano Pavarotti. Ein Essay über den Mythos der Tenorstimme" sowie das ein Jahr später von Leone Magiera (→ Wikipedia (englisch)) veröffentlichte Werk "Pavarotti: Visto da vicino" ("Pavarotti. Mythos, Methode und Magie"). Zu den weiteren Publikationen zählt das Anfang Dezember 2007 von Adrian E. Hollaender1) erschienene Buch "Der ganz private Pavarotti. Addio, Luciano!". Von Pavarottis ehemaligem Manager und PR-Strategen Herbert Breslin (→ Wikipedia (englisch)), der maßgeblich an Pavarottis Karriere beteiligt war und von dem sich der Star Anfang Januar 2003 nach 35 Jahren trennte, stammt das Buch "The King & I" (2004), welches den Untertitel "The Uncensored Tale of Luciano Pavarotti’s Rise to Fame by His Manager, Friend and Sometime Adversary" trägt; eine deutschsprachige Ausgabe ist derzeit nicht bekannt. Der Musikjournalist und Opernexperte Alberto Mattioli beleuchtet in "Big Luciano. Pavarotti, la vera storia" sehr detailliert das Leben Pavarottis von seiner Kindheit in Modena bis hin zu seinem weltweiten Erfolg. Laut Wikipedia sollte diese Publikation als Basis für eine von dem italienischen Regisseur Gabriele Muccino1) geplante, sechsteilige TV-Produktion dienen, bisher kam es wohl nicht dazu → Literatur zu Pavarotti bei Wikipedia. Ron Howard1) (Regie) schuf das filmische Portrait/die Dokumentation "Pavarotti"1) (2019). basierend "auf Filmaufnahmen, Interviews mit dem Künstler sowie Gesprächen mit Familienmitgliedern und Kollegen. Besonderen Wert legt der Film auf den Aufstieg des Sängers und seine spätere Wendung zur Öffnung der Oper für ein größeres Publikum durch Pop-Events." (Quelle: Wikipedia) Die Kritiken zu der Produktion sind allerdings ambivalent, so urteilt filmdienst.de: "Der hagiografische Film leidet unter einer konventionellen Machart und einer unverhohlenen Anbiederung an ein breites Publikum. Populäre Elemente werden hervorgehoben, während die gesangliche Einzigartigkeit des Opernsängers ebenso zu kurz kommt wie Brüche in der Persönlichkeit Pavarottis. Statt einer Annäherung an den Menschen bleibt so nur der unvergleichliche Glanz von Pavarottis Stimme." → siehe auch Infos zum Film bei Wikipedia (englisch), fernsehserien.de Bereits Ende der 1980er entstand von DeWitt Sage1) der Dokumentarfilm "Distant Harmony" (1987) über die Gastspiele des Opernstars im Jahre 1986 in China, den filmdienst.de für "eine gelungene Verbindung von Künstler-Porträt und kultureller China-Studie" und sehenswert hält → IMDb. Erwähnenswert ist zudem die im Rahmen der TV-Anthologie "Great Performances" (→ Wikipedia (englisch)) gesendete Hommage mit dem Titel "Pavarotti A Voice for the Ages"4) (2013, "Pavarotti Eine Stimme für die Ewigkeit"), welche die spektakulärsten und bewegendsten Momente dieser einzigartigen Sängerkarriere Revue passieren lässt → IMDb. |
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Siehe auch Wikipedia
(deutsch; mit Diskografie),
Wikipedia
(englisch), www.laut.de sowie die Nachrufe bei sueddeutsche.de und tagesspiegel.de Filmografie bei der Internet Movie Database sowie einige Dokumentationen bei fernsehserien.de Fotos bei Wikimedia Commons |
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Fremde Links: 1) Wikipedia, 4) fernsehserien.de Quelle: 2) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 531) 3) Wikipedia (abgerufen 11.09.2010) |
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