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Der Bariton Willy Domgraf-Fassbaender (auch Willi) wurde
am 19. Februar 1897 in Aachen geboren. Zunächst studierte er in seiner
Geburtsstadt Klavier und Musikwissenschaften bei Felix Knubben,
anschließend ließ er sich in Berlin von Jacques Stückgold
(1877 1953) und Paul Bruns in Gesang ausbilden, schließlich nahm er in
Mailand noch Unterricht bei dem berühmten italienischen Heldentenor Giuseppe Borgatti
(1871 1950). Die Karriere Domgraf-Fassbaenders begann als Konzert- und Oratoriensänger, 1922 stand er am Aachener Stadttheater in Mozarts "Figaros Hochzeit" mit der Rolle des Grafen Almaviva erstmals als Opernsänger auf der Bühne, wenig später wechselte an das Deutsche Opernhaus in Berlin, dessen Ensemblemitglied er von 1923 bis 1925 war. Eine weitere Station wurde dann Düsseldorf (1925 1927), über Stuttgart (1927 1930) kam er schließlich auf Drängen seines Freundes Richard Tauber an die Berliner Staatsoper, welche bis 1948 seine künstlerische Heimat wurde. Darüber hinaus trat der Bariton bei verschiedensten Festspielen auf, wurde bei Gastspielen an vielen bedeutenden internationalen Opernhäusern wie in Barcelona, Paris, Amsterdam, Kopenhagen, Basel, Wien und Mailand gefeiert. Vor allem als herausragender Mozart-Interpret hat er sich einen Namen gemacht, seine Paraderolle, den "Figaro" in "Figaros Hochzeit", interpretierte er nicht nur grandios 1931 bei der letzten Vorstellung an der Berliner Kroll-Oper, sondern auch bei zahlreichen Aufführungen wie beispielsweise wiederholt bei den Festspielen von Glyndebourne (1934 1937 und 1939), wo er auch als "Guglielmo" in "Cosģ fan tutte" brillierte. Bei den Salzburger Festspielen wirkte er 1937 als "Papageno" in der "Zauberflöte" mit und auch als "Don Giovanni" wurde er bewundert. Als Verdi-Interpret begeisterte er mit der Titelrolle im "Rigoletto", als "Graf Luna" im "Troubadour" und als "Renato" im "Maskenball", zu seinen weiteren großen Bühnenpartien zählen beispielsweise der "Escamillo" in Bizets "Carmen", der "Graf Liebenau" in Lortzings "Waffenschmied", der "Figaro" in Rossinis "Barbier von Sevilla", der "Marcello" in Puccinis "La Bohčme", der "Scarpia" in "Tosca" (ebenfalls von Puccini) sowie die Opern "Ariadne auf Naxos" (als Harlekin) und "Elektra" (als Orest) von Richard Strauss. Zu nennen sind die Partien in den Wagner-Opern "Tannhäuser" (Wolfram), "Parsifal" (Amfortas) und sogar der "Hans Sachs" in den "Meistersingern". Seit Anfang der 30er Jahre machte Domgraf-Fassbaender sporadisch Ausflüge auf die Leinwand und wirkte in einigen Kinoproduktionen mit, die ihn ungemein populär werden ließen: 1932 erlebte man ihn unter der Regie von Heinz Hilpert mit der Hauptrolle in dem deutsch-französischen Film "L'Homme qui ne sait pas dire non" (Der Mann, der nicht Nein sagen kann), nach der von Max Ophüls' gedrehten Filmfassung von Friedrich Smetanas Operette "Die Verkaufte Braut" (1932) mit einer bezaubernden Jarmila Novotną in der Titelrolle und Domgaf-Fassbaenders Part des Postillons Hans folgte der Auftritt als Sänger in Paul Martins "Der Sieger" (1932, mit Hans Albers und Käthe von Nagy) sowie die Titelfigur in Carl Boeses "Theodor Körner" (1932). Ein Jahr später agierte er in Heinz Hilperts "Ich will Dich Liebe lehren" (1933), in Rudolf van der Noss' klischeehafter Filmbiografie "Aufforderung zum Tanz" (1934, auch: Der Weg Carl Maria von Webers) mimte er dann den Komponisten Carl Maria von Weber. Dann sah man den Sänger eine Zeit lang nicht auf der Leinwand, erst einige Jahre später stand er wieder für Jürgen von Altens "Ein Lied von Liebe" (1938) sowie für die Rühmann-Komödie "Lauter Liebe" (1940) vor der Kamera; danach drehte er bis Kriegsende keine Filme mehr. Auch nach 1945 übernahm er nur noch einmal eine Aufgabe für den Film und spielte bzw. sang die Figur, die ihn berühmt gemacht hatte, den "Figaro" in Georg Wildhagens Leinwand-Fassung von Mozarts "Figaros Hochzeit" (1949), einer ersten Opernverfilmungen der DEFA. In "Kleine Enzyklopädie Film" (Leipzig 1966) wir unter anderem ausgeführt: "In dem Film FIGAROS HOCHZEIT sind sämtliche Rezitative weggefallen und durch Dialogszenen ersetzt worden. Interessanterweise sind die drei Finales erhalten geblieben. Vieles ist dem Theater noch sehr nahe. Im ganzen kommt das Ohr besser weg als das Auge." "Der Sozialdemokrat" vom 27.11.1949 schrieb unter anderem "Hier entstand ein bezaubernder Film mit dem beschwingten Geiste und dem Reiz Mozartscher Musik. Ein Genuß, wie er selten ist auf der Leinwand." Nachdem Domgraf-Fassbaender 1948 die Berliner Staatsoper verlassen hatte, gab er überwiegend Gastspiele, so in Hannover und München und zwischen 1951 und 1963 an der Wiener Staatsoper; außerdem fungierte er seit 1946 am Nürnberger Stadttheater als Oberspielleiter, wo er unter anderem 1955 die Uraufführung der Operette "Das Bad auf der Tenne" von Friedrich Schröder inszenierte und auch gelegentlich als Sänger in Erscheinung trat. Seit 1954 nahm er überdies eine Professur am Konservatorium von Nürnberg war. Willy Domgraf-Fassbaender, dessen Stimmführung und Stilsicherheit seines Vortrages immer wieder bewundert wurde, verstarb am 13. Februar 1978 in Nürnberg wenige Tage vor seinem 81. Geburtstag. Er war mit der Filmschauspielerin Sabine Peters (1913 1982) verheiratet; aus der Verbindung stammt die 1939 geborene Brigitte Fassbaender, die sich später, nicht zuletzt durch das Studium bei ihrem Vater, einen Namen als bedeutende Mezzo-Sopranistin machte |
| Siehe auch www.cyranos.ch; Fotos bei film.virtual-history.com |
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