Peter Borgelt, 1982 fotografiert von Klaus Morgenstern; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_mo_0000192_001); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Klaus Morgenstern; Urheber: Klaus Morgenstern; Datierung: 28.09.1982; Quelle: www.deutschefotothek.de Peter Borgelt wurde am 20. September 1927 in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern) in eine Künstlerfamilie hineingeboren – sein Vater war der Theaterschauspieler Paul Borgelt1) (1987 – 1971), der in dem DEFA-Kinderfilm "Das Märchenschloss"1) (1961) den Onkel Ludwig gespielt hatte, seine Mutter die Soubrette Thea Krumreich (1900 – 1993). Bevor sich Sohn Peter zum Publikumsliebling vor allem im Fernsehen mauserte, hatte er nach Ende des 2. Weltkrieges zunächst eine Lehre als Bauarbeiter absolviert, wollte dann Komponist werden und schrieb sich am Konservatorium in Kamenz (Sachsen) im Fach "Musikwissenschaften" ein. Doch schon bald verwarf er diesen Plan und entschied sich für die Schauspielerei. Er nahm privaten Unterricht, erhielt dann nach bestandener Abschlussprüfung (1950) ein erstes Engagement am Kreistheater im sächsischen Burgstädt, wo auch sein Vater tätig war. Nach Stationen in Meiningen (1953–1955), Halberstadt, Magdeburg, Leipzig und Schwerin kam Borgelt schließlich 1967 nach Berlin an das renommierte "Deutsche Theater", wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1994 eine künstlerische Heimat fand. Auch wenn ihm nie die große Hauptrolle vergönnt war, zeichnete er sich dennoch als beachtenswerter Charakterdarsteller aus. So erlebte man ihn unter anderem als Hermann Göring1) in dem Schauspiel "Prozeß in Nürnberg" (1967) von Rolf Schneider1), als Industriekapitän in "Goldene Städte" (1971) von Arnold Wesker1) oder als Maximus in "Senecas Tod" (1980) von Peter Hacks1). Verschiedene Aufführungen wurden auch im Fernsehen übertragen, so das Shakespeare-Drama "Richard III."1) (1976), wo er unter der Regie von Manfred Wekwerth1) als Sir Robert Ratcliff in Erscheinung trat.
 
Peter Borgelt, 1982 fotografiert von Klaus Morgenstern
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_mo_0000192_001)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Klaus Morgenstern;
Urheber: Klaus Morgenstern; Datierung: 28.09.1982;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017
1985 zeigte man das Brecht-Stück "Die Rundköpfe und die Spitzköpfe"1) (Regie: Alexander Lang1)) mit Borgelt als Kommandeur Zazarante, in Friedo  Solters1) Inszenierung von Schillers "Wallenstein"1) (1987) gab er einen schwedischer Hauptmann, in "Der blaue Boll"1) (1988) nach dem Drama von Ernst Barlach1) (Regie: Rolf Winkelgrund1)) den mysteriösen Elias. Für Thomas Langhoff1) gestaltete er bereits 1986 den Kaufmann Tomaschek in der Sudermann-Komödie "Der Sturmgeselle Sokrates"2) (→ berliner-schauspielschule.de; TV-Ausstrahlung 1991). Letzte Bühnenrollen übernahm Borgelt in Inszenierungen von Thomas Langhoff, gehörte als Uar Kirilitsch Bodajew zur Besetzung der Komödie "Der Wald"1) von Alexander Ostrowski1) (1992; → berliner-schauspielschule.de), spielte in dem Trauerspiel "Der Turm"1) von Hugo von Hofmannsthal den Starost von Utarkow → Theatertreffen 1993.
 
Mit Beginn der 1960er Jahre stand Borgelt vor der Kamera, einen seiner ersten filmischen Auftritte absolvierte er in dem TV-Krimi "Die Bombe"2) (1961). Er tauchte unter anderem einige Jahre lang als Gastgeber bzw. Moderator sowie als Matrose Kuddeldaddelich in der maritimen, samstäglichen Musiksendung "Klock 8, achtern Strom"1) auf, vergleichbar mit der NDR-Sendung "Haifischbar"1) mit Hilde Sicks und Ernst Grabbe als Wirtsleute. Borgelt mimte Ermittler in den mehrteiligen Krimis "Geheimcode B/13"1) (1967) und "Der schwarze Reiter"2) (1967), als Karl Dorn, genannt "König Karl", präsentierte er sich in "König Karl"2) (1968) oder zeigte sich als Brigadier Kretschmar in dem Gegenwartsfilm "Heiner Fink"2) (1970).
Zum TV-Star avancierte Borgelt ab 1971 mit der Rolle des Oberleutnant Peter Fuchs (später Hauptmann) in den als Pendant bzw. Konkurrenz zum westdeutschen "Tatort"1) gedrehten "Polizeiruf 110"-Folgen1) des "Deutschen Fernsehfunks"1) (DFF), eine Figur, die er zwei Jahrzehnte spielte und die sein berufliches Leben verändern sollte. Erstmals ermittelte die "Einsatzgruppe Fuchs" mit ihrem Leiter Peter Fuchs am 27. Juni 1971 in der Geschichte "Der Fall Lisa Murnau"1), unterstützt von Leutnant Vera Arndt alias Sigrid Göhler. "Insgesamt wurden 85, überwiegend sehr bodenständige Episoden mit Borgelt produziert und ausgestrahlt, hinzu kamen drei Krimis, die zunächst in der "Polizeiruf 110"-Reihe geplant waren, dann jedoch als Einzelsendung über die Bildschirme flimmerten: "Herbstzeit"1) (1979), "Die lieben Luder"1) (1983) und "Kalter Engel"1) (1986). "Ermittelt wird an aller Art von Fällen: einfache Bagatellen, Arbeitsbummelei (Nichtarbeiten ist in der DDR ein Delikt!), Betrug, Diebstähle, Einbrüche, Kunstraub bis hin zu Entführung und Mord. Eine besondere Rolle kam Verbrechen zu, die durch Alkoholismus motiviert waren. Kapitalverbrechen stellen eher die Ausnahme dar, ebenso werden politisch motivierte Delikte und Sexualtaten so gut (wenn auch nicht ganz) ausgeblendet." notiert "Die Krimihomepage". Die 1974 gedrehte Folge "Im Alter von …"1) basierte auf dem Fall des minderjährigen Sexualstraftäters Erwin Hagedorn1), der in der DDR nach dem Mord an drei Jungen zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Aus politischen Gründen sollte der Film noch vor der Fertigstellung auf Anordnung des "Ministeriums des Inneren" vernichtet werden, das 2009 aufgefundene Kamera-Negativ bzw. tonlose Rohschnittmaterial wurde dann neu bearbeitet und synchronisiert, so dass der Film am 23. Juni 2011 außerhalb des festen "Polizeiruf"-Sendeplatzes im MDR seine TV-Premiere erleben konnte – der Part von Peter Borgelt wurde von Oliver Stritzel1) gesprochen.
Im Laufe der Jahre zum Hauptmann befördert, überstand Peter Fuchs sogar die so genannte "Wende", ab 1990 kam er dann noch fünf Mal als "Kriminalhauptkommissar Fuchs" zum Einsatz. In "Unter Brüdern"1) (EA: 28.10.1990), einem Crossover zwischen " Polizeiruf 110" und "Tatort", arbeitete Fuchs mit dem Duisburger "Ruhrpott-Rambo" Horst Schimanski1) (Götz George) und dessen Kollege Thanner (Eberhard Feik) zusammen, mit "Thanners neuer Job"1) (EA: 22.12.1991) verabschiedete sich KHK Peter Fuchs dann von seinem Publikum – zugleich die letzte, vom DFF produzierte bzw. ausgestrahlte Folge. Borgelt löste ihn (den Leutnant Fuchs, d.A.) mehr und mehr vom Klischee, gab ihm individuelle Eigenheiten, brachte die eigene Physis und Psyche ein. Eine westdeutsche Illustrierte nannte ihn kurz nach der Wende mal den "ostdeutschen Maigret" und verglich seinen Darsteller mit Jean Gabin. (…) Borgelt vertraute als Fuchs auf Menschenkenntnis und Lebenserfahrung; er konnte auch das Mitleid mit einem Straftäter spürbar machen, der unter unglücklichen Umständen aus der Bahn gekommen war. Und er brachte Humor in den stumpfen deutschen Beamtenalltag ein." (Peter Hoff, 1996) kann man im "Lexikon der DDR-Stars"*) lesen.
Der in Umfragen der Programmzeitschrift "FF dabei"1) fünf Mal zum "Fernsehliebling" gewählte Schauspieler trat vereinzelt in TV-Filmen außerhalb des "Polizeiruf 110" auf, wo er sein komödiantisches Talent beweisen konnte: So unter anderem als treuloser Gatte Egbert Nolte in dem Schwank "Die Wildschweinjagd"2) (1987) und als gebeutelter Ehemann Peter Kallweit in der heiteren Geschichte "An allem ist Matuschke schuld"2) (1988).
 
Erwähnt werden muss. dass Borgelt auch in acht Kinoproduktionen zur Besetzung gehörte, sein Leinwanddebüt hatte er als Unterfeldmeister Böhm in dem Antikriegs-Film bzw. der Literaturadaption "Die Abenteuer des Werner Holt"1) (1964) gegeben. Man sah ihn unter anderem in der Anna Seghers-Verfilmung "Die Toten bleiben jung"3) (1968), in dem Krimi "Nebelnacht"1) (1969) spielte er den Polizist Oberleutnant Kreutzer, in dem Lustspiel "Hut ab, wenn du küsst!"1) (1971) den Kollegen des Ingenieurs und Testfahrers Fred (Alexander Lang). Zudem betätigte er sich mit seiner sonoren Stimme sporadisch als Sprecher in Hörspielproduktionen, eine Auswahl der in der ARD-Hörspieldatenbank aufgeführten Stücke findet man hier am Ende des Artikels.
 
Peter Borgelt, der mit seiner Rolle als Peter Fuchs ein Stück Fernsehgeschichte geschrieben hat, erlag am 18. März 1994 im Alter von nur 66 Jahren in Berlin einem Krebsleiden. Die letzte Ruhe fand er auf dem Evangelischen Friedhof "Zur frohen Botschaft" in Berlin-Karlshorst in der Grabstelle seiner Mutter Thea (Feld U-3a) → Foto bei knerger.de. Der Schauspieler war drei Mal verheiratet, Vater einer Tochter und von zwei Söhnen.
1985 wurde er zum UNICEF-Botschafter der DDR ernannt.
Die "Berliner Zeitung" schrieb in einem Nachruf unter anderem: "Peter Borgelt war kein Star mit Glamaur und Allüren, sondern zurückhaltender Darsteller, der durch seine lange und stete Präsenz im DDR-Fernsehen einen außerordentlichen Beliebtheitsgrad erlangte. (…) doch seine gewaltige Popularität erlangte er in mehr als hundert Einsätzen als Hauptmann Fuchs in der Krimireihe "Polizreiruf 110". Er spielte dort einen Kommissar der leisen Töne, weder vergleichbar mit dem ruppigen Schimanski noch mit dem tranigen Derrick. Fuchs war der Typ des väterlichen Polizisten, der verständnisvoll, aber streng all jenen gegenübertrat, die vom Pfad der Tugend abgewichen waren." → www.berliner-zeitung.de
Quellen: "Lexikon der DDR-Stars"*), Wikipedia
*) "Lexikon der DDR-Stars" von F.-B. Habel und Volker Wachter (Ausgabe 1999, S. 37/38)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehenderddr.de, 3) filmportal.de
    
Filme
Kinofilme / Fernsehen / TV: Polizeiruf 110
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de

(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de, defa-stiftung.de, fernsehenderddr.de)
Kinofilme Fernsehen (Auszug) 1971–1991: Polizeiruf 110 (Krimireihe; als Oberleutnant/Hauptmann Peter Fuchs
bzw. ab 28.10.1990 als Kriminalhauptkommissar Peter Fuchs
)
(mit Datum der Erstausstrahlung und Nr. der Folgen) → Wikipedia

Weitere, als "Polizeiruf 110"-Folgen produzierte Filme:

  
Hörspielproduktionen (Auszug)
(Link: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
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