Die "singende Nonne" Sœur Sourire (französisch für "Schwester des Lächelns") wurde am 17. Oktober 1933 als Jeanne-Paule (Jeanine) Marie Deckers in Laeken1), einem Stadtteil im Norden der belgischen Hauptstadt Brüssel1) geboren. Die Älteste von vier Kindern des Konditors Lucien Deckers und dessen Ehefrau Gabrielle wuchs anfangs in ihrem Geburtsland auf. Während des 2. Weltkrieges zog die Familie nach Frankreich, wo ihr Vater als Mitglied der "Résistence"1) in Paris1) gegen die nationalsozialistische Besatzungsmacht kämpfte; nach Kriegsende kehrte die Familie nach Belgien zurück. Sie selbst beschrieb ihre Kindheit als "trostlos", geprägt von einer autoritären und konservativen Mutter sowie einem Vater, der sich nicht gegen seine Ehefrau durchsetzen konnte. Nach dem Besuch einer katholischen Schule machte das junge Mädchen eine Ausbildung an einer Kunstschule, arbeitete anschließend zwischen 1954 und 1959 einige Jahre lang als Zeichenlehrerin an einer Mädchenoberschule in Brüssel. Schon früh von dem Wunsch beseelt, Nonne zu werden, trat sie im Herbst 1959 in das bei Waterloo1) gelegene Dominikanerinnen1)-Kloster "Couvent de Fichermont" ein. Bereits zu dieser Zeit hatte sie sich eine Gitarre gekauft und begann dann im Kloster, das Instrument zu erlernen. Schwester Luc-Gabrielle, wie Jeanine Deckers nun als Nonne hieß, lockerte mit Unterstützung der Oberin das strenge Klosterleben mit ihrem Gesang und Spiel auf, hielt Gruppenabende für junge Mädchen ab und textete/komponierte zudem auch einfache Lieder; ihre Gitarre nannte sie "Sœur Adèle".
Bei einer dieser Veranstaltungen bot ihr die Plattenfirma "Philips"1) einen Vertrag an, den sie mit Billigung des Ordens annehmen durfte. Die Einnahmen sollten dem Orden zufließen, da Nonnen aufgrund des Armutsgelübdes keine eigenen Besitztümer haben dürfen. Eine weitere Bedingung war, dass weder Name noch Foto von Schwester Gabrielle auf der Plattenhülle erscheinen durften.
  
1963 schrieb die "singende Nonne" das Lied "Dominique"1) als Ehrerbietung an den Gründer der Dominikaner/-innen-Orden Dominikus1), ein Titel der über Nacht zum Hit wurde und "Sœur Sourire", wie sie im nun im Showgeschäft hieß, ungemein populär werden ließ. Das Lied wurde millionenfach verkauft, hielt sich allein in Belgien 12 Wochen lang auf Platz 1 der Hitparade, war ebenfalls in den USA Spitzenreiter ("Billboard Hot 100"1)) und gewann 1964 einen "Grammy Award"1) in der Kategorie "Bester Gospel Song" ("Best Gospel Or Other Religious Recording, Musica"). Im Verlaufe der nächsten Monate schrieb und komponierte "Sœur Sourire" zahlreiche Chansons, zog sich dann aber vorübergehen ganz ins Klosterleben zurück und mied die Öffentlichkeit.
Ihre Popularität veranlasste "Metro-Goldwyn-Mayer"1) (MGM), das Leben der singenden Nonne unter der Regie von Henry  Koster1) mit Debbie Reynolds in der Titelrolle zu verfilmen, die Songs aus "The Singing Nun"1) (1966, "Dominique – Die singende Nonne") wie beispielsweise "Brother John", "Sister Adèle", "Avec toi" oder "Petit Pierrot" stammten alle aus der Feder von "Sœur Sourire". filmdienst.de urteilt: "Sentimentale Hollywood-Unterhaltung nach dem Rezept für Schlagerfilme: Um ein paar Liedeinlagen ist eine simple Story geflochten, die biografische Nähe aufweisen soll, aber in Gefühlsduselei steckenbleibt." Der ziemlich klischeehafte und "honigsüße" Streifen stieß im Kloster auf Missbilligung und als Schwester Gabrielle ihren Plattenvertrag verlängern wollte, versagte ihr der Orden die Zustimmung. 1966 verließ sie das Kloster, änderte ihren Namen in "Luc Dominique", eine Kombination aus ihrem früheren Namen im Kloster und ihrem Hit, und wollte nun ihre Karriere als Sängerin ohne kirchlichen Segen fortsetzen.
Doch ohne Ornat war sie für viele keine Sensation mehr und die Verkäufe ihrer Platten stagnierten, vielleicht nicht zuletzt deshalb, weil sie nun keine fröhlichen Kirchen-Pop-Lieder mehr sang, sondern sich mehr kontroversen, progressiven Themen zuwandte; mit "La pillule d'or" etwa schrieb sie ein Loblied auf die gerade erfundene Anti-Baby-Pille.
 
Ende der 1970er Jahre machte sie kaum noch mit ihren Liedern Schlagzeilen, sondern vielmehr mit ihren Steuerschulden. Das Finanzamt verlangte 1978 Nachweise von ihr, was aus den Millioneneinnahmen ihres Hits "Dominique" und aus den Tantiemen für die Filmvorlage geworden sei. Das Kloster ließ sein ehemaliges Mitglied bei der Klärung "im Regen stehen" und Luc Dominique nahm zu Beginn der 1980er Jahre ein Remake von "Dominique" auf, um die umgerechnet 280 000 Mark Steuerschulden begleichen zu können; der ehemalige Hit geriet nun zum Flop. Auch das 1980 mit ihrer Freundin Annie Pécher (1944 – 1985) gegründete Heim für autistische Kinder musste aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten geschlossen werden. Ihre Lebensgefährtin Annie lernte Luc Dominique bereits kurz nach Verlassen des Klosters kennen.  
Am 30. März 1985 schied die ehemalige "Schwester des Lächelns" im Alter von 51 Jahren gemeinsam mit Annie Pécher in ihrem Haus in Wavre1), 25 Kilometer südlich von Brüssel, durch eine Überdosis an Barbituraten und Alkohol aus dem Leben. Die in den letzten Monaten ihres Lebens völlig verarmten Frauen wurden in einem gemeinsamen Grab auf dem Friedhof von Wavre beigesetzt → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons.
 
Im Jahr 2009 erschien das belgisch-französische, von Stijn Coninx1) gedrehte Biopic "Sœur Sourire"1) ("Sœur Sourire – Die singende Nonne") mit Cécile de France1) in der Hauptrolle, "das Deckers’ Leben allerdings nur ungenau bzw. fiktionalisiert nacherzählt." wie Wikipedia notiert. filmdienst.de vermerkt: "Ein bewegendes, routiniert inszeniertes Porträt einer zerrissenen Persönlichkeit, das von der überzeugenden Hauptdarstellerin getragen wird; differenziert in der Behandlung der Kirche und ihrer Amtsträger, bemüht sich der Film im Gegensatz zu Henry Kosters Hollywood-Version des Stoffs ("Die singende Nonne", 1966) um ein realistisches Bild." → siehe auch prisma.de, weitere Kritiken bei Wikipedia. Von Charles-Antoine de Rouvre entstand der französische Dokumentarfilm "Soeur Sourire, qui a tué la voix de Dieu?"2) (2021, "Sœur Sourire – Wer tötete die singende Nonne?")
 
Siehe auch Wikipedia (deutsch; mit Diskografie), Wikipedia (englisch)
sowie den Artikel bei www1.wdr.de
Fotos bei Wikimedia Commons
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) fernsehserien.de
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