Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges waren die Grécos
gezwungen, Paris zu verlassen und zogen in die Dordogne, wo sich Juliettes
Mutter bald aktiv für den französischen Widerstand engagierte; 1943 wurde
sie von der Gestapo in Haft genommen, Juliette und ihre Schwester flohen
nach Paris, wo beide bald darauf ebenfalls arretiert wurden. Kurz darauf
wurden Mutter und Schwester ins KZ Ravensbrück deportiert; Juliette Gréco,
die grade erst 16 war, durfte in Frankreich bleiben.
Als sie aus dem Gefängnis entlassen wurde, kümmerte sich zunächst die
ehemalige Lehrerin und Schauspielerin Hélène Duc um das elternlose Mädchen
und nahm sie bei sich zuhause auf. Bis zum Ende des Krieges lebte Juliette Gréco
in Paris, wo sie schon bald das intellektuelle Boheme-Leben im "Quartier Latin"
sowie die aufregende Welt des Theaters entdeckte. Der idealistische Teenager
begann sich auch für Politik zu interessieren, besuchte Treffen der jungen
Kommunisten und führte ernsthafte Diskussionen mit Freunden in den
verräucherten Cafes des "Quartier Latin". Ermutigt durch Hélène Duc nahm
sie außerdem Schauspielunterricht und erhielt bald kleinere
Rollen bei der "Comédie française".
Juliette Grécos Mutter und Schwester kamen nach Kriegsende aus dem
Gefangenenlager zurück und die Familie zog wieder in den Südwesten
Frankreichs. Da die Mutter jedoch nach kurzer Zeit beschloss, in
die französische Marine einzutreten, zogen die beiden Schwester Juliette und Charlotte
erneut nach Paris. Juliette nahm bald ihren früheren Lebensstil im "Quartier Latin"
wieder auf, traf sich mit Schriftstellern, Malern und Musikern der Szene und
lernte so unter anderem auch Jean Paul Sartre1)
(1905 1980) und Albert Camus1) (1913 1956) kennen. Sie
lebte in einem kleinen Hotelzimmer und hielt sich mit verschiedensten
Gelegenheitsjobs über Wasser. Mit ihrer rebellischen Charaktere sowie ihrem
bohémien-haften Aussehen wurde sie bald zu einer der Hauptfiguren der "Quartier Latin"-Szene
und die Kontakte, die sie dort schloss, halfen ihr einige Theaterrollen sowie
Auftritte beim Rundfunk zu erhalten.
1947 wurde der Nachtclub "Le Tabou"
in der Rue Dauphine eröffnet, der für Juliette Gréco und ihre Freunde zum
neuen Treffpunkt wurde. Der Schriftsteller Boris Vian1)
(1920 1959) verkehrte dort regelmäßig, ebenso wie
der berühmte Jean Cocteau1) (1889 1963)
oder der legendäre Jazz-Trompeter Miles Davis1) (1926 1991). Juliette Gréco sang dort
Chansons, schon bald erschien ihr Bild auf zahlreichen Titelseiten und in
diversen Artikeln wurde das neue Bohème-Leben im Nachkriegs-Paris
dokumentiert. Ermutigt durch ihre Freunde und ihre enge Freundin, die
Schriftstellerin Anne-Marie Cazalis (1920 1988),
baute Juliette Greco ihre Karriere als Sängerin weiter aus. 1949 gab sie ihr
Konzertdebüt im "Le Bœuf sur le Toit", einem weiteren legendären
Treffpunkt der Existenzialisten, in dem regelmäßig Musikveranstaltungen und
Dichterlesungen stattfanden. Raymond Queneau1)
(1903 1976) verfasste für diesen Auftritt
das außergewöhnliche "Si tu t'imagines", Jules Lafforgue schrieb
"L'eternel féminin" für sie und Jacques Prévert1)
(1900 1977) gab der Sängerin
das zum Klassiker gewordene "Les feuilles mortes" und schon bald
waren diese Titel weltbekannt. 1951 nahm sie die erste Single "Je suis comme je suis" auf
und das Lied der Text stammte von Jacques Prévert,
die Musik von Joseph Kosma
wurde zu einem ein absoluter Klassiker in allen Gréco-Konzerten. Mit Liedern wie "Sous le ciel de
Paris", "Ne me quitte pas" oder "Paris Canaille"
begeisterte die Gréco fortan ihr
Publikum.
Die Künstlerin gab in Folge zahlreiche Konzerte, die sie auch nach Brasilien
und in die USA führten, wo sie unter anderem 1952 einen triumphalen Erfolg in
der Show "April in Paris" feierte. Nach ihrer Rückkehr aus den
Staaten machte sie eine ausgedehnte Tournee in Frankreich, trat 1954 im
legendären Pariser "Olympia" auf und erntete Begeisterungsstürme. Stets
stand sie auf der Bühne im schwarzen, hochgeschlossenen Kleid oder schwarzem
Jackett und wurde deshalb anspielend auf ihre Kleidung von
vielen als "Schwarze Rose von St. Germain" bezeichnet.
1954 war auch privat für Juliette Gréco ein erinnerungswürdiges Jahr: Bei
den Dreharbeiten zu dem Jean-Pierre Melville-Film "Quand tu liras cette lettre"
traf sie den Schauspieler Philippe Lemaire1)
(1927 2004), den sie später heiratete. Die Ehe
war nicht von langer Dauer, denn bereits 1956 ließ sich das Paar
trotz der 1954 geborenen gemeinsamen Tochter Laurence-Marie wieder scheiden.
In den 1950er Jahren verlief die Karriere der Gréco zweigleisig, neben ihrer
Arbeit als Chansonsängerin wirkte sie bei verschiedenen
Filmproduktionen mit, arbeitete mit so berühmten Regisseuren wie Henri King, John Huston
oder Orson Welles und entwickelte sich zu einer bemerkenswerten
Schauspielerin. So spielte sie unter anderem 1957 in "The Sun Also Rises"1)
(Zwischen Madrid und Paris) und 1958 in "The Roots of Heaven" (Die Wurzeln des Himmels)
sowie in Otto Premingers
Sagan-Adaption "Bonjour Tristesse1) mit.
Die 1960er Jahre waren wieder verstärkt von ihrer Arbeit als Sängerin
geprägt. Sie veröffentlichte so berühmte Chansons wie "Il n'y a plus d'après" (1960)
oder "Jolie Môme" (1961) und trat mit überwältigendem
Erfolg erneut im Pariser "Bobino" und "Olympia" auf.
Mitte der 1960er Jahre war sie eine der bekanntesten Gesichter des französischen
Showbusiness, nicht zuletzt auch wegen ihrer Rolle in der berühmten TV-Serie
"Belphégor, òu le fantôme du Louvre"2)
(Belphégor Das Phantom
des Louvre). Trotz brillanter Karriere und internationaler
Anerkennung fiel der Star privat in eine tiefe Depression, die Mitte 1965 in
einem Selbstmordversuch gipfelte. Doch schon bald erholte sich die Künstlerin,
hatte 1966 die Krise überwunden und ehelichte ihren Schauspielerkollegen
Michel Piccoli2);
mit ihm war sie bis 1977 verheiratet.
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In den folgenden Jahre unternahm sie wieder zahlreiche Tourneen rund um den
Globus, die sie unter anderem 1967 auch nach Berlin führten, wo sie vor
60.000 begeisterten Zuhörern sang; sie veröffentlichte erfolgreich zahlreiche
Schallplatten-Alben, schränkte aber zeitweise ihre Bühnenauftritte ein.
Nach mehrjähriger Bühnenabstinenz feierte sie 1991 in Paris ein umjubeltes Comeback.
In den 19 90er Jahren wurde ihre triumphale Rückkehr vor allem
von dem Pianisten Gérard Jouannest gefördert mit ihrem
langjährigen musikalischen Begleiter hatte sie 1988 auch das Band der Ehe geknüpft.
Heute lebt
die Künstlerin nach einem Herzanfall, den sie im Mai 2001 erlitt, zurückgezogen
auf einem Bauernhof in der Nähe von Paris und ließ sich nur noch ab und zu auf der Bühne sehen.
Seit 2004 nimmt sie jedoch wieder
vermehrt Auftritte im In- und Ausland war. In Deutschland trat sie zuletzt 2005 in der Berliner Philharmonie
auf, ihr Album "Le Temps d’une Chanson" kam Ende 2006 auf den
Markt, 2009 folgte das Album "Je Me Souviens de Tout".
Foto: Juliette Gréco im Oktober 2006
Urheber: Victor Diaz Lamich (Link: französischsprachige Wikipedia)
Foto bei Wikipedia
bzw. Wikimedia Commons veröffentlicht mit Genehmigung des Fotografen
Lizenz: CC-by-SA 3.0
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Im Paris der Nachkriegsjahre galt Juliette Gréco als Muse der Existenzialisten,
verkörperte die intellektuelle französische Nachkriegsgeneration und Jean-Paul Sartre
oder Albert Camus schrieben viele ihrer Texte. Mit ihrer samtenen, tiefen Stimme
sowie ihren Liedern prägte sie maßgeblich das französische Chanson und
machte es rund um den Globus bekannt. Neben Edith Piaf zählt Juliette Gréco zu den wenigen
"Grande Dames" des französischen Chansons. Die strenge gedeckte Kleidung und
ihre meist schwermütigen Chansons sind über Jahrzehnte ihr Markenzeichen geblieben.
Die Künstlerin, die im Februar 2007 ihren 80. Geburtstag feierte, ist eine
Frau, die mit ihrem emotionsgeladenem Gesang nicht nur Jean-Paul Sartre oder
Albert Camus inspirierte, sondern mit ihrer ausdrucksstarken Stimme
auch noch heute ihr Publikum begeistern kann.
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