Erna Sack  wurde am 6. Februar 1898 als Erna Dorothea Luise Weber in Berlin-Spandau1) geboren. Schon als Kind fiel sie mit ihrer ungewöhnlich schönen Stimme in der Schule, später im Kirchenchor auf. Für die bürgerlichen Eltern August Weber (1872 – 1961) und Louise Weber (1874 – ?) war es jedoch zunächst undenkbar, dass ihre Tochter Sängerin werden sollte, erst auf Zureden des jüdischstämmigen Verlegers Hermann Sack (1895 – 1989), den die junge Erna am 14. November 1921 heiratete und der ihr Mentor wurde, stimmten die Eltern einer entsprechenden Ausbildung zu. 
Erna Sack Anfang Dezember 1939; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: Franz Blaha (1904–nach 1969)t; Datierung: 05.12.1939: Rechteinhaber/Copyright ÖNB Wien/Franz Blaha; Bildarchiv Austria (Inventarnummer OEGZ/B6/12631) Nach einem Gesangsstudium am "Prager Konservatorium"1) sowie Privatunterricht bei dem Gesangspädagogen Oscar Daniel in Berlin konnte Erna Sack erstmals 1928 mit kleinen Mezzosopran- und Soubrettenpartien an der "Städtischen Oper" (heute: "Deutsche Oper Berlin"1))  ihr stimmliches Talent vor größerem Publikum unter Beweis stellen, zwei Jahre später ging sie an das "Stadttheater" von Bielefeld1) (heute "Theater Bielefeld"1)). Hatte Erna Sack zuvor als Mezzosopranistin1) gesungen, so wechselte sie nun die Stimmlage und trat im Fach der lyrischen Koloratursopranistin1) auf. In Bielefeld glänzte sie beispielsweise als Sophie in der Oper "Der Rosenkavalier"1) von Richard Strauss1) oder als Kammerzofe Susanna in dem Mozart1)-Werk "Figaros Hochzeit"1) sowie 1931 mit sensationellem Erfolg als junge Witwe Norina in der Opera buffa1) "Don Pasquale"1) von Gaetano Donizetti1), wobei sie erstmals durch ihre ungewöhnliche Tonhöhe Aufsehen erregte. Rasch avancierte Erna Sack zu einer der bedeutendsten Sängerinnen ihres Fachs, erreichte wie nur wenige die extreme Tonhöhe des "viergestrichenen C", wobei ihre Stimme vier Oktaven umfasste, und wurde als die "deutsche Nachtigall" gefeiert.
 
Erna Sack Anfang Dezember 1939
Foto mit freundlicher Genehmigung der
Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: Franz Blaha (1904–1996); Datierung: 05.12.1939
Rechteinhaber/© ÖNB Wien/Franz Blaha; → Info 
Bildarchiv Austria (Inventarnummer OEGZ/B6/12631)
 Weiter Station ihrer Laufbahn wurden 1932 das heutige "Hessische Staatstheater Wiesbaden"1), 1934 ging sie nach Breslau1) an das ehemalige "Stadttheater" (heute "Oper Breslau"1)) und ein Jahr später nach Dresden1) an die "Staatsoper" (heute "Semperoper"1)), wo sie die Aufmerksamkeit des Dirigenten Karl Böhm1) (1894 – 1981), vor allem aber des Komponisten Richard Strauss1) (1864 – 1949) erregte. Bis 1941 wirkte Erna Sack als regelmäßiges Mitglied an der "Dresdner Staatsoper", glänzte dort beispielsweise am 24. Juni 1935 in der von Josef Gielen1) unter anderem mit Friedrich Plaschke1) (Sir Morosus), Helene Jung (1887–1975; dessen geschwätzige Haushälterin) und Maria Cebotari (Aminta, Frau des Neffen Henry Morosus (Martin Kremer1))) inszenierten sowie Karl Böhm dirigierten Uraufführung der Richard-Strauss-Oper "Die schweigsame Frau"1) in der Partie der Isotta, Mitglied der Theatertruppe um Direktor Vanuzzi (Kurt Böhme). 1936 gestaltete sie die "Vogellieder" in dem gleichnamigen, erstmals dargebotenen  Werk für Koloratursopran, Flöte und Orchester der Komponistin Grete von Zieritz1) (1899 – 2001), in der am 2. März 1937 unter der musikalischen Leitung von Karl Böhm uraufgeführten Oper "Massimilla Doni"2) von Othmar Schoeck1) (Musik) mit dem Libretto von Armin Rüeger3) (1886 – 1957) nach der gleichnamigen Novelle von Honoré de Balzac1) (→ Wikipedia (englisch)) gab sie in der Inszenierung von Max Hofmüller1) die gefeierte Primadonna Clarina Tinti, Heinrich Tessmer1) deren Mäzen, den alten Sonderling Herzog Cattane und Felice Hüni-Mihacsek1) die titelgebende Herzogin Massimilla Doni, Verlobte des Herzogs, aber dem Edelmann Emilio Memmi (Rudolf Dittrich1)) in Liebe verbunden → Besetzungszettel bei "Deutsche Fotothek".
  
Neben ihren Engagements gab Erna Sack ab 1933 regelmäßig triumphale Gastspiele an der "Deutschen Oper Berlin"1), man feierte sie in Hamburg ebenso wie in München, umjubelte Auslands-Tourneen führten sie unter anderem nach Mailand, Rom, Paris, Wien, München, London, sowie 1936 in die USA. Anfang November 1936 beispielsweise begeisterte sie am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) anlässlich eines Gastspiels der "Dresdner Staatsoper" als Zerbinetta, Gefährtin des Harlekin1) (Arno Schellenberg1)), Brighella1) (Martin Kremer1)), Scaramuccio1) (Heinrich Tessmer1)) und Truffaldin1) (Ludwig Ermold1)), in "Ariadne auf Naxos"1) an der Seite von Marta Fuchs1) (Primadonna/Ariadne1)) – Komponist Riichard Strauss1) selbst dirigierte. Im Folgejahr glänzte sie in Chicago mit der Partie der Rosina in "Der Barbier von Sevilla"1) von Gioachino Rossini1) sowie als Protagonistin in "Lucia di Lammermoor"1) von Gaetano Donizetti1). Ebenfalls 1937 brillierte sie in Rom am "Teatro dell’Opera di Roma"1) als "Königin der Nacht" in dem Mozart-Werk "Die Zauberflöte"1) mit Tullio Serafin1) (1878 – 1968) am Dirigentenpult, italienische Opernstars wie Tancredi Pasero1) (Fürst Sarastro), Tito Schipa1) (Tamino), Emilio Ghirardini (1887–1965; Papagheno) oder Licia Albanese1) (Pamina) waren ihre Partner/-innen → Besetzung.
Zu ihrem Repertoire zählte unter anderem die Olympia in "Les contes d'Hoffmann"1) ("Hoffmnns Erzählungen") von Jacques Offenbach1), basierend auf verschiedenen Erzählungen von E. T. A. Hoffmann1) oder die Gilda in "Rigoletto"1) von Giuseppe Verdi1) – alles Partien, die neben den genannten, zu ihrem internationalen Ruf beitrugen und mit denen sie stets Aufsehen erregte, sie zu einer der herausragenden Interpretinnen des vergangenen Jahrhunderts machten. Im Bereich der "leichten Muse" erfreute sie mit der Titelrolle in der Operette "Die schöne Galathée"1) von Franz von Suppè1) (Musik). Erwähnenswert ist auch ihre Rolle der Kammerzofe Adele in "Die Fledermaus"1) von Johann Strauss1), die sie am 25. Februar 1936 an der "Wiener Staatsoper"1) unter der Regie von Hans Duhan1) und musikalischen Leitung von Josef Krips1) gestaltete – zur Besetzung gehörten Richard Schubert (1885–1959; Gabriel von Eisenstein), Margit Bokor1) (dessen Ehefrau Rosalinde), Rosette Anday1) (Prinz Orlofsky), Richard Tauber (Notar Dr. Falke) und Ernst Tautenhayn1) (Gerichtsdiener Frosch) → Besetzung.
Während des 2. Weltkrieges wirkte die Sängerin bevorzugt in der Schweiz, Schweden und in der Türkei , entgegen verschiedener anders lautender Quellen trat sie wohl nie bei den "Salzburger Festspielen"1) auf.
Erna Sack als Nanon Patin und Otto Gebühr als Jean Baptiste Moliére während der Dreharbeiten zu dem Film "Nanon", fotografiert 1938 von Gerd Mingram (1910–2001), genannt Germin; Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_ger-pos_0001220); Copyright SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Germin; Datierung: 1938; Quelle: www.deutschefotothek.de

Erna Sack präsentierte sich zudem in zwei Kinofilmen: Die Rolle der Sängerin Maria Castoldi übernahm sie in der von Augusto Genina1) in Szene gesetzten, österreichischen musikalischen Streifen "Blumen aus Nizza" (1936), spielte/sang (das Walzerlied "Frühlingsstimmen"1) von Johann Strauss/Richard Genée1)) unter anderem neben Karl Schönböck (Graf Ulrich von Traunstein) und Paul Kemp (Rudi Hofer) → filmdienst.de, Wikipedia (englisch). Zwei Jahre später erlebte man sie mit der Titelrolle der Nanon Patin, attraktive Wirtin des "Goldenen Lamms" und Verlobte des Tambours Grignon, in der Verwechslungskomödie "Nanon" (1938) zusammen mit Johannes Heesters (Marquis Charles d'Aubigné alias Grignon), gedreht von Herbert Maisch1) nach der gleichnamigen Operette1) von Richard Genée1) → filmportal.de. "Auf die bedeutende Koloratursopranistin Erna Sack und auf Johannes Heesters als ihren Tenorpartner zugeschnittener Operettenfilm, heiter-romantisch, kostümfreudig, nicht sonderlich originell." urteilt filmdienst.de.
Zahlreiche Schallplattenaufnahmen zeugen noch heute von der extremen Sopranstimme Erna Sacks, besonders beliebt war beim Publikum das als "Lied der Jenny Lind1)" bekannt gewordene schwedische Volkslied "Fjorton or tror visst att jag va", aber auch das berühmte "Glühwürmchen-Idyll" von Paul Lincke1) aus dessen Burlesk-Operette "Lysistrata", einer freien Adaption des gleichnamigen Komödie1) des Aristophanes1) mit dem Libretto von Heinrich Bolten-Baeckers1).
          

Erna Sack als Nanon Patin und Otto Gebühr als Jean Baptiste Moliére1)
während der Dreharbeiten zu der Verwechslungskomödie "Nanon"1)
fotografiert 1938 von Gerd Mingram1) (1910–2001), genannt Germin
Quelle: Deutsche Fotothek, (file: df_ger-pos_0001220)
© SLUB Dresden/Deutsche Fotothek/Germin; Datierung: 1938;
Quelle: www.deutschefotothek.de; Genehmigung zur Veröffentlichung: 30.03.2017

Nach Ende des 2. Weltkriegs nahmen Erna Sack und ihr Ehemann Hermann Sack die brasilianische Staatsangehörigkeit an, 1947 unternahm die Sängerin eine fünfjährige Welttournee, die sie in Brasilien1) startete und sie vor allem durch Südamerika, Australien, Südafrika und Kanada führte. In Kanada feierte sie ihre größten Nachkriegserfolge, lebte mit ihrem Gatten auch einige Zeit in Montreal1). 1954/55 folgten zwei große Konzertreisen durch die USA, begeisterte auch am 31. Oktober 1954  in der New Yorker "Carnegie Hall"1) – hier war sie zuletzt Anfang Oktober 1937 zusammen mit unter anderem Richard Tauber, Jussi Björling, Maria Jeritza und Josef Schmidt aufgetreten – faszinierte das Publikum mit ihrer schönen Stimme, die nichts an Glanz verloren hatte. So bezauberte sie beispielsweise mit den Opern-Arien "O del mio dolce ardor" aus "Paride ed Elena"1) ("Paris und Helena") von Christoph Willibald Gluck1), "O luce di quest' anima" aus "Linda di Chamounix"1) von Gaetano Donizetti1) oder "Ombra leggiera" aus "Dinorah ou Le pardon de Ploërmel"1) von Giacomo Meyerbeer1), aber auch mit dem Wiegenlied "Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein"1), dessen Vertonung lange Wolfgang Amadeus Mozart1) zugesprochen wurde 1953 unternahm sie zudem eine ausgedehnte Konzerttournee durch die Bundesrepublik und West-Berlin, nach mehrjährigen Auslandsaufenthalten beendete sie ihre Gesangskarriere 1957 mit neuerlichen Konzertreisen durch Westdeutschland, trat auch kurz in Ost-Berlin auf. Danach zog sich die knapp 60-Jährige ins Privatleben zurück. 1956 ließ sie sich im oberbayerischen Murnau am Staffelsee1) nieder, lebte dann ab 1966 in einer Villa in Wiesbaden1).
   
Die legendäre Konzert- und Opernsängerin Erna Sack starb am 2. März 1972 im Alter von 74 Jahren während einer Krebs-Operation in einer Klinik in Mainz1); die letzte Ruhe fand sie auf dem "Südfriedhof"1) in Wiesbaden1) → Foto der Grabstätte bei knerger.de, findagrave.com, in der später auch
Hermann Sack (1895 – 1989) beigesetzt wurde; die Ehe blieb kinderlos..
"In Staaken1) (Ortsteil von Berlin-Spandau1)) erinnert seit Februar 1997 die "Erna-Sack-Straße" an die "deutsche Nachtigall", ebenso seit April 2000 im Dresdener Ortssteil Nickern
1) sowie seit August 2011 in Heuchelheim1) (Hessen), dem Geburtsort ihres Ehemannes." notiert Wikipedia.
  
Siehe auch Wikipedia (deutsch), Wikipedia (englisch),
cyranos.ch, fembio.org
Fotos bei virtual-history.com
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) klassika.info, 3) HistorischesLexikon der Schweiz
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