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Der italienische Tenor Giuseppe Di Stefano wurde am 24. Juli 1921
als Sohn eines Polizisten und einer Schneiderin im
sizilianischen Motta Santa Anastasia (bei Catania) geboren; während seiner
Schulzeit von Jesuiten am Seminar von St. Avialdo unterrichtet,
wollte er als Junge eine Zeit lang Priester werden. Seine Familie war nicht
begütert, ermöglichten ihrem Sohn jedoch unter großen Opfern ein
Gesangsstudium in Mailand bei dem Bariton Luigi Montesanto (1887 1954), wo er auch an den
Meisterkursen von Mariano Stabiles1)
(1888 1968) teilnahm. Als der 2. Weltkrieg begann, musste Di Stefano
seine Ausbildung unterbrechen, wurde zum Militär eingezogen, setzte
sich dann 1943 auf der Flucht vor den deutschen Truppen in die Schweiz ab. Dort
hielt er sich unter dem Namen "Nino Florio" mit Auftritten in
Cafés, Restaurants und kleineren Theatern über Wasser, kam später bei
Lausanne in ein Internierungslager, wo er bei einer im Lager mit den Insassen
von Radio Lausanne produzierten Sendung mit seiner wunderschönen Stimme
auffiel. Die Verantwortlichen des Senders setzten es durch, dass der junge Mann
seine Stimme weiter ausbilden konnte, um bei einigen Rundfunkaufnahmen
mitwirken zu können und er nahm auch einige Schallplatten auf.
Nach Kriegsende kam er nach Italien zurück und nahm noch eine Zeit
lang Unterricht bei Luigi Montesanto, der später auch sein Manager
wurde. Sein eigentliches Debüt als Tenor gab Di Stefano am 20. April 1946
am "Teatro Municipale" von Reggio nell'Emilia, wo er
als Student Renato Des Grieux in Puccinis romantischen Oper "Manon Lescaut"2)
Furore machte der "Des Grieux" blieb zeitlebens eine seiner glänzendsten
Figuren. Im gleichen Jahr wurde er an das "Teatro Liceo" in
Barcelona eingeladen und avancierte in nur kurzer Zeit zu einem der
umjubeltsten
lyrischen Tenöre seiner Generation. Der Sizilianer besaß als junger
Sänger eine einschmeichelnd klangschöne, weich-timbrierte und
sinnliche Stimme, ganz gewiss den verführerisch-sinnlichstenTenor seit
der Zeit des jungen Gigli. Es war ein lyrischer Tenor mit großem
Volumen und mittlerem Umfang.3)
Anfang der 1960er Jahre begann Di Stefanos Ruhm als Verdi-Tenor zu verblassen,
seine Stimme war nicht für "schwere" Partien geeignet. 1963 beispielsweise
stellten sich Probleme bei einer Vorstellung von "La Bohème"
am Londoner "Covent Garden" ein er wurde durch einen
"Newcomer" ersetzt Luciano Pavarotti4)
(1935 2007). Anfang der 1970er Jahre unternahm er mit
Maria Callas noch einmal eine große Konzerttournee, die er jedoch
1974 abrupt abbrechen musste
und so diejenigen Kritiker bestätigte, die technische Unvollkommenheit
seines Singens bereits auf dem Höhepunkt seiner Karriere gerügt, ihm den
baldigen stimmlichen Ruin prophezeit hatten.
Auf der anderen Seite steht
das Urteil des englischen Experten John Steane, der Di Stefano eine der besten
Tenorstimmen des Jahrhunderts zuschreibt.5)
Eine ausführliche Biografie zu Giuseppe Di Stefano mit einem Vorwort von
Luciano Pavarotti erschien von Thomas Semrau unter dem Titel "Alles
oder nichts. Giuseppe Di Stefano". Aus Gesprächen mit Giuseppe Di Stefano, Meinungen
von Kollegen und Dirigenten, umfangreichem zeitgenössischem Material,
Kritiken der internationalen Presse und persönlichen Erfahrungen
entsteht ein Zugang zu Leben und Karriere des einmaligen Künstlers,
den die nachfolgende Generation von Tenören mehr oder weniger geschlossen
zu ihrem Vorbild erklärt hat. Die Biographie ist reich bebildert und enthält
eine detaillierte Chronologie und Diskographie. Eine CD mit seltenen Aufnahmen
des Künstlers macht das Buch auch zu einem Hörvergnügen.6) |
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Link: 1) Wikipedia (englisch), 2) Wikipedia (deutsch), 4) Kurzportrait innerhalb dieser HP Quelle: 3) Jürgen Kesting: "Die Großen Sänger des 20. Jahrhunderts", Sonderausgabe für Cormoran Verlag München, 1993, S. 677 5) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer, Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 344/345 6) Zitat: www.residenzverlag.at |
| Siehe auch Wikipedia sowie den Nachruf bei www.spiegel.de |
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