Bernhard Grzimek wurde am 24. April 1909 als Bernhard
Klemens Maria Grzimek, Sohn eines Justizrats und jüngstes von sechs
Kindern im oberschlesischen Neiße
geboren und wuchs auch dort gemeinsam mit seinen Geschwistern auf.
Bereits in jungen Jahren interessierte er sich für Tiere,
insbesondere für die Hühnerzucht. Er entschloss sich
konsequenterweise für ein Studium der Veterinärmedizin und Zoologie in Leipzig, welches er 1932 in
Berlin erfolgreich als "Dr. med. vet." beendete. Um sein Studium
zu finanzieren, leitete er eine Geflügelfarm und
einen landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Berlin. Nach dem
Studium arbeitete er in den 30er Jahren im Reichs-Landwirtschaftsministerium,
wo er sich unter anderem mit Hühnerseuchen beschäftigte und seine
Forschungen in mehreren Büchern veröffentlichte; parallel arbeitete Grzimek
in der Verhaltenforschung und Tierpsychologie mit Affen, Wölfen und Pferden.
Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wurde er als Tierarzt zur Wehrmacht
eingezogen, kümmerte sich vor allem um Pferde und führte auch hier
erneut einige Studien durch.
Im März 1945 ging Grzimek auf der Flucht vor drohender Kriegsgefangenschaft
nach Frankfurt a. Main
und wurde am 1. Mai 1945 Leiter des völlig zerstörten zoologischen Gartens, der
eigentlich geschlossen werden sollte; gemeinsam mit seinem Assistenten
Dr. Richard Faust gelang ihm der Wiederaufbau und die Erweiterung des
inzwischen weltbekannten Zoos. Bis zum April 1974 leitete er den
Tierpark, sein Nachfolger wurde Dr. Richard Faust.
Neben seiner umfangreichen Tätigkeit als Zoodirektor
unternahm Grzimek zusammen mit
Sohn Michael ausgedehnte Forschungsreisen nach Afrika, Japan, Kanada,
die UdSSR, Australien und Südamerika. So entstand nach seiner
Buchvorlage auch der berühmte
Dokumentarfilm "Kein Platz für wilde Tiere" (1954), der die
afrikanische Tierwelt zeigte und den ungenügenden Schutz der tierischen
Lebensgrundlagen anprangerte; 1956 wurde der Film mit zwei "Goldenen Bären" der Berliner Filmfestspiele
ausgezeichnet. Mit dem Film "Serengeti darf nicht
sterben"1) (1959) erreichten Bernhard und Michael Grzimek auch
internationale Anerkennung, als erster Deutscher nach dem Zweiten
Weltkrieg erhielten Grzimek und sein Sohn 1959 einen begehrten "Oscar"
für die "beste Dokumentation". Ein Jahr später folgte der Bundesfilmpreis
(Filmband in Silber), das
gleichnamige Buch wurde in 23 Sprachen übersetzt. Der Film war in der ostafrikanischen Serengeti-Steppe gedreht
worden und begleitete die letzten großen Wildherden dieser Gegend.
Bei den
Dreharbeiten stürzte der als Kameramann fungierende Michael Grzimek
am 10. Januar 1959 mit einer umgebauten Sportmaschine, die wegen
seiner Bemalung "fliegendes Zebra" genant wurde, ab, als ein
Geier in die Tragflächen geraten war. Michael Grzimek verstarb mit nur
24 Jahren, der junge Familienvater hinterließ seine Frau Erika sowie
die beiden Söhne Christian und Stephan.
Auch nach seiner Pensionierung als Zoodirektor engagierte sich Bernhard Grzimek
unermüdlich für den Tierschutz, unter anderem im "World Wildlife Fund" und im
"BUND" (Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland), den
er 1975 gemeinsam mit Horst Stern und 19 weiteren Umweltschützern
gegründet hatte. Seine Arbeit für die "Zoologische Gesellschaft
Frankfurt", dessen Präsident er seit 1971 war, führte dazu,
dass diese sich zu einer der größten Naturschutzorganisationen
entwickelte.
Zahlreiche Veröffentlichungen zeugen von Grzimeks
unermüdlichen Einsatz für die Natur bzw. die Tiere des afrikanischen Kontinents,
so z. B. "Unsere Brüder mit den Krallen" (1961), "Wildes Tier, weißer Mann" (1965) oder
"Vom Grizzlybär zur Brillenschlange" (1974), vor
allem aber ist die 13-bändige Enzyklopädie "Grzimeks Tierleben"1) zu nennen,
dessen Herausgeber er ab 1968 war, und die weltweit zu den
Standardwerken zählt; außerdem war er gemeinsam mit Konrad Lorenz und Heini Hediger
Herausgeber der Zeitschrift "Das Tier".
Der Tierarzt, Zoologe, Verhaltensforscher, Tierfilmer und Autor
Professor Dr. Bernhard Grzimek, der zwischen 1970 und 1973 auch
Beauftragter der deutschen Bundesregierung für den Naturschutz war,
starb am 13. März 1987 in Frankfurt a. M plötzlich während des
Besuches einer Zirkusvorstellung an Herzversagen. Er fand seine
letzte Ruhestätte am Ngorongoro Krater (Tansania), wo auch Sohn
Michael beigesetzt worden war.
Grzimek lebte seit seiner Pensionierung in Unterfranken, wo er eine Araber-Pferdezucht
betrieb. Seit 1978 war er in in zweiter Ehe mit seiner verwitweten
Schwiegertochter Erika verheiratet, aus seiner 1930 geschlossenen
ersten Ehe mit Hildegard Prüfer hatte er die Söhne Rochus und den
tödlich verunglückten Michael, sowie Thomas, einen farbigen
Adoptivsohn, der sich 1980 das Leben nahm. Sohn Christian Grzimek, der seinen Vater Michael nie kennengelernt hat, leitet heute zusammen mit seiner Mutter Erika die Tierbildagentur, die sein Vater als Filmproduktionsfirma gegründet hatte.
Am 24. April 2009 wäre der legendäre Tierforscher Bernhard Grzimek
100 Jahre alt geworden. Unter dem Titel "Die Flügel der Väter Mit der Do 27 auf den Spuren der
Grzimeks" zeigt die ARD am 15. April 2009 eine Dokumentation
über den legendären Vorreiter der Ökologiebewegung. Die Autoren Uwe Agnes und Bernd Siering
begleiten Sohn Christian Grzimek beim abenteuerlichen Flug von Deutschland
in die Serengeti und bei der Suche nach den Spuren, die seine legendären Väter hinterlassen haben, wie
die ARD Mitte März in Köln mitteilte. Pünktlich zum 100. Geburtstag
legt die Journalistin und Biologin Claudia Sewig die umfassende
Biografie "Der Mann, der die Tiere liebte: Bernhard Grzimek"
vor. Seine fantastischen Naturbilder haben unser Bewusstsein gewandelt. Sein Engagement war wegbereitend.
"Er hat sich wirklich wahnsinnig viel getraut. Er hat viel gesagt. Als er die
Überbevölkerung immer wieder angemahnt und für den Naturschutz geworben hat,
war Deutschland in einer Zeit, wo es industriell aufwärts ging. Alles war interessant die Wirtschaft,
die Industrie, aber doch nicht der Naturschutz. Da hat er vehement und unbequem für solche Themen
geworben", sagt Claudia Sewig. Bernhard Grzimek war Abenteurer, Karrierist und ein Visionär. (Quelle: www.3sat.de)
Siehe auch Wikipedia
1) Der Link führt zu Wikipedia
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