Filmografie / Hörspiel
Alfred Schlageter 1920, fotografiert von Selma Genthe (1877–1939); Quelle: Wikipedia von "Stadtgeschichtliches Museum Leipzig"; Lizenz: gemeinfrei Der Schauspieler Alfred Schlageter erblickte am 26. August 1896 in Basel1) (Schweiz) das Licht der Welt. Nach dem Besuch der Realschule in seiner Geburtsstadt nahm er privaten Unterricht bei dem rumänisch-stämmigen Schauspieler Michael Isailovits2), zu seinen Mitschülern zählten Alfred Lohner1) (1900 – 1990; → cyranos.ch) und Oskar Wälterlin1) (1895 – 1961). 1916 trat Schlageter als Volontär ein Engagement am "Stadttheater Basel"1) an, gab sein Bühnendebüt mit dem Part des Boten Salerio in dem Shakespeare-Drama "Der Kaufmann von Venedig"1). Zwei Jahre später wechselte der aufstrebende Schauspieler 1918 an das "Alte Theater"1) in Leipzig1), wo er sich rasch mit etlichen großen Rollen als renommierter Charakterdarsteller profilierte und schließlich 1934 zum "Kammerschauspieler" ernannt wurde. Für mehr als zwei Jahrzehnte fand Schlageter in Leipzig seine künstlerische Heimat. In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1943 zerstörte ein britischer Luftangriff in Leipzig viele kulturell bedeutsame Bauten, davon betroffen war auch das "Alte Theater; im Frühjahr 1944 kehrte Schlageter in die Schweiz zurück. Er nahm erneut ein Engagement am "Stadttheater Basel" an, wo er bis Mitte der 1950er Jahre blieb. Parallel dazu spielte er von 1951 bis 1954 am "Deutschen Schauspielhaus"1) in Hamburg. 
 
Alfred Schlageter 1920, fotografiert
von Selma Genthe1) (1877 – 1939)
Quelle: Wikipedia von
"Stadtgeschichtliches Museum Leipzig"1)
Angaben zur Lizen (gemeinfrei) siehe hier
Seit  1945 wirkte er als Gast am "Schauspielhaus Zürich"1), war dann dort ab 1956 fest engagiert und interpretierte bis Mitte der 1970er Jahre mehr als hundert Rollen. Sein Repertoire war breit gefächert, er brillierte vor allem im Fach des Bonvivants und Père noble. Nach dem 2. Weltkrieg gestaltete er in Basel beispielsweise den Herzog Vincentio in der Shakespeare-Komödie "Maß für Maß"1) (1946), den Hofmarschall von Kalb in dem Schiller-Drama "Kabale und Liebe"1) (1951), 1954 den Geheimrat Clausen in dem naturalistischen Schauspiel "Vor Sonnenuntergang"1) von Gerhart Hauptmann1), den Riccaut de la Marlinière in dem Lustspiel "Minna von Barnhelm"1) von Gotthold Ephraim Lessing1) und den König Magnus in der Komödie "Der Kaiser von Amerika" von George Bernard Shaw1). Im darauffolgenden Jahr erlebte man ihn als Graf von Moor in Schillers "Die Räuber"1) (1955), den Oberstleutnant Werschinin in "Drei Schwestern"1) von Anton Tschechow1) gab er 1956 und 1957 den Ben, verstorbener Bruder des Protagonisten Willy Loman, in dem berühmten Stück "Der Tod eines Handlungsreisenden"1) von Arthur Miller1). Zudem erfreute Schlageter mit diversen Rollen in Operetten, beispielsweise als Baron Mirko Zeta in "Die lustige Witwe"1) (1949) von Franz Lehár1), als Herzog von Palermo in "Boccaccio"1) (1954) von Franz von Suppé1), als König Agamemnon1) in "Die schöne Helena"1) (1955) von Jacques Offenbach1) oder als Schwabe Jakob Eberle in der musikalischen Komödie "Der schwarze Hecht"1) (1955; hochdeutsche Variante: "Das Feuerwerk"1)) von Paul Burkhard1). .
Am "Schauspielhaus Zürich" überzeugte der Charaktermime unter anderem zur Spielzeit 1956/57 als Otto Frank1) in dem Theaterstück "Das Tagebuch der Anne Frank" (1956/57) von Frances Goodrich1) und Albert Hackett1), basierend auf den berühmten Tagebuchaufzeichnungen1) von Anne Frank1), 1958 spielte er den Lord Panmure in der Uraufführung (21.06.1958) des von Elsie Attenhofer1) verfassten Stück über Florence Nightingale1) mit dem Titel "Die Lady mit der Lampe" und 1960 den Don Octavio in dem Lustspiel "Die kluge Närrin"3) ("La dama boba") von Lope de Vega1) . Er gab den alten Giehle in dem Schauspiel "Vom Teufel geholt" (1961) von Knut Hamsun1), den Egeus, Vater der Hermia, in der Shakespeare-Komödie "Ein Sommernachtstraum"1) (1962), den Monsieur Damiens in  der Komödie "Cécile oder Die Schule der Väter" (1966) von Jean Anouilh1) und den Fabrikant Lennox in dem epischem Theaterstück  "Die heilige Johanna der Schlachthöfe"1) (1968) von Bertolt Brecht1)  – um nur einiges zu nennen → mehr zum Wirken am Theater bei tls.theaterwissenschaft.ch.
 
Alfred Schlageter, der sich in erster Linie als Theaterschauspieler verstand, machte immer wieder Ausflüge auf die Leinwand. Bereits zu Stummfilmzeiten stand er seit 1920 für einige Produktionen vor der Kamera und wirkte in Filmen mit, die fast ausschließlich von Edmund Linke4) in Szene gesetzt und von der Leipziger "Orient-Film, Linke & Co." bzw. der Berliner "Willy Althoff-Film" produziert worden waren. Einen letzten stummen Auftritt hatte er in Linkes Melodram "Verkrachte Existenzen"1) (1924) → Zensurentscheidung vom 14.10.1924 (PDF).
Danach dauerte es mehr als ein Jahrzehnt, bis Schlageter wieder in einer Kinoproduktion zu sehen war, in der von Frank Wisbar1) nach der Novelle "Das Fähnlein der sieben Aufrechten"1) von Gottfried Keller1) mit Heinrich George und Karin Hardt gedrehten Adaption "Hermine und die sieben Aufrechten"5) (1935) mimte er den Tischlermeister Bürgi, unter der Regie von Erich Waschneck1) in der musikalischen Komödie "Die göttliche Jette"1) (1937) den Vater des Grafen Eugen Opalla (Kurt Meisel) an der Seite von Grethe Weiser als Titelheldin Jette Schönborn (real: Henriette Sontag1)). Erneut gingen mehr als zehn Jahre ins Land, bis sich Schlageter in Gustav Ucickys1) Melodram "Nach dem Sturm"1) (1948) mit einer kleinen Rolle präsentierte, in den 1950er Jahren trat er dann öfter in Schweizer Produktionen in Erscheinung. 
So gehörte er zur Besetzung der von Kurt Früh1) in Szene gesetzten Milieustudien "Polizischt Wäckerli"1) (1955, mit Schaggi Streuli1)  → cyranos.ch) und "Bäckerei Zürrer"1) (1957, mit Emil Hegetschweiler → cyranos.ch), der ihn auch mit kleineren Aufgaben in dem Kleinbürger-Drama "Hinter den sieben Gleisen"1) (1959, → cyranos.ch) und in "Café Odeon"4) (1959), der Hommage an den berühmten Zürcher Künstlertreff "Café Odeon"1), betraute. Die prägnante Figur des Bauernführers Walter Fürst1) stellte Schlageter in dem mit großem Aufwand gedrehten Streifen "Wilhelm Tell (Burgen in Flammen)"1) (1960) neben Protagonist Robert Freitag als Wilhelm Tell1) dar. Zu Schlageters Arbeiten für das Kino zählen auch zwei Edgar Wallace1)-Produktionen, in "Der rote Kreis"1) (1960) tauchte er als Mr. Beardmore auf, der später dem unheimlichen Phantom zum Opfer fällt, sowie mit einem winzigen Part in "Der unheimliche Mönch"1) (1965). In dem Krimi "Der Würger vom Tower"1) (1966) kam er als Sir Humphry daher, einen letzten Leinwandauftritt hatte er als Generalvikar in dem Schweizer Dialektfilm "Pfarrer Iseli"1) (1970) mit Ruedi Walter1) in der Titelrolle → Übersicht Tonfilme.

Alfred Schlageter als Gefängnisdirektor in "Café Odeon" (1959)
Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich,
mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich)
 © Praesens-Film AG

Alfred Schlageter als Gefängnisdirektor in "Café Odeon" (1959); Quelle/Link: cyranos.ch bzw. Archiv "Praesens-Film AG" Zürich, mit freundlicher Genehmigung von Peter Gassmann (Praesens-Film AG, Zürich); Copyright Praesens-Film AG
Schlageters Arbeiten für das in Fernsehen bleiben überschaubar, neben einigen Literatur-Adaptionen zeigte er sich unter anderem in dem von Nicolas Gessner1) in Szene gesetzten Schweizer TV-Film "Der Gefangene der Botschaft"1) (1964) als Colonel Duty. Das Drehbuch stammte von Edzard Schaper1) und orientierte sich am Schicksal des ungarischen Kardinals József Mindszenty, neben Mathias Wieman (Kardinal) und Willy Birgel (Botschafter), die die Hauptrollen verkörperten, wirkten eine Reihe weiterer Darsteller/-innen vom "Schauspielhaus Zürich"1) mit.
Neben seiner umfänglichen Arbeit am Theater sowie den verschiedenen Film- und Fernsehauftritten betätigte sich der Schweizer im Laufe seiner über 60-jährigen Schauspielerkarriere auch als Sprecher beim Rundfunk. Während seiner Zeit in Leipzig arbeitete er bei der "Mitteldeutschen Rundfunk AG"1) (MIRAG), seit 1944 beim Schweizer "Landessender Beromünster"1) sowie ab Anfang der 1950er Jahre unter anderem beim "Nordwestdeutschen Rundfunk"1) (NWDR); eine Auswahl der bei der ARD Hörspieldatenbank gelisteten Produktionen findet man hier.
 
Alfred Schlageter starb am 23. September 1981 in Alter von 85 Jahren in Zürich1) und fand die letzte Ruhe auf dem dortigen Friedhof Enzenbühl1); die Grabstelle ist heute nicht mehr existent. Er war in erster Ehe mit der Schauspielerin und Volksliedsängerin Agnes Delsarto1) (1892 – 1965), in zweiter Ehe mit der Opern- und Konzertsängerin bzw. Sopranistin Else Böttcher (1905 – 1991) verheiratet.
Quellen (unter anderem) Wikipedia, cyranos.ch, tls.theaterwissenschaft.ch*)
*) Blubacher, Thomas: Alfred Schlageter, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz (Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1607–1608)
Fremde Links: 1) Wikipedia, 2) tls.theaterwissenschaft.ch,  3) theatertexte.de, 4) cyranos.ch, 5) filmportal.de
Lizenz Foto Alfred Schlageter. Urheberin Selma Genthe (1877–1939): Die Schutzdauer (70 Jahre nach Tod des Urherhebers/der Urheberin) für das von dieser Datei gezeigte Werk ist nach den Maßstäben des deutschen, des österreichischen und des schweizerischen Urheberrechts abgelaufen und daher gemeinfrei.
    
Filme
Stummfilme / Tonfilme / Fernsehen
Filmografie bei der Internet Movie Database sowie filmportal.de
(Fremde Links: filmportal.de, cyranos.ch, Wikipedia, Die Krimihomepage; R = Regie)
Stummfilme (wenn nicht anders genannt: Regie: Edmund Linke) Tonfilme

Fernsehen (Auszug)

Hörspielproduktionen (Auszug)
(Fremde Links: ARD-Hörspieldatenbank (mit Datum der Erstausstrahlung), Wikipedia)
Sendungen der MIRAG – Mitteldeutsche Rundfunk AG (Leipzig), Livesendungen ohne Aufzeichnung Produktionen ab den 1950er Jahren
 
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