Dita Parlo wurde am 4. September 1908 als Grethe Gerda Kornstädt
und Tochter eines Eisenbahnbeamten in Stettin geboren. Nach einer Ballettausbildung besuchte sie die Filmschule in
Berlin-Babelsberg und wurde von Erich Pommer1) (1889 1966) für den Stummfilm entdeckt.
Ihr Leinwanddebüt gab sie 1928 in "Die Dame mit der Maske",
weitere kleinere Rollen spielte sie im gleichen Jahr in Streifen wie
"Heimkehr"1), "Geheimnisse des Orients"1) und "Ungarische Rhapsodie"1);
ihre erste Tonfilm-Hauptrolle spielte sie 1929 an der Seite von Willy Fritsch in dem
Ufa-Film "Melodie des
Herzens"1) unter der Regie von Hanns Schwarz,
ein Jahr später folgte "Manolescu Der König der Hochstapler"1). Ab 1930
stand Dita Parlo auch in Hollywood vor der Kamera, drehte beispielsweise
unter der Regie von Wilhelm Dieterle "Kismet" (1930)
und "Die Heilige Flamme" (1931). Nach ihrer Rückkehr aus den USA
konnte sie auch im französischen Film Fuß fassen. 1934 beeindruckte
sie mit der Rolle der Juliette in Jean Vigos romantischen
Schiffer-Drama "L'Atalante" (1934, Atalante) und wurde rasch auch in
Frankreich zum Star.
Foto: Dita Parlo 1929
Urheber bzw. Nutzungsrechtinhaber: Alexander
Binder2) (1888 1929)
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Unter der Regie von Georg Wilhelm Pabst spielte sie die
Titelrolle in dem Kriegsromanze "Mademoiselle Docteur" (1937), Jean Renoir
besetzte sie neben Jean Gabin als Farmersfrau Elsa
in seinem meisterlichen Kriegsdrama "La grande illusion"2) (1937,
Die Große Illusion) und Claude Autant-Lara
gab ihr die Rolle der Ehefrau der Hauptfigur Joseph Lesurques alias Pierre Blanchar
in "L'affaire du courrier de Lyon" (1937). Mit Erich von Stroheim
als Partner spielte sie die Hauptrolle in Edmond T. Grévilles
Thriller "Under Secret Orders" (1937) oder war
beispielsweise als Anna Salic in Robert Wienes "Ultimatum" (1938)
zu sehen. Jean Choux übertrug ihr eine Hauptrolle in "Paix sur le Rhin" (1938),
ebenso wie André Berthomieu in "L'inconnue de Monte Carlo" (1939).
Ihren
vorerst letzten Leinwandauftritt hatte Dita Parlo 1940 in Jacques Beckers
"L'or du Cristobal", dann wurde ihre
international erfolgreiche filmische Karriere abrupt durch den 2. Weltkrieg
beendet. Zunächst von der französischen Regierung im Frühjahr 1940 in das
Internierungslager "Camp Grus" (Departement Pyrennees Atlantiques)
überstellt, kehrte Dita Parlo nach der Besetzung Frankreichs im Juni 1940
durch die deutschen Truppen zunächst nach Paris zurück, wurde jedoch von
der Gestapo als Franzosen-Sympathisantin überwacht; Sie ging dann nach Deutschland, musste
in einem Resozialisierungs-Lager leben. Wieder zurück in Frankreich, erlebte
sie dort im September 1944 die Befreiung Frankreichs durch die Alliierten,
was für Dita Parlo eine erneute Verhaftung bedeutete diesmal wurde sie von den
Franzosen der Feindbegünstigung bzw. der Kollaboration bezichtigt und wiederum in ein Lager
(Drancy, Poitiers) verbracht; erst 1946 kam sie frei.
Nach den Kriegswirren lebte Dita Parlo zurückgezogen in dem
ostfranzösischen Pastorat Montécheroux in der Nähe von Montbéliard 1949 hatte sie
den Pfarrer Frank Gueuntal geheiratet arbeitete als
Schriftstellerin und schrieb einen Roman über ihre bisherigen Erlebnisse3).
Dem Filmgeschäft hatte sie weitgehend den Rücken gekehrt, lediglich 1950 war sie noch einmal im Kino mit einer kleinen Rolle in André Cayattes
Drama "Justice est faite" (Schwurgericht) zu sehen, sowie 1965 als Gräfin Anna Fedorovna
in Léonard Keigels "La dame de pique".
Die Schauspielerin starb am 13. Dezember 1971 im Alter von 65 Jahren
nach langer Krankheit in Paris; ihre letzte Ruhestätte soll sie auf dem
protestantischen Friedhof
des Dorfes Montécheroux gefunden haben.
Dita Parlo war schön wie eine gotische Madonna, konnte jedoch gerade
deshalb als einfache Arbeiterin oder schlicht agierende Kriegswitwe wirken.
Ihr Image der Bildung und Weltoffenheit ermöglichte ihr eine Karriere im Ausland,
wo sie auch die deutschsprachigen Versionen amerikanischer Filme drehte. Zart und sensibel wie sie
war, spielte sie niemals eine böse Rolle, das bewirkte ihre schwesterliche Aura, in der die
"Melodie des Herzens" hörbar wurde.4)
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