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Doch vor allem als Titelheldin ihrer filmischen Rührstücke, in denen sie die verschiedensten Charaktere vom armen Fischermädchen bis hin zur Millionärstochter, von der Sklavin bis hin zur Königin verkörperte, avancierte sie zum absoluten Star jener frühen Filmära und von vielen als Deutschlands "Mary Pickford" gefeiert. Bis Ende der 1910er Jahre entstanden Streifen wie "Die Seele einer Frau" (1916), "Ein Blatt im Sturm doch das Schicksal hat es verweht" (1917), "Die nach Glück und Liebe suchen" (1918), "Auf des Lebens rauher Bahn" (1918) und "Geheimnisvolle Gewalten" (1919), die schon aufgrund des Titels melodramatisches ahnen ließen und das Publikum in die Lichtspielhäuser lockte; zwischen 1916 und 1918 war Alfred Abel3) (1879 1937) ihr bevorzugter Leinwandpartner. In verschiedenen Produktionen stellte Fern Andra ihr artistisches Können auch auf der Leinwand unter Beweis, die Filme spielten wie "Um Krone und Peitsche" (1919), "Des Lebens und der Liebe Wellen" (1921) oder "Funkzauber" (1927) im Zirkusmilieu, der Star glänzte als Trapezkünstlerin, Seiltänzerin oder Dompteurin. Robert Wiene realisierte mit ihr in der Titelrolle das Drama "Die Nacht der Königin Isabeau"4) (1920), Aufsehen erregte sie in einem anderen Wiene-Film, als Protagonistin bzw. Vamp in der wilden, kolportageartigen Geschichte "Genuine Die Tragödie eines seltsamen Hauses"1) (1920), die durch das expressionistische Dekor sowie einer im Bereich der Exotik und Phantastik angesiedelten Inszenierung aus dem üblichen Rahmen fiel und nicht zuletzt durch die von dem Künstler César Klein1) (1876 1954) direkt auf Fern Andras Körper aufgemalten Kostüme für eine Sensation sorgten: Auf einem Sklavenmarkt kauft ein sonderlicher, voyeuristischer Lord die schöne Genuine. Sie hat eine merkwürdige Veranlagung: sie muss Blut trinken und fordert es von ihren Liebhabern, die sie auf deren Höhepunkt der Verliebtheit zum Selbstmord drängt. Erst als sich Genuine verliebt, ist der Bann gebrochen. Doch jetzt dringen aufgebrachte Bürger in das Schloss ein, um den dort wahnsinnig gewordenen Friseur zu suchen. Der Mob erschlägt Genuine und ihren Diener. (Zitat: www.filmarchiv.at) Die Meinungen zu Fern Andras Darstellung waren ambivalent, von den einen hochgejubelt wurde sie von vielen jedoch auch verrissen: Der weibliche Vampyr dieser Zauberwelt ist Fern Andra. Bei allem guten Willen, sich vom Klischee freizumachen, gelingt es ihr nicht, den dämonischen Gehalt der Rolle zu versinnlichen. Dagegen überraschen H. H. v. Twardowsky als ekstatischer Jüngling und Ernst Gronau als der irrsinnige Besitzer des Spukhauses durch seinen Instinkt für stilsichere Wirkung. Immerhin ist das Werk als neuer Versuch, den Film aus der Sphäre des Alltäglichen zu retten, beachtenswert.5) Allein in Deutschland entstanden über 40 Filme von und mit Fern Andra, die sich geschickt selbst inszenierte und vermarktete. Zu einer ihrer letzten Rollen in einer deutschen Produktion zählt die der legendären Tänzerin Cléo de Mérode3) (1875 1966) in der dritten Episode von Rolf Randolfs "Frauen der Leidenschaft" (1926). Danach drehte sie noch einige Stummfilme in Großbritannien, unter anderem "The Warning" (1928) und "The Burgomaster of Stilemonde" (1929). Der in den USA gedrehte und von Henry King in Szene gesetzte Streifen "The Eyes of the World" (1930) war Fern Andras erste Tonfilmproduktion, danach folgte der amerikanische Tonfilm "Lotus Lady" (1930) Fern Andras letzter Kinoauftritt. In den folgenden Jahren arbeitete sie für den Rundfunk und das beginnende Fernsehen, spielte noch vereinzelt Theater, konnte jedoch an ihre früheren Erfolge nicht mehr anknüpfen; außerdem war sie als Managerin und Kostümberaterin für Hollywood tätig. Nicht nur durch ihre Filme, auch mit ihrem Privatleben war Fern Andra immer wieder in die Schlagzeilen geraten: Während des 1. Weltkrieges wurde sie nach dem Kriegseintritt der USA als "feindliche Ausländerin" betrachtet und zeitweise als Spionin verdächtigt. Diesen Vorwürfen versuchte sie durch ihre Heirat mit dem preußischen Baron Friedrich von und zu Weichs zu entgehen, der noch während des Krieges als Soldat an der Front fiel. Eine andere spektakuläre Geschichte war 1922 die Meldung, sie sei zusammen mit Lothar von Richthofen1) (1894 1922), dem jüngeren Bruder des berühmten Jagdfliegers Manfred von Richthofen1) (1892 1918; "Der rote Baron") beim Absturz eines Linienflugzeugs, das er von Berlin nach Hamburg steuerte, ums Leben gekommen; tatsächlich fanden Lothar von Richthofen und Andras Begleiter, der Regisseur Georg Bluen, bei diesem Unglück den Tod, Fern Andra überlebte schwer verletzt. 1924) heiratete sie den deutschen Mittelgewichtsmeister im Boxen Kurt Prenzel (1896 1960), auch das sorgte für erheblichen Medienrummel. Bereits zu dieser Zeit hatte der filmische Erfolg von Fern Andra nachgelassen, 1928 verließ "Baronin Fern Andra von Weichs", wie sie sich seit ihrer ersten Vermählung gerne nannte, Deutschland und zog zunächst nach England, zwei Jahre später in die USA. Ihre Ehe mit Kurt Prenzel war nach kurzer Zeit geschieden worden, ebenso wie ihre Verbindung mit dem Hollywoodidol und Theaterschauspieler Ian Keith1) (1899 1960), den sie 1932 geehelicht hatte, um sich zwei Jahre später wieder scheiden zu lassen. 1938 heiratete Andra Fern erneut zum vierten Mal, diesmal den im Ruhestand lebenden ehemaligen US-Brigadegeneral Samuel Edge Dockrell. Anfang der 1950er Jahre kehrte Fern Andra mit ihrem Mann nach Deutschland zurück und übernahm noch einmal eine Rolle in dem Theaterstück "Tragödie einer Diva". Bis 1973 lebte das Paar in Wiesbaden, kehrte dann in die USA zurück, wo Dockrell nur wenige Zeit später am 19. September 1973 in Aiken (South Carolina) verstarb. Die ehemalige Stummfilmdiva, die neben Henny Porten3) (1890 1960) und Asta Nielsen3) (1881 1972) zu den ganz großen Stars jener Filmära bzw. zu den Filmpionieren zählt, überlebte ihren letzten Ehemann nur wenige Monate: Am 8. Februar 1974 schloss auch Fern Andra im Alter von 79 Jahren (wenn man als Geburtsdatum 1894 zugrunde legt) in einem Pflegeheim in Aiken für immer ihre Augen. Viele von Fern Andras Filmen gelten als verschollen, nur wenige haben, oft in restaurierter Fassung, die Jahrzehnte überdauert. Das schriftstellerisches "Testament" der Regisseurin, Sensations- und Selbst-Darstellerin Fern Andra ist erhalten geblieben: 1919 veröffentlichte sie "Der Weg, der ins Glashaus führte. Roman eines Frauenlebens", ein Jahr später erschien das Kinoalbum "Was ich über mich zu sagen weiß". Der Schriftsteller Walter Hasenclever1) (1890 1940) schrieb 1919 unter anderem in dem monatlich erscheinenden Magazin "Die neue Schaubühne" (Hugo Zehder, Rudolf Kaemmerer Verlag, Dresden): Die Künstlerin hatte die Freundlichkeit, mir ein Interview zu gewähren. Sie empfing mich in ihrem Salon; an der Wand hingen Bilder von Kaiser Wilhelm und Kaiser-Titz, der Plafond war täuschend in einen Sternenhimmel verwandelt, wobei kunstgerecht aus jedem Stern eine elektrische Lampe strahlte. "Ich habe", sagte Fern Andra lächelnd, "meinen Salon in einen Himmel verwandelt, damit ich mir jederzeit die Illusion des Firmamentes verschaffen kann. Die Tendenz meiner Filme ist der Jetztzeit angepaßt. Ich folge den Spuren Kants: der gestirnte Himmel über mir und das Sittengesetz in mir!" Sie drückte auf einen Knopf. Eine Sternschnuppe in Gestalt einer Konkurrentin fiel vom Plafond. "Meine Jugend war hart", fuhr sie fort, während zwei weiße Katzen, ein Geschenk der Nationalversammlung, zu ihren Füßen schnurrten. "Obwohl Künstlerblut in meinen Adern rollt, sollte ich Tippmamsell werden. Es kam anders. Ich wurde berühmt. Es wird Sie interessieren, daß ich alle meine Filme selbst schreibe. Ich spiele nicht nur, ich führe Regie. Manchmal kurbele ich. Ich bin ein Wunderkind! Ich kann reiten, tanzen, schwimmen, autofahren, rudern, fliegen, lesen und schreiben. Amerika hat mich geboren, der Ozean gesäugt, Deutschland ist meine Heimat geworden. Mein Bild hängt in allen Schulen. Fünf Schreibmaschinen arbeiten ununterbrochen. Ich diktiere meine Lebensgeschichte". Die Künstlerin schwieg. Die Planeten im Plafond drehten sich, die elektrischen Lampen strahlten. "Das Geheimnis des Erfolges", lächelte sie, "ist der Glaube an die Dummheit. Ich bin nicht nur klug; ich bin schön! Ich habe ein Preisausschreiben für Schönheit erlassen. Ich werde mich selbst prämiieren. Das ist mein größter Trumpf". ( ) "Ich will meine Biographie verfilmen. Ich will mich selber spielen", hauchte sie (Quelle: www.filmhistoriker.de) |
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Link: 1) Wikipedia (deutsch), 2) Wikipedia (englisch), 3)
Kurzportrait innerhalb dieser HP, 4) Murnau Stiftung 5) Berliner Vossische Zeitung, 4.9.1920 |
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Siehe auch www.deutsches-filminstitut.de,
Wikipedia,
www.cinegraph.de
sowie www.cyranos.ch, Kurzportrait in englischer Sprache bei Old Courthouse Museum (Watseka, Iroquois County) Filmografie bei www.imdb.de, Fotos bei film.virtual-history.com |
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