Auszeichnungen / Wirken (Bühne/Konzert), Filmografie
Die Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf wurde am 9. Dezember 1915 als Olga Maria Elisabeth Frederike Schwarzkopf, einziges Kind des promovierten Altphilologen und Oberstudiendirektors Friedrich Schwarzkopf (1885 – 1970) und dessen Ehefrau Elisabeth (1889 – 1972), in der damals zur preußischen Provinz Posen) gehörenden Stadt Jarotschin1) (heute:  Jarocin Polen) geboren. Infolge der häufigen Versetzungen des Vaters verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend in verschiedenen Städten, kam 1928 nach Magdeburg1) und 1931 nach Cottbus1).*) Schon früh zeigte sich ihr musikalisches Talent, bereits als Siebenjährige erhielt sie Klavierunterricht, drei Jahre später begann sie Bratsche und Orgel zu spielen. Bereits 1928 sang die damals 13-Jährige bei einer Schulaufführung in Magdeburg1) die Eurydice1) in der Oper "Orfeo ed Euridice"1) von Christoph Willibald Gluck1).
Seit 1933 in Berlin ansässig, begann sie nach dem Abitur (1934) noch im selben Jahr ihre Gesangsstudien  an der dortigen "Hochschule für Musik" (heute "Universität der Künste Berlin"1)) bei der ungarischen Gesangspädagogin und ehemals gefeierten Konzertsängerin Lula Mysz-Gmeiner1) (1876 – 1948), welche die Elevin auf Alt1) taxierte und den Unterricht entsprechend ausrichtete. Zwei Jahre wurde der falsche Weg eingeschlagen, bis die verständige Mutter einschritt. Elisabeth Schwarzkopf verließ unter Eklat die Hochschule und suchte verzweifelt einen Lehrer. Es war der Bariton Karl Schmitt-Walter1), der ihr den entscheidenden Hinweis auf Maria Ivogün gab, die bedeutende deutsche Koloratursopranistin. Hier fand die Schwarzkopf endlich die richtige Lehrerin, auch wenn sie selbst keine Koloratursopranistin wurde…2); zusätzlich ließ sie sich von dem Konzertpianisten Michael Raucheisen1) (1889 – 1984) in Klavier, Harmonielehre und Kontrapunkt ausbilden, vertiefte den Liedgesang bei dem Komponisten und Musikpädagogen Georg Vollerthun1) (1876 – 1945).
Elisabeth Schwarzkopf 1942; Urheber/Rechteinhaber: Fred Erismann (1891–1979); Lizenz: CC BY-SA 4.0: Quelle: Wikimedia Commons von "Sammlung Fred Erismann" Am 15. April 1938 gab Elisabeth Schwarzkopf an der "Deutschen Oper Berlin"1) im Ortsteil Charlottenburg1) ihr Bühnendebüt als zweites Blumenmädchen in dem Wagner1)-Werk "Parsifal"1), erregte bald auch mit kleineren Partien wie dem l. Knaben in der Mozart1)-Oper "Die Zauberflöte"1) oder der Valencienne in der Operette "Die lustige Witwe"1) von Franz Lehár1) Aufsehen. Mit bedeutenderen Aufgaben wie dem Pagen Oscar in "Un ballo in maschera"1) ("Ein Maskenball") von Giuseppe Verdi1) stellten sich bald weitere Erfolge ein und 1942 wurde Elisabeth Schwarzkopf auf Empfehlung von Dirigent Karl Böhm1) (1894 – 1981) zusätzlich zu ihrem Berliner Engagement an die "Wiener Staatsoper"1) engagiert, wo sie am 7. Oktober 1942 unter der musikalischen Leitung von Rudolf Moralt1) mit der Zerbinetta in der Oper "Ariadne auf Naxos"1) von Richard Strauss an der Seite von Gertrude Rünger1) (Primadonna/Ariadne1)) erstmals auftrat und im Laufe der Jahre bis Ende der 1960er Publikum und Kritiker gleichermaßen zu überzeugen wusste. Sie glänzte beispielsweise als Blonde, Zofe der Konstanze (später auch in dieser Partie) in Mozarts "Die Entführung aus dem Serail"1)  oder als Kokotte Musetta in "La Bohème"1) von Giacomo Puccini1).
 
Elisabeth Schwarzkopf 1942
Urheber/Rechteinhaber: Fred Erismann (1891 – 1979)
Lizenz: CC BY-SA 4.0
Quelle: Wikimedia Commons
von "Sammlung Fred Erismann"
Nach Ende des 2. Weltkrieges trat sie weiterhin regelmäßig in Wien auf, unter anderem als Nedda (Colombina) in "Pagliacci"1) ("Der Bajazzo") von Ruggero Leoncavallo1) oder als Rosina in "Il barbiere di Siviglia"1) ("Der Barbier von Sevilla") von Gioachino Rossini1) – die Sängerin avancierte zu einer der gefragtesten Sopranistinnen ihrer Zeit auch auf der internationalen "Bühne", nicht zuletzt wegen ihres Wechsels vom Koloratur-Fach in das schwerere lyrische Fach. Im September 1947 begeisterte sie während eines Gastspiels der "Wiener Staatsoper" auch am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) als Marzelline, Tochter des Kerkermeisters Rocco, in "Fidelio"1) von Ludwig van Beethoven1), Clemens Krauss1) stand am Dirigentenpult, Hilde Konetzni1) sang die Leonore alias "Fidelio", Ehefrau des Gefangenen Florestan (Julius Patzak/Karl Friedrich1)), Ludwig Weber1) den Rocco. 1949 feierte man sie in Paris am "Théatre des Champs Elysées"1) als Susanna, Zofe der Gräfin Almaviva und Braut des Figaro, in "Le nozze di Figaro"1) ("Die Hochzeit des Figaro", wurde in Wien mit der Partie der Gräfin Almaviva seiz Mitte Januar 1958 bis Ende Januar 1965 rund 20 Vorstellungen lang umjubelt. Als Mozart-Interpretin brillierte Elisabeth Schwarzkopf zudem mit der Partie der Pamina in "Die Zauberflöte"1) und als Fiordiligi in "Così fan tutte"1), mit der vornehmen Donna Elvira in "Don Giovanni"1) verabschiedete sie sich am 29. August 1968 an der Seite von Cesare Siepi1) (Don Giovanni) vom Wiener Publikum → Wirken an der "Wiener Staatsoper" siehe hier.
Zu ihrem herausragenden Repertoire zählte weiterhin das Ännchen sowie die Agathe in "Der Freischütz"1) von Carl Maria von Weber1), als Verdi1)-Interpreton die Gilda, Tochter des Titelhelden, in "Rigoletto"1), die Kurtisane Violetta Valéry in "La traviata"1) und die Alice Ford in "Falstaff"1). In Puccini1)-Opern interpretierte sie  die Sklavin Liù in "Turandot"1) ebenso eindrucksvoll wie die Midinette1) Mimi in "La Bohème"1) oder die "Madame Butterfly"1)
Sie gestaltete die Marguérite (Margarete) in "Faust"1) von Charles Gounod1),  die Fatime, Ehefrau des Abu Hassan, in dem Singspiel "Abu Hassan"1) von Carl Maria von Weber1), die Kurtisane Giulietta in "Hoffmanns Erzählungen"1) von Jacques Offenbach1), die weibliche Titelpartie in "Die Kluge"1) von Carl Orff1) und die Mélisande in "Pelléas et Mélisande"1) von Claude Debussy1). Zu nennen ist die Eva, Tochter des Goldschmieds Veit Pogner, in dem Wagner Werk "Die Meistersinger von Nürnberg"1) und die Elisabeth1), Nichte des Hermann1) Landgraf von Thüringen1), in Wagners "Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg"1), sowie immer wieder "Der  Rosenkavalier"1) von Richard Strauss1), anfangs als Sophie, später nicht nur in Wien (1960–1965) gefeiert als Feldmarschallin Fürstin Werdenberg. Allein an der berühmten New Yorker "Metropolitan Opera"1) (Debüt: 13.10.1964) gab sie bis Mitte Dezember 1964 zwölf Vorstellungen.

Elisabeth Schwarzkopf tritt am 29. September 1961
im "Koninklijk Concertgebouw"1) in Amsterdam1)
anlässlich der "Grand Gala Du Disque" auf, bei der
die "Edison Awards"1) verliehen wurden, den auch
s
ie im Bereich "Klassik" erhielt
Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag,
Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 912-9837)
Urheber/Fotograf: Harry Pot / Anefo;
Quelle: Wikimedia Commons
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Elisabeth Schwarzkopf tritt am 29. September 1961 im "Koninklijk Concertgebouw" in Amsterdam anlässlich der "Grand Gala Du Disque" auf, bei der die "Edison Awards" verliehen wurden, den auch sie im Bereich "Klassik" erhielt: Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 912-9837); Urheber/Fotograf: Harry Pot / Anefo;; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)
Elisabeth Schwarzkopf 1947 bei den "Salzburger Festspielen"; Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB); Urheber/Autor: United States Information Service (USIS); Rechteinhaber Copyright United States Information Service (USIS) / ÖNB Wien; Datierung: 27.07.1947; Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 20.199) 1947 zu den "Salzburger Festspielen"1) eingeladen, debütierte Elisabeth Schwarzkopf dort als Zofe Susanna in "Le nozze di igaro"1) neben Erich Kunz1) (Figaro), Maria Cebotari (Gräfin Almaviva) und Walter Höfermayer1) (Graf Almaviva), in den 1950ern (1952, 1953, 1956, 1957) gab sie dann eine hinreißende Gräfin Almaviva. Das Salzburger Publikum konnte sie unter anderem als Marzelline in Beethovens "Fidelio"1) (1950) bewundern, als Donna Elvira in "Don Giovanni"1) (1950, 1953, 1954), als Alice Ford in "Falstaff"1) 1957, mit Tito Gobbi 1) als Sir John Falstaff1)), als Fiordiligi in "Così fan tutte"1) (1958, 1960–1964) und mit ihrer "Paraderolle" der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg in "Der Rosenkavalier"1) (1960, 1961, 1964). Darüber hinaus beeindruckte sie seit Anfang der 1950er Jahre bei den "Liederabenden der Salzburger Festspiele"1) als exzellente Interpretin des Kunstliedes, oft mit Gerald Moore1) am Klavier, vornehmlich in Vertonungen von Hugo Wolf1), aber auch von unter anderem Johann Sebastian Bach1), Giovanni Battista Pergolesi1), Georg Friedrich Händel1), Christoph Willibald Gluck1), Ludwig van Beethoven1) oder Franz Schubert1).
 
Elisabeth Schwarzkopf 1947 bei den "Salzburger Festspielen"
Foto mit freundlicher Genehmigung der Österreichischen Nationalbibliothek1) (ÖNB)
Urheber/Autor: United States Information Service1) (USIS)
Rechteinhaber © United States Information Service (USIS) / ÖNB Wien
Datierung: 27.07.1947 → Info
Bildarchiv Austria (Inventarnummer US 20.199)
Sie wirkte als Sopranistin in konzertanten Werken mit, beispielsweise bei "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms1) (1948, Dirigent: Herbert von Karajan1)),  "Große Messe in c-Moll"1) von Wolfgang Amadeus Mozart1) (1950, Dirigent: Bernhard Paumgartner1)) oder "Messa da Requiem"1) von Giuseppe Verdi1) (1952, Dirigent: Victor de Sabata1)) → Wirken bei den "Salzburger Festspielen" siehe hier.Die Besucher/-innen der "Bayreuther Festspiele" erlebten sie 1951 in drei Werken von Richard Wagner1), als grandiose Eva, Tochter des Goldschmieds Veit Pogner (Frederik Dalberg1)) "Die Meistersingern von Nürnberg"1) sowie als Rheintochter Woglinde "Das Rheingold" und "Götterdämmerung"1) aus dem Zyklus "Der Ring der Nibelungen"1) – eine ihrer wenigen Ausflüge in das Wagnersche Fach → Wirken in Bayreuth siehe hier.
Am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) feierte Elidabeth Schwarzkopf ebenso Triumphe wie an der "Mailänder Scala"1) (1950 die Elisabeth1) in "Tannhäuser"1) unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan1)), am 11. September 1951 bereicherte sie in Venedig1) am "Teatro La Fenice"1) die Uraufführung der Oper "The Rake’s Progress"1) von Igor Strawinsky1) (Musik) und und sang die Anne, Tochter des Trulove (Raffaele Arië; 1920–1988 → Wikipedia  (englisch)), Komponist Strawinsky selbst leitete das Orchester der "Mailänder Scala", Robert Rounseville (1914–1974 → Wikipedia  (englisch)) präsentierte sich als der "Titelheld" Tom Rakewell.
1953 gab sie erstmals in den USA ein Konzert in New York (1956: Debüt in der "Carnegie Hall"1)), Gastspiele führten sie nach Chicago oder an die "San Francisco Opera"1), wo sie beispielsweise 1955 als junge Marie in der Oper "Die verkaufte Braut"1) von Bedřich Smetana1) brillierte.
Als großartige Sängerin in Oratorien wie der "Matthäus-Passion"1) von Johann Sebastian Bach1) und "Messiah"1) von Georg Friedrich Händel1) oder auch in der "Missa Solemnis"1) von Ludwig van Beethoven1) erlangte Elisabeth Schwarzkopf weltweiten Ruhm, ebenso wie mit dem Kunstlied, unter anderem mit Werken von Franz Schubert1), Robert Schumann1) oder Gustav Mahler1), vor allem aber mit Vertonungen von Hugo Wolf1). Zahllose Tonträger zeugen von der enormen sängerischen Dominanz sowie dem umfangreichen Repertoire der Künstlerin, zu dem auch Titel aus Operetten von Johann Strauss1), Franz Léhar1), Carl Zeller1) oder Carl Millöcker1) gehörten.
  

Elisabeth Schwarzkopf am 8. Februar 1977
anlässlich eines Konzerts im
"Koninklijk Concertgebouw"1) in Amsterdam1)
Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag,
Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 929-0175)
Urheber/Fotograf: Rob C. Croese / Anefo;
Quelle: Wikimedia Commons (Ausschnitt des Originalfotos)
Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)

Elisabeth Schwarzkopf am 8. Februar 1977 anlässlich eines Konzerts im "Koninklijk Concertgebouw" in Amsterdam; Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 929-0175); Urheber/Fotograf: Rob C. Croese / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons  (Ausschnitt des Originalfotos); Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)
Außerdem machte sie sich auch als Opern-Regisseurin einen Namen: 1981 inszenierte sie in Brüssel am "Théâtre Royal de la Monnaie"1) das Werk "Der Rosenkavalier"1) von Richard Strauss1) (Premiere: 15.05.1981). Reinhard Peters1) leitete das "Orchestre symphonique de la Monnaie", unter anderem gaben Elisabeth Söderström1) die Feldmarschallin Fürstin Werdenberg, Siegfried Vogel1) den Baron Ochs auf Lerchenau, Ute Trekel-Burckhardt1) den "Rosenkavalier" Octavian und Mariette Kemmer (→ Wikipedia  (englisch)) die Sophie. Zu dieser Zeit hatte sich Elisabeth Schwarzkopf selbst bereits rund zehn Jahre zuvor als Sängerin von der Opernbühne sowie 1979 von der Konzertbühne verabschiedet.
Am Rande sei erwähnt, dass sich die Künstlerin während des NS-Regimes mit kleineren Nebenrollen bzw. Gesangspartien an Kinoproduktionen, darunter ein Kurzfilm, beteiligte, so erstmals bei dem Propagandastreifen "Drei Unteroffiziere"1) (1939). Nach dem Liebesfilm "Nacht ohne Abschied" (1943, → filmportal.de) mit Gesangseinlagen aus "La  Bohème" intonierte sie in dem Melodram "Der ewige Klang"1) (1943) für Olga Tschechowa in der Rolle der Sängerin Josephine Malti deren Lieder. Als Werner Klingler1) mit dem legendären Heinrich George den Kriminal- und Justizfilm "Der Verteidiger hat das Wort"1) (1944) drehte, gehörte sie als Kammersängerin zur Besetzung. Zum Highlight geriet später die originalgetreue Verfilmung/Reproduktion von Paul Czinner1) der Oper "Der Rosenkavalier" (1962, → diagonale.at), basierend auf der Inszenierung der "Salzburger Festspiele"1) 1960; mit dem "Mozarteumorchester Salzburg"1) unter der Leitung von Herbert von Karajan1) (Bühnenregie: Rudolf Hartmann1) mit der Sopranistin in ihrer einzigartigen Gestaltung der Feldmarschallin → Übersicht Filmografie.
  
Der sogenannte Durchbruch Elisabeth Schwarzkopfs kann auf das Jahr 1947 festgelegt werden. 
(…) Nur wenige Wochen später kam es zu jenem berühmt gewordenen Gesamtgastspiel der "Wiener Staatsoper"1) in London, unter anderem mit "Don Giovanni"1), bei dem Schwarzkopf die "Elvira" sang und der in England im Exil lebende Richard Tauber als "Don Ottavio" in sein altes Ensemble zurückkehrte, wenige Monate vor seinem Tod. Nun war der Weg frei für eine der bemerkenswertesten Karrieren der Nachkriegszeit, die dennoch einige Merkwürdigkeiten aufweist. Der Wechsel ins lyrische Fach war erfolgreich vollzogen, aber Schwarzkopf band sich nun nicht, wie es logisch gewesen wäre, an die "Wiener Staatsoper" oder ein vergleichbares Haus, sondern baute mit Hilfe Legges1) eine ungemein kluge Karriere auf, die auf drei Säulen basierte: den wohldosierten Opernauftritten an den exklusivsten Plätzen der Welt, vor allem bei den "Salzburger Festspielen"1), der Präsenz durch die in ihrer Zeit und darüber hinaus besten Plattenaufnahmen, zufällig produziert durch den Ehemann Legge, und einer regen Konzert- und Liederabendtätigkeit, in der ebenfalls nicht zufällig das Schaffen Wolfs1) bald einen entscheidenden Platz einnehmen sollte. Sie und Legge hatten sehr bald erkannt, dass ihre Stimme kostbar, aber wenig belastbar war – das Volumen war auch für einen lyrischen Sopran nicht sehr groß und hätte einem normalen Opernbetrieb nicht lange standgehalten – Experimente mit der "Butterfly"1) und ähnlichen Rollen hatten diese Grenzen schnell aufgezeigt, das Wagner1)-Fach kam ebenfalls nicht in Frage, die "Eva" in Bayreuth 1951 blieb der einzige Ausflug in dieses Feld, so verkleinerte sich das Repertoire für die Bühne sehr schnell auf im Grunde fünf Rollen: Fiordiligi in "Così fan tutte"1), Elvira in "Don Giovanni"1), die Gräfin im "Figaro"1) und die Marschallin im "Rosenkavalier"1), am Rande lag noch die Alice in Verdis "Falstaff"1).2)
     

Am 31. Dezember 1971 nahm Elisabeth Schwarzkopf mit der "Marschallin" am Brüsseler "Théâtre Royal de la Monnaie"1) ihren Abschied von der Opernbühne, drei Jahre später beendete sie offiziell auch ihre Konzertreisen; ihren letzten Liederabend gab sie am 17. März 1979 in Zürich1), wo sie seit dem Tod ihres Ehemannes lebte, und war seither als Musikpädagogin und Förderin des sängerischen Nachwuchses tätig. "Ihre rücksichtslose Härte gegenüber sich selbst forderte sie ebenso von ihren Schülern/Schülerinnen, zudem einen bedingungslosen Willen zur Klarheit der Artikulation, der Phrasierung und zur stimmlichen Perfektion. So sehr ihre Kurse gefürchtet waren, so begehrt waren andererseits die damit erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten. Sie unterrichtete in ihren Meisterklassen nahezu 500 Sänger und Sängerinnen. Zu ihren Schülern/Schülerinnen zählen unter anderem Thomas Hampson1), Christian Gerhaher1), Matthias Goerne1), Hans-Günther Dotzauer1), Georg Heckel1), Josephine Pilars de Pilar1), Linda Plech1), Simone Kermes1), Cornelius Hauptmann1), Annett Illig1) und Aga Mikolaj1)." notiert Wikipedia.  
Seit 1951 hatte die Künstlerin London1) zu ihrer zweiten Heimat gemacht, am 19. Oktober 1953 den berühmten Plattenproduzenten und "Klassikpapst" Walter Legge1) (1906 – 1979) im britischen Epsom1) geheiratet. Er war es, der mit seiner Ehefrau 1947 die ersten Plattenaufnahmen machte und ihr einen Exklusivertrag mit dem britischen Label "EMI" gabe; in seinen Erinnerungen "Gehörtes – Ungehörtes – Memoiren"3) ist folgendes nachzulesen: Nachdem sie in ihrem eigenen Repertoire gezeigt hatte, was sie mit einer Vielzahl von Arien aus Oper und Oratorium machen konnte, begann ich, mit ihr an einem sehr schwierigen Lied zu arbeiten, Hugo Wolfs1) "Wer rief dich denn?", Takt für Takt, Wort für Wort, Schattierung für Schattierung. Das Lied verlangt wechselnde Emotionen oft auf einer einzigen Silbe, einer Note gar: es war der Beginn einer Arbeit, wie wir sie fortan für die nächsten 29 Jahre betreiben sollten. Ich merkte nur zu rasch, dass ich in der Sängerin, mit diesem unerbittlichen Perfektionismus einen ebenbürtigen Partner gefunden hatte. Nach eineinhalb Stunden sagte der neben mir sitzende Herbert von Karajan1): "Ich gehe jetzt. Kreuzige das Mädchen nicht. Ich habe dir schon vor Wochen gesagt, dass sie vielleicht die beste Sängerin Europas ist.". Walter Legge erlag am 22. März 1979 im Alter von 73 Jahren im französischen Saint-Jean-Cap-Ferrat1) den Folgen eines Herzinfarktes.
Elisabeth Schwarzkopf anlässlich der Musikfestwochen in Luzern; Datum unbekannt ca.1948 bis 1958; Urheber: Max Albert Wyss (1908 – 1977); Quelle: Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern von Wikipedia bzw. Wikimedia Commons (CC-BY-SA 2.5 Schweiz) Während ihrer international glanzvollen Karriere erhielt Elisabeth Schwarzkopf, deren Stimme als eine der schönsten des 20. Jahrhunderts bezeichnet wird und die vor allem mit ihren Mozart- und Strauss-Interpretationen höchste Maßstäbe setzte, zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen: Unter anderem wurde sie 1974 mit dem "Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland"1)  ("Bundesverdienstkreuz") geehrt, seit 1983 war sie "Ehrenmitglied der "Wiener Staatsoper""1) und trug zudem seither den Titel "Kammersängerin", 1990 ernannte sie die "Württembergische Landesregierung"1) zur "Professorin", 1992 erhob sie die britische Königin Elizabeth II.1) zur "Dame Commander"1) des "Order of the British Empire"1).
 
Elisabeth Schwarzkopf anlässlich der
"Internationalen Musikfestwochen Luzern"
(heute: "Lucerne Festival"1))
Datum unbekannt (ca.1948 bis 1958)
Urheber: Max Albert Wyss2) (1908 – 1977)
Quelle: Stiftung Fotodokumentation Kanton Luzern
bzw. Wikimedia Commons: Lizenz: CC-BY-SA 2.5 CH/Schweiz
Aus der Hand des schwedischen Königs Gustav VI. Adolf1) nahm sie 1964 mit der Medaille "Litteris et Artibus"1) die höchste schwedische Auszeichnung auf dem Gebiet der Kunst und Literatur entgegen, die Salzburger "Internationale Stiftung Mozarteum"1) würdigte ihre Gesangskunst bereits 1950 mit der "Lilli Lehmann-Medaille". Zuletzt zeichnete man sie 2002 mit der "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold"1), den "ECHO Klassik"1) der "Deutschen Phono-Akademie"1), der ihr am 22. Oktober in München in Anerkennung ihres Lebenswerks verliehen werden sollte, konnte sie auf Grund des Todes nicht mehr entgegennehmen→ Übersicht (Auszug) der Auszeichnungen/Ehrungen siehe hier.
Die Ausnahme-Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf, die bis zuletzt zurückgezogen in ihrem Domizil in Österreich lebte, mit Maria Callas verglichen wurde und als eine der letzten großen Diven der Opernwelt galt, starb am 3. August 2006 im Alter von 90 Jahren im österreichischen Schruns1) (Vorarlberg1)). Die letzte Ruhe fand sie in einem Familiengrab an der Seite ihrer Eltern und ihres Ehemannes auf dem Friedhof der schweizerischen Gemeinde Zumikon1) nahe Zürich1); dort wohnte sie von 1982 bis 2003 → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons, knerger.de.
DER SPIEGEL (32/2006) notierte unter anderem anlässlich des Ablebens dieser unvergessenen Künstlerin: "Schmeicheln, girren, drohen oder nachdenklich erzählen konnte ihr Sopran wie kein anderer: Vor allem Vokale dehnte und hauchte die Sängerin, bis die Sprache, bei aller Verständlichkeit, restlos im Klang aufzugehen schien." Sie"hat im Mozart1)- und Strauss1)-Gesang Höchstes erreicht – ich möchte das zuspitzen auf das Werk Strauss', in dem sie modellhafte Interpretationen hinterlassen hat, unerreicht sind ganz ohne Zweifel die "Vier letzten Lieder"1), die sie im Jahr 1953 in London aufgenommen hat, von dem unterschätzten Otto Ackermann1) begleitet.2)  
Der wichtigste Teil ihres schriftlicher Nachlasses sowie der ihres Ehemannes Walter Legge1) befindet sich im "Elisabeth Schwarzkopf-Museum" der "Schubertiade Vorarlberg"1) im österreichischen Hohenems1); das Museum wurde Mitte August 2011 in der "Villa Rosenthal" eröffnet → schubertiade.at, Foto des Gebäudes bei Wikimedia Commons.
   
Die Künstlerin veröffentlichte gemeinsam mit ihrem Gatten Walter Legge das Erinnerungsbuch "On and Off the Record: A Memoir of Walter Legge", welches 1982 unter dem Titel "Gehörtes – Ungehörtes – Memoiren"" auch in deutscher Sprache erschien und zu dem Herbert von Karajan1) das Vorwort schrieb; bereits 1957 publizierten Roger Hauert, Bernard Gavoty1) und Arnold H. Eichmann die Biografie "Elisabeth Schwarzkopf".
Von Alan Jefferson1), intimer Schwarzkopf-Kenner und langjähriger Freund von Walter Legge, erschien 1996 in Großbritannien die Biografie "Elisabeth Schwarzkopf", die später auch ins Deutsche übersetzt wurde. Der Autor beschreibt in dieser Biographie die Herkunft der Künstlerin, ihre Anfängerjahre als Solistin am "Deutschen Opernhaus Berlin", ihre Zeit an der "Wiener Staatsoper" und bei den "Salzburger Festspielen" und ermöglicht es so dem Leser, die Karriere der weltweit berühmten Diva nachzuvollziehen.4); eine Rezension des Journalisten und Buchautors Dieter David Scholz kann man hier nachlesen (Website von Dieter David Scholz). .
In dieser umstrittenen Biografie greift Alan Jefferson auch Nazi-Vorwürfe gegen den Star auf; Behauptungen britischer Zeitungen, sie sei ein begeistertes Parteimitglied gewesen, wies die Künstlerin jedoch stets zurück. "Nur das, was für das Singen Bedeutung hatte, habe ich getan", sagte sie in einem filmischen Selbstporträt.
Wikipedia (Stand: 25.06.2026) führt aus: "Seit der Behandlung des Themas in der Dissertation des österreichischen Historikers Oliver Rathkolb1) aus dem Jahr 1982 wurde in Medien und Fachliteratur wiederholt das Verhältnis der Sängerin zum Nationalsozialismus1) thematisiert. Es wurde kritisiert, dass Schwarzkopf sowohl in der unmittelbaren Nachkriegszeit wie in Konfrontation mit den Enthüllungen der 1980er und 1990er Jahre widersprüchliche Angaben machte und unter anderem ihre NSDAP1)-Mitgliedschaft zunächst leugnete und dann mit unterschiedlichen Erklärungen verteidigte. Nach einer Version sei sie beispielsweise nur auf Anraten ihres Vaters in die Partei eingetreten, der selbst zuvor wegen des Verbots einer Veranstaltung der Nationalsozialisten an seiner Schule seine Stellung als Direktor verloren habe. Kritiker warfen der Sängerin allerdings typische Verdrängungsmechanismen und rücksichtslosen Karrierismus in der NS-Zeit vor. Schwarzkopfs Biograph Alan Jefferson vertrat die Ansicht, Schwarzkopf sei die Geliebte von Hans Frank1) gewesen, des Generalgouverneurs im besetzten Polen1), und dass sie die zwölf Monate, die sie 1943–1944 ohne Bühnenauftritte verbrachte, weitgehend in seiner Gesellschaft verbrachte. In weiteren Veröffentlichungen wurde thematisiert, dass sie Gesangsauftritte auf Parteiveranstaltungen und während des Krieges vor Einheiten der Waffen-SS1) hatte. Verteidiger Schwarzkopfs argumentierten mit ihren Beteuerungen, immer strikt Kunst und Politik getrennt zu haben und selbst ein unpolitischer Mensch zu sein. Die FAZ1) resümierte in ihrem Nachruf vom 4. August 2006: "Daß sie die Fehltritte vertuscht hatte, auch, als die Sache ruchbar wurde, nicht freimütig eingestand, wurde ihr von manchen mehr zum Vorwurf gemacht als die Nutznießerschaft am NS-Kultursystem selber.""
An weiteren Veröffentllichungen ist unter anderem zu nennen "Elisabeth Schwarzkopf. Vom Blumenmädchen zur Marschallin" (2007) von Kirsten Liese1) → Literatur bei Wikipedia.
Elisabeth Schwarzkopf kommt am 23. Juni 1964 auf dem Flughafen Amsterdam Schiphol an. Rechteinhaber: Nationaal Archief (Den Haag, Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 916-5690); Urheber/Fotograf: Hugo van Gelderen / Anefo; Quelle: Wikimedia Commons; Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright) Verschiedene TV-Dokumentationen befassten sich mit dem Leben und Wirken der weltweit gefeierten Sopranistin, so entstand unter anderem der von Wolf-Eberhard von Lewinski1) für den "Saarländischen Rundfunk" (SR) realisierte Film "Elisabeth Schwarzkopf – Portrait einer Sängerin", der im Dezember 1985 anlässlich ihres 70. Geburtstages  in der ARD1) ausgestrahlt wurde. Die rund 90-minüttige Doku "Die unerbittliche Kunst – Meisterkurs Lied bei Elisabeth Schwarzkopf" (SDR1) 1988) von Syrthos J. Dreher gewährt einen intimen Einblick in die kompromisslose Unterrichtsmethode der Gesangspädagogin Schwarzkopf; der ursprüngliche Originaltitel "Ich will nicht grausam sein, aber es geht am schnellsten" wurde später auf Wunsch der Künstlerin geändert. Den Abschluss und Höhepunkt des Films bildet die Lektion "Das Vermächtnis" – ein 30-minüiges, aufschlussreiches Interview, das Schwarzkopfs künstlerische Philosophie und Ansichten zusammenfasst.
 
Elisabeth Schwarzkopf kommt am 23. Juni 1964
auf dem Flughafen Amsterdam Schiphol1) an.
Rechteinhaber: Nationaal Archief1) (Den Haag,
Rijksfotoarchief; Bestandsnummer: 916-5690)
Urheber/Fotograf: Hugo van Gelderen / Anefo;
Quelle: Wikimedia Commons
Lizenz: CC0 1.0 (Verzicht auf das Copyright)
  Norbert Beilharz1) drehte für den "Südwestrundfunk"1) (SWR) den einstündigen Film "Dich hab ich vernommen! – Elisabeth Schwarzkopf unterrichtet Lieder von Hugo Wolf"1) (2000/2003) und bezog den Anfangstitel auf die letzte Zeile des von Hugo Wolf vertonten, bekannten Gedichts "Er  ist's"1) ("Frühling läßt sein blaues Band …") von Eduard Mörike1). In der Sendung "da capo" mit August Everding1), der in dieser langlebigen 3sat1)-Gesprächsreihe auch prominente Interpreten/Interpretinnen der klassischen Musikszene interviewte, konnte man am 17. Mai 1988 auch Elisabeth Schwarzkopf auf dem Bildschirm erleben → mehr Dokumentationen/Filmisches bei Wikipedia.
Siehe auch Wikipedia (deutsch, mit Diskografie), Wikipedia (englisch),
bayreuther-festspiele.de, deutsche-biographie.de, fembio.org sowie die Nachrufe bei
welt.de, tagesspiegel.de, spiegel.de, dieterdavidscholz.de
Fotos bei Wikimedia Commons
Filmografie bei der Internet Movie Database
*) Stephan Hörner: "Schwarzkopf, Dame Olga Maria Elisabeth Friederike (britischer Adel 1992)" in
 "Neue Deutsche Biographie 24" (2010.  S. 28–30) → online-Version: deutsche-biographie.de
Fremde Links: 1) Wikipedia
Quelle:
2) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 321ff)
3) "Gehörtes – Ungehörtes – Memoiren", München 1982 (deutschsprachige Fassung)
4) Zitat amazon-Redaktion
Auszeichnungen/Ehrungen (Auszug)
(Quelle unter anderem/Fremde Links: Wikipedia (Auszug))
Wirken (Auszug)
(Fremde Links: Wikipedia, geschichtewiki.wien.gv.at, musiklexikon.ac.at; R = Inszenierung/Regie)
"Wiener Staatsoper" → archiv.wiener-staatsoper.at "Metropolitan Opera", New York
Die "Met" weist 12 Vorstellungen mit Elisabeth Schwarzkopf aus → archives.metopera.org.
"Salzburger Festspiele" "Bayreuther Festspiele" in Werken von Richard Wagner  (Quelle: bayreuther-festspiele.de)
Filme
Filmografie bei der Internet Movie Database
(Fremde Links: Wikipedia, filmportal.de; R = Regie)
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