Auszeichnungen / Wirken (Bühne/Konzert), Filmografie |
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| Die Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf wurde am 9. Dezember 1915 als Olga Maria Elisabeth Frederike Schwarzkopf,
einziges Kind des promovierten Altphilologen und Oberstudiendirektors Friedrich Schwarzkopf (1885 1970)
und dessen Ehefrau Elisabeth (1889 1972), in der damals zur preußischen Provinz Posen)
gehörenden Stadt Jarotschin1) (heute:
Jarocin Polen) geboren. Infolge der häufigen Versetzungen des Vaters verbrachte sie ihre Kindheit und
Jugend in verschiedenen Städten, kam 1928 nach Magdeburg1) und 1931 nach
Cottbus1).*)
Schon früh zeigte sich ihr
musikalisches Talent, bereits als Siebenjährige erhielt sie
Klavierunterricht, drei Jahre später begann sie Bratsche und Orgel zu
spielen. Bereits 1928 sang die damals 13-Jährige bei einer Schulaufführung in
Magdeburg1)
die Eurydice1) in der Oper
"Orfeo ed Euridice"1) von
Christoph Willibald Gluck1). Seit 1933 in Berlin ansässig, begann sie nach dem Abitur (1934) noch im selben Jahr ihre Gesangsstudien an der dortigen "Hochschule für Musik" (heute "Universität der Künste Berlin"1)) bei der ungarischen Gesangspädagogin und ehemals gefeierten Konzertsängerin Lula Mysz-Gmeiner1) (1876 1948), welche die Elevin auf Alt1) taxierte und den Unterricht entsprechend ausrichtete. Zwei Jahre wurde der falsche Weg eingeschlagen, bis die verständige Mutter einschritt. Elisabeth Schwarzkopf verließ unter Eklat die Hochschule und suchte verzweifelt einen Lehrer. Es war der Bariton Karl Schmitt-Walter1), der ihr den entscheidenden Hinweis auf Maria Ivogün gab, die bedeutende deutsche Koloratursopranistin. Hier fand die Schwarzkopf endlich die richtige Lehrerin, auch wenn sie selbst keine Koloratursopranistin wurde 2); zusätzlich ließ sie sich von dem Konzertpianisten Michael Raucheisen1) (1889 1984) in Klavier, Harmonielehre und Kontrapunkt ausbilden, vertiefte den Liedgesang bei dem Komponisten und Musikpädagogen Georg Vollerthun1) (1876 1945). |
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Zu ihrem herausragenden Repertoire zählte weiterhin das Ännchen sowie die Agathe in "Der Freischütz"1) von Carl Maria von Weber1), als Verdi1)-Interpreton die Gilda, Tochter des Titelhelden, in "Rigoletto"1), die Kurtisane Violetta Valéry in "La traviata"1) und die Alice Ford in "Falstaff"1). In Puccini1)-Opern interpretierte sie die Sklavin Liù in "Turandot"1) ebenso eindrucksvoll wie die Midinette1) Mimi in "La Bohème"1) oder die "Madame Butterfly"1).
Am Londoner "Royal Opera House"1) in Covent Garden1) feierte Elidabeth Schwarzkopf ebenso Triumphe wie an der "Mailänder Scala"1) (1950 die Elisabeth1) in "Tannhäuser"1) unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan1)), am 11. September 1951 bereicherte sie in Venedig1) am "Teatro La Fenice"1) die Uraufführung der Oper "The Rake’s Progress"1) von Igor Strawinsky1) (Musik) und und sang die Anne, Tochter des Trulove (Raffaele Arië; 19201988 → Wikipedia (englisch)), Komponist Strawinsky selbst leitete das Orchester der "Mailänder Scala", Robert Rounseville (19141974 → Wikipedia (englisch)) präsentierte sich als der "Titelheld" Tom Rakewell.
Am Rande sei erwähnt, dass sich die Künstlerin während des NS-Regimes mit kleineren Nebenrollen bzw. Gesangspartien an Kinoproduktionen, darunter ein Kurzfilm, beteiligte, so erstmals bei dem Propagandastreifen "Drei Unteroffiziere"1) (1939). Nach dem Liebesfilm "Nacht ohne Abschied" (1943, → filmportal.de) mit Gesangseinlagen aus "La Bohème" intonierte sie in dem Melodram "Der ewige Klang"1) (1943) für Olga Tschechowa in der Rolle der Sängerin Josephine Malti deren Lieder. Als Werner Klingler1) mit dem legendären Heinrich George den Kriminal- und Justizfilm "Der Verteidiger hat das Wort"1) (1944) drehte, gehörte sie als Kammersängerin zur Besetzung. Zum Highlight geriet später die originalgetreue Verfilmung/Reproduktion von Paul Czinner1) der Oper "Der Rosenkavalier" (1962, → diagonale.at), basierend auf der Inszenierung der "Salzburger Festspiele"1) 1960; mit dem "Mozarteumorchester Salzburg"1) unter der Leitung von Herbert von Karajan1) (Bühnenregie: Rudolf Hartmann1) mit der Sopranistin in ihrer einzigartigen Gestaltung der Feldmarschallin → Übersicht Filmografie. Der sogenannte Durchbruch Elisabeth Schwarzkopfs kann auf das Jahr 1947 festgelegt werden. ( ) Nur wenige Wochen später kam es zu jenem berühmt gewordenen Gesamtgastspiel der "Wiener Staatsoper"1) in London, unter anderem mit "Don Giovanni"1), bei dem Schwarzkopf die "Elvira" sang und der in England im Exil lebende Richard Tauber als "Don Ottavio" in sein altes Ensemble zurückkehrte, wenige Monate vor seinem Tod. Nun war der Weg frei für eine der bemerkenswertesten Karrieren der Nachkriegszeit, die dennoch einige Merkwürdigkeiten aufweist. Der Wechsel ins lyrische Fach war erfolgreich vollzogen, aber Schwarzkopf band sich nun nicht, wie es logisch gewesen wäre, an die "Wiener Staatsoper" oder ein vergleichbares Haus, sondern baute mit Hilfe Legges1) eine ungemein kluge Karriere auf, die auf drei Säulen basierte: den wohldosierten Opernauftritten an den exklusivsten Plätzen der Welt, vor allem bei den "Salzburger Festspielen"1), der Präsenz durch die in ihrer Zeit und darüber hinaus besten Plattenaufnahmen, zufällig produziert durch den Ehemann Legge, und einer regen Konzert- und Liederabendtätigkeit, in der ebenfalls nicht zufällig das Schaffen Wolfs1) bald einen entscheidenden Platz einnehmen sollte. Sie und Legge hatten sehr bald erkannt, dass ihre Stimme kostbar, aber wenig belastbar war das Volumen war auch für einen lyrischen Sopran nicht sehr groß und hätte einem normalen Opernbetrieb nicht lange standgehalten Experimente mit der "Butterfly"1) und ähnlichen Rollen hatten diese Grenzen schnell aufgezeigt, das Wagner1)-Fach kam ebenfalls nicht in Frage, die "Eva" in Bayreuth 1951 blieb der einzige Ausflug in dieses Feld, so verkleinerte sich das Repertoire für die Bühne sehr schnell auf im Grunde fünf Rollen: Fiordiligi in "Così fan tutte"1), Elvira in "Don Giovanni"1), die Gräfin im "Figaro"1) und die Marschallin im "Rosenkavalier"1), am Rande lag noch die Alice in Verdis "Falstaff"1).2) Am 31. Dezember 1971 nahm Elisabeth Schwarzkopf mit der "Marschallin" am Brüsseler "Théâtre Royal de la Monnaie"1) ihren Abschied von der Opernbühne, drei Jahre später beendete sie offiziell auch ihre Konzertreisen; ihren letzten Liederabend gab sie am 17. März 1979 in Zürich1), wo sie seit dem Tod ihres Ehemannes lebte, und war seither als Musikpädagogin und Förderin des sängerischen Nachwuchses tätig. "Ihre rücksichtslose Härte gegenüber sich selbst forderte sie ebenso von ihren Schülern/Schülerinnen, zudem einen bedingungslosen Willen zur Klarheit der Artikulation, der Phrasierung und zur stimmlichen Perfektion. So sehr ihre Kurse gefürchtet waren, so begehrt waren andererseits die damit erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten. Sie unterrichtete in ihren Meisterklassen nahezu 500 Sänger und Sängerinnen. Zu ihren Schülern/Schülerinnen zählen unter anderem Thomas Hampson1), Christian Gerhaher1), Matthias Goerne1), Hans-Günther Dotzauer1), Georg Heckel1), Josephine Pilars de Pilar1), Linda Plech1), Simone Kermes1), Cornelius Hauptmann1), Annett Illig1) und Aga Mikolaj1)." notiert Wikipedia. Seit 1951 hatte die Künstlerin London1) zu ihrer zweiten Heimat gemacht, am 19. Oktober 1953 den berühmten Plattenproduzenten und "Klassikpapst" Walter Legge1) (1906 1979) im britischen Epsom1) geheiratet. Er war es, der mit seiner Ehefrau 1947 die ersten Plattenaufnahmen machte und ihr einen Exklusivertrag mit dem britischen Label "EMI" gabe; in seinen Erinnerungen "Gehörtes Ungehörtes Memoiren"3) ist folgendes nachzulesen: Nachdem sie in ihrem eigenen Repertoire gezeigt hatte, was sie mit einer Vielzahl von Arien aus Oper und Oratorium machen konnte, begann ich, mit ihr an einem sehr schwierigen Lied zu arbeiten, Hugo Wolfs1) "Wer rief dich denn?", Takt für Takt, Wort für Wort, Schattierung für Schattierung. Das Lied verlangt wechselnde Emotionen oft auf einer einzigen Silbe, einer Note gar: es war der Beginn einer Arbeit, wie wir sie fortan für die nächsten 29 Jahre betreiben sollten. Ich merkte nur zu rasch, dass ich in der Sängerin, mit diesem unerbittlichen Perfektionismus einen ebenbürtigen Partner gefunden hatte. Nach eineinhalb Stunden sagte der neben mir sitzende Herbert von Karajan1): "Ich gehe jetzt. Kreuzige das Mädchen nicht. Ich habe dir schon vor Wochen gesagt, dass sie vielleicht die beste Sängerin Europas ist.". Walter Legge erlag am 22. März 1979 im Alter von 73 Jahren im französischen Saint-Jean-Cap-Ferrat1) den Folgen eines Herzinfarktes.
Die Ausnahme-Sopranistin Elisabeth Schwarzkopf, die bis zuletzt zurückgezogen in ihrem Domizil in Österreich lebte, mit Maria Callas verglichen wurde und als eine der letzten großen Diven der Opernwelt galt, starb am 3. August 2006 im Alter von 90 Jahren im österreichischen Schruns1) (Vorarlberg1)). Die letzte Ruhe fand sie in einem Familiengrab an der Seite ihrer Eltern und ihres Ehemannes auf dem Friedhof der schweizerischen Gemeinde Zumikon1) nahe Zürich1); dort wohnte sie von 1982 bis 2003 → Foto der Grabstelle bei Wikimedia Commons, knerger.de. DER SPIEGEL (32/2006) notierte unter anderem anlässlich des Ablebens dieser unvergessenen Künstlerin: "Schmeicheln, girren, drohen oder nachdenklich erzählen konnte ihr Sopran wie kein anderer: Vor allem Vokale dehnte und hauchte die Sängerin, bis die Sprache, bei aller Verständlichkeit, restlos im Klang aufzugehen schien." Sie"hat im Mozart1)- und Strauss1)-Gesang Höchstes erreicht ich möchte das zuspitzen auf das Werk Strauss', in dem sie modellhafte Interpretationen hinterlassen hat, unerreicht sind ganz ohne Zweifel die "Vier letzten Lieder"1), die sie im Jahr 1953 in London aufgenommen hat, von dem unterschätzten Otto Ackermann1) begleitet.2) Der wichtigste Teil ihres schriftlicher Nachlasses sowie der ihres Ehemannes Walter Legge1) befindet sich im "Elisabeth Schwarzkopf-Museum" der "Schubertiade Vorarlberg"1) im österreichischen Hohenems1); das Museum wurde Mitte August 2011 in der "Villa Rosenthal" eröffnet → schubertiade.at, Foto des Gebäudes bei Wikimedia Commons. Die Künstlerin veröffentlichte gemeinsam mit ihrem Gatten Walter Legge das Erinnerungsbuch "On and Off the Record: A Memoir of Walter Legge", welches 1982 unter dem Titel "Gehörtes Ungehörtes Memoiren"" auch in deutscher Sprache erschien und zu dem Herbert von Karajan1) das Vorwort schrieb; bereits 1957 publizierten Roger Hauert, Bernard Gavoty1) und Arnold H. Eichmann die Biografie "Elisabeth Schwarzkopf". Von Alan Jefferson1), intimer Schwarzkopf-Kenner und langjähriger Freund von Walter Legge, erschien 1996 in Großbritannien die Biografie "Elisabeth Schwarzkopf", die später auch ins Deutsche übersetzt wurde. Der Autor beschreibt in dieser Biographie die Herkunft der Künstlerin, ihre Anfängerjahre als Solistin am "Deutschen Opernhaus Berlin", ihre Zeit an der "Wiener Staatsoper" und bei den "Salzburger Festspielen" und ermöglicht es so dem Leser, die Karriere der weltweit berühmten Diva nachzuvollziehen.4); eine Rezension des Journalisten und Buchautors Dieter David Scholz kann man hier nachlesen (Website von Dieter David Scholz). . In dieser umstrittenen Biografie greift Alan Jefferson auch Nazi-Vorwürfe gegen den Star auf; Behauptungen britischer Zeitungen, sie sei ein begeistertes Parteimitglied gewesen, wies die Künstlerin jedoch stets zurück. "Nur das, was für das Singen Bedeutung hatte, habe ich getan", sagte sie in einem filmischen Selbstporträt. Wikipedia (Stand: 25.06.2026) führt aus: "Seit der Behandlung des Themas in der Dissertation des österreichischen Historikers Oliver Rathkolb1) aus dem Jahr 1982 wurde in Medien und Fachliteratur wiederholt das Verhältnis der Sängerin zum Nationalsozialismus1) thematisiert. Es wurde kritisiert, dass Schwarzkopf sowohl in der unmittelbaren Nachkriegszeit wie in Konfrontation mit den Enthüllungen der 1980er und 1990er Jahre widersprüchliche Angaben machte und unter anderem ihre NSDAP1)-Mitgliedschaft zunächst leugnete und dann mit unterschiedlichen Erklärungen verteidigte. Nach einer Version sei sie beispielsweise nur auf Anraten ihres Vaters in die Partei eingetreten, der selbst zuvor wegen des Verbots einer Veranstaltung der Nationalsozialisten an seiner Schule seine Stellung als Direktor verloren habe. Kritiker warfen der Sängerin allerdings typische Verdrängungsmechanismen und rücksichtslosen Karrierismus in der NS-Zeit vor. Schwarzkopfs Biograph Alan Jefferson vertrat die Ansicht, Schwarzkopf sei die Geliebte von Hans Frank1) gewesen, des Generalgouverneurs im besetzten Polen1), und dass sie die zwölf Monate, die sie 19431944 ohne Bühnenauftritte verbrachte, weitgehend in seiner Gesellschaft verbrachte. In weiteren Veröffentlichungen wurde thematisiert, dass sie Gesangsauftritte auf Parteiveranstaltungen und während des Krieges vor Einheiten der Waffen-SS1) hatte. Verteidiger Schwarzkopfs argumentierten mit ihren Beteuerungen, immer strikt Kunst und Politik getrennt zu haben und selbst ein unpolitischer Mensch zu sein. Die FAZ1) resümierte in ihrem Nachruf vom 4. August 2006: "Daß sie die Fehltritte vertuscht hatte, auch, als die Sache ruchbar wurde, nicht freimütig eingestand, wurde ihr von manchen mehr zum Vorwurf gemacht als die Nutznießerschaft am NS-Kultursystem selber."" An weiteren Veröffentllichungen ist unter anderem zu nennen "Elisabeth Schwarzkopf. Vom Blumenmädchen zur Marschallin" (2007) von Kirsten Liese1) → Literatur bei Wikipedia.
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Siehe auch Wikipedia
(deutsch, mit Diskografie),
Wikipedia
(englisch), bayreuther-festspiele.de, deutsche-biographie.de, fembio.org sowie die Nachrufe bei welt.de, tagesspiegel.de, spiegel.de, dieterdavidscholz.de Fotos bei Wikimedia Commons Filmografie bei der Internet Movie Database |
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*) Stephan Hörner: "Schwarzkopf, Dame Olga Maria Elisabeth Friederike (britischer Adel 1992)"
in "Neue Deutsche Biographie 24" (2010. S. 2830) → online-Version: deutsche-biographie.de Fremde Links: 1) Wikipedia Quelle: 2) "Grosse Stimmen" von Jens Malte Fischer (Verlag J. B. Metzeler, Stuttgart 1993, S. 321ff) 3) "Gehörtes Ungehörtes Memoiren", München 1982 (deutschsprachige Fassung) 4) Zitat amazon-Redaktion |
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